Menschenrechte
Resolution: Großbritannien erklärt Chinas Verfolgung der Uiguren zum Völkermord

Während sich muslimische Staaten gegenüber China und der Verfolgung der Uiguren dort weitgehend passiv verhalten, hat ein weiterer westlicher Staat die Behandlung der Minderheit im Nordwesten des Landes zum Völkermord erklärt. 

Teilen

London – Während sich muslimische Staaten gegenüber China und der Verfolgung der Uiguren dort weitgehend passiv verhalten, hat ein weiterer westlicher Staat die Behandlung der Minderheit im Nordwesten des Landes zum Völkermord erklärt.

Chinas Verfolgung der uigurischen Minderheit in Xinjiang ist in den letzten Jahren eskaliert und kommt nach Ansicht von Experten einem Völkermord gleich. Man geht davon aus, dass mehr als eine Million Menschen in Internierungslagern festgehalten werden, und es gibt immer mehr Beweise für Umerziehungsprogramme, Einschränkungen religiöser und kultureller Überzeugungen, Zwangsarbeitsprogramme, Massenüberwachung und Zwangssterilisation von Frauen. Auch Zwangsarbeit gehört zu den Vorwürfen. Trotzdem lassen Konzerne dort produzieren.

China streitet die Vorwürfe vehement ab

China streitet die Vorwürfe vehement ab und sagt, die Politik diene dazu, den Terrorismus zu bekämpfen und die Armut zu lindern. Offizielle Stellen weisen regelmäßig alle Berichte über Missstände als Erfindungen zurück.

„Alle fünf Kriterien des Völkermordes sind nachweislich gegeben

Nach einer Debatte am Donnerstag verabschiedete das Unterhaus ohne Gegenstimmen eine nicht bindende Resolution, die „massenhafte Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der uigurischen autonomen Region Xinjiang“ verurteilt.

„Die heutige Abstimmung muss einen Wendepunkt markieren. Niemand kann mehr das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen in der Region Xinjiang leugnen“, zitiert CNN die Labour-Abgeordnete Yasmin Qureshi, Mitglied der Inter-Parliamentary Alliance on China UK, der Interparlamentarischen Allianz Großbritanniens für China.

„Dass Großbritannien mit China tiefere Handelsbeziehungen anstrebt, während diese Übergriffe weitergehen, ist undenkbar.“

Bei der Vorstellung des Antrags am Donnerstag sagte die konservative Abgeordnete Nusrat Ghani, dass „wir den Begriff Völkermord zwar nie missbrauchen dürfen, aber auch nicht versäumen dürfen, ihn zu verwenden, wenn er gerechtfertigt ist.“

Die Regierung bestehe darauf, dass Völkermord nur von zuständigen Gerichten festgestellt werden könne, so Ghani, aber „jeder Weg zu einem Gericht wird von China blockiert.“

„Die Hände unserer Regierung sind gebunden, gelähmt durch die Vereinten Nationen. Wir müssen die Kontrolle zurückerobern“, sagte sie. „Unser Weg, den Völkermord zu bekämpfen, kann nicht von China kontrolliert werden.“

„Für viele wird das Wort für immer mit den Schrecken der Nazi-Konzentrationslager assoziiert werden, und ich stimme mit meinen Kollegen überein, dass wir niemals die einzigartige Bedeutung oder Kraft dieses Begriffs schmälern sollten, indem wir ihn falsch anwenden.“

„Aber es gibt ein Missverständnis, dass Völkermord nur ein Akt ist – Massentötung. Das ist falsch“, sagte sie. „Alle fünf Kriterien des Völkermordes sind in Xinjiang nachweislich gegeben.“

Im vergangenen Monat erklärten auch die USA Chinas Behandlung der Uiguren zum Völkermord, ebenso wie Kanada und die Niederlande.

Uiguren sind eine turksprachige Ethnie

Uiguren sind eine turksprachige Ethnie, die ihren Siedlungsschwerpunkt im Gebiet des ehemaligen Turkestans hat, insbesondere im heutigen chinesischen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang. Die Uiguren gehören nahezu alle der Glaubensgemeinschaft des Islam an.

 

Zum Thema

– Menschenrechtsverletzungen in China –
Malaysischer Politiker Anwar Ibrahim: Muslimische Regierungen fürchten China

Anwars Äußerungen gehören zu den bisher schärfsten eines führenden Politikers in der islamischen Welt, der die Misshandlungen der muslimischen Minderheiten in China verurteilt.

Malaysischer Politiker Anwar Ibrahim: Muslimische Regierungen fürchten China

Auch interessant

Fauda und die Macht der Narrative: Mattner über die Frage der Deutungshoheit

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Nachdem ich jetzt eine ganze Reihe von Einschätzungen zu Fauda gelesen habe, die mir überwiegend ziemlich emotional und auch ziemlich...

Gezielt auf Arztgespräche vorbereiten: AOK bietet neuen Patienten-Trainer

Berlin - Die AOK hat ihr Internet-Angebot um einen Patienten-Trainer für das Arztgespräch ergänzt. Er unterstützt Patientinnen und Patienten dabei, sich gezielt und strukturiert auf...

„Zionisten unerwünscht“: Israelin droht griechischer Bar mit Klage

Athen - Ein Schild mit der Aufschrift „Zionists Not Welcome“ („Zionisten nicht willkommen“) in einer Bar auf der griechischen Insel Lesbos sorgt für rechtliche...

After Election Victory in Berlin: Central Council of Jews Warns Against a Left-Wing Government

Berlin - Following the historic outcome of the Berlin state election on September 20, in which Die Linke emerged as the largest political force,...

Türkei entdeckt die Wirtschaftsmoral des Mittelalters neu

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Gewinn machen, aber nicht um jeden Preis: Die Türkei greift derzeit auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, die genau solche Regeln...

Headlines

Israel: Demonstranten fordern Todesstrafe für NAZA-Filmemacher

Tel Aviv - Aktivisten haben in der zentralisraelischen Stadt Savyon vor dem Haus der Eltern der Filmemacherin Rachel Szor...

Türkei entdeckt die Wirtschaftsmoral des Mittelalters neu

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Gewinn machen, aber nicht um jeden Preis: Die Türkei greift derzeit auf eine jahrhundertealte Tradition...

Bericht: Israel soll Türkei Aufteilung Syriens angeboten haben

Ankara - Israel soll der Türkei Berichten zufolge einen weitreichenden Deal zur Aufteilung von militärischen Einflusszonen in Syrien angeboten...

Von der Leyen will Kanada zum assoziierten EU-Mitglied machen

Brüssel - Die Europäische Union will ihre Beziehungen zu Kanada deutlich ausbauen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schlug am...

Meinung

„Zionisten unerwünscht“: Israelin droht griechischer Bar mit Klage

Athen - Ein Schild mit der Aufschrift „Zionists Not Welcome“ („Zionisten nicht willkommen“) in einer Bar auf der griechischen Insel Lesbos sorgt für rechtliche...

Irland: Sportler rufen zum Israel-Boykott auf

Dublin - Mehr als 160 irische Athletinnen und Athleten haben sich in einem offenen Brief an die irische Fußball-Nationalmannschaft der Männer gewandt. Sie fordern...

CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

Nabi Yücel Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye'nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay'ın ardından ve...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...