ESC
Eurovision: Heimliche Millionen aus Israel

Recherche der New York Times enthüllt: Israel gab über eine Million Dollar aus um Eurovision-Abstimmungen zu beeinflussen — während Netanyahu persönlich zum Voten aufrief.

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Wien/Tel Aviv – Eine Untersuchung der New York Times ergab, dass Israels Bemühungen, die Abstimmung beim Eurovision Song Contest zu beeinflussen, umfassender waren und bereits Jahre früher begannen als bisher bekannt. 

Während der Eurovision Song Contest 2026 heute Abend in Wien mit dem ersten Halbfinale beginnt, überschattet ein handfester Skandal die Eröffnung.

Eine am Montag veröffentlichte Untersuchung der New York Times enthüllt, wie die israelische Regierung den größten Musikwettbewerb der Welt systematisch als außenpolitisches Werkzeug einsetzte — mit über einer Million Dollar, koordinierten Abstimmungskampagnen und direktem Druck auf europäische Rundfunkanstalten.

Mehr als eine Million Dollar für den ESC

Laut der NYT-Investigation gab Israel beim Eurovision-Wettbewerb 2024 in Malmö, Schweden, mehr als 800.000 Dollar für Werbung rund um den Wettbewerb aus. Das Geld stammte überwiegend aus dem israelischen Außenministerium.

Ein Posten im Budget von Netanyahus sogenanntem Hasbara-Büro — einer Regierungsstelle für Auslandskommunikation — war demnach ausdrücklich für „Wahlwerbung“ bestimmt.

Beim Wettbewerb 2025 in Basel eskalierte die Kampagne weiter. Israelische Botschaften koordinierten mehrsprachige Werbekampagnen, die Zuschauer aufforderten, bis zu 20 Mal für Israels Kandidatin Yuval Raphael abzustimmen — das damals erlaubte Maximum.

Netanyahu selbst postete auf Instagram eine Grafik mit der Aufforderung, alle 20 Stimmen für Raphael einzusetzen. Pro-Israel-Gruppen verbreiteten ähnliche Inhalte in ganz Europa.

Raphael gewann die Publikumswertung in mehreren Ländern, darunter Spanien — wo Umfragen gleichzeitig massive Kritik an Israels Kriegsführung in Gaza zeigten. Die NYT berechnete, dass in Spanien weniger als 500 koordinierte Wähler, die je 20 Mal abstimmten, ausgereicht hätten, um den ersten Platz zu sichern.

Israels Botschafter sprachen direkt mit Rundfunkanstalten

Die Untersuchung zeigt auch, dass israelische Botschafter in mindestens drei Ländern direkt mit nationalen Rundfunkanstalten Kontakt aufnahmen, um Israels Verbleib im Wettbewerb zu sichern.

Als ein israelischer Diplomat Islands öffentlich-rechtlichen Rundfunk wegen eines möglichen Boykotts kontaktierte, reagierte Senderchef Stefan Eiriksson verwundert: „Ich bin etwas überrascht, warum dies eine Angelegenheit ist, in die sich die Botschaft einmischt“, schrieb er zurück.

Auch Israels Staatspräsident Isaac Herzog soll das Thema laut NYT in Gesprächen mit Staatsoberhäuptern angesprochen haben. „Israels Stimme sollte überall gehört werden“, sagte er.

KAN erhält erneut formelle Verwarnung

Noch vor dem heutigen ersten Halbfinale hat die Europäische Rundfunkunion (EBU) den israelischen Sender KAN bereits offiziell verwarnt.

KAN hatte Videos in zwölf Sprachen veröffentlicht, in denen Zuschauer aufgefordert wurden, alle zehn verfügbaren Stimmen für Israels diesjährigen Kandidaten Noam Bettan abzugeben — ein klarer Verstoß gegen die neuen Regeln, die die EBU nach dem Skandal von 2025 eingeführt hatte. Die Videos wurden umgehend entfernt.

Bettan selbst hat sich nach eigenen Angaben bei Proben bereits auf Buhrufe vorbereitet. „Mein Team hat mich bei den Proben immer wieder angeschrien. Ich bin also vorbereitet“, sagte er gegenüber der Times of Israel.

Fünf Länder boykottieren

Island, Irland, die Niederlande, Spanien und Slowenien nehmen am diesjährigen Wettbewerb in Wien nicht teil — als direktes Ergebnis des Streits um Israels Teilnahme. Irlands Rundfunk RTÉ erklärte, eine Teilnahme sei „angesichts des erschreckenden Verlusts von Menschenleben in Gaza nicht vertretbar“. Die anderen Sender nannten ähnliche Begründungen.

Israel nimmt seit 1973 an Eurovision teil. Laut den Regeln des Wettbewerbs konkurrieren offiziell Rundfunkanstalten, nicht Regierungen. Dass Netanyahus Büro den Wettbewerb als Hasbara-Instrument behandelte, widerspricht diesem Prinzip direkt — und hat den angeblich unpolitischen Charakter des Wettbewerbs dauerhaft beschädigt.

 


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