Islamkritisches Frauenbild
Abdel Ourghi: Sexistisches Foul eines „modernen Islam-Reformers“

Der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel Hakim Ourghi hat eine Berufskollegin in einer persönlichen Zuschrift mit sexistischen Untertönen herabgewürdigt. Ourghi war bislang vor allem dadurch aufgefallen, dass er so genannten „Islamkritikern“ wiederholt bereitwillig als Kronzeuge für deren Behauptung zur Verfügung stand, Deutschland werde durch islamisch-konservative „Parallelgesellschaften“ gefährdet.

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Ein Kommentar von Christian Rogler

Bremen (nex) – Abdel Hakim Ourghi ist in der „islamkritischen“ Gemeinde Deutschlands und weit darüber hinaus schon fast eine kleine Berühmtheit, und darauf scheint er überaus stolz zu sein. Immerhin hat er sich diesen Ruhm auch hart erarbeitet. Er leitet die Abteilung für Islamische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

Er lässt kein Mikrofon aus und keine Gelegenheit verstreichen, sich durch deutsche Medien reichen zu lassen, um von dort aus den vermeintlich verderblichen Einfluss der „konservativen Islamverbände“ zu beklagen und die Muslime zur Selbstkritik und Hinterfragung ihrer religiösen Überzeugungen aufzufordern.

Während er den Muslimen Maßhalten bei der Artikulation ihrer Interessen in der Öffentlichkeit empfiehlt, tritt er selbst seinerseits überaus fordernd auf, wenn es darum geht, die Anpassung an „westliche Werte“ seitens in Deutschland lebender Muslime anzumahnen. Gegenüber der Mehrheitsgesellschaft und so genannten „Islamkritikern“ betätigt er sich gerne als Abschnittsbevollmächtigter und Kronzeuge – jüngst etwa gegenüber dem hardcore-atheistischen „humanistischen pressedienst“ (hpd), wo er vor einer (konservativ-islamischen) „Parallelgesellschaft“ warnt und der deutschen Politik Verfehlungen vorwirft, die eine „Weiterentwicklung des Islams zu einem modernen humanistischen und säkularen Islam“ verhinderten. Dieser sei nämlich nach seiner Überzeugung offenbar jener der Mehrheit, da die gängigen Islamverbände nur 20 Prozent aller Muslime organisierten. Warum dann kein „humanistischer“ Islamverband gegründet wird, der die restlichen 80 Prozent organisieren würde, lässt er dabei offen.

„Es gibt keine Islamophobie“

Wie es Assimiliationspolitiker und diverse Journalisten gerne hören, erklärt Abdel Hakim Ourghi, dass es eigentlich gar keine Islamophobie gäbe, sondern diese nur eine Erfindung darstelle, um „nicht nur den Islam im westlichen Kontext unangreifbar zu machen, sondern auch die Macht der konservativen Dachverbände zu stärken“. Leider dürfe man dies nicht sagen, weil „politische Korrektheit das Aussprechen unangenehmer Wahrheiten verhindert“. Nur ein solcher „moderner“ und „humanistischer“ Islam sei mit der säkularen Gesellschaft vereinbar – was mit den Leuten passieren soll, die einem solchen nicht angehören wollen, lässt er offen. Der Zuspruch, den er zu seinen Thesen nicht zuletzt im AfD- und Pegida-Publikum erhält, wirft unweigerlich die Frage auf, ob diesbezüglich eventuell sogar die eine oder andere Schrotflinten-Fantasie im Spiel sein könnte, wie sie kürzlich die Politikerinnen Frauke Petry und Beatrix von Storch artikuliert hatten.

In eigener Sache nimmt Ourghi es beim Kampf gegen „reaktionäre“ und „archaische“ Denkmuster übrigens nicht immer so ganz genau. Die Bremer Islamwissenschaftlerin Caroline Neumüller, ehemalige Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes e.V. und somit sicherlich nicht im Verdacht, einer allzu orthodoxen Auslegung der Religion das Wort zu reden, hatte lange die Äußerungen Ourghis auf dessen Facebookseite mitverfolgt und kommentiert.

Dass sie dabei wiederholt aus ihrer Sicht allzu holzschnittartige und unterkomplexe Betrachtungen des Kollegen zerpflückt hat und auch offenbart hat, wie viel Luft nach oben das religiöse Wissen seiner Anhängerschaft hat, hat ihr keine Freunde gemacht und am Ende hat Ourghi die unwillkommene Kritikerin ganz liberal vom weiteren Kommentieren auf seiner Pinnwand ausgeschlossen. Caroline Neumüller schreibt dazu in einer Stellungnahme auf Facebook:

„In den vergangenen sechs Monaten hat sich sein Profil zu einem Hetzlager von IslamgegnerInnen entwickelt. Musliminnen und Muslime dürfen sich daran beteiligen, solange sie dem Fanclub nach dem Munde reden und auch selbst den Islam und Muslime verteufeln. Wer als positiv verstehende(r) Muslimin, Muslim oder Islam-„Freund“ auftritt, dem wird alles Mögliche angehangen; der wird beleidigt, verhöhnt, belächelt und vorgeführt. Schlussendlich wird man von Herrn Ourghi noch einmal vorgeführt und dann gelöscht, blockiert etc. Selbst seine eigenen StudentInnen blockiert er mittlerweile. Er, der ständig von Selbstkritik schreibt (jedoch nicht bei sich selbst anwendet), angeblich jeden Menschen respektiert (was er nicht tut), sich als Muslim arabischer Herkunft als etwas Höheres und Besseres als Türken und Konvertiten sieht (wir haben das schriftlich), kann nicht als leuchtendes Beispiel und Vorbild für Muslime verstanden werden. Wenn man nicht nach seiner Pfeife tanzt und ihn nicht hofiert oder anbetet, der bekommt von ihm die Quittung. Er beleidigt ständig Leute, die ihm nicht nach dem Munde reden. Dafür hofiert er diejenigen, die ihm Honig um den Bart streichen, obwohl das mit Respekt, Achtung, Akzeptanz und einem guten Gewissen nichts mehr zu tun hat.“

„Carolein“, „Schätzchen“ (?), „Ab in die Küche“

Damit nicht genug, scheint er auch die Beiträge Neumüllers auf ihrer persönlichen Wall mit großem Interesse weiterzuverfolgen und am heutigen Dienstag fühlte er sich sogar veranlasst, an das „liebe Schwesterchen Carolein“ mittels einer persönlichen Nachricht, deren Inhalt dem Nachrichtenxpress zugespielt wurde, heranzutreten. In stark verbesserungsfähigem Deutsch erklärte er unter anderem, „öffizielle Stellen“ (sic!) hätten ihm mitgeteilt, dass Caroline Neumüller „inzwischen nur lächerlich“ sei.

„Gebe zu : Du bist nur neidig, mein Carolein“, formulierte der Islamwissenschaftler in distanzarmer Weise weiter, und ging sogar noch weiter: „Ich betrachte deine Kommentare als Hass-liebe. Manchmal denke ich, dass du wirklich psychisch krank bist oder du bist mit deinem Leben unzufrieden. Kümmere dich endlich um deine deinen Sohn und deinen Ehemann oder schreibe lieber endlich etwas Besseres, damit du berühmt wirst. Strenge dich an! Schätzen.“

Ob das „Schätzen“ am Ende eine Aufforderung oder eine übergriffige Anrede („Schätzchen“) darstellen soll, ist aus dem Zusammenhang nicht eindeutig zu erkennen. Für einen „fortschrittlichen westlichen Geist“, der gerne das Frauenbild des Islam angreift und sich in der Öffentlichkeit als besonders „emanzipatorisch“ präsentiert, erscheinen die Untertöne dieses Schreibens jedenfalls als durchaus sexistisch. Hätte ein Vertreter der „konservativ-orthodoxen“ Islamverbände in einer solchen Situation in ähnlicher Weise durch die Blume eine Kritikerin dazu aufgefordert, doch bitte „zurück in die Küche“ zu gehen, wäre dies ohne Zweifel auf breiter Ebene skandalisiert worden. So aber bleibt die Frage offen, ob es nicht in Wahrheit die selbst ernannten „Progressiven“ sind, deren Frauenbild noch wesentlich problematischer ist als das traditionelle.

Caroline Neumüller hat auf ihrer Facebook-Pinnwand das Treiben Abdel Hakim Ourghis öffentlich gemacht und angesichts der beleidigenden Nachricht an ihre Person bemerkt:

„Mittlerweile gibt es keine privaten Nettigkeiten mehr, da Herr Ourghi sich entschlossen hat aus welchen Gründen auch immer einen Kampf anzufangen, den es sich eigentlich nicht zu kämpfen lohnt. Es hebt nur die Unsicherheit hervor. Das Kartenhaus hat angefangen zu wackeln.“

UPDATE 07.02.2016: Abdel Hakim Ourghi hat sich in einer neuerlichen Nachricht bei Caroline Neumüller für den Ton seiner Nachricht entschuldigt.

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