WM 2026
Iran-Kapitän kritisiert „Katastrophen-Weltmeisterschaft“: Schwere Vorwürfe gegen die FIFA und US-Behörden

Nach dem Vorrunden-Aus des Iran bei der WM 2026 kritisiert Kapitän Mehdi Taremi die FIFA und die US-Organisatoren wegen logistischer Probleme scharf.

Teilen

Seattle – Der Kapitän der iranischen Nationalmannschaft, Mehdi Taremi, hat nach dem jüngsten Gruppenspiel der Weltmeisterschaft 2026 schwere Vorwürfe gegen den Weltfußballverband FIFA sowie gegen die Organisatoren der Vereinigten Staaten erhoben.

Nach einem 1:1-Unentschieden gegen Ägypten am Freitagabend steht „Team Melli“ nach drei Remis in der Gruppenphase (gegen Neuseeland, Belgien und Ägypten) vor dem potenziellen Turnierende und muss darauf hoffen, sich eventuell als einer der besten Gruppendritten für die Runde der letzten 32 zu qualifizieren. Trotz der sportlich ungeschlagenen Leistung wird das Turnier von massiven logistischen und politischen Problemen überschattet.

„Eine Katastrophen-Weltmeisterschaft“

Mehdi Taremi machte seinem Ärger über die Bedingungen vor Ort öffentlich Luft. Der ehemalige Star von Inter Mailand bezeichnete das Turnier unumwunden als Desaster:

„Das ist ein katastrophales Weltmeisterschaftsturnier. Als Profispieler können wir kein Turnier unter diesen Bedingungen austragen, das ist weder in Ordnung noch fair. Wenn die FIFA denkt, das sei fair, dann ist das ihr Problem, aber es ist es nicht. Wer sollte dieses Problem für uns lösen? Die FIFA? Die USA? Ich weiß es nicht! Nennen Sie mir einen Namen.“

Besonders im Fokus der Kritik steht FIFA-Präsident Gianni Infantino. Dieser habe laut Taremi nach dem ersten Gruppenspiel gegen Neuseeland die Kabine der iranischen Mannschaft aufgesucht und versprochen, sich um alle organisatorischen Probleme zu kümmern. „Er sagte, es ist erst der Anfang… aber die Gruppenphase endet morgen“, so Taremi am Freitag. In der Realität habe die FIFA aus Sicht des Kapitäns jedoch überhaupt nichts unternommen, um der Mannschaft zu helfen.

Massive Visa-Probleme und Reisebelastungen

Hintergrund der heftigen Kritik sind beispiellose logistische Hürden für das iranische Team. Aufgrund der strengen Visa-Richtlinien unter Donald Trump durfte die iranische Mannschaft jeweils erst am Abend vor ihren Spielen in die USA einreisen und musste das Land unmittelbar nach dem Abpfiff wieder in Richtung ihres Trainingslagers in Mexiko verlassen. Dies führte dazu, dass der Iran während der Gruppenphase reisen musste wie kein anderes Team im Turnier.

Ursprünglich sollte das Team sein Quartier in Tucson, Arizona, aufschlagen. Ende Mai verlegte die Mannschaft ihr Basislager jedoch nach Tijuana in Mexiko. Grund hierfür waren die schweren geopolitischen Spannungen und der militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der am 28. Februar mit Militärschlägen der USA und Israels begann, bei denen der oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei getötet wurde, was iranische Vergeltungsschläge nach sich zog.

Durch diese Umstände durften selbst logistische Mitarbeiter des iranischen Verbands wegen fehlender Visa nicht in die USA einreisen. „Wir haben keine Betreuer oder Logistiker hier, die uns helfen. Wir beschweren uns immer über diese Dinge, aber niemand hilft uns, niemand“, betonte Taremi. Direkt nach dem Spiel in Seattle musste das Team, das im Spiel gegen Ägypten zudem einen Elfmeter in der ersten Halbzeit verschoss, umgehend nach Tijuana zurückreisen.

Vorwurf der gezielten Benachteiligung

Während einer beachteten Pressekonferenz in Seattle wurde Taremi konkret gefragt, ob er das Gefühl habe, dass die WM-Organisatoren – einschließlich der FIFA und der US-Beamten – ein Ausscheiden des Iran bevorzugen würden. Taremis Antwort fiel deutlich aus:

„Wir müssen gegen absolut alles kämpfen. Wir können nicht im Land bleiben, wir reisen und unterziehen uns jedes Mal Migrationskontrollen, wenn wir spielen wollen, jetzt können wir nicht in Seattle bleiben und müssen nach Tijuana zurückkehren. Sie haben alles Menschenmögliche getan, um uns zu eliminieren, also aus unserer Sicht, ja, ich glaube, sie wollen es so, sie wollen uns draußen.“

Auch Cheftrainer Amir Ghalenoei meldete sich zu Wort und kritisierte das Verhalten der US-Behörden scharf. Das Auftreten gegenüber dem Iran sei „wirklich schrecklich“ gewesen und er hoffe, dass sich die Welt dessen bewusst werde.

Dabei hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino noch in seiner Eröffnungsrede in Mexiko-Stadt symbolisch erklärt, er hätte selbst einen Bus von der iranischen Hauptstadt Teheran gefahren, um das Team zum Turnier zu bringen.

Trotz dieser extremen Belastungen, des emotionalen Drucks aufgrund der Ereignisse in der Heimat sowie wiederholter Buhrufe während der Nationalhymne vor den Spielen, präsentierte sich die iranische Mannschaft abseits des Platzes respektvoll: Bei ihren letzten beiden Spielorten hinterließ das Team jeweils Dankesschreiben in den Kabinen für die Gastgeber.

Auch interessant

„Parents‘ Night Out“: Mamdani führt kostenlose Abend-Kinderbetreuung ein

New York - Der neue New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hat mit der Einführung des stadtweit ersten „Parents' Night Out“-Programms eine weitreichende Entlastung für...

New Yorks Bürgermeister Mamdani plant Netanjahu-Festnahme

New York - In den Vereinigten Staaten droht ein beispielloser politischer und juristischer Machtkampf zwischen der Stadtregierung von New York und der Bundesregierung in...

Freizeittrends in der Region verändern sich spürbar

Der Freitagabend sieht in Augsburg, Allgäu und Ulm anders aus als noch vor zehn Jahren. Früher hieß es spontan ins Kino oder in die...

Trump an Netanjahu: „Niemand will euch dort“

Washington - Die diplomatischen Spannungen zwischen den USA und Israel haben eine neue Eskalationsstufe erreicht.   Wie das US-Nachrichtenportal Axiosunter Berufung auf amerikanische und israelische Regierungsvertreter...

USA: Distanzierung von Israel künftig „fast unmöglich“

Washington - In Washington hat sich ein erbitterter politischer Streit um das künftige Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Israel entzündet. Die Demokraten im US-Senat...

Headlines

Ben-Gvir über inhaftierte Palästinenser: „Sie pinkeln sich vor Angst in die Hosen“

Tel Aviv - Der rechtsextreme israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat mit neuen, drastischen Äußerungen über den...

Türkei: Die Chronologie des Putschversuchs

  Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Zehn Jahre nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 haben die türkischen Sicherheitsbehörden erstmals...

New Yorks Bürgermeister Mamdani plant Netanjahu-Festnahme

New York - In den Vereinigten Staaten droht ein beispielloser politischer und juristischer Machtkampf zwischen der Stadtregierung von New...

Freihandelsabkommen zwischen der Türkei und Ukraine

Kiew - Die Türkei und die Ukraine werden ihre bilaterale Zusammenarbeit trotz des anhaltenden Konflikts im Osteuropa weiter intensivieren....

Meinung

Ben-Gvir über inhaftierte Palästinenser: „Sie pinkeln sich vor Angst in die Hosen“

Tel Aviv - Der rechtsextreme israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat mit neuen, drastischen Äußerungen über den Umgang mit palästinensischen Häftlingen für...

Türkei: Die Chronologie des Putschversuchs

  Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Zehn Jahre nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 haben die türkischen Sicherheitsbehörden erstmals eine detaillierte Chronologie der monatelangen...

Rapor: Afrika Gençliği Ruh Sağlığında Dünya Lideri

Londra - Maddi refah, ruh sağlığının garantisi değil. Şubat 2026 sonunda yayımlanan yeni bir küresel rapor, zihinsel esenlik haritasını temelden sarstı. İngiltere, Japonya ve Yeni...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...