Tarifverhandlungen
Experten beklagen wachsende Pensionslasten

Vor dem Hintergrund der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder mahnen Experten vor den Folgekosten.

Teilen

Osnabrück – Vor dem Hintergrund der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder mahnen Experten vor den Folgekosten. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen beklagte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ), die Ausgaben für die aktiven Beamten, Pensionen und Versorgungsleistungen beanspruchten einen immer größeren Anteil der Etats.

„Auf Länderebene gehen schon jetzt ein Zehntel der Ausgaben für die passiven Beamten drauf. Und dieser Anteil könnte sich bis zum Höhepunkt der Pensionswelle in den 2030er Jahren verdoppeln. Nimmt man dann noch die Schuldenbremse hinzu, bleibt immer weniger Spielraum für andere Ausgaben.“

Raffelhüschen schätzte zudem, bis zum Jahr 2050 werde der Staat auf allen Ebenen – also Bund, Länder und Kommunen – etwa 1,5 Billionen Euro für die Versorgung der Beamten ausgeben müssen. „Mehr als die drei Viertel davon entfällt auf Pensionen.“ Auch das sei eine Mahnung zur Vorsicht.

Raffelhüschen: Lehrer nicht mehr verbeamten

Der Wissenschaftler warf zugleich die Frage auf, „ob weiterhin so viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst verbeamtet werden müssen“. Er forderte, die Beamtenschaft müsse auf ein Minimalniveau gesenkt werden. Sparen könnte man nach seinen Worten vor allem bei Lehrern und Hochschullehrern, „die keineswegs Beamte sein müssen, sondern auch Angestellte sein können“.

Steuerzahlerbund: Beim Personal auf Klasse statt Masse setzen

Auch Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, warnte die Politik dringend vor dauerhaften Mehrausgaben. Solche Entscheidungen könnten sich nach seinen Worten bald bitter rächen. Aktuell profitiere der Staat zwar von niedrigen Zinsen und hohen Steuereinnahmen. Doch sei diese Situation nur zeitweilig, so Holznagel gegenüber der NOZ.

Vor allem Personalausgaben zehren nach Worten von Holznagel einen immer größeren Anteil der Steuereinnahmen auf. Er forderte deshalb: „Die Politik muss beim Personal auf Klasse statt Masse setzen.“ Die große Koalition tue aber genau das Gegenteil: „Seit 2014 hat sie fast 37.000 neue Stellen in der Bundesverwaltung geschaffen, oftmals ohne eingehende Prüfung, ob so viel Personal wirklich benötigt wird.“ Der Steuerzahlerbund rechnet zugleich vor, allein beim Bund seien Pensions- und Beihilfeverpflichtungen in Höhe von 688 Milliarden Euro aufgelaufen. 2011 habe diese Summe noch bei 440 Milliarden Euro gelegen.

Auch interessant

Langlebige Metallzäune aus Polen: Qualität und Funktionalität für Generationen

Ein moderner Zaun verbindet Ästhetik, Funktionalität und maximale Sicherheit für Ihr Zuhause. Erfahren Sie, warum langlebige Metallzäune aus Polen die ideale und kosteneffiziente Lösung...

Kindstötungen in Gaza: Muss die Bundesregierung angeklagt werden?

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Die Frage ergibt sich durch eine komplexe Gemengelage infolge des jetzt von der UN-Menschenrechtskommission mit der Bezeichnung A/HRC/62/CRP.2 veröffentlichten Bericht,...

Rente: Bofinger warnt vor Einbeziehung von Beamten

Berlin - Peter Bofinger, Mitglied der Rentenkommission, warnt vor einer Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung. "Das wäre eine massive Doppelbelastung für den...

Krah: Türkei ist strategischer Gamechanger jeder Europapolitik

Brüssel - Die innenpolitischen Nachwehen des hochrangigen EU-Staatsbesuchs in Ankara erreichen die deutsche Bundespolitik. Nachdem die neue Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik,...

Zweierlei Maß bei Menschenrechten: Warum die EU in Zypern ihre Glaubwürdigkeit verliert

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel   Das Berufungsgericht der international anerkannten Republik Zypern hat die Klage türkisch-zyprischer Eigentümer abgewiesen. Die Kläger verlangten rund 41 Millionen Euro...

Headlines

Krah: Türkei ist strategischer Gamechanger jeder Europapolitik

Brüssel - Die innenpolitischen Nachwehen des hochrangigen EU-Staatsbesuchs in Ankara erreichen die deutsche Bundespolitik. Nachdem die neue Hohe Vertreterin der...

Kindstötungen in Gaza: Muss die Bundesregierung angeklagt werden?

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Die Frage ergibt sich durch eine komplexe Gemengelage infolge des jetzt von der UN-Menschenrechtskommission mit...

Prominente Israelis fordern EU-Importverbot für Siedlungswaren

Tel Aviv - Vor dem entscheidenden Treffen der EU-Außenminister Mitte Juli gerät die europäische Handelspolitik gegenüber Israel von unerwarteter...

Armenien: Paschinjan verurteilt Israels „Völkermord-Entscheidung“

Jerewan - Die Entscheidung des israelischen Kabinetts, die historischen Ereignisse von 1915 offiziell als Völkermord an den Armeniern anzuerkennen,...

Meinung

Krah: Türkei ist strategischer Gamechanger jeder Europapolitik

Brüssel - Die innenpolitischen Nachwehen des hochrangigen EU-Staatsbesuchs in Ankara erreichen die deutsche Bundespolitik. Nachdem die neue Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik,...

Gaza-Kinder: „Wir könnten jeden Moment sterben“

Gaza - In den vergangenen 1.000 Tagen haben Kinder im Gazastreifen Freunde und Familienmitglieder, ihre Häuser und Schulen sowie ihr Gefühl von Sicherheit verloren....

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...