Wirtschaft
Asiatische Zentralbanken reagieren auf Iran-Krise

Der Konflikt, in dessen Zentrum Iran steht, stellt einen außergewöhnlich negativen Angebotsschock dar, mit gravierenden Folgen für einige Schwellenländer. Seitdem hat sich die Lage weiter verschlechtert.

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Von James Syme

Der Konflikt, in dessen Zentrum Iran steht, stellt einen außergewöhnlich negativen Angebotsschock dar, mit gravierenden Folgen für einige Schwellenländer. Seitdem hat sich die Lage weiter verschlechtert.

Die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus hat die Ölpreise zwischenzeitlich wieder auf über 120 US-Dollar je Barrel getrieben und den Schock weit über die Energiemärkte hinaus auf Währungen, Zinsmärkte und Wachstumserwartungen in ganz Asien ausgeweitet.

Inflation und Währungsdruck nehmen zu

Der zuvor beschriebene Übertragungsmechanismus ist nun deutlich erkennbar. Asien ist in hohem Maße von Energie aus dem Nahen Osten abhängig; die Region ist mit einer anhaltenden Störung der Energieversorgung konfrontiert, die faktisch wie eine Wachstumsbremse wirken würde.

Höhere Kraftstoff- und Transportkosten schlagen sich rasch in der Gesamtinflation nieder, schwächen die Leistungsbilanzen und setzen die Währungen anhaltend unter Druck. Politische Entscheidungsträger müssen zunehmend einen Ausgleich zwischen nachlassendem Wachstum und der Notwendigkeit finden, die Inflation einzudämmen und die außenwirtschaftliche Stabilität zu wahren – in einem ohnehin schwierigen globalen geldpolitischen Umfeld.

Die Devisen- und Anleihemärkte reagierten als Erste. Seit der Eskalation des Konflikts haben die indische Rupie, die indonesische Rupiah und der philippinische Peso an Wert verloren.

Die Optionsmärkte preisen mittlerweile nennenswerte Wahrscheinlichkeiten für weitere Abwertungen in den nächsten drei Monaten ein, was darauf hindeutet, dass Anleger ohne klare Deeskalation nur mit begrenzter kurzfristiger Entlastung rechnen. Zugleich deuten die Anleihemärkte trotz nachlassender Wachstumsdynamik auf restriktivere Finanzierungsbedingungen hin.

Zentralbanken greifen ein

Die offiziellen Reaktionen unterstreichen das Ausmaß des Schocks. Die Reserve Bank of India hat eine spezielle Dollar-Swap-Fazilität für Ölraffinerien eingerichtet, ihre Spot-FX-Interventionen* verstärkt und den Offshore-Derivatehandel eingeschränkt. Zugleich räumte sie ein, dass die Wachstumsrisiken inzwischen nach unten gerichtet sind.

Die Bank Indonesia hat ihre Interventionen sowohl am Onshore- als auch am Offshore-Markt verstärkt und zugleich die Vorschriften für Dollarkäufe verschärft, um Kapitalabflüsse einzudämmen.

Die philippinische Zentralbank hat eine Reihe von Leitzinserhöhungen signalisiert, um die Inflation trotz nachlassender Konjunktur einzudämmen, während Thailand seine Wachstumsprognosen deutlich gesenkt hat, da sich die Inflationserwartungen nach oben verschoben haben. In der gesamten Region haben multilaterale Institutionen ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigiert und ihre Inflationsprognosen angehoben.

Aktienmärkte haben die neue Realität noch nicht vollständig eingepreist

Die Aktienmärkte haben diese Realität noch nicht angemessen eingepreist. Die Bewertungen an mehreren asiatischen Märkten unterstellen weiterhin ein relativ stabiles Gewinnwachstum, wobei der Margendruck durch höhere Inputkosten, eine schwächere Binnennachfrage oder restriktivere Finanzierungsbedingungen bislang nur begrenzt berücksichtigt wird.

Wir gehen davon aus, dass anhaltende Terms-of-Trade-Schocks in energieimportierenden Volkswirtschaften in der Regel erst mit einer gewissen Verzögerung auf die Profitabilität der Unternehmen durchschlagen, insbesondere dort, wo sich Währungen anpassen und der fiskalische Spielraum begrenzt ist.

Wir sind der Ansicht, dass die Devisen- und Anleihemärkte den Aktienmärkten bei der Einpreisung der Folgen der Störung in der Straße von Hormus voraus. Vor diesem Hintergrund bleiben wir in Indien deutlich untergewichtet, haben kein Engagement in den Philippinen und in Thailand und sind in Korea und Taiwan weiterhin untergewichtet, obwohl wir dort in erheblichem Umfang in weltweit führende Halbleiterunternehmen investiert sind.

Unsere Portfolioausrichtung bleibt darauf fokussiert, die am stärksten exponierten Energieimporteure zu meiden und Märkte zu bevorzugen, die außenwirtschaftlich robuster aufgestellt sind, stärker gegen wirtschaftspolitische Zwänge abgeschirmt sind oder direkt von höheren Energiepreisen profitieren. Wir bleiben deutlich übergewichtet in Brasilien, Mexiko und China.

 


James Syme, Senior-Fondsmanager bei J O Hambro

 


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