Unruhen in Frankreich
Franzosen irritiert: „Wo bleibt unsere Spiegel-Ausgabe?“

Die geplante Arbeitsmarktreform der sozialistischen Regierung in Frankreich sorgt für Demonstrationen, Streiks und Gewalt. "Die Regierung hat es geschafft, ihre ganze Wählerschaft zu enttäuschen" sagte die Medienwissenschaftlerin Valérie .

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Paris (nex) – EU-Nachbar Frankreich und vor allem dessen Hauptstadt Paris befinden sich schon seit Wochen teilweise in einem Ausnahmezustand und der Grund hierfür sind nicht etwa Anschläge diverser Terrororganisationen, sondern friedliche Demos gegen die geplante Arbeistmarktreform der sozialistischen Regierung mit Premier Vals und dem Präsidenten Hollande, die dann aufgrund der brachialen Polizeigewalt gegen die Demonstranten eskaliert sind.

„Die Regierung hat es geschafft, ihre ganze Wählerschaft zu enttäuschen“ sagte die Medienwissenschaftlerin Valérie Robert im Deutschlandfunk. Die Protestbewegung „Nuit Debout“ werde nun sogar gezielt mit Polizeigewalt bekämpft.

„Die Polizisten sagen selbst, dass hier eine Strategie der Eskalation besteht. Damit solle normalen Bürgern Angst gemacht werden, zu demonstrieren“, so Robert weiter. Nach den Terroranschlägen im November seien durch den verhängten Notstand Freiheitsrechte eingeschränkt worden. Dies werde ausgenutzt, um gegen politische Gegner vorzugehen.

Die schockierenden Aufnahmen der brutalen Vorgehensweise der französischen Polizei gegen friedliche Demonstranten gingen im Internet um die Welt und sorgten für Empörung.

Überraschenderweise hielten sich Mainstreammedien in Deutschland mit ihren Live-Übertragungen der Geschehnisse in Frankreich sehr zurück und erwähnten es allenfalls als Randmeldung und für die Schwere der Ausschreitungen auffallend selten.

„Wenn wir hier in Deutschland vom Streik in Frankreich hören, dann neigen wir in Deutschland gelegentlich dazu, mit den Schultern zu zucken“, sagte etwa Deutschlandfunk-Redakteur Thielko Grieß in einem Gespräch mit der französischen Medienwissenschaftlerin Valérie Robert.

Auch immer mehr Franzosen scheint diese Gleichgültigkeit der Deutschen aufzufallen, wie man Reaktionen in sozialen Netzwerken entnehmen kann.

Où est-il, notre numéro spécial du SPIEGEL?

„Wo bleibt unsere SPIEGEL-Ausgabe?“, fragt etwa ein Jaques P.*

„Wo sind die deutschen Medien?“, wundert sich eine Antoinette K*.

Im Falle der Türkei hätte es 24-Stunden-Live-Übertragungen gegeben. Deutsche Politiker wären vor Ort gewesen und während der Demos sogar verletzt worden, so Jaques P. weiter.

Tatsächlich befand sich Grünen-Politikerin Claudia Roth während der Gezi-Ausschreitungen in Istanbul und wurde aufgrund eines Tränengas-Einsatzes der türkischen Polizei, dem auch sie ausgesetzt war, ärztlich behandelt.

(Foto: Screenshot/Aksam)
(Foto: Screenshot/Aksam)

 

Das SPIEGEL-Magazin veröffentlichte zum ersten Mal sogar eine zweisprachige Sonderausgabe, türkisch und deutsch, und titelte „BEUGE DICH NICHT“. Mittlerweile scheinen französische Aktivisten ein Konterfei der damaligen SPIEGEL-Sonderausgabe erstellt zu haben, welches in den Sozialen Netzwerken geteilt wird.

 


 

 

Unruhen in Frankreich

 

 

 

 

 

 

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