Journalismus
Palästina: Zum Jahrestag der Ermordung von Shireen Abu Akleh

Heute, am 11. Mai 2026, jährt sich die Ermordung der palästinensisch-amerikanischen Al-Jazeera-Journalistin Shireen Abu Akleh durch israelische Soldaten

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Ramallah/Washington – Heute, am 11. Mai 2026, jährt sich die Ermordung der palästinensisch-amerikanischen Al-Jazeera-Journalistin Shireen Abu Akleh durch israelische Soldaten zum vierten Mal.

Sie wurde im besetzten Westjordanland erschossen, während sie als Journalistin deutlich erkennbar war. Vier Jahre später hat niemand Rechenschaft abgelegt — und Israels Tötungen von Journalisten in Gaza haben seitdem eine neue Dimension erreicht: über 300 Medienschaffende wurden getötet.

Was am 11. Mai 2022 geschah

Abu Akleh, 51 Jahre alt, berichtete für Al Jazeera über eine israelische Militäroperation im Flüchtlingslager Jenin im besetzten Westjordanland. Sie trug einen Helm und eine Schutzweste mit der Aufschrift „Press“. Ein Schuss traf sie in den Kopf. Ihr Produzent Ali al-Samoudi wurde ebenfalls verwundet. Videoaufnahmen zeigten, wie sie zu Boden sank — Kollegen versuchten ihr zu helfen, während weiter geschossen wurde.

Die israelischen Streitkräfte bestritten zunächst jede Verantwortung und beschuldigten palästinensische Bewaffnete. Unabhängige Untersuchungen von AP, CNN, der New York Times, der Washington Post, Bellingcat und Forensic Architecture kamen übereinstimmend zu dem Schluss, dass sie von einem IDF-Soldaten getötet wurde.

Mehrere dieser Untersuchungen gingen noch weiter und stellten fest, dass sie gezielt ins Visier genommen wurde. Im September 2022 räumte die IDF ein, dass es „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ israelisches Feuer war — lehnte aber strafrechtliche Konsequenzen ab.

FBI ermittelt — und schweigt

Im November 2022 eröffnete das FBI auf Druck von Abu Aklehs Familie und Kongressmitgliedern eine eigene Untersuchung. Seitdem: Stille. Das Committee to Protect Journalists (CPJ) wandte sich am heutigen Jahrestag in einem Brief an das US-Justizministerium und FBI-Chef Kash Patel und forderte die Wiedereröffnung der Untersuchung.

„Dieser beunruhigende Mangel an konkreten Fortschritten — vier Jahre nach Abu Aklehs Tod — stellt ein tiefes Versagen der US-Regierung dar“, schrieb das CPJ.

Abu Aklehs Familie erklärte, sie sei „zutiefst enttäuscht über den Mangel an konkreten Maßnahmen“ sowohl der Biden- als auch der Trump-Administration. Die Familie warnte: „Straflosigkeit sendet eine gefährliche Botschaft: Journalisten können ins Visier genommen werden, ohne dass jemand zur Rechenschaft gezogen wird.“

Erschwerend kommt hinzu, dass mehrere US-Beamte, die an der Untersuchung des Außenministeriums beteiligt waren, dem 2022 veröffentlichten Befund — israelisches Feuer sei „wahrscheinlich“ verantwortlich — intern widersprachen und glaubten, die Tötung sei absichtlich gewesen, wie die New York Times im Oktober 2025 berichtete.

„Ich wollte sein wie Shireen“

Nour Abo Aisha, eine junge Al-Jazeera-Journalistin aus Gaza, erinnert sich, wie sie als Kind auf Shireen Abu Aklehs Stimme gewartet hat. „Ich erinnere mich nicht an eine Zeit in meiner Kindheit, in der ich ihre Stimme nicht gehört hätte“, schrieb sie in einem Kommentar.

Als zwölfjähriges Mädchen habe sie während des Gaza-Kriegs 2014 täglich vor dem Fernseher auf Shireens Nachrichten gewartet. „Kommt ein Waffenstillstand? Steht Israel unter Druck, das Bombardement zu stoppen?“
Abu Aklehs Ermordung im Jahr 2022 veränderte etwas in ihr.

„Ich erkannte, dass Journalismus unsere gegenwärtige Wahrheit verteidigt. Ich wollte nicht nur schreiben — ich wollte berichten, Zeuge sein. Ich wollte sein wie Shireen.“

Abo Aisha überlebte mehrere israelische Angriffe, wurde mit ihrer Familie mehrfach zur Flucht gezwungen und begann, über die Ereignisse im Norden Gazas zu schreiben. „Shireen hat uns die Botschaft hinterlassen: Journalist zu sein bedeutet, die Stimme zu erheben — auch wenn die Welt nicht zuhören will.“

Gaza: Über 300 Journalisten getötet

Abu Aklehs Ermordung erwies sich als Vorbote. Seit dem 7. Oktober 2023 hat Israel nach UN-Angaben nahezu 300 Tötungen von Journalisten in Gaza dokumentiert — die tatsächliche Zahl liegt nach Schätzungen von Pressefreiheitsorganisationen bei über 300. Das macht den aktuellen Gaza-Krieg zum tödlichsten Konflikt für Journalisten in der jüngeren Geschichte.

Zum Weltpressefreiheitstag am 3. Mai bezeichnete UN-Menschenrechtshochkommissar Volker Türk Gaza als „Todesfalle für die Medien“. Allein seit Januar 2026 wurden mindestens 14 weitere Journalisten getötet. Trotz eines formellen Waffenstillstands gehen die Tötungen von Medienschaffenden weiter — darunter Al-Jazeera-Korrespondent Mohammed Wishah, der im April 2026 getötet wurde.

Das International Press Institute (IPI) erklärte: „In den vier Jahren seit Shireens Ermordung hat die eklatante Straflosigkeit Journalisten überall auf der Welt in Gefahr gebracht. Das Versagen der internationalen Gemeinschaft, Israel zur Rechenschaft zu ziehen, hat Angriffe auf Journalisten weiter begünstigt.“

Weltweit gilt: Nur etwa jeder zehnte Todesfall eines Journalisten in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat zu einer vollständigen strafrechtlichen Verfolgung geführt. Die UNESCO beziffert die globale Straflosigkeitsrate bei Tötungen von Journalisten auf 85 Prozent — eine Zahl, die sich seit mehr als zehn Jahren nicht verändert hat.

 


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