Zypernkonflikt
1974: Die Zyperntürken und die türkische Militärintervention

Der 20. Juli 1974 markiert aus Sicht der Zyperntürken einen Wendepunkt. Sie waren es, die von 1963 bis 1974 gezwungen waren, in über die ganze Insel verstreuten Enklaven zu leben.

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Ein Gastkommentar von Kemal Bölge

Der 20. Juli 1974 markiert aus Sicht der Zyperntürken einen Wendepunkt. Sie waren es, die von 1963 bis 1974 gezwungen waren, in über die ganze Insel verstreuten Enklaven zu leben. Die griechisch-zypriotische Untergrundorganisation EOKA machte regelrecht Jagd auf die Zyperntürken.

Ziel war der gewaltsame Anschluss Zyperns an Griechenland (Enosis). Die Zyperntürken galten als Hindernis, das es zu beseitigen galt. Zur Erinnerung: 1963 wurde die gemeinsame Republik Zypern aus Zyperntürken und Zyperngriechen gegründet. Drei Jahre später, 1963, initiierte Ex-Präsident Makarios einen Verfassungsputsch mit dem Ziel, die Zyperntürken zu entrechten.

Die zyperntürkischen Abgeordneten mussten das gemeinsame Parlament verlassen. 11 Jahre lang, bis 1974, mussten die Zyperntürken in Enklaven leben, weil zyperngriechische Extremisten ethnische Säuberungen durchführten. Wie rassistisch Erzbischof Makarios die Zyperntürken sah, zeigt folgende Aussage aus dem Jahr 1962:

„Solange diese kleine türkische Gemeinschaft, die einen Teil der türkischen Rasse, des schrecklichen Feindes des Hellenismus, bildet, nicht vertrieben ist, können die Pflichten der Helden der EOKA nicht als erfüllt betrachtet werden.“

Damit war Makarios nicht unumstritten, denn bis heute sehen viele Zyperngriechen und die politische Elite die zyperntürkische Volksgruppe nicht als gleichberechtigt an. Die Türkei ist neben Großbritannien und Griechenland Garantiemacht.

Die zyperngriechische Geschichtsschreibung beginnt erst 1974 und verschweigt die systematischen Massaker an den Zyperntürken, den Verfassungsputsch von 1963 und die Verfolgung der türkischen Volksgruppe. Immer wieder ist von einer „Wiedervereinigung“ die Rede, doch der Begriff spiegelt nicht die Realität wider.

Die türkische Regierung hatte unter Premierminister Bülent Ecevit entschieden, am 20. Juli 1974 türkische Truppen auf die Insel zu entsenden, um eine ethnische Säuberung durch die nationalistische Regierung zu verhindern, die infolge eines von Griechenland unterstützten Putsches gegen den zypriotischen Präsidenten, Erzbischof Makarios, an die Macht gekommen war.

Am 15. November 1983 rief das Parlament des Türkischen Föderativstaats (Kıbrıs Türk Federe Devleti) die Türkische Republik Nordzypern aus. Dem vorausgegangen waren jahrelange ergebnislose Verhandlungen mit dem griechischen Südteil der Insel.

2004 hat eine Mehrheit der türkischen Zyprioten dem Annan-Plan zugestimmt, eine große Mehrheit der griechischen Zyprioten hat ihn abgelehnt. Das Abstimmungsergebnis zeigt, wer eine politische Lösung der Zypernfrage will. Der größte Fehler der EU war es, den griechischen Süden in die EU aufzunehmen. Das Ziel der politischen Führung der Zyperngriechen ist es, die ganze Insel zu annektieren.

Für Nordzypern gibt es nur ein Ziel: die diplomatische Anerkennung durch die internationale Gemeinschaft. Der Zug für weitere Gespräche ist abgefahren, weil die gegenseitigen Vorstellungen zu weit auseinander liegen.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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