VW-Werk Türkei
Türkischer Industrieminister Varank: VW wird verlieren, nicht die Türkei

Die Entscheidung des deutschen Auto-Riesen gegen das geplante Werk in der Türkei, hatte politische Gründe, so der türkische Industrieminister Varank am Sonntag.

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Ankara – Die Entscheidung des deutschen Auto-Riesen gegen das geplante Werk in der Türkei, hatte politische Gründe, so der türkische Industrieminister Varank am Sonntag.

„Wir wussten, dass es einige Leute gibt, die dies [Investitionen in der Türkei] politisch nicht wollen“, sagte Varan in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Anadolu.

Der türkische Minister betonte, dass globale Marken keine politischen Entscheidungen treffen sollten: „Wenn dieses Unternehmen der Öffentlichkeit zugänglich ist, betrügt man eigentlich seinen Investor, indem man Entscheidungen trifft, die auf politischem Druck statt auf Profitabilität basieren.“

„In diesem Fall wird Volkswagen verlieren, nicht die Türkei. Denn sie haben zugegeben, dass sie ihre Investoren mit politischen Entscheidungen hintergangen und nicht wirtschaftlich entschieden haben“, so Varank. Die Türkei sei eine wichtige Wirtschaft und man lege Wert auf globale Investoren, erklärte Varank.

Im Juli hatte VW angekündigt, wegen der Corona-Krise die Pläne für ein Werk in der Türkei aufzugeben.

„Hintergrund ist der durch die Coronakrise erfolgte Einbruch der globalen Automobilnachfrage“, teilte das Unternehmen mit.

Trotz heftigem politischen Widerstand in Deutschland und Brüssel gründete VW Anfang Oktober das Unternehmen Volkswagen Türkei Otomotiv Sanayi ve Ticaret A.S. mit einem Kapital von 943,5 Millionen türkischen Lira (164,5 Millionen Dollar).

Der deutsche Automobilhersteller plante, voraussichtlich mehr als eine Milliarde Euro in das Werk zu investieren und 2022 die Produktion aufzunehmen. Bereits im August mahnten deutsche Kritiker der türkischen Regierung VW, sich für die Türkei zu entscheiden. Eine Vergabe des neuen Werks an die Türkei sei nicht „mit der Menschenrechtslage in dem Land vereinbar“.

Volkswagen stärke mit der Standortauswahl „das autokratische Regime von Erdogan“ und sende zugleich ein „verheerendes Signal“ an den Mitbewerber Bulgarien, so EU-Politikerin Viola von Cramon-Taubadel, niedersächsische Grünen-Abgeordnete gegenüberVW werde „angesichts der aktuellen instabilen und höchst kritischen politischen Situation in der Türkei“ für das finanzielle Risiko eines solchen Investments möglicherweise noch „teuer bezahlen müssen“, warnte Cramon-Taubadel.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der gleichzeitig im VW-Aufsichtsrat sitzt, warnte jedoch bereits im August davor, „den Demokraten“ in der Türkei den Eindruck zu vermitteln, „wegen Präsident Erdogan das Land insgesamt in Acht und Bann zu legen“. „Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Demokraten in der Türkei dürfen nicht den Eindruck gewinnen, wir würden sie fallen lassen“, so Weil.

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