Sicherheit im Netz
Onlinecasinos und Kriminalität: Alles unter Kontrolle!

Onlinecasinos stehen bisweilen im Verdacht, Korruption und Geldwäsche zu forcieren. Nicht immer sind solche Verdächtigungen falsch. Für potenzielle Nutzer ist es deshalb wichtig, beim Casinoangebot im Internet die Spreu vom Weizen zu trennen.

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Onlinecasinos stehen bisweilen im Verdacht, Korruption und Geldwäsche zu forcieren. Nicht immer sind solche Verdächtigungen falsch. Für potenzielle Nutzer ist es deshalb wichtig, beim Casinoangebot im Internet die Spreu vom Weizen zu trennen. Andere Akteure versuchen aus jeweils eigenen Motiven, die Glücksspielmärkte inklusive bisher nicht regulierter Teilmärkte in ihrem Interesse zu gestalten und vor Verbrechen zu schützen.

Zu ihnen gehören die seriösen Onlinecasinos selbst, die Regulierungsbehörden sowie die Politik. Die für eine Kontrolle der Märkte entwickelten Lösungen und Maßnahmen sind sehr unterschiedlich. Die Schweiz hat zur Regulierung beispielsweise 2018 einen Volksentscheid durchgeführt. Hier hat man derzeit Zugriff auf sehr unterschiedliche Onlinecasinos mit jeweils eigenen Vorzügen und Lizenzen, wie eine Vergleichsseite zeigt. Spielerinnen und Spieler können tagesaktuelle Sonderangebote, Willkommens- und andere Boni in Anspruch nehmen. Ab 2019 erhält die Schweiz aber ein sehr strenges Glücksspielgesetz, das Aktivitäten von Onlinecasinos enge Grenzen setzt.

Onlinecasinos unter Verdacht

Bereits 2013 veröffentlichte die Deutsche Welle einen Artikel mit dem „Online-Glücksspiel: Wie die Mafia Geld wäscht“. Der Artikel belegt, dass mögliche Verbindungen von Onlinecasinos mit Kriminalität und Geldwäsche keineswegs ein neu diskutiertes Thema sind. Mögliche Korruption im Glücksspielsektor war beispielsweise ab etwa 2006 in Österreich ein Thema.

Der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser brachte 2006 einen Abänderungsantrag fürs Glücksspielgesetz in den Nationalrat ein. Er sollte „eine weitere Konzession fürs Onlineglücksspiel zu ermöglichen und sollte das Monopol der Casinos Austria AG kippen“. Das berichtete die österreichische Zeitung „Der Standard“ im Artikel „Justiz stellt Causa Glücksspiel gegen Grasser und Co ein“ aus dem April 2017.

Damals wurde Grasser verdächtigt, Geld von der NOVOMATIC AG genommen zu haben, um das Glücksspielgesetz in ihrem Sinne zu verändern. NOVOMATIC bezeichnet sich selbst ans einen „der größten Gaming-Technologiekonzerne weltweit und Europas klare Nummer 1 im Bereich Hightech-Gaming-Technologie“. Die Vorwürfe haben sich nicht bestätigt. Aber solche Geschichten schaden natürlich dem Image der Onlinecasinos sowie der Politik und zumindest beim Thema Geldwäsche und Mafia sind wohl nicht alle Vorwürfe immer falsch. Um der Geldwäsche entgegenzuwirken und Imageschäden zu vermeiden, sind deshalb diverse Gruppen daran interessiert, Kriminalität in Onlinecasinos abzuwehren.

Die Lizenzgeber verpflichten sich zu strengen Regularien

Zu den Akteuren mit einem Interesse an einem regelkonformen Betrieb von Onlinecasinos gehören die Regulierungsbehörden jener Länder, die die Lizenzen an Onlinecasinos vergeben. Eine davon ist die Gibraltar Betting and Gaming Association (GBGA), eine andere die Malta Gaming Authority (MGA). Die GBGA schreibt beispielsweise auf ihrer Website (englisch): „Wir möchten den Austausch von Informationen fördern, um Betrug, Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung, Glücksspiele bei Minderjährigen und andere rechtswidrige Aktivitäten zu verhindern.“

Die Malteser formulieren einen ähnlichen Anspruch mit ihrem Mission-Statement: „Die verschiedenen Sektoren der Glücksspielbranche, die unter die Aufsichtsbehörde fallen, müssen kompetent geregelt werden, indem sichergestellt wird, dass das Spielen für die Akteure fair und transparent ist, Kriminalität, Korruption und Geldwäsche verhindert und kleine und anfällige Akteure geschützt werden.“

Dass die Regulierer es durchaus ernst damit meinen, zeigt die Zusammenarbeit der MGA mit italienischen Behörden, Beide gehen gemeinsam gegen Geldwäsche in Onlinecasinos durch die Mafia vor. Anfang 2018 verpflichtete sich der damalige CEO der Malta Gaming Authority, Joe Cuschieri, dazu, Kontrollen von Onlinecasinos zu verstärken. Mit dieser Verpflichtung scheinen es die Regulierer durchaus ernst zu meinen.

Die Times of Malta interviewte 2018 Cuschieris Nachfolger Heathcliff Farrugia. Unter anderem ging es dabei um konkrete Maßnahmen der MGA gegen Kriminalität. Seit Online-Glücksspielunternehmen gemäß der Vierten Geldwäscherichtlinie „betroffene Personen“ sind, habe seine Behörde bereits 33 Vor-Ort-Kontrollen durchgeführt, deren Ergebnisse bis Ende dieses Jahres vorliegen werden, wird er im Artikel vom neunten Dezember 2018 zitiert.

Die 4. Geldwäsche-Richtlinie brachte neue EU-Regeln

Eine Kontrolle über die Aktivitäten der Onlinecasinos im europäischen Raum strebte die Europäische Union an, als sie im März 2014 die 4. Geldwäsche-Richtlinie (GW-RL) verabschiedete. Sie verpflichtet Onlinecasinos unter anderem dazu, Kunden bereits bei der Aufnahme einer Geschäftsbeziehung zu identifizieren. Auf der Basis der Europäischen Richtlinie wurde 2017 die deutsche Rechtsprechung angepasst.

So enthält das deutsche Geldwäschegesetz (GwG) in Paragraf 16 „Besondere Vorschriften für das Glücksspiel im Internet“. Hier heißt es in Absatz 2: „Der Verpflichtete darf einen Spieler erst zu einem Glücksspiel im Internet zulassen, wenn er zuvor für den Spieler auf dessen Namen ein Spielerkonto eingerichtet hat.“ Die Ansprüche an das Glücksspiel im Internet werden also höher. Und das ist auch gut so.

Neue Regeln für den Schweizer Glücksspielmarkt

Eins der strengsten europäischen Gesetze zur Regulierung des nationalen Glücksspielmarktes wird es künftig in der nicht zur EU gehörenden Schweiz geben. 72,9 Prozent der an einem Volksentscheid teilnehmenden Schweizer hatten sich am zehnten Juni 2018 für das neue Glücksspielgesetz ausgesprochen. Im Prinzip verbannt dieses Gesetz ausländische Onlinecasinos komplett vom Schweizer Markt. Dagegen wird es Schweizer Spielbanken ermöglicht, ihr Spielangebot ins Internet auszuweiten.

Die Begrenzung auf Schweizer Unternehmen und ein gleichzeitiges Blockieren ausländischer Anbieter ermöglicht eine sehr weitgehende Kontrolle der Onlinecasino-Aktivitäten. Abzuwarten bleibt jedoch, ob sich auf diese Weise ein attraktives Spielangebot realisieren lässt. Kritiker bemängeln zudem das aus ihrer Sicht hohe Maß an Internetzensur, das durch das Blockieren ausländischer Onlinecasinos entsteht. Wiederum andere fürchten, dass sich eine Blockade technisch nur bedingt umsetzen lässt. Sie verwehrt im ungünstigen Fall vor allem seriösen ausländischen Onlinecasinos den Markteintritt, während ein Schwarzmarkt mit eher unseriösen Anbietern weiter aktiv bleibt.

Seriöse Onlinecasinos haben ein Eigeninteresse an Kontrolle

Seriöse Onlinecasino-Anbieter haben ein eigenes Interesse an der Kontrolle ihrer Tätigkeiten. Ihnen muss daran gelegen sein, dass das Online-Glücksspiel mit ihrer Beteiligung zu einem etablierten Bereich des Internets wird. Dafür müssen sie beweisen, dass sie verantwortungsvoll handeln. Dieses Verantwortungsbewusstsein muss die Spielerinnen und Spieler vor dem Suchtpotenzial des Glücksspiels schützen, damit Spiele wie Roulette oder Blackjack ihnen Spaß, aber keine Probleme bringen.

Es muss das Risiko berücksichtigen und bekämpfen, dass kriminelle Vereinigungen Onlinecasinos zur Geldwäsche nutzen. Und nicht zuletzt muss es sicherstellen, dass eine Einflussnahme von Casinobetreibern in politische Prozesse rund um die Glücksspielmärkte ausschließlich auf legale Maßnahmen und nicht auf Korruption setzt. Nur dann haben internationale Anbieter von Onlinecasinos eine Chance, sich dauerhaft als akzeptierte Akteure auf den Glücksspielmärkten zu etablieren. Gütesiegel wie eCOGRA, Selbstverpflichtungen der Onlinecasinos und eigenständig implementierte Instrumente zum Spielerschutz belegen, dass sie ihre Verantwortung durchaus ernst nehmen.

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