Alljährliche Scheindebatte
Wien: Angebliche Islamisierung trotz Nikolaus und Weihnachtsbaum

In der Tageszeitung „Österreich“ wird ein vollständig falsches Bild über eine Halbtagsschule wiedergegeben, in der Christkind und Nikolaus angeblich nicht willkommen seien, Schweinefleisch nicht erwünscht sei, die Kruzifixe abgehängt seien, besorgte Eltern angeblich angeben, dass diese dann aufgehängt würden, wenn eine Kontrolle angesagt ist.

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Wien (tp/nex) – Die alle Jahre wiederkehrende Debatte über die Unterwerfung vor dem Islam nimmt immer groteskere Formen an, auch in Österreich. Hier haben sich angeblich besorgte Wiener Eltern mit einem Brandbrief an OE24 gewendet, mit der Bitte, sie zu anonymisieren und über die mutmaßliche Islamisierung und Türkiisierung in einer Grundschule im Wiener Gemeindebezirk Floridsdorf zu berichten. Die OE24 tat es, aber die Wiener kontert nun zurück und wirft der OE24 vor, den Pressekodex zu verletzen.

Entgegen des heutigen Berichts in der Tageszeitung „Österreich“ sind Christkind und Nikolaus nicht nur prinzipiell an Wiens Schulen willkommen und somit Teil des schulischen Alltags, erklärt die Wiener Stadtverwaltung in einer Antwort an OE24, sondern die im Bericht genannten Vorwürfe gegenüber einer Schule in Wien-Floridsdorf würden ausnahmslos nicht stimmen.

Laut OE24 gebe es in dieser Schule generell seit Jahren ein Hausverbot für das Christkind und den Nikolaus. Dazu erklärt Wien, bisher habe der Elternverein, der üblicherweise an Wiener Volksschulen einen Nikolosauftritt organisiert, dies nicht getan, weil es schlichtweg nicht organisiert wurde. Sollte dieser organisiert werden, würde sich die Schule jedoch freuen, heißt es in der Erklärung zum OE24-Bericht. Der Elternverein der Volksschule organisiere jedoch eigene Nikolaussäcke für alle SchülerInnen, welche von den LehrerInnen ausgeteilt werden – es gebe und gab niemals ein „Hausverbot“ für den Nikolaus, unterstreicht die Stadt.

Die Stadt betont desweiteren, dass seit Jahren ein Christbaum im Eingangsbereich stehe, das Schulhaus überdies geschmückt sei – derzeit würden von den SchülerInnen gebastelte Nikoläuse unterschiedlichster Art in den Gängen hängen -, die Aula sei weihnachtlich geschmückt. Zum Schweinefleischverbot, die OE24 angibt, erklärt die Stadt Wien, dass diese Volksschule eine Halbtagsschule sei, daher der Vorwurf, dass es kein Schweinefleisch zum Essen gäbe nicht nachvollziehbar ist. Denn, die Schule biete kein Essen an.

OE24 berichtet, dass die „empörten“ Eltern kein Bild des Bundespräsidenten gesehen hätten, dieser in der Schule fehle, wogegen die Stadt erklärt, dass das Kruzifix entsprechend der gesetzlichen Vorgaben hierzu in einigen Klassenräumen hänge, wie auch das Bild des Bundespräsidenten vor der Direktion und neben dem Christbaum in der besagten Schule hängen würden. Es gebe pro öffentlicher Schule im Bereich der Pflichtschule nur ein Bild des Bundespräsidenten, welches zur Verfügung gestellt werde.

Auch die Verschleierung von Schülerinnen wird von einem „besorgten Vater“ zum Thema in der OE24. Die Verschleierung von Dutzenden Mädchen ab dem Alter von sieben Jahren sei in der Lehrerschaft keiner Diskussion wert. Dagegen erklärt die Stadt Wien, dass man mit den Eltern gesprochen habe und pädagogische Gespräche geführt werden, um zwei dieser Mädchen mit Kopftuch umzustimmen.

Die OE24 berichtet, dass die Abmeldungen vom Schwimm- und Turnunterricht aus religiösen Gründen Gang und Gebe wäre, obwohl es verpflichtend sei. Der Türkischunterricht werde widerum verpflichtend gestaltet, stellen angeblich erstaunte Eltern gegenüber OE24 fest. Es gibt keine Abmeldungen vom Turnunterricht, der Schwimmunterricht ist Teil des Pflichtgegenstandes, erklärt jedoch die Stadt Wien und fügt hinzu“ „Eine Abmeldung wäre gesetzlich gar nicht möglich.“

Den „verpflichtenden Türkischunterricht“ gebe es entgegen des OE24 nicht. Fakt sei viel mehr, dass die Schule eine Zuteilung von 11 Stunden für den integrativen muttersprachlichen Unterricht Türkisch für SchülerInnen mit Erstsprache Türkisch anbietet (Muttersprachenunterricht wird in Wien in 23 Sprachen angeboten und ist eine unverbindliche Übung). Der im Artikel abgebildete Auszug entstamme einem österreichischen Schulbuch ( „LILOS Lesewelt“), welches bundesweit auf der Schulbuchliste steht und daher auch vom Bildungsministerium angenommen worden ist – es wird an zahlreichen Schulen in Österreich verwendet.

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