Syrienkonflikt
Turkmenen: „Aleppo erlebt eines der heftigsten Bombardements der Menschheitsgeschichte“

Die Situation um Aleppo spitzt sich zu. Betroffen sind auch die Turkmenen, eine auf knapp unter eine bis zu mehr als drei Millionen Mitglieder geschätzte Volksgruppe, die vor allem im Westen Syriens angesiedelt ist. Organisiert sind die Turkmenen in der Syrischen Turkmenische Volksversammlung. Diese hat zur Lage in Aleppo eine außerordentliche Versammlung des Vorstandes einberufen. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Emin Bozoglan gab am 30.11. 2016 in seinem Büro in Ankara folgende Presseerklärung heraus:

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Syrische Volksversammlung der Turkmenen

Liebe Pressemitarbeiter,

Seit dem 15. November erlebt das belagerte Aleppo, welches nicht einmal humanitäre Hilfsmittel erreichen können, eines der heftigsten Bombardements und höchsten zivilen Verlusten der Menschheitsgeschichte. 

Am vergangenen Freitag, den 25. November, starteten das Regime und seine Verbündeten  eine großangelegte Bodenoffensive mit heftigen Bombardements. Seit dem 15. November führten das Regime und seine Verbündete 2.000 Luftangriffe und 7.000 Artillerieangriffe aus. Bei diesen heftigen Angriffen wurden 600 Menschen getötet und 2.000 verletzt .

Die Mehrheit davon sind Zivilisten. Die vorrangigen Ziele dieser heftigen Bombardements waren wieder einmal die turkmenischen Gebiete. In der alttürkischen Stadt Aleppo wurden die turkmenischen Viertel Bostan Pascha, Hulluk, Hayderiye, Sheikh Feris, Sheikh Hidr und Baydin dem Erdboden gleichgemacht. 

Die Arsenale der turkmenischen Brigaden vor Ort, Muntasir Billah undSultan Mehmet Fatih, wurden beschossen, wobei viele turkmenische Helden ihr Leben verloren. Als ob diese Angriffe, die auf die Existenz der Turkmenen abzielen, nicht reichten, infiltrierten Einheiten der YPG/PYD turkmenische Viertel. 

Ein Teil der Zivilisten ist im Gebiet der Bombenhagel stecken geblieben. Ein Großteil jedoch konnte unter dem Schutz der Muntasir Billah Brigade und der Fatih Sultan Mehmet Brigade zu den von Rebellen gehaltenen Vierteln Meschhed, Sukkeri, Salhin, Firdews uns Schaar fliehen. Seit Beginn des Krieges in Syrien wurden die Turkmenen in Homs, Damaskus, Aleppo, Bayirbucak (Turkmenen-Berge), Rakka und Tal Abyad gezielt verfolgt.

Es gibt keinen Ort, der nicht von einer Kugel, einer Bombe erreicht wurde. In Homs, das 2013 einer ethnischen Säuberung ausgesetzt worden war, befinden sich sechs turkmenische Dörfer unter Belagerung und brauchen dringend humanitäre Hilfe. Bayir Bucak (Turkmenen-Berge) wurde im November 2015 vollkommen geräumt. Zur Zeit befinden sich nur in fünf Dörfern unsere Soldaten. 

Die Turkmenen bei Tal Abyad in Rakka sind der Unterdrückung der PYD/YPG ausgesetzt. Und nun wird die alttürkische Stadt Aleppo dem Erdboden gleichgemacht. Vor den Augen der Welt stribt Aleppo. Eine großartige Geschichte, eine große Zivilisation werden für Kriegstreiber geopfert. 

Die Geschichte ist Zeuge, dass nicht Aleppo, sondern die Menschlichkeit stirbt. Als syrische Turkmenen haben wir seit 2011 in unserer Heimat Syrien als Resultat der Verfolgungen, Unterdrückungen, Kriegsverbrechen und ethnischen Säuberungen 35.000 Leben beerdigt. Und wir beerdigen sie immer noch. Wir wurden aus unserer tausendjährigen Heimat vertrieben, und werden es immer noch. 

Trotz allem verteidigen wir uns und werden weiterhin Widerstand leisten, so lange wir noch atmen. Damit wir weiterhin Widerstand leisten können, ist es von essenzieller Bedeutung, dass unsere Soldaten und Zivilisten im belagerten Aleppo aus der Region sicher befreit werden. Wir erneuern unseren Aufruf und fordern, dass ein echter Waffenstillstand und ein echter humanitärer Korridor in Aleppo ausgerufen wird! 

Wir versprechen, dass wir unter allen Umständen früher oder später wieder zu unserer Heimat zurückkehren und nie aufgeben werden, für unsere Freiheit und unsere Würde zu kämpfen. 


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