Antiterroroffensive Olivenzweig
Afrin: Ausländische YPG-Kämpfer sehen Kampf gegen türkische Armee verloren

Die türkische Antiterror-Operation in Nordsyrien schreitet seit einem Monat immer weiter voran. Von rund 1.900km² Fläche des Distrikts Afrin hat die türkische Bodenoffensive mit Milizen der Freien Syrischen Armee rund 400km² von der Terrororganisation YPG befreit.

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Von Nabi Yücel

New York (tp/nex) – Die türkische Antiterror-Operation in Nordsyrien schreitet seit einem Monat immer weiter voran. Von rund 1.900km² Fläche des Distrikts Afrin hat die türkische Bodenoffensive mit Milizen der Freien Syrischen Armee rund 400km² von der Terrororganisation YPG befreit. Das ist eine Fläche so groß wie der Regierungsbezirk Köln.

Die türkische Bodenoffensive geht dabei langsam aber stetig voran, was sich vor allem durch die militärische Taktik auszeichnet: Die Gemeindestädte Rajo im Nordwesten sowie Jinderes im Südwesten des Distrikt werden umgangen und was noch auffälliger ist, die Befreiung von Afrin erfolgt konzentrisch.

Ausländische Söldner in den Reihen der Terrorormiliz YPG geben seit Tagen immer wieder öffentlich zum Ausdruck, dass die YPG-Kräfte nicht imstande sind, die türkische Operation aufzuhalten, geschweige denn zurückzuschlagen. Daran wird wohl auch die jüngst hinzugestoßene „National Defence Force“ nicht viel ändern.

Die ausländische Söldnertruppe „Internationale Freiheits-Bataillon“ (International Freedom Battalion, IFB) kündigte vor knapp drei Wochen in einem Videobeitrag an, sich der Terrormiliz YPG in Afrin anzuschließen, die im Distrikt Afrin der Türkei seit langen ein Dorn im Auge ist. Die Türkei betrachtet die YPG als den syrischen Ableger der Terrororganisation PKK, was die YPG auch selbst nicht verhehlt. In der IFB sind neben Abenteuern oder Ideologen auch ehemalige Soldaten vertreten, die sich im Kampf bewehrt haben. Vergangene Woche wurden drei dieser Mitglieder getötet, alle aus Europa. In „The Times“ sprach nun ein weiteres Mitglied offen über den Kampf um Afrin.

Es ist der Brite Huang Lei, chinesischer Abstammung, der seine Erlebnisse schildert und nüchtern feststellt, dass die Hoffnung aufgegeben werden muss, gegen die türkische Armee und die Freie Syrische Armee standzuhalten. „Direniş“, auf deutsch „Widerstand“, dieses Wort findet sich seither zahlreich in Hashtags, in zahlreichen Beiträgen in sozialen Medien und PKK- wie YPG-nahen Medien wieder. Mitunter sind in sozialen Medienbeiträgen nur die Hashtags selbst vorhanden, keine Bild, kein Video, kein Text, Hauptsache, der Begriff „Direniş“ kommt in allen möglichen Sprachen so oft vor, dass das Herunterscrollen des Bildschirms zur Tortur wird.

Der Brite Huang Lei und seine Kameraden haben da aber wenig Hoffnung, dass der „Widerstand“ eines der größten Armeen der NATO aufhält, schon gar nicht auf einen Sieg oder die Beibehaltung eines Status quo. In den ersten zwei Wochen hätten er und seine 15 Kameraden, darunter vier weitere britische Staatsbürger, den Artilleriebeschuss und die Luftschläge überlebt. Die überwältigende Stärke der Bodenoffensive habe aber die Verteidigungslinien durchbrochen. Huang Lei sagt, derzeit bestehe die Taktik des Batallions darin, sich einzugraben sowie Tag und Nacht den Beschuss über sich ergehen zu lassen. Viele YPG-Gruppen seien zersprengt, würden Einzelaktionen durchführen, die „Hit and Run“ Taktik. Aber auch das wird die Operation nicht aufhalten, fügt Huang Lei hinzu.

Er bezweifelt inzwischen nicht nur, er ist überzeugt davon, dass die türkischen Truppen nicht aufzuhalten sind. Panzer, gepanzerte Mannschaftswagen, Kampfjets, Drohnen und Satelliten setzen der YPG immer mehr zu. „Es ist ein großes Land, die Türkei, eine Kriegsmaschinerie, die wenn sie einmal angelaufen ist, mit der Zeit immer weitere Geländegewinne verbuchen, jeden Tag weiter vorwärts kommen wird.“ Dennoch will man sich behaupten und bleibt in der Region bis zum Ende, auch in der Hoffnung, dass die mutmaßlich in Afrin eingetroffene „National Defence Force“ (NDF), Milizen bestehend aus Hisbollah- und Shahiba-Kämpfern die vom Iran unterstützt werden, das Blatt vielleicht doch noch wenden. Die Hisbollah wird von der EU und den USA als Terrororganisation bezeichnet, während die Shahiba-Milizen sich darin ausgezeichnet haben, den arabischen Frühling in Syrien blutig niederzuschlagen und syrische Deserteure innerhalb der Armeestrukturen zu verfolgen und zu erschießen.

Die türkische Armee geht dabei mit ihren syrischen Verbündeten jedoch taktisch ausgefeilt heran, weshalb auch die „Verstärkung“ nicht viel bringen wird, sagen Militärexperten. Es zeichnet sich inzwischen geradezu ab, wie die Generalität es sich vorgestellt hat, die Vorgabe der Regierung, Zivilisten zu schonen und dennoch Gebiete von Terroristen zu „säubern“, umzusetzen. Die Gemeindestädte Rajo im Nordwesten sowie Jinderes im Südwesten des Distrikt werden umgangen und was noch auffälliger ist, die Befreiung des Distrikts Afrin erfolgt konzentrisch.

Einerseits konzentriert man sich auf das Ziel, Anhöhen und Berge einzunehmen, Posten einzurichten und den rückwärtigen Raum zu sichern, damit die Zivilbevölkerung versorgt wird und Einzelaktionen von zersprengten YPG-Terroristen unterbunden werden. Andererseits will man die inzwischen symbolbehaftete Stadt Afrin belagern und die YPG zwingen, die Stadt zu verlassen, was Militärexperten vorhersagen.

Der Generalstab scheint hierbei eine längere Operationsdauer eingeplant zu haben, wie es bereits während der Operation „Schutzschild Euphrat“ deutlich wurde, auch wenn manche türkischen Medien lieber gestern als heute Afrin befreit wissen wollen. Zwischen Ende August 2016 und März 2017 befreite die türkische Allianz bereits rund 2100km² in sechs Monaten von der Terrormiliz IS und YPG im Osten des Distrikts Afrin. Die Operation „Olivenzweig“ hat binnen einen Monat eine Fläche so groß wie der Regierungsbezirk Köln (400km²) von der YPG befreit und dabei die maximale Priorität der türkischen Regierung umgesetzt, zivile Opfer so gering wie möglich zu halten. Das scheint ihr zu gelingen, auch wenn jedes zivile Opfer eins zuviel ist. Vergleicht man jedoch die zivilen Opfer mit ähnlichen Operationen der Anti-IS-Koalition im Irak oder Syrien, scheint sich die Taktik wie in al-Bab zu bewehren.

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Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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