Vatikan
Papst Leo verleiht iranischem Botschafter „höchsten Orden“

Inmitten des offenen Konflikts mit Donald Trump verleiht Papst Leo XIV. dem iranischen Botschafter die höchste diplomatische Auszeichnung des Vatikans

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Vatikan – Es ist eine Geste mit großer Symbolkraft: Inmitten des offenen Konflikts mit US-Präsident Donald Trump hat Papst Leo XIV. dem iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl, Ayatollah Mohammad Hossein Mokhtari, den Päpstlichen Orden Pius IX. verliehen — die höchste diplomatische Auszeichnung des Vatikans.

Die Urkunde trägt laut vorliegenden Berichten die Unterschrift von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und ernennt Mokhtari zum Ritter des Großkreuzes des Ordens.

Ein Papst im Clinch mit dem US-Präsidenten

Leo XIV. — bürgerlicher Name Robert Prevost, der erste in den USA geborene Papst in der zweitausendjährigen Geschichte der katholischen Kirche — hat seit seiner Wahl im Mai 2025 einen unübersehbaren Konfrontationskurs mit der Trump-Administration eingeschlagen.

Der Konflikt entzündete sich an drei zentralen Themen: Migration, der US-israelische Militäreinsatz gegen Iran und nukleare Rhetorik. Bereits im Oktober 2025 kritisierte Leo die Migrationspolitik der Trump-Regierung als „unmenschlich“ — der erste öffentliche Riss.

Im Frühjahr 2026 verurteilte er die gemeinsame Militäroperation der USA und Israels gegen Iran, die unter dem Codenamen „Operation Epic Fury“ lief, scharf und sprach vom „Wahn der Allmacht“ der Mächtigen. „Gott segnet keinen Krieg“, erklärte er. Trumps Drohung, die iranische Zivilisation zu vernichten, nannte Leo „absolut inakzeptabel“.

Trump schlug zurück. Am 4. Mai warf er dem Papst in einer Radiosendung vor, dem Iran beim Erwerb von Atomwaffen wohlgesonnen zu sein. „Ich denke, er gefährdet viele Katholiken und viele Menschen“, sagte Trump. Leo antwortete ohne Umschweife: „Die Mission der Kirche ist es, das Evangelium zu verkünden und Frieden zu predigen. Wenn jemand mich dafür kritisieren möchte, soll er die Wahrheit sagen.“

Der Konflikt gipfelte, als Trump auf seinen Social-Media-Kanälen ein KI-generiertes Bild von sich selbst in einer Christus-ähnlichen Pose verbreitete. Das Bild löste weltweit Blasphemie-Vorwürfe aus und wurde kurz darauf gelöscht. Vizepräsident JD Vance forderte derweil, der Vatikan solle sich „auf moralische Fragen beschränken“ und sich aus der Geopolitik heraushalten.

Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni, sonst enge Verbündete Trumps, stellte sich schützend vor den Papst. Am 7. Mai reiste Außenminister Marco Rubio nach Rom — mehr als zwei Stunden dauerte das Gespräch mit Leo und Kardinal Parolin im Apostolischen Palast. Der Vatikan bezeichnete die Unterredung als „herzlich“, betonte aber gleichzeitig die Notwendigkeit, „unermüdlich für Frieden zu arbeiten“.

Eine Einladung Trumps in die USA lehnte Leo ab. Stattdessen reiste er nach Lampedusa — der Mittelmeerinsel, auf der täglich Flüchtlinge ankommen.

„Keine Angst vor Trump“

Leo selbst ließ keinen Zweifel an seiner Haltung. Auf Reisen erklärte er, er habe „keine Angst vor der Trump-Administration“ und werde die Friedensbotschaft des Evangeliums weiter verkünden.

Der Orden und sein Hintergrund

Der Orden Pius IX. — auf Italienisch „Ordine Piano“ — wurde 1847 von Papst Pius IX. gestiftet und zählt zu den höchsten Ritterorden des Vatikans. Er wird üblicherweise Botschaftern und herausragenden Persönlichkeiten verliehen, die zur Stärkung diplomatischer Beziehungen sowie zum Dienst an Frieden und Dialog beigetragen haben. Die Auszeichnung ist typischerweise Staatsoberhäuptern und hochrangigen Diplomaten vorbehalten.

Iranischer Botschafter schrieb Leo bereits im Juli 2025

Die Verleihung an Mokhtari ist das Ergebnis einer längeren diplomatischen Annäherung. Bereits im Juli 2025 hatte der Botschafter Papst Leo in einem persönlichen Brief direkt angeschrieben und ihn als globale moralische Autorität gebeten, sich gegen Drohungen der USA und Israels gegenüber dem iranischen Obersten Führer Ali Khamenei auszusprechen.

Mokhtari schrieb damals, solche Äußerungen seien nicht nur völkerrechtlich bedenklich, sondern trügen tiefgreifende religiöse Konsequenzen. „Derartige Angriffe gehen über Politik hinaus. Sie verletzen die Seele einer weltweiten religiösen Gemeinschaft“, schrieb er laut dem katholischen Nachrichtendienst Zenit.

Iranische Staatsmedien stellen die Ordensverleihung in einen direkten Zusammenhang mit Leos öffentlicher Kritik an den Militäreinsätzen gegen Iran sowie mit den Bemühungen der iranischen Botschaft, Botschaften von Frieden und Dialog zu fördern. Eine offizielle Stellungnahme des Vatikans zu den Beweggründen der Auszeichnung lag zunächst nicht vor.

 

 


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