Energiepolitik
Die Türkei prüft den Bau von vier neuen Atomkraftwerken

Die Türkei steht vor einer gewaltigen Herausforderung in ihrer Energiepolitik und reagiert darauf mit einer massiven Expansion ihrer nuklearen Kapazitäten.

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Ankara – Die Türkei steht vor einer gewaltigen Herausforderung in ihrer Energiepolitik und reagiert darauf mit einer massiven Expansion ihrer nuklearen Kapazitäten. Wie Energieminister Alparslan Bayraktar am 18. März 2026 bestätigte, prüft die Regierung derzeit den Bau von vier neuen Kernkraftwerken.

Hierzu führt das Land intensive Gespräche mit einer Reihe internationaler Partner, darunter Südkorea, Kanada, China und Russland. Im Zentrum der strategischen Verhandlungen stehen dabei insbesondere die Standorte in den Regionen Sinop und Thrakien.

Hintergrund dieser ambitionierten Pläne ist ein Energiehunger, der unter den OECD-Staaten seinesgleichen sucht. In den vergangenen zwei Jahrzehnten verzeichnete die Türkei das schnellste Wachstum des Energienachfragebedarfs innerhalb dieser Staatengruppe.

Getrieben durch eine rasante Industrialisierung und ein stetiges Bevölkerungswachstum erreichte der Strombedarf im Jahr 2024 mit 342 TWh einen historischen Höchststand. Vor allem die zunehmenden Hitzewellen und der damit verbundene Einsatz von Klimaanlagen führten in den Sommermonaten immer wieder zu neuen Rekorden beim Spitzenverbrauch. Experten prognostizieren, dass dieser Trend anhält: Bis 2030 wird ein Bedarf von etwa 400 TWh erwartet, der bis 2035 auf über 500 TWh ansteigen könnte.

Um diese Last zu bewältigen und gleichzeitig die Abhängigkeit von teuren fossilen Importen zu verringern, setzt Ankara auf einen hybriden Weg aus erneuerbaren Energien und Kernkraft. Zwar verzeichnete die Solarenergie zuletzt einen beeindruckenden Aufschwung und deckte im Jahr 2024 bereits 32 % des Zuwachses bei der Stromerzeugung ab, doch die Grundlastfähigkeit bleibt das Kernproblem.

Aktuell ist das Land noch stark von importierter Kohle und Gas abhängig – ein Zustand, den die Regierung bis 2035 drastisch ändern will, indem der Anteil fossiler Brennstoffe an der Stromerzeugung auf unter 20 % gesenkt wird.

In diesem Kontext ist die nukleare Expansion alternativlos. Während das erste Kernkraftwerk in Akkuyu, das in Kooperation mit dem russischen Unternehmen Rosatom entsteht, kurz vor der Fertigstellung steht und künftig 10 % des nationalen Bedarfs decken soll, bilden die Projekte in Sinop und Thrakien die nächste Stufe. Die Türkei strebt dabei nicht nur den reinen Bau an, sondern legt größten Wert auf den Technologietransfer und die Einbindung der lokalen Industrie, um langfristig autark agieren zu können. Ziel ist es, bis zum Jahr 2050 eine nukleare Gesamtkapazität von 20 Gigawatt im Netz zu haben.

Interessanterweise hat sich die Türkei trotz des hohen Eigenbedarfs bereits im Jahr 2024 zu einem Netto-Exporteur von Elektrizität entwickelt, was die verbesserte Infrastruktur und die Effizienz der neuen Anlagen unterstreicht. Parallel dazu investiert das Land massiv in Energieeffizienz mit dem Ziel, den Primärenergieverbrauch bis 2030 um 16 % zu senken. Die Kombination aus massiven Wind- und Solarkapazitäten – mit einem Ziel von 120 GW bis 2035 – und der stabilen Kernkraft soll die Türkei endgültig zum regionalen Energie-Hub und einem Vorreiter der grünen Transformation im Mittelmeerraum machen.

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