Hamburg – Das NATO-Großmanöver „Steadfast Dart 2026“ markiert einen Wendepunkt in der militärischen Zusammenarbeit des Bündnisses.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei die türkische Armee, die nicht nur durch ihre schiere Größe, sondern vor allem durch hochmoderne Waffensysteme und logistische Meisterleistungen Anerkennung bei den Bündnispartnern erntet.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sparte bei seinem Besuch der Übung am Ostseestrand von Putlos nicht mit Lob. Er bezeichnete die Türkei als einen „zentralen Pfeiler“ der Allianz, dessen Bedeutung heute „wahrscheinlich größer ist als je zuvor“.
Besonders beeindruckt zeigten sich die Beobachter von den neuen amphibischen Angriffsfahrzeugen vom Typ ZAHA, die Pistorius als „hochwertige Technologie“ würdigte. Auch NATO-Kommandeur General Ingo Gerhartz unterstrich die führende Rolle Ankaras: Die Türkei sei derzeit die Nation, die den quantitativ und qualitativ stärksten Beitrag zu diesem Manöver leiste.
Technologische Premiere: Bayraktar TB3 auf der TCG Anadolu
Ein besonderes Highlight der Übung war der erste großflächige Einsatz der Drohnentechnologie unter extremen winterlichen Bedingungen. Von dem türkischen Flaggschiff, dem Mehrzweck-Amphibienschiff TCG Anadolu, starteten mehrere Einheiten der seegestützten Angriffsdrohne Bayraktar TB3.
Trotz heftiger Schneefälle und böiger Winde in der Ostsee führten die Drohnen präzise Landeoperationen auf dem Deck der TCG Anadolu durch – ein Manöver, das weltweit als technologisch höchst anspruchsvoll gilt.
In kombinierten Übungsszenarien bewiesen die TB3-Drohnen zudem ihre Schlagkraft, indem sie Ziele in der Ostsee mit MAM-L-Präzisionsmunition punktgenau neutralisierten. Für die NATO-Partner lieferte dieser Einsatz wertvolle Erkenntnisse über die Integration unbemannter Luftfahrzeuge in maritime Operationen.
Steadfast Dart 2026: Strategische Verlegung an die Ostflanke
Hinter dem Namen „Steadfast Dart 2026“ verbirgt sich das bisher größte Manöver der neuen Allied Reaction Force (ARF). Rund 10.000 Soldatinnen und Soldaten aus elf Nationen nehmen an der Übung teil, die sich geografisch von Niedersachsen bis nach Lettland erstreckt.
Das Hauptziel der Übung ist die „strategische Mobilität“. Es wird simuliert, wie Truppen aus dem Mittelmeerraum – insbesondere aus der Türkei, Italien und Spanien – innerhalb kürzester Zeit an die Nord- und Ostflanke des Bündnisgebiets verlegt werden können, um auf hybride Bedrohungen und konventionelle Angriffe zu reagieren.
Deutschland fungiert dabei als zentrale logistische Drehscheibe („Host Nation“), während die türkischen Streitkräfte mit rund 2.000 Elite-Soldaten den Kern der schnellen Eingreiftruppe bilden.
Eine Partnerschaft mit Geschichte: Von Korea bis heute
Die heutige Führungsrolle der Türkei innerhalb der NATO ist das Ergebnis einer über 70-jährigen Geschichte. Der Weg in das Bündnis wurde maßgeblich durch den Koreakrieg (1950–1953) geebnet. Noch bevor die Türkei offiziell Mitglied war, entsandte sie eine Brigade von über 5.000 Soldaten zur Unterstützung der UN-Truppen nach Korea.
Der außergewöhnliche Mut und die Disziplin der türkischen Soldaten auf dem Schlachtfeld beeindruckten die USA und die europäischen Partner so nachhaltig, dass der Weg für den NATO-Beitritt frei wurde.
Am 18. Februar 1952 trat die Türkei offiziell der NATO bei. Seitdem hat sich das Land zu einer unverzichtbaren militärischen Macht entwickelt. Mit der zweitgrößten stehenden Armee innerhalb der Allianz – nur übertroffen von den Vereinigten Staaten – stellt die Türkei nicht nur eine massive personelle Reserve, sondern sichert durch ihre geografische Lage auch die strategisch sensible Südostflanke des Bündnisses ab.
Die aktuelle Präsenz der TCG Anadolu in der Ostsee und die Anerkennung durch die NATO-Spitze verdeutlichen, dass die Türkei 74 Jahre nach ihrem Beitritt ihre Rolle von einem regionalen Sicherheitsgaranten zu einem global agierenden Technologieführer innerhalb der Allianz ausgebaut hat.
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