US-Außenpolitik
F-35-Deal mit Türkei: Hegseth sagt Treffen mit Netanjahu ab

Der geplante F-35-Verkauf an die Türkei sorgt für massive diplomatische und innenpolitische Spannungen.

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Washington – Der geplante F-35-Verkauf an die Türkei sorgt für massive diplomatische und innenpolitische Spannungen.

Wie ein israelischer Insider der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte, hat US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ein für Mittwoch geplantes Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz kurzfristig abgesagt.

Es wäre Hegseths erster Besuch als Pentagon-Chef in Israel gewesen. Offiziell hieß es aus israelischen Medienberichten, die Absage sei vor dem Hintergrund der akut steigenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran erfolgt. US-Präsident Donald Trump hatte parallel dazu erklärt, dass das von den USA und Israel initiierte Abkommen zur Beendigung des Iran-Konflikts vorbei sei und er keinen Dialog mit Teheran suche. Die US-Botschaft in Israel lehnte eine sofortige Stellungnahme zu den geplatzten Terminen ab.

Hintergründe des abgesagten Besuchs

Hinter den Kulissen gilt der potenzielle Rüstungsdeal mit Ankara jedoch als der eigentliche Sprengsatz für die Gespräche. Hegseth sollte direkt vom NATO-Gipfel aus der Türkei anreisen.

Dort hatte US-Präsident Donald Trump an der Seite des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan verkündet, die US-Sanktionen gegen Ankara aufheben und eine Lieferung der F-35-Tarnkappenjets definitiv in Betracht ziehen zu wollen. Trump betonte dabei die veränderte Dynamik, da sich die Beziehungen zur Türkei seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 markant verbessert hätten und sich die Türkei in vielerlei Hinsicht loyal verhalten habe.

Zerreißprobe in Washington: Widerstand im Kongress

Dass der geplatzte Besuch in Israel auch dazu dienen sollte, die massiven Bedenken der israelischen Führung zu zerstreuen, verdeutlicht die geopolitische Tragweite. Der potenzielle Jet-Verkauf führt in Washington zu einer echten innenpolitischen Zerreißprobe. Während die Trump-Administration den Deal mit dem NATO-Partner vorantreiben will, formiert sich im US-Kongress, insbesondere aufseiten der Demokraten, aber auch parteiübergreifend, erbitterter Widerstand.

Angeführt von dem Republikaner Mike Lawler und dem Demokraten Brad Sherman warnte eine Abgeordnetengruppe das Weiße Haus in einem Brief vor der antisraelischen Rhetorik Ankaras und dessen Beziehungen zum Iran. Die demokratische Abgeordnete Dina Titus hat zusammen mit 18 weiteren Abgeordneten bereits Gesetzesinitiativen gestartet, um den Transfer von F-35-Jets und Triebwerken an die Türkei gesetzlich zu blockieren.

Auch einflussreiche Senatoren wie Rick Scott betonen, dass ein Verkauf rechtlich so lange blockiert bleibt, bis die gesetzlichen Auflagen bezüglich des russischen S-400-Systems restlos erfüllt sind. Der Kongress beharrt darauf, dass der Präsident bestehende Gesetze nicht einfach per Dekret umgehen darf.

Unterstützt wird diese Blockade von mächtigen Lobbyorganisationen wie dem American Israel Public Affairs Committee (AIPAC). Diese pro-israelische Lobby übt massiven Druck auf Abgeordnete aus und argumentiert, die F-35-Lieferung würde Israels qualitative militärische Überlegenheit in der Region gefährden.

Parallel dazu fordern griechisch-amerikanische Organisationen des Hellenic Caucus den Schutz der Stabilität im Mittelmeerraum und verlangen die Einhaltung bestehender Rüstungsbeschränkungen. Zudem veröffentlichen sicherheitspolitische Think-Tanks wie die Foundation for Defense of Democracies regelmäßige Analysen, die den Kongress explizit auffordern, als gesetzliche Brandmauer gegen Trumps Pläne zu fungieren.

Netanjahu warnt vor Verschiebung der Machtverhältnisse

Israel selbst macht aus seiner Ablehnung kein Geheimnis. Ministerpräsident Netanjahu betonte in einem Interview, dass er den Verkauf von F-35-Jets an die Türkei strikt ablehne und dies auch gegenüber Trump klargestellt habe, da dies das Gleichgewicht der Kräfte im Nahen Osten zerstören würde, weil die Türkei aggressive Ambitionen habe. Israel befürchtet konkret, dass seine eigene Luftüberlegenheit durch moderne türkische Stealth-Jets bedroht werden könnte.

Die Türkei war nach dem Kauf des russischen S-400-Luftabwehrsystems aus dem F-35-Programm ausgeschlossen worden, da Washington Spionage-Risiken für die Jet-Technologie befürchtete. Ankara kritisierte den Ausschluss stets als ungerecht und argumentierte, die USA hätten der Türkei damals keine Wahl gelassen, weil sie die Lieferung von Patriot-Abwehrsystemen verweigerten.

Erdoğan betont seither, dass eine Wiederaufnahme nicht nur gerecht sei, sondern auch die NATO stärken würde. Zudem wirft die Türkei Israel regelmäßig vor, die diplomatischen Bemühungen zwischen den USA und dem Iran gezielt zu untergraben.  Die türkische Führung hat das Vorgehen Israels im Gazastreifen mit dem der Nazis während des Holocaust verglichen.

Obwohl Insider berichten, dass Trump fest entschlossen ist, sich hinter den Verkauf zu stellen, bleibt das Vorhaben durch die Gesetzeslage blockiert.

 


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