Israel-Kritik
US-Journalistin Ana Kasparian: Ich traue den Israelis nicht

Die bekannte US-Journalistin und Co-Moderatorin des progressiven Nachrichtenformats The Young Turks (TYT), Ana Kasparian, sorgt erneut mit scharfer Kritik an der israelischen Führung für Aufsehen.

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New York / London – Die bekannte US-Journalistin und Co-Moderatorin des progressiven Nachrichtenformats The Young Turks (TYT), Ana Kasparian, sorgt erneut mit scharfer Kritik an der israelischen Führung für Aufsehen.

In einem emotionalen Interview mit dem in London ansässigen Nachrichtenportal Middle East Eye (MEE) sprach sie offen über die persönlichen Konsequenzen und Einschüchterungsversuche, denen sie ausgesetzt sei, seit sie sich kritisch zur israelischen Kriegsführung im Gazastreifen äußert.

Dabei fand Kasparian drastische Worte gegenüber den Akteuren vor Ort und deren Einfluss auf die US-Politik:

„Ich traue den Israelis nicht. Sie können sich verpissen (They can f** off*). Ich bin Amerikanerin. Ich werde nicht zulassen, dass ein fremdes Land und seine kleinen Handlanger in Amerika mir Angst machen, meine Meinung über das zu sagen, was ich in Gaza sehe.“

Morddrohungen und Einschüchterungsversuche

In dem Interview-Format „Real Talk“ erklärte die Journalistin, dass die persönliche Belastung seit Beginn ihrer Berichterstattung massiv zugenommen habe. Neben dem Verlust von beruflichen Kooperationen und konkreten Morddrohungen berichtete Kasparian auch von gezielten Einschüchterungsversuchen aus dem Umfeld des israelischen Militärs.

Unter anderem seien ihr von israelischen Soldaten Fotos von Waffen zugeschickt worden, um sie zum Schweigen zu bringen. Davon wolle sie sich jedoch keinesfalls beugen oder einschüchtern lassen.

Kasparian kritisierte in diesem Zusammenhang auch die politische Landschaft in den USA. Sie warf Teilen der amerikanischen Medien- und Politiklandschaft vor, eine Debatte über die Realität im Nahen Osten systematisch zu unterdrücken. Der Druck auf Personen des öffentlichen Lebens, die das Vorgehen der israelischen Regierung hinterfragen, sei mittlerweile beispiellos.

„Die Linke liebt es zu verlieren“: Bereit für Allianzen mit Rechten

Ein zentraler und überraschender Aspekt des Interviews war Kasparians radikaler Appell für neue politische Allianzen. Die eigentlich tief im linken Lager verwurzelte Journalistin ging hart mit ihren eigenen politischen Weggefährten ins Gericht: „Die Linke liebt es zu verlieren. Sie können gar nicht genug davon bekommen“, kritisierte sie das strategische Versagen der US-Linken.

Kasparian warf dem Partei-Establishment von Demokraten und Republikanern gleichermaßen vor, die amerikanische Bevölkerung verraten zu haben. Konkret kritisierte sie die prominente linke Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez (AOC), die sich in der Gaza-Frage sogar von der ultra-rechten Republikanerin Marjorie Taylor Greene rechts überholen lasse.

Vor diesem Hintergrund betonte Kasparian, dass sie im Kampf gegen die US-Militärhilfe für Israel bereit sei, ideologische Gräben zu überspringen und eine Links-Rechts-Koalition einzugehen. Um „einen Völkermord zu stoppen“, sei sie gewillt, mit jedem zusammenzuarbeiten – völlig unabhängig von dessen sonstiger politischer Ausrichtung.

Kontinuität einer scharfen Kritikerin

Es ist nicht das erste Mal, dass Kasparian die israelische Regierung und den Zionismus frontal angreift. Sie gehört mittlerweile zu den profiliertesten journalistischen Stimmen in den USA, die die anhaltenden Militäraktionen im Nahen Osten scharf verurteilen.

Bereits in der Vergangenheit hatte sie Israel als „satanisch“ bezeichnet. In einem darauffolgenden Statement wies sie Antisemitismus-Vorwürfe vehement zurück und adressierte die israelische Öffentlichkeit direkt mit den Worten: „Ihr werdet nicht gehasst, weil ihr jüdisch seid. Ihr werdet gehasst, weil ihr unschuldige Menschen tötet.“

Ein globaler Wendepunkt der Wahrnehmung

Kasparians jüngste Aussagen reihen sich ein in eine weltweit wachsende Bewegung von Prominenten, Sportlern, Politikern und Gewerkschaftern, die angesichts der verheerenden zivilen Opferzahlen in Gaza, dem Libanon und der Region einen fundamentalen moralischen Protest gegen die Politik von Premierminister Benjamin Netanjahu formulieren. 

Dieser Protest zieht sich mittlerweile durch alle gesellschaftlichen Lager: In Hollywood brechen Stars wie Richard Gere das Schweigen und verurteilen das Leid der Zivilbevölkerung, während im Profisport Trainerikonen wie Pep Guardiola von der Ignoranz der Weltgemeinschaft sprechen.

Parallel dazu verschärft sich der diplomatische Druck innerhalb Europas, angeführt von Ländern wie Spanien, während transnationale Gewerkschaftsallianzen von Hafenarbeitern an der Basis ein faktisches Waffenembargo durchsetzen.

Die Schärfe, mit der Kasparian nun die Einflussnahme ausländischer Akteure in den USA anprangert, verdeutlicht, dass die Debatte längst eine neue Stufe erreicht hat. Die Kritik an der israelischen Führung ist kein reines Nischenthema mehr, sondern ein fundamentaler, globaler Konflikt um die Grenzen der Meinungs- und Pressefreiheit im Westen.

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