NEX24-Interview
„Der Arbeitgeberverband ignoriert die 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst“

Am Freitag haben in Deutschland Zehntausende von Beschäftigten im öffentlichen Dienst ihre Arbeit niedergelegt, um ihrer Forderung nach Lohnsteigerungen Nachdruck zu verleihen

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Auf den enttäuschenden Verhandlungsauftakt haben die Beschäftigten im öffentlichen Dienst mit Warnstreiks geantwortet.

Am Freitag haben in Deutschland Zehntausende von Beschäftigten im öffentlichen Dienst ihre Arbeit niedergelegt, um ihrer Forderung nach Lohnsteigerungen Nachdruck zu verleihen. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hatte für den 17. Februar zu einem bundesweiten Warnstreik aufgerufen.

Beim derzeitigen Arbeitskampf geht es nicht nur um die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bei Bund und den Kommunen, sondern auch um die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste sowie die bundesweiten Verhandlungen der Bodenverkehrsdienste. Sieben Flughäfen, darunter Frankfurt, München, Hamburg, Stuttgart, Dortmund, Hannover und Bremen, waren vom heutigen Streik betroffen. Ebenfalls bestreikt wurden auch Kitas und der öffentliche Nahverkehr. In vielen Städten fuhren keine Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen.

„Der Arbeitgeberverband ignoriert die 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst“

Im Gespräch mit NEX24 kritisiert der Betriebsratsvorsitzende des Betreuungsdienstes FraCareServices, Farid Adel, die Arbeitgeber, weil die Löhne der Beschäftigten im öffentlichen Dienst seit Jahren stagnierten.

Farid Adel ist Betriebsratsvorsitzender beim Betreuungsdienst FraCareServices GmbH, einem gemeinsamen Tochterunternehmen der Fraport AG und der Deutschen Lufthansa AG. Die Mitarbeiter von FraCareServices betreuen Reisende mit Behinderung und eingeschränkter Mobilität am größten deutschen Flughafen. Als langjähriger Beschäftigter kennt er das Non-Profit-Unternehmen und den Flughafen sehr gut. Am Rande des heutigen Arbeitskampfes sprach NEX24 mit ihm über den heutigen Warnstreik und seine Erwartungen über die weiteren Tarifverhandlungen.

NEX24: Herr Adel, der Frankfurter Flughafen hat einen derartigen großen Streik mit massiven stornierten Flügen seit 30 Jahren nicht mehr erlebt. Halten Sie es für gerechtfertigt, gleich bei der ersten Tarifrunde mit den Warnstreiks fast den gesamten Flugbetrieb lahmzulegen? Betroffene Passagiere, die Fluggesellschaften und der Flughafenbetreiber Fraport sind verärgert.

Farid Adel: Die Gewerkschaft ver.di und der Arbeitgeberverband haben sich am 24. Januar 2023 in Potsdam getroffen, bei dem der Arbeitgeberverband, ohne ein Angebot vorzulegen, in die Verhandlungen ging. Es ist sehr bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit und Arroganz der Arbeitgeberverband versucht, die 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu ignorieren. Für die Hilfsflüge in die Erdbebenregion in der Türkei und Syrien sowie für die Fluggesellschaften haben wir ausreichend Personal für den Notfall bereitgestellt.

(Foto: nex24)

NEX24: Hat der heutige Warnstreik Ihrer Ansicht nach etwas gebracht und wie groß war die Streikbereitschaft der Beschäftigten?

Farid Adel: Die KollegInnen im öffentlichen Dienst streiken schon seit Wochen in den verschiedenen Bundesländern, Städten und Kommunen. Wir, die Beschäftigten bei FraCareS, haben heute mit ca. 114 KollegInnen unsere Arbeit niedergelegt, damit wir diesbezüglich auch Gehör finden. FraCareS beschäftigt zurzeit etwa 670 Mitarbeiter. Die Gewerkschaft ver.di und der Betriebsrat haben mit dem Arbeitgeber einen Notdienstplan vereinbart, sodass sie auch handlungsfähig bleiben.

NEX24: Was erwarten Sie von den Tarifverhandlungen zwischen den Arbeitgebern und ver.di?

Farid Adel: Unsere Forderung lautet: 10,5 Prozent mehr Lohn oder mindestens 500€! Dies wurde in einer Umfrage durch die Tarifbeschäftigten des öffentlichen Dienstes so entschieden. Wir hatten im Jahr 2022 ca. 8-9 Prozent Inflation und zurzeit sind wir für 2023 bei 6-8 Prozent. Unsere Löhne sind gleichgeblieben. Der Arbeitgeberverband kennt unsere Forderung und dies sollte auch bitte erfüllt werden.

Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte NEX24-Redakteur Kemal Bölge

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