Interview mit Al-Arabiya
Erdoğan: „Weder Iran noch Russland haben Iraker aufgenommen“

In einem Interview mit Al-Arabiya wies der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan Kritik von Russland und dem Iran an der türkischen Irak-Mission zurück. Russland und der Iran fühlten sich von der Militärpräsenz der Türkei in Baschika gestört, sie selbst hätten jedoch bis dato noch keinen einzigen Iraker aufgenommen.

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Ankara (nex) – In einem Gespräch mit dem arabischen Sender Al-Arabiya kritisierte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Rolle der Russischen Föderation und des Iran in Syrien und im Irak. Erdoğan betonte einmal mehr, dass sich türkische Soldaten nur auf Anordnung des Irak selbst in der nordirakischen Stadt Baschika im Norden des Landes befänden, um die Terrormiliz IS zu bekämpfen.

Der Irak selbst würde diese Terrororganisation nicht ausreichend bekämpfen. Dies sagte Erdoğan gegenüber dem arabischen Fernsehsender Al-Arabiya. Erdoğan wies dabei auch auf die Gefahr hin, die von Einheiten des IS im Irak ausgehe und die auch die Türkei bedrohe. „Diejenigen, die nicht in der Lage sind, die Bedrohung der Türkei durch die Gefahr aus dem Irak zu verhindern, haben der Türkei nichts zu sagen“, erklärte Erdoğan.

„Wenn Terroristen von dort in die Türkei eindringen, sind wir gezwungen, Maßnahmen zu treffen.“ Erdoğan wies zudem darauf hin, dass die Türkei bis dato bereits 300 000 Iraker aufgenommen habe. Dies unterscheide die Türkei von Russland und dem Iran, die sich zwar von der Militärpräsenz der Türkei in Baschika gestört fühlten, jedoch keinen einzigen Iraker aufgenommen hätten, und stattdessen noch wilde Spekulationen über angebliche türkische Ambitionen im Land anstellen würden.

Bezüglich des Syrien-Konflikts erklärte Erdoğan, die Türkei betrachtete den Status von Baschar Al Assad als Präsident Syriens nicht als legitim. Von daher werde man bezüglich der Lösung des Konflikts mit dem syrischen Regime nicht am selben Verhandlungstisch sitzen. Auf die Frage über die türkisch-russischen Beziehungen antwortete Erdoğan: „Wir sind dafür, dass sich unsere Beziehungen im diplomatischen Rahmen wieder normalisieren. Den Absturz des russischen Kampfjets in eine Haltung gegen die Türkei umzumünzen, zeigt einen Mangel in der diplomatischen Auffassung Russlands.“

Über die russischen Bombardements in Syrien sagte Erdoğan, diese „setzen der gemäßigten Opposition zu, anstatt den IS zu bekämpfen“. Das alles stehe fest. „Wäre Putin unserem Vorschlag entgegengekommen, den IS gemeinsam zu bekämpfen, wären wir heute an einem ganz anderen Punkt gelangt.“ Mit Blick auf die humanitäre Krise in Syrien sagte Erdoğan, die Bildung einer vom Terror befreiten Zone wäre überfällig und sollte umgehend beschlossen werden. Anschließend könne die Türkei mit ihren Expertenteams bei den Infrastrukturarbeiten eine Rolle übernehmen.

Binnen eines Jahres könne man Kleinstädte gründen, die Schulen, Krankenhäuser und soziale Möglichkeiten böten. Auf die Frage nach den Beziehungen der Türkei zum Iran äußerte sich der türkische Präsident versöhnlich: „In vielem besteht zwischen uns und dem Iran eine Meinungsverschiedenheit“, erklärte Erdogan. „Aber das darf unsere Nachbarschaft nicht beeinträchtigen. Wir dürfen einander nicht konfessioneller Unstimmigkeiten wegen feindselig gegenüberstehen.“

 

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