Von Kemal Bölge
Heute jährt sich der Todestag von Rauf Denktaş zum 13. Mal. Der langjährige Führer der zyperntürkischen Volksgruppe und erste Präsident der Türkischen Republik Nordzypern (TRNZ) starb am 13. Januar 2012 im Alter von 88 Jahren.
Für viele Zyperntürken bleibt er bis heute eine prägende Figur ihrer jüngeren Geschichte – ein Jurist, Stratege und politischer Kämpfer, der das Schicksal seiner Volksgruppe maßgeblich mitbestimmte.
Rauf Denktaş wurde am 27. Januar 1924 in der südzyprischen Stadt Baf (Paphos) geboren. Seine Kindheit war früh von Verlust geprägt: Bereits im Alter von eineinhalb Jahren verlor er seine Mutter. Sein Vater arbeitete während der britischen Kolonialzeit als Richter.
Die schulische Laufbahn führte Denktaş zunächst nach Istanbul, später an ein britisches Gymnasium auf Zypern, wo er 1941 das Abitur ablegte. Es folgte ein Jurastudium in Großbritannien, das er 1947 erfolgreich abschloss.
Zurück in seiner Heimat arbeitete Denktaş zunächst als Rechtsanwalt, bevor er zum Staatsanwalt ernannt wurde. Seine juristische Expertise blieb auch der britischen Kolonialverwaltung nicht verborgen: 1956 wurde er Generalstaatsanwalt. Doch mit dem Aufflammen der Gewalt auf der Insel änderte sich sein Lebensweg grundlegend.
Nach den Angriffen der zyperngriechischen Untergrundorganisation EOKA legte Denktaş sein Amt nieder und organisierte gemeinsam mit Weggefährten den Widerstand der zyperntürkischen Bevölkerung.
Türk Mukavemet Teşkilatı
Er wurde Gründungsmitglied der zyperntürkischen Widerstandsbewegung Türk Mukavemet Teşkilatı (TMT) und fungierte als Vermittler zwischen führenden Persönlichkeiten der Volksgruppe, darunter Dr. Fazıl Küçük und Faiz Kaymak.

Ab 1958 eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Volksgruppen weiter. Denktaş beteiligte sich an den Verhandlungen, die in die Verträge von Zürich und London sowie in die Verfassung der Republik Zypern mündeten. Als erfahrener Jurist und rhetorisch versierter Verhandler galt er schon damals als unbequemer, aber respektierter Gesprächspartner auf internationalem Parkett.
Eine zentrale Rolle spielte Denktaş auch in den frühen Jahren der Republik Zypern. Er schlug dem damaligen türkischen Außenminister Fatin Rüştü Zorlu die Entsendung eines 650 Mann starken türkischen Regiments vor, das am 16. August 1960 in der Hafenstadt Mağusa landete.
Mit den Massakern an der zyperntürkischen Zivilbevölkerung zu Weihnachten 1963 erreichte die Gewalt einen neuen Höhepunkt. Denktaş wandte sich an die türkische Regierung und kehrte unter lebensgefährlichen Umständen mit einem Ruderboot auf die Insel zurück, um den Widerstand gegen die EOKA zu organisieren, die den Anschluss Zyperns an Griechenland (Enosis) anstrebte.

Nach der Zypern-Konferenz 1964 in London verhängte Präsident Makarios ein Einreiseverbot gegen Denktaş. Dennoch gelangte er heimlich nach Erenköy, um an den Kämpfen teilzunehmen. 1967 wurde er von zyperngriechischen Sicherheitskräften festgenommen, jedoch auf massiven Druck Ankaras wieder freigelassen.
Ein Jahr später wurde das Einreiseverbot aufgehoben. 1973 wählte man ihn zunächst zum Parlamentspräsidenten, kurz darauf zum Vorsitzenden der zyperntürkischen Volksgruppe.
Nach dem Putsch griechischer Offiziere gegen Präsident Makarios im Jahr 1974 und der anschließenden Militärintervention der Türkei rief das Parlament der Zyperntürken am 13. Februar 1975 den Türkischen Bundesstaat Zypern aus.
Dieser sollte bis zu einer möglichen Wiederherstellung der Verfassung von 1960 bestehen. Als die Verhandlungen mit der zyperngriechischen Seite über Jahre ergebnislos blieben, proklamierte das Parlament am 15. November 1983 die Türkische Republik Nordzypern.
Rauf Denktaş wurde 1985 zum ersten Präsidenten der TRNZ gewählt und in den folgenden Jahren dreimal im Amt bestätigt. Zeit seines Lebens verstand er sich als Vorkämpfer für Recht, Gleichheit und Freiheit der zyperntürkischen Bevölkerung. Viele nannten ihn ehrfurchtsvoll und zugleich liebevoll „Babatürk“ – Vater der Türken. Für seine Anhänger war er ein „Fels in der Brandung“, für seine Kritiker eine polarisierende Figur.
13 Jahre nach seinem Tod bleibt Rauf Denktaş eine der zentralen Gestalten der Zypernfrage. Sein politisches Erbe prägt die Insel bis heute.
ZUM THEMA
– Zypernkonflikt –
1974: Die Zyperntürken und die türkische Militärintervention
Der 20. Juli 1974 markiert aus Sicht der Zyperntürken einen Wendepunkt. Sie waren es, die von 1963 bis 1974 gezwungen waren, in über die ganze Insel verstreuten Enklaven zu leben.
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