Hasbara
Enthüllung: Israelische Armee betrieb geheime Propagandakanäle — getarnt als unabhängige Faktenprüfer

Israelische Soldaten und Journalisten enthüllen: Die Pressestelle der IDF betrieb verdeckte Medienkanäle die sich als neutrale Faktenprüfer ausgaben

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Tel Aviv/Jerusalem – Israelische Soldaten und Militärkorrespondenten haben gegenüber den Investigativmagazinen +972 Magazine und The Hottest Place in Hell enthüllt, dass die Pressestelle der israelischen Armee während des Gaza-Krieges eine verdeckte psychologische Operationskampagne betrieb — mit dem Ziel, die öffentliche Meinung im In- und Ausland zu formen.

Kern der Operation: englischsprachige WhatsApp-, YouTube- und Instagram-Kanäle unter dem Namen „Fact Check“, die als neutrale, gemeinnützige Medien- oder Bildungsinitiativen auftraten. In Wirklichkeit wurden sie laut der Untersuchung direkt von der Pressestelle der israelischen Armee erstellt und betrieben.

Ein an der Produktion beteiligter Soldat erklärte: „Alles wurde innerhalb unserer Einheit erstellt“ — und diente klar der Verbreitung der israelischen Staatsnarrative.

Die Inhalte der Kanäle verteidigten Israel gegen Vorwürfe des Völkermords und der Kriegsverbrechen, wiesen Anklagen vor dem Internationalen Gerichtshof zurück und behaupteten unter anderem, Palästinenser seien die eigentlichen „Kolonisatoren“.

Influencer als Verstärker

Obwohl die als neutral getarnten „Fact Check“-Kanäle direkt kaum Reichweite erzielten, nutzte die Armee einen wirkungsvolleren Weg:

Dutzende israelische und pro-israelische Persönlichkeiten — darunter Noa Tishby und Sarai Givaty sowie Vertreter jüdischer Gemeinden im Ausland — wurden demnach eingesetzt, um vom Militär koordinierte Inhalte über WhatsApp, YouTube und Instagram zu verbreiten. Damit erreichte die Operation Millionen von Zuschauern.

Das „Atrocities Video“

Die Untersuchung zeigt auch, dass die Pressestelle intensiv in die Aufbereitung und Verbreitung von Videomaterial des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 eingebunden war.

Soldaten sammelten und schnitten große Mengen visuellen Materials — darunter von Hamas-Kämpfern selbst aufgenommene Aufnahmen — für eine maximale Verbreitung in sozialen Medien.

Das Ergebnis war das 47-minütige Kompilationsvideo „Bearing Witness to the October 7 Massacre“, in Israel als „Atrocities Video“ bekannt. Laut Zeugenaussagen wurde es als Teil der breiteren Propagandakampagne eingesetzt. Ein Soldat beschrieb den Prozess als eine Art Social-Media-Werbekampagne: entscheidend sei gewesen, was die meiste Aufmerksamkeit erzielen würde.

Belohnung und Bestrafung

Ehemalige Soldaten und Journalisten beschrieben zudem ein Mediensystem, das auf selektivem Zugang und Einschüchterung basierte. Eine ausgewählte Gruppe israelischer Berichterstatter in einer sogenannten „Korrespondentenzelle“ erhielt exklusive Briefings, Pressekonferenzen, Sonder-Hotlines und besondere Veranstaltungen. Kritischere Journalisten hingegen wurden ausgegrenzt, marginalisiert oder von Informationen abgeschnitten.

Ein Journalist beschrieb gegenüber den Ermittlern klare Hierarchien innerhalb der privilegierten Gruppe — weniger kritische Reporter wurden besser behandelt. Ein leitender Korrespondent fasste den Ansatz der Pressestelle als „Zuckerbrot und Peitsche“ zusammen: Wer die Armee kritisiere, werde bestraft.

Yaniv Kubovich, Militärkorrespondent der israelischen Zeitung Haaretz, wird in dem Bericht mit den Worten zitiert, das primäre Ziel der Einheit sei nicht die Bereitstellung korrekter Informationen gewesen, sondern die Verhinderung von Veröffentlichungen:

„Ich bin mit allem, was ich hatte, auf sie zugegangen — aber sie konzentrierten sich ausschließlich darauf, mich dazu zu bringen, die Geschichte fallen zu lassen.“

Kubovich fügte hinzu:

„Nach dem 7. Oktober tut die IDF alles, um Berichte zu unterdrücken, die Versagen, ethische Probleme oder Führungsmängel aufdecken — anstatt zu untersuchen, was wirklich passiert ist. In diesem Sinne ist sie zur selben Arroganz wie zuvor zurückgekehrt: der Überzeugung, dass niemand sie durch die Presse kritisieren kann.“

Darüber hinaus stellte die Untersuchung fest, dass die Pressestelle gezielt Informationen an Lieblingsreporter durchsickern ließ, während andere ausgesperrt wurden. Auf diese Weise konnte die Einheit nicht nur beeinflussen, was veröffentlicht wurde — sondern auch Medienorganisationen belohnen, die bereit waren, sich an der Linie der Armee zu orientieren.

 


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