Plastikkrise
Ölnachfrage aufgrund steigender Kunststoffproduktion

Weltweit werden jede Minute eine Million Plastikflaschen gekauft. Seit den 1970er Jahren ist die Produktion von Kunststoffen schneller gewachsen als die jedes anderen Materials.

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ein Gastbeitrag von Andreas von Angerer

Weltweit werden jede Minute eine Million Plastikflaschen gekauft. Seit den 1970er Jahren ist die Produktion von Kunststoffen schneller gewachsen als die jedes anderen Materials. Wenn sich dieser Wachstumstrend fortsetzt, wird die weltweite Produktion von Primärkunststoff bis 2050 voraussichtlich 1.100 Millionen Tonnen erreichen.

Insgesamt ist die Hälfte aller produzierten Kunststoffe für den einmaligen Gebrauch bestimmt, was bedeutet, dass sie nur einmal verwendet und dann weggeworfen werden. Von den 7 Milliarden Tonnen Kunststoffabfall, die bisher weltweit produziert wurden, werden weniger als 10 % recycelt. Millionen Tonnen Kunststoffabfälle gehen in der Umwelt verloren oder werden manchmal Tausende von Kilometern weit transportiert, wo sie meist verbrannt oder deponiert werden.

Immense Auswirkungen der Massenproduktion 

Plastik ist zu einem der drängendsten Probleme unserer Zeit geworden, da es unserer Umwelt, unserer Gesundheit und unseren Ozeanen massiv schadet. Die Weltmeere enthalten derzeit schätzungsweise 75 bis 199 Millionen Tonnen Plastik, und die jährliche Menge von 9 bis 14 Millionen Tonnen pro Jahr (2016) könnte sich auf voraussichtlich 23 bis 37 Millionen Tonnen pro Jahr im Jahr 2040 fast verdreifachen.

Nahezu alle Einwegplastikprodukte (98 %) werden aus fossilen Brennstoffen, also Primärrohstoffen, hergestellt. Die Ölindustrie investiert Milliarden in die Petrochemie, in der Annahme, dass Kunststoffe die Hauptquelle der künftigen Ölnachfrage sein werden. Es wird erwartet, dass sie bis zur Mitte des Jahrhunderts fast die Hälfte des Wachstums der Ölnachfrage ausmachen werden. Gleichzeitig werden die Treibhausgasemissionen, die mit der Herstellung, Verwendung und Entsorgung von Plastik aus fossilen Brennstoffen verbunden sind, Prognosen zufolge bis 2040 auf fast 20 % des globalen Kohlenstoffhaushalts ansteigen.

Erstes Umdenken: Unilever und Amazon reduzieren Kunststoff-Einsatz

Diese alarmierenden Fakten zeigen, dass wir uns inmitten einer Krise befinden, die sich rapide verschärft. Doch die Einstellung zu Plastik ändert sich allmählich und Kunststoffe sind für Unternehmen keine verlässliche Wachstumsquelle mehr. Der Markt entwickelt sich in Richtung Wiederverwendung und Mehrweg. Eine entsprechende Regulierung nimmt weltweit zu und auch die öffentliche Meinung wendet sich, wie eine Ipsos-Umfrage zeigt, bei der 71 % der Befragten weltweit ein Verbot von Einwegplastik befürworten.

Dies führt bereits dazu, dass erste große Unternehmen wie Unilever und Amazon den Einsatz von Kunststoffen schrittweise reduzieren. Es ist jedoch unerlässlich, dass mehr Unternehmen transparenter werden und auf umweltfreundlichere Praktiken umstellen, um langfristige Nachhaltigkeit und finanzielle Stabilität zu gewährleisten.

Nicht nur die Unternehmen, auch die Politik muss stärker in die Pflicht genommen werden, um klare Richtlinien zu setzen. Es gibt vielversprechende Gesetzgebungspläne auf europäischer und internationaler Ebene, wie die EU-Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) und den Global Plastics Treaty. Sie stehen jedoch unter starkem Einfluss des Lobbyismus, insbesondere von Seiten der Petro-Staaten, denen der Verlust einer ihrer Haupteinnahmequellen droht, sowie von Unternehmen, die lieber weiter auf Einweg und Recycling setzen statt auf Reduktion und Pfandsysteme.

Druck durch Investierende mittels globaler Initiativen erzielt erste Ergebnisse

Um den Druck auf Politik und Industrie zu erhöhen, spielen global koordinierte Initiativen und Organisationen wie As You Sow oder die Dutch Association of Investors for Sustainable Development (Vereniging van Beleggers voor Duurzame Ontwikkeling – VBDO) mittlerweile eine entscheidende Rolle. Sie mobilisieren unter anderem den Druck von Investierenden, um sich aktiv für die Reduzierung von Plastik und nachhaltigere Praktiken einzusetzen.

Die US-amerikanische NGO As You Sow veröffentlicht beispielsweise die „Corporate Plastic Pollution Scorecard“, in der die Maßnahmen von 50 großen US-Konsumunternehmen zur Reduzierung der Plastikverschmutzung bewertet werden. Über Aktionärsbeschlüsse werden die Nachzügler in die Pflicht genommen. Kraft Heinz und andere Unternehmen haben sich dazu verpflichtet, ihren Plastikverbrauch zu reduzieren.

As You Sow hat auch Aktionärsanträge bei Amazon eingereicht, um die Verpackungspraktiken des Unternehmens zu verbessern. Amazon verwendete im Jahr 2022 85.916 Tonnen Einwegplastik für den Versand, ein Rückgang von 11,6 Prozent im Vergleich zu 2021. Amazon plant außerdem, Kunststoffversandverpackungen abzuschaffen.

Die niederländische VBDO hat ein Statement verfasst, das von mehr als 180 Investoren, die ein verwaltetes Vermögen von 10 Billionen Dollar repräsentieren, unterzeichnet wurde. Darin werden Unternehmen aufgefordert, dringend Maßnahmen zur Reduzierung von Plastik zu ergreifen. Sie fordert Unterstützung für ein starkes internationales Abkommen über Plastik und rechtsverbindliche Maßnahmen, um die Produktion und Verwendung von Plastik zu reduzieren.

Darüber hinaus werden Unternehmen aufgefordert, klare Pläne zur Reduzierung von Einwegplastik vorzulegen, gefährliche Chemikalien zu eliminieren und Informationen über ihren Plastikverbrauch transparent zu machen. Inyova leitet im Rahmen der Initiative den Engagement-Prozess mit Beiersdorf. Darüber hinaus wurden Briefe an EU-Abgeordnete und die Mitglieder der High Ambition Coalition, die den Global Plastics Treaty verhandelt, geschrieben, um ihre Unterstützung für ambitionierte und robuste Plastikregulierung zu gewinnen.

Diese Bemühungen zeigen, wie NGOs und Investierende erfolgreich zusammenarbeiten können, um Unternehmen und Politik in die Pflicht zu nehmen und den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft voranzutreiben. Denn die Lösung des Plastikproblems erfordert eine koordinierte globale Anstrengung aller Beteiligten.


Andreas von Angerer, Head of Impact bei Inyova Impact Investing

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