Bergkarabach-Krise
Armenier in Bergkarabach: Lieber verhungern wir!

Aserbaidschan hat sich bereit erklärt, die armenische Zone mit dem nötigsten zu versorgen und die Armenier wie aserbaidschanische Bürger zu behandeln.

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von Nabi Yücel

Aserbaidschan stellt seit vergangenem Dienstag auf der alternativen Aghdam-Khankendi Route eine Hilfslieferung für die armenischen Einwohner, in dem noch besetzt gehaltenen Gebiet von Bergkarabach bereit. Am Donnerstag reisten internationale Diplomaten und Journalisten an die Demarkationslinie, in der russische Truppenkontingente die Waffenruhe überwachen.

Hilfsmittel warten auf Durchfahrt

Rund 40 Tonnen Getreide stehen seit Dienstag bereit, um über die von russischen Truppenkontingenten überwachte Demarkationslinie in die armenische Besatzungszone in Bergkarabach überführt zu werden. Bislang konnten die Hilfslieferungen auf LKW´s des aserbaidschanischen Roten Halbmonds die Aghdam-Khankendi Route nicht nehmen, da die Genehmigung zur Durchfahrt von russischen Truppen blockiert wird. Bislang ist nicht bekannt, warum.

Humanitäre Katastrophe oder Kalkül der Separatisten

Seit mehreren Wochen halten die Spannungen zwischen Armenien und Aserbaidschan an. Die Separatisten der armenischen Besatzungszone in Bergkarabach geben vor, in Bergkarabach zu verhungern, da direkte Lebensmittellieferungen sowie Lieferungen von Hygieneartikel sowie Medikamenten aus Armenien über den Latschin-Korridor verhindert würden. Man spricht von einer humanitären Katastrophe, gar von einem schleichenden Völkermord.

Aserbaidschan erklärt hingegen, die Lieferungen könnten auch über die Aghdam-Khankendi Route erfolgen. Am vergangenen Mittwoch hatte ein russischer Hilfskonvoi versucht, über die Aghdam-Khankendi Route Hilfsgüter in die armenische Besatzungszone zu bringen, wurde aber von aufgebrachten Armeniern an der Demarkationslinie abgewiesen.

Denn, eine Freigabe der Straße zwischen Aghdam und Khankendi würde für die noch besetzt gehaltene Zone  bedeuten, die legitime Anerkennung des Gebiets als aserbaidschanisches Territorium und die Anerkennung dessen. Das wollen die armenischen Separatisten auf keinen Fall und riskieren damit wohlkalkuliert eine humanitäre Katastrophe.

Alternative Route wird kategorisch abgelehnt

Armenische Separatisten, die in der Besatzungszone seit dem Ende des zweiten Bergkarabach-Krieges im Jahre 2022 von Armenien abgeschnitten sind, pochen jedoch darauf, ungehinderten Zugang zum armenischen Mutterland zu bekommen und sich so selbst zu versorgen. Das Problem: Die Separatistenhochburg liegt mitten auf aserbaidschanischen Territorium. Aserbaidschan will nicht, dass Armenien sich in die inneren Angelegenheiten einmischt und die Separatistenhochburg so künstlich am Leben erhält. Armenien hat bislang selbst die sogenannte „Republik Arzach“, die nach dem ersten Bergkarabach-Krieg im Jahre 1992 ausgerufen wurde, nicht anerkannt.

„Lieber verhungern wir!“

Aserbaidschan blockiert daher seit dem 12. Dezember 2022 den direkten Weg zwischen dem besetzt gehaltenen Gebiet und Armenien, den Latschin-Korridor, lässt jedoch die kontrollierte Überführung von Kranken und Alten zu. Aus Gründen der Verhinderung illegaler Transporte militärischer Waffen und Ausrüstung in die Region, wird der Korridor von aserbaidschanischen Sicherheitskräften überwacht.

Aserbaidschan hat sich aber uneingeschränkt bereit erklärt, die armenische Zone mit dem nötigsten zu versorgen, die Versorgung mit Medikamenten sicherzustellen und die Armenier wie aserbaidschanische Bürger zu behandeln. Davon wollen die Armenier in der Besatzungszone jedoch nichts wissen. Sie wollen lieber verhungern, als Lavash [ungesäuertes Fladenbrot] aus aserbaidschanischem Mehl zu essen.

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