„Zero Waste“-Strategie
Türkei: Einwegplastik soll verboten werden

Die Türkei verbietet ab Ende 2026 Einweg-Plastikprodukte wie Besteck und Strohhalme. Die Maßnahme spart 1,5 Mrd. Lira und reduziert CO2-Emissionen massiv.

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Ankara – Die Türkei bereitet ein umfassendes Verbot zahlreicher Einweg-Plastikprodukte vor, um die Umweltverschmutzung zu reduzieren und Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen.

Die entsprechende Verordnung des Ministeriums für Umwelt, Urbanisierung und Klimawandel soll bis Ende 2026 in Kraft treten. Grundlage hierfür sind die im vergangenen Jahr veröffentlichte „Nationale Strategie und der Aktionsplan für die kreislauforientierte Wirtschaft 2025-2028“ sowie die Roadmap für Einwegkunststoffe, Meeresabfälle und Mikroplastik.

Das Verbot umfasst den Verkauf und Vertrieb häufig genutzter Artikel wie Gabeln, Messer, Löffel, Essstäbchen, Teller, Strohhalme, Getränkebecher, Rührstäbchen und Wattestäbchen mit Kunststoffschaft.

Ebenfalls betroffen sind Lebensmittelbehälter und Getränkebecher aus expandiertem Polystyrol (EPS), bekannt als Styropor. Als Ersatz werden umweltfreundliche Alternativen aus Glas, Porzellan, Holz und Karton gefördert.

Wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen

Die Maßnahme ist Teil der nationalen „Zero Waste“-Strategie unter dem Depozito-Managementsystem. Schätzungen zufolge können durch das Verbot jährlich Emissionen von rund 1,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent vermieden werden. Zudem sollen etwa 1,5 Milliarden Türkische Lira an Abfallmanagementkosten eingespart werden.

Daten des Türkischen Statistikinstituts (TÜİK) belegen die Dringlichkeit: Im Jahr 2022 wurden in der Türkei insgesamt 709.348 Tonnen Einweg-Plastikprodukte verbraucht. Darunter befanden sich 155.935 Tonnen Plastikflaschen, 120.000 Tonnen Becher, 63.000 Tonnen Lebensmittelbehälter, 32.406 Tonnen Besteck, 25.584 Tonnen Teller, 10.234 Tonnen Strohhalme, 5.117 Tonnen Rührstäbchen und 2.858 Tonnen Wattestäbchen. Der Verbrauch stieg in den Folgejahren weiter an.

Anpassung an internationale Standards

Die Neuregelung orientiert sich an der EU-Richtlinie über Einwegkunststoffe von 2019. Damit gleicht die Türkei ihre Umweltpolitik an europäische Standards an.

Länder wie Frankreich, Deutschland und Spanien haben bereits ähnliche Restriktionen umgesetzt. Während Deutschland die Vorgaben fast vollständig in nationales Recht überführte, fordern sie Berichte von Herstellern und unterstützen Projekte über einen Einwegkunststofffonds. Spanien führte zusätzlich eine Steuer auf Kunststoffverpackungen pro Kilogramm ein.

Die Niederlande begannen 2023 mit Gebühren und schafften Produkte 2024 schrittweise ab. Irland plant Steuern auf Becher („Latte Levy“) und Verbote für Feuchttücher. Italien setzt auf Ausnahmen für kompostierbare Kunststoffe nach EN 13432, und Griechenland verbot Einwegprodukte bereits im öffentlichen Dienst. Estland, Lettland, Polen, Slowenien und Finnland befinden sich im Umsetzungsprozess.

In einem weiteren Schritt plant das Ministerium in der Türkei Maßnahmen zur Reduzierung von Bechern und Behältern, die teilweise aus Kunststoff bestehen, sowie Einschränkungen für größen- und gewichtsunabhängige Versandtaschen, Feuchttücher und Reinigungstücher.

Breite Unterstützung in der Bevölkerung

Eine Untersuchung des Ministeriums und TÜİK zeigt einen starken Rückhalt. 77,65 % der Befragten befürworten eine Reduzierung von Einwegkunststoffen im Alltag (9,99 % lehnen dies ab). 72,52 % unterstützen den Kauf von weniger Einwegplastik (11,68 % lehnen dies ab).

Während 76,40 % die Einschränkung von Produkten wie Strohhalmen und Besteck als nützlich empfinden, unterstützen 60,02 % ein vollständiges Verbot. Zudem gaben 78,71 % an, bei Verboten auf Papier oder Holz auszuweichen, während 80,12 % die Nutzung von Mehrwegoptionen wie Metall oder Keramik befürworten. Der Verordnungsentwurf wird in den kommenden Wochen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Branchenvertretern final abgestimmt.

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