Palästina
Westjordanland: Noch immer ein getötetes Kind pro Woche

Während die Welt auf Gaza schaut, sterben Kinder im Westjordanland still und weitgehend unbemerkt.

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Jerusalem – Während die Welt auf Gaza schaut, sterben Kinder im Westjordanland still und weitgehend unbemerkt.

Seit dem 7. Oktober 2023 wurden im Gazastreifen nach UN-Angaben mindestens 21.289 Kinder getötet — eine Zahl, die das Ausmaß des Leids kaum fassbar macht. Doch auch abseits von Gaza sterben palästinensische Kinder. Seit Januar 2025 wurde im besetzten Westjordanland und Ostjerusalem im Durchschnitt jede Woche mindestens ein Kind getötet.

Das teilte UNICEF-Sprecher James Elder am 12. Mai bei einer Pressekonferenz im Palais des Nations in Genf mit. Insgesamt 70 Kinder wurden in diesem Zeitraum getötet, 93 Prozent davon durch israelische Streitkräfte. Weitere 850 Kinder wurden verletzt — die meisten durch scharfe Munition.

UNICEF-Sprecher James Elder (Foto: Un News)

„Das sind keine Einzelfälle“

UNICEF-Sprecher Elder betonte, hinter den Zahlen stecke kein zufälliges Muster. „Das sind keine Einzelfälle — sie verweisen auf ein anhaltendes Muster schlimmster Verletzungen der Kinderrechte“, sagte er.

Dokumentierte Vorfälle umfassen Kinder, die erschossen, erstochen, geschlagen und mit Pfefferspray attackiert wurden. Siedlerangriffe hätten dabei ein historisches Ausmaß erreicht:

Laut dem UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten OCHA verzeichnete der März 2026 die höchste Zahl durch Siedler verletzter Palästinenser in den vergangenen 20 Jahren — und die Angriffe würden zunehmend koordinierter.

Häuser, Schulen, Wasser

Was sich im Westjordanland abspielt, geht über direkte Gewalt hinaus. Elder schilderte einen systematischen Abbau der Lebensbedingungen von Kindern. Häuser werden abgerissen — allein in den ersten vier Monaten 2026 wurden mehr als 2.500 Palästinenser vertrieben, darunter 1.100 Kinder.

Damit wurde die Gesamtzahl der Vertriebenen aus dem gesamten Jahr 2025 bereits übertroffen.

Elder berichtete von Ezzaldin, acht Jahre alt: Als Siedler sein Dorf angriffen, schlief der Junge draußen — das Haus seiner Familie war zwei Monate zuvor abgerissen worden. Er wurde mit einem Holzstück geschlagen und musste wegen Kopfverletzungen ins Krankenhaus. Seine Mutter brach sich beide Arme, als sie versuchte, ihr vier Monate altes Baby zu schützen, indem sie ihre Arme zwischen das Kind und den Knüppel des Angreifers hielt.

Auch Schulen stehen unter anhaltendem Druck. 2026 wurden bereits 99 bildungsbezogene Vorfälle dokumentiert — darunter die Tötung, Verletzung und Inhaftierung von Schülern, der Abriss von Schulgebäuden und die Verweigerung des Zugangs.

Elder begleitete die zwölfjährige Roa’a durch ihre von Siedlern und israelischen Streitkräften zerstörte Schule — ein Ort, an dem sie in wenigen Monaten ihre Grundschulabschlussfeier hätte begehen sollen. Inmitten der Trümmer stellte das Mädchen eine Frage, die Elder nicht loslässt: „Als ich sah, wie meine Schule zerstört wurde, überwältigte mich ein schweres Gefühl, und ich fragte mich: Warum wurde unsere Schule abgerissen?“

347 Kinder in Militärhaft

Parallel zur physischen Gewalt steigt die Zahl inhaftierter Kinder. Aktuell befinden sich 347 palästinensische Kinder aus dem Westjordanland in israelischer Militärhaft — der höchste Stand seit acht Jahren. Mehr als die Hälfte davon, 180 Kinder, werden in Administrativhaft gehalten — ohne die erforderlichen Verfahrensgarantien, ohne regelmäßigen Zugang zu einem Rechtsbeistand und ohne das Recht, die Inhaftierung anzufechten.

In 2026 wurden zudem mehr als 60 Wasser- und Sanitäranlagen beschädigt oder zerstört, darunter Pipelines, Bewässerungssysteme und Wassertanks. Der Zugang zu sauberem Wasser, ohnehin fragil, wird damit weiter eingeschränkt.

UNICEF fordert sofortiges Handeln

UNICEF rief die israelischen Behörden auf, „sofortige und entschlossene Maßnahmen“ zu ergreifen, um weitere Tötungen und Verletzungen palästinensischer Kinder zu verhindern und deren Häuser, Schulen und den Zugang zu Wasser zu schützen — in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht.

Israel als Besatzungsmacht trage rechtliche Verpflichtungen gegenüber der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten, betonte die Organisation. Zudem appellierte UNICEF an Mitgliedstaaten mit Einfluss, ihren Hebel zu nutzen, um die Einhaltung des Völkerrechts sicherzustellen.

 

 


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