Zentralasien
Türkei wenig begeistert: Kasachstan-Zypern-Abkommen

Kasachstan und Zypern vertiefen ihre Beziehungen mit Abkommen, Direktflügen und Milliarden-Investitionen — ein Signal das Ankara unter Druck setzt.

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Astana/Nikosia – Es war ein Besuch mit starken Symbolwirkungen. Zyperns Präsident Nikos Christodoulides reiste am Mittwoch nach Astana, wo ihn sein kasachischer Amtskollege Kassym-Jomart Tokayev empfing.

Die beiden Staatschefs unterzeichneten Absichtserklärungen in den Bereichen Hochschulbildung, Kultur, Sport, Informationstechnologie, Cybersicherheit und E-Government. Tokayev verlieh Christodoulides den Dostyk-Orden erster Klasse — eine der höchsten staatlichen Auszeichnungen Kasachstans. Gleichzeitig wurde die Botschaft der Republik Zypern in Astana feierlich eröffnet. Für die meisten Beobachter klingt das nach gewöhnlicher Diplomatie. Für die Türkei ist es weit mehr als das.

Der Hintergrund: Ein heikles Thema

Zypern ist seit 1974 geteilt. In jenem Jahr marschierte die türkische Armee in den Norden der Insel ein — nach einem von Griechenland unterstützten Putsch und nach Massakern und Gewalttaten gegen die türkisch-zypriotische Bevölkerung.

1983 rief der Norden die Türkische Republik Nordzypern aus, die bis heute nur von der Türkei anerkannt wird. Die Republik Zypern hingegen ist seit 2004 EU-Mitglied und wird international als einzige legitime Regierung der Insel anerkannt — gestützt auf die UN-Sicherheitsratsresolutionen 541 (1983) und 550 (1984).

Jahrzehntelang hatte die Türkei erfolgreich verhindert, dass die zentralasiatischen Republiken offizielle diplomatische Vertreter bei der Republik Zypern akkreditierten. Doch seit Ende 2024 hat sich das geändert: Zwischen Dezember 2024 und März 2025 akkreditierten Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan jeweils diplomatische Vertreter in Nikosia. Kasachstan eröffnete sogar eine eigene Botschaft — die nun auch von zypriotischer Seite erwidert wurde.

EU-Investitionen als Hebel

Der Wandel kam nicht von ungefähr. Beim ersten historischen Gipfeltreffen zwischen der Europäischen Union und Zentralasien auf Ebene der Staats- und Regierungschefs Anfang April 2025 in Samarkand kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Investitionen von 12 Milliarden Euro in der Region an.

Die gemeinsame Abschlusserklärung des Gipfels enthielt eine klare Unterstützung für die beiden UN-Resolutionen zu Zypern — und verknüpfte künftige Zusammenarbeit ausdrücklich mit deren Einhaltung.

Die Botschaft war eindeutig: Wer von europäischen Investitionen profitieren will, stellt sich hinter die Republik Zypern. Die zentralasiatischen Republiken haben entsprechend gehandelt.

Erdoğans „Brudervölker“ wählen Brüssel

Für Ankara ist diese Entwicklung besonders schmerzhaft. Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan sind Mitglieder der Organisation Turkischer Staaten — einem von der Türkei angeführten Zusammenschluss turksprachiger Länder, dem die Türkische Republik Nordzypern seit 2022 als Beobachter angehört. Beim letzten OTS-Gipfel im November 2024 in Kirgisistan hatte Erdoğan die Mitgliedstaaten ausdrücklich aufgerufen, Nordzypern stärker zu unterstützen. Im vergangenen Jahr haben fünf dieser Mitgliedstaaten das Gegenteil getan.

Bereits im April 2025 hatten fünf zentralasiatische Republiken — Kasachstan, Kirgisistan, Turkmenistan, Tadschikistan und Usbekistan — ihre Unterstützung für die UN-Resolutionen erklärt und die Eröffnung von Botschaften in der Republik Zypern beschlossen. Gestern unterstrich Kasachstan diese Haltung mit dem Staatsbesuch und der feierlichen Botschaftseröffnung in Astana erneut. Griechische Medien sprachen von einer „diplomatischen Ohrfeige“ für Erdoğan. Die Botschaft an die türkische Öffentlichkeit: Länder, die formal mit der Türkei verbündet sind, hätten die Einheit der Türkischen Welt an Brüssel verkauft.

Keine offizielle Reaktion aus Ankara

Die türkischen Behörden haben sich bislang nicht offiziell zu dem gestrigen Besuch geäußert. Einzig der Transportminister der Türkischen Republik Nordzypern, Erhan Arıklı, erklärte in einem türkischen Fernsehinterview, er erwarte von der Türkei wirksame Gegenmaßnahmen. Wie Ankara auf die vertiefte Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und der Republik Zypern reagieren wird, bleibt abzuwarten.

Was der gestrige Besuch konkret brachte

Jenseits der geopolitischen Dimension war der Besuch auch wirtschaftlich substanziell. Mehr als 400 Unternehmen mit zypriotischem Kapital sind derzeit in Kasachstan tätig, die zypriotischen Investitionen im Land werden auf rund vier Milliarden Dollar geschätzt.

Air Astana nahm mit dem Besuch den Direktflugbetrieb zwischen Larnaca und Astana auf — Christodoulides reiste auf dem Eröffnungsflug an. Tokayev schlug die Schaffung eines bilateralen Fahrplans sowie zwischenstaatlicher und Wirtschaftsräte vor. Zypern positioniert sich dabei als Tor zum EU-Binnenmarkt mit 450 Millionen Verbrauchern.

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