Israel
Israels Armee droht zu kollabieren: Generalstab fordert sofort Soldaten

Israels Generalstabschef Zamir warnt das Parlament: Die Armee braucht sofort 15.000 Soldaten — und droht ohne Einberufungsgesetz zu kollabieren.

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Jerusalem – Es sind ungewöhnlich offene Worte für einen amtierenden Generalstabschef. Generalleutnant Eyal Zamir erschien am 10. Mai vor dem Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung der Knesset und richtete eine unmissverständliche Botschaft an die Parlamentarier:

„Ich beschäftige mich nicht mit politischen oder gesetzgeberischen Prozessen — ich führe einen Mehrfrontenkrieg und besiege den Feind. Um das weiter tun zu können, braucht die israelische Armee sofort mehr Soldaten.“

Die Sitzung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, doch die Kernaussagen gelangten umgehend in die israelische Presse.

Warnung seit Monaten ignoriert

Es war nicht das erste Mal, dass Zamir diesen Alarm schlug. Bereits im März hatte er dem Sicherheitskabinett unter Premier Benjamin Netanyahu mitgeteilt, die Armee werde „in sich zusammenbrechen“, wenn keine gesetzlichen Regelungen zur Einberufung und Reservedienstpflicht geschaffen würden.

„Ich hebe zehn rote Flaggen vor euch“, sagte er damals laut einem Bericht von Channel 13. „Derzeit braucht die Armee ein Einberufungsgesetz, ein Reservegesetz und ein Gesetz zur Verlängerung des Wehrdienstes. In nicht allzu langer Zeit wird die Armee nicht mehr für ihre Routineaufgaben bereit sein, und das Reservesystem wird nicht standhalten.“

Im Januar 2026 hatte Zamir bereits einen persönlichen Brief an Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz geschrieben — der Brief wurde später von Katz öffentlich gemacht — und darin vor einer ernsthaften Gefährdung der militärischen Einsatzbereitschaft noch im Laufe des Jahres 2026 gewarnt.
15.000 Soldaten fehlen

Armeesprecher Brigadegeneral Efi Defrin bezifferte den Bedarf konkret: Die israelischen Streitkräfte benötigten rund 15.000 zusätzliche Soldaten, darunter 7.000 bis 8.000 Kampftruppen. „Es ist unbedingt erforderlich, ein Einberufungsgesetz zu verabschieden“, sagte Defrin. Zamir selbst ergänzte, dass die Rekrutierung von Haredim keine Frage der Lastenteilung sei, sondern „eine Existenzfrage für die Armee“.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Die Pflichtdienstzeit wurde im August 2024 von 32 auf 30 Monate verkürzt. Zamir fordert eine Rückkehr zu 36 Monaten. Im Januar 2027 wird der erste Einberufungsjahrgang unter der verkürzten Dienstzeit entlassen — was die Personallage ohne gesetzliche Änderungen weiter verschärfen wird.

Der Haredi-Konflikt

Im Zentrum der Krise steht eine jahrzehntealte politische Auseinandersetzung: die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Juden, die Haredim. Sie machen rund 13 Prozent der israelischen Bevölkerung aus — etwa 1,3 Millionen Menschen — und sind bisher vom Militärdienst befreit, mit Verweis auf religiöses Torastudium.

Israelisches Recht schreibt für alle Staatsbürger über 18 Jahren den Wehrdienst vor, doch die Ausnahmeregelung für Haredim gilt seit Jahrzehnten.

Netanyahus Koalition ist auf die ultraorthodoxen Parteien Schas und Vereintes Tora-Judentum angewiesen. Nach Angaben israelischer Medien bat Netanyahu führende Haredi-Politiker zuletzt in einem privaten Treffen darum, ein Gesetz zur Befreiung von Jeschiwastudenten vom Wehrdienst bis nach den Wahlen 2026 zurückzustellen — offenbar weil die Koalition keine Mehrheit dafür hat. Kritiker werfen der Regierung vor, politisches Überleben über nationale Sicherheit zu stellen.

Scharfe Reaktionen im Parlament

Die Warnungen Zamirs lösten heftige politische Reaktionen aus. Der frühere Generalstabschef und Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot erklärte:

„Die politische Führung, die uns zum 7. Oktober geführt hat, erhält eine weitere Warnung. Eine Regierung, die während einer entscheidenden Phase für Israel die allgemeine Wehrpflicht verweigert, verdient es nicht, einen weiteren Tag im Amt zu bleiben.“

Aus den Reihen der regierenden Likud-Partei kamen gemischte Signale. MK Dan Illouz, der gegen das Haredi-Befreiungsgesetz ist, schrieb: „Man kann nicht Annexion, Siedlungsbau und totalen Sieg fordern und gleichzeitig die Armee wegen Soldatenmangels kollabieren lassen.“

Unterstützer des Koalitionskurses hingegen bezeichneten Zamirs Aussagen als „unverantwortlich“ und „beispiellos“.

Zamir selbst schloss seine Aussage vor dem Ausschuss mit einer unmissverständlichen Linie: „Ich werde nicht zulassen, dass die Armee zerschlagen wird.“

 


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