Israel
Mattner: „Die Siedlerkinder wirkten auf mich deutlich radikaler“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

Ich weiß, ich weiß. Jetzt kommt gleich wieder: „Aber die palästinensischen Kinder werden doch von klein auf zu Judenhassern erzogen!“ 

Ja. Diesen Satz lese ich seit Jahren. Praktisch im Abo. Monatlich. Wöchentlich. Täglich. Wie Netflix, nur mit mehr Großbuchstaben. Und bevor jetzt wieder Schnappatmung einsetzt: Natürlich gibt es auf palästinensischer Seite Indoktrination, Hass und fanatische Erziehung. Das zu leugnen wäre absurd.

Aber vielleicht sollte man dann auch den Mut haben, sich dieselbe Frage auf der anderen Seite zu stellen. Ich habe vor einiger Zeit die ZDF-Doku „Aufwachsen im Westjordanland – Gefangen im Zorn“ gesehen.

Dort werden Kinder und Jugendliche auf beiden Seiten begleitet. Und mein persönlicher Eindruck – den kann jeder überprüfen, indem er die Doku selbst schaut – war ehrlich gesagt erschreckend:

Die israelischen Siedlerkinder wirkten auf mich teilweise deutlich radikaler als die palästinensischen Kinder. Und plötzlich musste ich an etwas denken, worüber erstaunlich selten gesprochen wird.

Es gibt seit Jahrzehnten wissenschaftliche Untersuchungen über israelische Kinderbücher, in denen Araber und Palästinenser als Messerstecher, Banditen, Mörder oder grundsätzlich bedrohliche Figuren dargestellt wurden.

Der Literaturwissenschaftler Adir Cohen untersuchte hunderte hebräische Kinderbücher. Dort tauchen Araber als Männer mit „riesigen Schnurrbärten“, „furchteinflößenden Augen“, Narben im Gesicht und als permanente Gefahr auf. Fast wie Orks, nur mit anderem Reisepass.

In einem Jugendbuch kämpfen die jungen Helden gegen arabische „Mörder“, „Banditen“ und „Terroristen“. Praktisch Karl May, nur dass Old Shatterhand inzwischen einen Sicherheitszaun baut. Aber komischerweise heißt es bei solchen Dingen nie:
„Die israelischen Kinder werden zum Hass erzogen.“

Nein, dort spricht man lieber von Sicherheit, Traumata, Verteidigung, historischen Ängsten und komplexen Umständen.Sobald es um palästinensische Kinder geht, verschwinden diese komplexen Umstände dann plötzlich wie WLAN in der Deutschen Bahn.

Dann sind es einfach kleine Terroristen in Ausbildung.
Komisch, oder? Vielleicht liegt das Problem ja nicht darin, dass nur die eine Seite Hass lernt.Vielleicht liegt das Problem darin, dass beide Seiten ihren Kindern seit Generationen beibringen, dass hinter dem Hügel keine Menschen leben, sondern Feindbilder.

Die einen malen Monster mit Kalaschnikow. Die anderen malen Monster mit Davidstern.

Und irgendwo dazwischen sitzen Kinder, die noch nie eine Chance hatten, etwas anderes zu lernen.Aber das passt natürlich schlecht in unsere westliche Lieblingsdisziplin: den geopolitischen Kindergeburtstag. Da werden ganze Völker eingeteilt wie bei einem Marvel-Film.

Hier die Guten. Dort die Bösen.

Und wenn die Realität stört, wird sie einfach wegmoderiert. Denn nichts ist bequemer als die Vorstellung, dass Hass immer nur auf der anderen Seite entsteht.Das Tragische ist nur:

Genau das denken dort drüben wahrscheinlich auch alle. Und vielleicht ist genau das der Motor, der diesen Konflikt seit Generationen am Laufen hält.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Daniella Weiss: Gesicht der radikalen Siedler Israels

Bildungspolitik
Gemeinsamer Religionsunterricht: Kultusministerin Julia Willie Hamburg hofft auf Nachahmer

Hannover – Vor der Einführung des deutschlandweit ersten Religionsunterrichts, der von der katholischen und den evangelischen Kirchen gemeinsam verantwortet wird, hat Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) eine Übernahme des Konzepts auch in anderen Bundesländern vorgeschlagen.

„Es wäre wünschenswert, wenn unser Modell aufgegriffen würde, und ich gehe ehrlich gesagt auch davon aus“, sagte Hamburg im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz). „Es ist die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit.“

Niedersachsens neues Schulfach Christliche Religion startet in diesem Sommer. Es soll nach und nach die bisherigen Fächer Evangelische Religion und Katholische Religion ersetzen. Zuvor hatten die Kirchen jahrelang über die gemeinsamen Lehrpläne verhandelt.

Innerkirchlich hätten „nicht alle geklatscht im ersten Moment“, sagte Ministerin Hamburg gegenüber noz weiter. Dabei habe Niedersachsen angesichts einer ausgeprägten Ökumene vergleichsweise günstige Voraussetzungen für das Modell. „Ich nehme schon wahr, dass das nicht in allen Bundesländern so ist. Insofern hat auch nicht jedes Land sofort die Voraussetzungen, das morgen zu kopieren. Solche Prozesse entstehen über Jahrzehnte.“

Trotzdem erlebe sie bei ihren Länderkollegen derzeit ein wachsendes Interesse an dem Projekt, so Hamburg. „Jetzt, wo es konkret wird, bekommt das Ganze eine große Aufmerksamkeit, und viele Länder schauen sich das sicher gerade sehr neugierig an. Das ist zumindest auch mein Eindruck aus dem, was ich aus Kirchenkreisen höre.

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Hohe Abbrecherquoten in der Pflegeausbildung

Istanbul-Konzert
118.000 Besucher: Kanye West bricht Weltrekord in der Türkei

Istanbul – Er war in einem Großteil Europas unerwünscht. Also brach er den Weltrekord in dem Teil, der ihn noch empfing. Der US-amerikanische Rapper Kanye West trat am Samstag im Atatürk-Olympiastadion in Istanbul vor 118.000 Fans auf — und stellte damit den Weltrekord für das größte Stadionkonzert der Geschichte auf.

Der bisherige Rekord lag bei 112.485 Zuschauern, aufgestellt von Country-Sänger Zach Bryan im Jahr 2025 im Michigan Stadium.

Es war Wests erstes Auftreten in Europa seit elf Jahren. Und es hätte kaum stattfinden dürfen — hätte die Türkei nicht Ja gesagt, als fast alle anderen Nein sagten.

Verbannt wegen Antisemitismus

Großbritannien, Frankreich, die Schweiz, Polen und Italien hatten West im Rahmen seiner ersten Europatournee seit über einem Jahrzehnt die Tür zugeschlagen. Hintergrund ist eine lange Geschichte antisemitischer Äußerungen, die Wests Karriere in den vergangenen Jahren schwer beschädigt hatte.

Der Bürgermeister von Marseille, Benoît Payan, lehnte einen geplanten Konzerttermin im April 2026 mit den Worten ab, seine Stadt werde kein „Schaufenster für jene, die Hass und unverhohlenen Nazismus propagieren“ sein. In Großbritannien wurde West vom Wireless Festival ausgeladen, nachdem er als Headliner angekündigt worden war. Behörden blockierten seine Einreise.

Die Niederlande bilden eine Ausnahme: West soll dort am 6. und 8. Juni auftreten. Der niederländische Vize-Premier Bart van den Brink erklärte, es brauche „belastbare Gründe“ um jemandem die Einreise zu verweigern — vergangene Aussagen allein reichten dafür zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus.

Das Verbot konzentrierte die Nachfrage

Was als Einschränkung gedacht war, erzeugte das Gegenteil. Fans aus Ländern, in denen West verbannt worden war, flogen nach Istanbul — aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Italien, Russland, Kasachstan und den USA.

Das Konzert wurde zu einem gesamteuropäischen Ereignis, das sich in einer einzigen Stadt entlud. Türkische Fans füllten die andere Hälfte des Stadions. Das Ergebnis: 118.000 Menschen aus aller Welt in einem Stadion — eine Zahl, die kein anderes Land auf dem Kontinent hätte produzieren können, weil keines bereit war es zu versuchen. Rapper Travis Scott trat laut Berichten als Überraschungsgast auf der Bühne auf.

100 Millionen in Istanbuls Stadtkasse

Das Konzert war nicht nur ein kulturelles Ereignis — es war ein wirtschaftliches. Laut Veranstaltern spülte der Abend allein 44 Millionen Dollar Ticketeinnahmen in die Kassen. Dazu kommen nach Schätzungen der Organisatoren zwischen 50 und 100 Millionen Dollar an indirekten Einnahmen — durch Hotelübernachtungen, Gastronomie und lokale Ausgaben der angereisten Fans. Istanbul hatte für ein Wochenende die Rolle übernommen, die normalerweise London, Paris oder Berlin spielen.

Die Show

West eröffnete das knapp zweistündige Konzert mit dem Song „Father“ und beendete es mit „Stronger“. Auf einer riesigen halbkugelförmigen Bühne in der Mitte des Stadions, die per Hochleistungsprojektion in einen rotierenden Globus verwandelt wurde, spielte er seine bekanntesten Tracks — darunter „Runaway“, „Power“, „Flashing Lights“, „Heartless“ und „Homecoming“.

Das Bühnenbild war vom japanischen Animationsfilm Akira inspiriert. Tausende Zuschauer hielten ihre Handys in die Höhe und verwandelten das Stadion in ein Lichtermeer.

Das Konzert wurde gleichzeitig live auf Wests offiziellem YouTube-Kanal übertragen und zog innerhalb von Minuten Millionen Zuschauer an.

 


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Utrecht
Niederlande: Polizist wirft hochschwangere Syrerin zu Boden — Video löst internationale Empörung aus

Zeist/Utrecht – Ein Video aus den Niederlanden hat weltweit Empörung ausgelöst. Die Aufnahmen zeigen niederländische Polizisten, die eine neun Monate schwangere Syrerin zu Fall bringen, über den Boden schleifen und an den Haaren ziehen.

Der Vorfall ereignete sich am Abend des 19. Mai 2026 in Zeist, einer Stadt nahe Utrecht, wo sich ein temporäres Asylbewerberheim befindet.

Mehrere Videos die auf sozialen Medien kursierten zeigten verschiedene Ausschnitte des Vorfalls. In einer Aufnahme ist zu sehen wie ein Polizist mit einem Polizeihund die Frau zu Boden reißt.

In einem zweiten Clip ziehen zwei Beamte die Frau über den Boden — einer von ihnen hält sie dabei an den Haaren. Die Aufnahmen verbreiteten sich innerhalb von Stunden weltweit und lösten scharfe Kritik aus.

„Das ist was meiner Frau und meiner Tochter passiert ist“

Wesam Mekdad, der Ehemann der Frau, meldete sich auf Facebook zu Wort. „Das ist Ungerechtigkeit“, schrieb er und veröffentlichte die Videos. Er beschrieb, wie er seine hochschwangere Frau auf dem Boden liegen sah — und auf den Polizisten zuging.

Mekdad wurde daraufhin festgenommen. Die niederländische Polizei bestätigte die Verhaftung eines 30-jährigen Mannes aus Zeist, nannte aber keine weiteren Details.
Mekdad schilderte die Situation seiner Familie: Er ist Palästinenser aus Gaza, seine Frau Syrerin.

Beide hatten über Ägypten, die Türkei, Griechenland und Deutschland die Niederlande erreicht und Asyl beantragt. Kurz vor dem Vorfall hatte Mekdad nach eigenen Angaben einen Ablehnungsbescheid erhalten — er solle nach Ägypten abgeschoben werden, seine Frau nach Deutschland, obwohl das Kind möglicherweise in den Niederlanden zur Welt kommen würde.

Polizei spricht von „dynamischer Situation“

Die niederländische Polizei veröffentlichte ein Statement und erklärte, die Videos zeigten nur einen Ausschnitt des Vorfalls. Die Beamten hätten in einer „dynamischen Situation“ gehandelt und schnell reagieren müssen — im Interesse der Sicherheit aller Anwesenden.

Der Einsatz von Gewalt werde nun auf Basis der bekannten Fakten und Umstände überprüft. Gleichzeitig betonte die Polizei ihr Vertrauen in die Professionalität der beteiligten Beamten.

Laut Polizei waren die Beamten wegen Meldungen über Bedrohungen, Vandalismus und eines Messers gerufen worden. Mekdad selbst räumte ein, in einem Moment der Verzweiflung nach Erhalt der schlechten Nachrichten einen Fernseher und die Tür seines Zimmers beschädigt zu haben — er habe jedoch niemanden angegriffen oder Gewalt gegen andere Personen ausgeübt. Seine Frau habe den Beamten mitgeteilt, dass er freiwillig mitgehen würde.

Baby wurde gesund geboren

Mekdad postete kurz darauf Fotos seiner neugeborenen Tochter und schrieb, sie sei wohlauf. Der Fall sorgt weiter für Diskussionen über den Umgang niederländischer Behörden mit Asylsuchenden — und darüber, ob der Einsatz von Gewalt gegen eine erkennbar hochschwangere Frau verhältnismäßig war.

 

 


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Angriff auf Moschee verhindert: Norwegische Polizei dankt muslimischen Senioren

Internet
Google I/O: Die KI-Revolution, die die Websuche verändert

Mountain View – Wer auf Google etwas sucht, kennt das Prinzip seit 25 Jahren: Man tippt ein paar Wörter, bekommt eine Liste von Links und klickt sich durch. Dieses Prinzip ist dabei, sich grundlegend zu verändern.

Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O Mitte Mai 2026 hat Google-Chef Sundar Pichai Ankündigungen gemacht, die das Suchen im Internet von Grund auf umstellen werden — und zwar nicht irgendwann, sondern bereits in den kommenden Monaten.

Die Kernidee ist einfach: Google baut eine KI-Schicht zwischen den Nutzer und die Webseiten. Angetrieben von einem neuen KI-Modell namens Gemini 3.5 Flash soll Google Fragen künftig direkt beantworten — ohne dass man noch auf eine externe Seite klicken muss. Google nennt das die „Agentic Gemini Era“ — eine Ära, in der KI nicht nur antwortet, sondern Aufgaben selbstständig für den Nutzer erledigt.
Das neue Suchfeld

Als erstes fällt auf: Das klassische Suchfeld verschwindet. An seine Stelle tritt eine intelligente KI-Maske, die laut Google die größte Veränderung am Suchfeld seit über 25 Jahren darstellt. Sie versteht nicht mehr nur kurze Stichwörter, sondern lange, komplexe Fragen — und verarbeitet dabei gleichzeitig Bilder, Videos und sogar ganze geöffnete Browser-Tabs.

Wer also einen Artikel liest und gleichzeitig eine Folgefrage stellt, kann beides in einem Schritt kombinieren. Suchanfragen werden dadurch laut Google im Schnitt zwei- bis dreimal länger als heute.

Keine Links mehr — sondern Dashboards

Die eigentliche Revolution passiert auf der Ergebnisseite. Was bisher eine Liste von Links war, wird künftig ein in Echtzeit zusammengebautes, interaktives Mini-Dashboard sein — mit Tabellen, Grafiken und Live-Daten, direkt auf der Google-Seite.

Wer nach einem Produkt sucht, vergleicht es nicht mehr auf zehn verschiedenen Webseiten, sondern bekommt den Vergleich direkt von Google geliefert. Wer das Wetter für das Wochenende checkt und gleichzeitig einen Ausflug plant, bekommt eine maßgeschneiderte Zusammenfassung — ohne einen einzigen Klick auf eine externe Seite.

Der persönliche Internet-Assistent

Am weitreichendsten ist eine neue Funktion namens Gemini Spark — ein persönlicher KI-Agent, der rund um die Uhr im Hintergrund läuft, auch wenn das Handy oder der Laptop ausgeschaltet ist. Man gibt ihm eine Aufgabe, und er erledigt sie eigenständig.

Wer beispielsweise auf der Suche nach einer günstigen Wohnung ist, kann dem Agenten sagen:

„Beobachte die Immobilienpreise in meiner Stadt und melde dich, wenn etwas Passendes auftaucht.“

Der Agent überwacht das Web im Hintergrund und liefert Ergebnisse — ohne dass man selbst noch suchen muss.

Daneben gibt es einen täglichen Briefing-Agenten, der morgens automatisch wichtige E-Mails und Kalendertermine zusammenfasst. Google betont dabei, dass der Agent bei wichtigen Entscheidungen — wie dem Versenden von E-Mails oder dem Ausgeben von Geld — immer erst fragt, bevor er handelt.

Was sich ändert

Das neue intelligente Suchfeld ist laut Google die größte Veränderung am Suchfeld seit über 25 Jahren — und die generativen UI-Funktionen, also die maßgeschneiderten Ergebnisseiten mit interaktiven Grafiken und Simulationen, sollen noch in diesem Sommer kostenlos für alle verfügbar sein.

Für den Nutzer bedeutet das: Suchen wird einfacher, schneller und persönlicher. Man muss sich nicht mehr durch zehn Webseiten klicken, um eine Antwort zu finden. Gleichzeitig bedeutet es, dass Google noch zentraler wird als ohnehin schon — und noch mehr darüber entscheidet, welche Informationen man überhaupt zu sehen bekommt.

Google verschiebt sich damit von KI, die Fragen beantwortet, zu KI, die Aufgaben im Auftrag des Nutzers erledigt — ein Schritt, der das Verhältnis zwischen Mensch und Suchmaschine grundlegend neu definiert.

Da der Traffic über Suchmaschinen unberechenbarer wird, gewinnen direkte Kanäle – wie Newsletter, eigene Apps und loyale Communitys – massiv an strategischer Bedeutung.Die Kontrolle über die Ausspielung wandert zunehmend zu Google. Wer sich im neuen Ökosystem behaupten will, muss Content liefern, den eine KI zwar gerne zitiert, aber nicht selbst erfinden kann.

Gesundheit
Welches Mönchspfeffer sollte ich kaufen?

Die Suche nach dem passenden Mönchspfeffer-Präparat kann überraschend komplex sein, da sich die verfügbaren Produkte in ihrer Zusammensetzung, Dosierung und Qualität zum Teil erheblich voneinander unterscheiden.

In Drogerien, Apotheken und Onlineshops reihen sich Dutzende Produkte aneinander – von preiswerten Kapseln bis zu teuren Flüssigextrakten. Die Produkte unterscheiden sich nicht nur im Preis, sondern auch in Zusammensetzung, Pflanzenherkunft und Verarbeitungsweise.

Gerade Frauen, die den Wirkstoff gezielt gegen zyklusbedingte Beschwerden wie Brustspannen oder hormonelle Schwankungen in der zweiten Zyklushälfte einsetzen möchten, stehen häufig vor der drängenden Frage, welches Produkt tatsächlich hält, was es verspricht.

Dieser Ratgeber beleuchtet die wichtigsten Kaufkriterien, die bei der Auswahl eines Mönchspfeffer-Präparats eine Rolle spielen, zeigt typische Fehler auf, die beim Produktvergleich häufig gemacht werden, und liefert darüber hinaus eine klare Orientierungshilfe, damit Verbraucherinnen am Ende eine fundierte und gut durchdachte Entscheidung treffen können.

Mönchspfeffer ist nicht gleich Mönchspfeffer – warum sich ein genauer Blick lohnt

Herkunft und Anbaubedingungen als Qualitätsfaktor

Die Pflanze *Vitex agnus-castus* wächst vor allem im Mittelmeerraum. Doch nicht jedes Anbaugebiet liefert dieselbe Qualität. Böden, Klima und Erntezeitpunkt beeinflussen den Gehalt an bioaktiven Substanzen wie Iridoidglycosiden und Flavonoiden deutlich.

Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau bieten hier einen messbaren Vorteil, weil strenge Richtlinien sowohl die Bodenbeschaffenheit als auch den Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel regeln. Wer auf eine Bio-Zertifizierung achtet, reduziert gleichzeitig die Belastung durch Rückstände und erhält ein reineres Ausgangsmaterial. Mönchspfeffer aus zertifiziertem Anbau hebt sich deshalb klar von konventionellen Massenproduktionen ab.

Extrakt oder Pulver – ein unterschätzter Unterschied

Fruchtpulver und Extrakt unterscheiden sich grundlegend voneinander. In gemahlenen Früchten liegt der Wirkstoff nur in stark verdünnter Form vor. Ein Extrakt konzentriert die relevanten Inhaltsstoffe auf eine Weise, die dafür sorgt, dass der Körper sie deutlich besser aufnehmen und verwerten kann. Dies steigert die Bioverfügbarkeit im Vergleich zu gemahlenem Fruchtpulver erheblich und ermöglicht eine wirksamere Zufuhr der gewünschten Pflanzenstoffe.

Das Droge-Extrakt-Verhältnis (DEV) gibt dabei an, wie viel Pflanzenmaterial für eine bestimmte Menge Extrakt verwendet wurde. Ein DEV von 10:1 bedeutet konkret, dass aus zehn Kilogramm des ursprünglichen Pflanzenmaterials durch den Extraktionsprozess lediglich ein Kilogramm konzentrierter Extrakt gewonnen wird. Ein höheres Verhältnis ergibt ein stärker konzentriertes Endprodukt. Fehlt dieser Wert auf der Verpackung, deutet das auf mangelnde Transparenz des Herstellers hin.

Drei bedeutsame Kaufkriterien, die viele Frauen übersehen

Dosierung und Standardisierung prüfen

Klinische Untersuchungen, die sich mit der Wirksamkeit von Mönchspfeffer befassen, arbeiten überwiegend mit Tagesdosierungen, die zwischen **4 und 40 Milligramm Extrakt** liegen. Die genaue Menge hängt stark davon ab, welches Extraktionsverfahren angewandt wurde und welche Konzentration der jeweilige Extrakt aufweist.

Beim Kauf sollte man prüfen, ob die Verpackungsangaben mit diesen Dosierungsbereichen übereinstimmen. Manche Produkte täuschen mit einer hohen Milligrammzahl, enthalten aber nur einfaches Fruchtpulver – die tatsächliche Wirkstoffmenge ist dann deutlich geringer als suggeriert. Eine verlässliche Standardisierung auf bestimmte Leitsubstanzen wie **Agnusid** oder **Casticin** gilt als wichtiges Qualitätsmerkmal. Ein genauer Blick auf das Etikett lohnt sich daher vor dem Kauf immer.

 Zusatzstoffe und Reinheit hinterfragen

Kapseln und Tabletten enthalten fast immer Hilfsstoffe. Manche davon – wie Magnesiumstearat, Siliziumdioxid oder mikrokristalline Cellulose – sind unbedenklich, andere hingegen überflüssig oder potenziell problematisch. Aromen, Süßungsmittel oder künstliche Farbstoffe haben in einem phytotherapeutischen Präparat nichts zu suchen.

Auch das Kapselmaterial spielt eine Rolle: Gelatinekapseln kommen für eine vegane Lebensweise nicht infrage, **Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC)** bietet hier eine pflanzliche Alternative.

Achtung bei Kombi-Präparaten:** Besondere Vorsicht ist bei Mischungen geboten, die neben dem Heilkraut auch Vitamine oder Mineralstoffe enthalten. Diese Erzeugnisse erschweren es, die tatsächliche Wirkstoffdosis korrekt einzuschätzen. Ähnlich wie bei traditionellen Naturmitteln wie Schwarzkümmelöl gilt auch hier: Reinheit vor Vielfalt.

Flüssigextrakt in Bio-Qualität – warum Tropfen eine besonders sinnvolle Wahl sein können

Tropfen auf Basis eines alkoholischen Auszugs gehören zu den ältesten und bewährtesten Darreichungsformen in der Pflanzenheilkunde. Der Alkohol wirkt dabei nicht nur konservierend, sondern löst auch lipophile (fettlösliche) Wirkstoffe aus der Pflanze besonders gut heraus.

Flüssigextrakte bieten zudem den praktischen Vorteil, dass sich die Dosierung tropfengenau anpassen lässt, was besonders bei individuellen Therapieplänen von großem Nutzen ist. Das erweist sich vor allem dann als sinnvoll, wenn die Einnahme mit einer niedrigen Dosis begonnen wird und die Menge anschließend schrittweise und behutsam gesteigert werden soll.

Bio-zertifizierte Tropfen garantieren dem Verbraucher, dass weder beim Anbau der verwendeten Heilpflanzen noch bei deren anschließender Verarbeitung zu einem Flüssigextrakt synthetische Stoffe zum Einsatz kamen. Darüber hinaus bewahren alkoholische Extrakte das natürliche Wirkstoffspektrum einer Pflanze deutlich besser als viele industrielle Trocknungsverfahren.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Aufnahme beginnt bereits über die Mundschleimhaut, was die Bioverfügbarkeit gegenüber Kapseln oder Tabletten verbessern kann. Bei Tabletten muss der Wirkstoff erst den gesamten Verdauungstrakt passieren, bevor er ins Blut gelangt. Ein ausführlicher Beitrag zu Wirkungen auf Periode, PMS und Wechseljahre in der ARD Mediathek verdeutlicht, wie breit das Anwendungsspektrum der Heilpflanze tatsächlich ist.

Häufige Stolperfallen beim Produktvergleich und wie sie sich umgehen lassen

Beim Vergleich verschiedener Präparate tappen viele Käufer in dieselben Fallen. Die folgende Übersicht stellt die häufigsten Fehler beim Vergleich sowie passende Gegenstrategien vor:

  1. Nur den Preis vergleichen: Niedrig dosierte Produkte kosten pro Milligramm Wirkstoff oft mehr als hochkonzentrierte Extrakte. Immer den Preis pro echtem Wirkstoffanteil berechnen. 
  2. Kundenbewertungen blind vertrauen: Nur Bewertungen über mindestens drei Monate Nutzung liefern verlässliche Einschätzungen zur tatsächlichen Wirksamkeit.
  3. Auf Marketingversprechen hereinfallen: Begriffe wie „hochdosiert“ oder „premium“ sind rechtlich ungeschützt. Nur konkrete Etikettangaben (Extraktmenge, DEV, Standardisierung) sind verlässlich. 
  4. Die Darreichungsform ignorieren: Bei Schluckproblemen oder dem Wunsch nach einer flexiblen Dosierung direkt Tropfen statt Kapseln wählen. 
  5. Auch der Blick auf den Hersteller selbst lohnt sich. Unternehmen, die ihre Rohstoffquellen offenlegen und unabhängige Laboranalysen bereitstellen, verdienen mehr Vertrauen als anonyme Marken ohne transparente Lieferkette.

Das Thema bewusste Gesundheitsvorsorge gewinnt in der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung – wie auch aktuelle Entwicklungen rund um psychische Gesundheit und Hilfsangebote zeigen, wächst das Bewusstsein für ganzheitliches Wohlbefinden stetig.

So gelingt die persönliche Kaufentscheidung Schritt für Schritt

Ein planvolles Vorgehen bewahrt vor unnötigen oder falschen Käufen. Zunächst sollte der eigene Bedarf analysiert werden.

  • Liegt eine ärztliche Empfehlung vor?
  • Welche Beschwerden sollen gezielt gelindert werden?
  • Wurde bereits ein Präparat ausprobiert, das nicht die erhoffte Wirkung erzielt hat?

Diese Fragen helfen dabei, die Auswahl passender Produkte vorab einzuschränken. Danach sollten drei bis vier Produkte anhand der wichtigsten Kernkriterien verglichen werden.

Ein einfaches Vergleichsblatt, das die fünf Spalten Extraktform, DEV, Standardisierung, Zusatzstoffe und Bio-Zertifizierung übersichtlich nebeneinander aufführt, reicht völlig aus, um die nötige Klarheit zu schaffen. Wer trotz des Vergleichs noch unsicher bleibt, kann in der Apotheke gezielt nach dem Droge-Extrakt-Verhältnis fragen.

Genau dieses Wissen unterscheidet gut informierte Käufer von jenen, die sich allein auf ein ansprechendes Verpackungsdesign verlassen. Erst nach einer konsequenten Einnahme über mindestens drei Menstruationszyklen lässt sich die Wirksamkeit zuverlässig beurteilen. Pflanzliche Präparate wirken zwar langsamer als synthetische Medikamente, verursachen dafür aber häufig weniger Nebenwirkungen.

Geduld und Regelmäßigkeit stellen bei der Anwendung der Heilpflanze den Schlüssel zum Erfolg dar, wobei die richtige Produktwahl das unverzichtbare Fundament bildet, auf dem der gesamte Behandlungserfolg aufbaut.

 

Häufig gestellte Fragen

Wo finde ich hochwertige Bio-Mönchspfeffer-Tropfen ohne Zusatzstoffe?

Spezialisierte Anbieter wie natural elements setzen gezielt auf Bio-Qualität und transparente Herstellungsverfahren. Bei der Suche nach Mönchspfeffer in Tropfenform sollten Sie auf zertifizierte Bio-Rohstoffe und schonende Extraktionsverfahren achten. Flüssigextrakte haben oft eine bessere Bioverfügbarkeit als Kapseln und lassen sich individuell dosieren.

Wie lange dauert es bis Mönchspfeffer-Präparate wirken?

Die ersten spürbaren Verbesserungen treten meist nach 4-6 Wochen regelmäßiger Einnahme auf. Bei hormonellen Ungleichgewichten kann es jedoch 3-4 Monate dauern, bis sich der Zyklus stabilisiert. Wichtig ist die kontinuierliche Einnahme ohne Unterbrechungen, da Mönchspfeffer seinen regulierenden Effekt langsam und nachhaltig entfaltet.

Was kostet eine 3-monatige Mönchspfeffer-Kur und wo spare ich am meisten?

Eine Qualitätskur kostet zwischen 30-60 Euro für drei Monate, abhängig von Darreichungsform und Konzentration. Online-Apotheken sind oft günstiger als stationäre Apotheken, während Drogerien meist die preiswertesten Optionen bieten. Großpackungen und Mehrmonatsvorräte reduzieren die Kosten pro Tagesdosis erheblich. Achten Sie jedoch darauf, dass günstige Produkte oft geringere Wirkstoffkonzentrationen enthalten.

Welche Nebenwirkungen können bei Mönchspfeffer auftreten?

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen leichte Magenbeschwerden, Kopfschmerzen oder Hautausschläge in den ersten Einnahmewochen. Manche Frauen berichten von vorübergehenden Zyklusveränderungen, da sich der Hormonhaushalt neu justiert. Bei Schilddrüsenerkrankungen oder Hormontherapien sollten Sie vor der Einnahme unbedingt Rücksprache mit einem Arzt halten.

Kann ich Mönchspfeffer zusammen mit der Pille nehmen?

Die gleichzeitige Einnahme von Mönchspfeffer und hormonellen Verhütungsmitteln ist grundsätzlich möglich, sollte aber ärztlich abgeklärt werden. Mönchspfeffer kann die Wirkung der Pille theoretisch beeinflussen, da beide Präparate den Hormonhaushalt beeinflussen. Viele Frauen nutzen Mönchspfeffer gezielt beim Absetzen der Pille, um den natürlichen Zyklus zu unterstützen.


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9 Tage, 2 Millionen Gäste – Gaziantep 2-in-1-Festival rekordverdächtig

Technews
Wie Smartphones die Glücksspielbranche verändert haben

Die Entwicklung moderner Smartphones hat nicht nur die Art verändert, wie Menschen kommunizieren oder Informationen konsumieren, sondern auch die gesamte Unterhaltungsindustrie neu definiert.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel im Bereich des mobilen Gamings und der digitalen Glücksspielangebote. Was früher an stationäre Computer oder physische Spielhallen gebunden war, ist heute jederzeit und überall verfügbar. Nutzer benötigen lediglich ein Smartphone und eine stabile Internetverbindung, um auf ein nahezu unbegrenztes Angebot an Spielen und interaktiven Plattformen zuzugreifen.

Diese Entwicklung hat die Glücksspielbranche grundlegend verändert. Noch vor wenigen Jahren dominierten klassische Online-Casinos, die hauptsächlich auf Desktop-Nutzer ausgerichtet waren. Mittlerweile stammt ein Großteil des Datenverkehrs aus mobilen Anwendungen und optimierten Webseiten. Die Branche hat erkannt, dass Smartphones längst zum wichtigsten Zugangspunkt für digitale Unterhaltung geworden sind.

Parallel dazu hat sich auch das Verhalten der Nutzer verändert. Mobile Geräte ermöglichen spontane und flexible Unterhaltung, die sich problemlos in den Alltag integrieren lässt. Viele Menschen nutzen kurze freie Momente unterwegs oder in Pausen, um Spiele auszuprobieren oder digitale Inhalte zu konsumieren. Dadurch entsteht eine völlig neue Dynamik innerhalb des Marktes.

In diesem Zusammenhang gewinnen auch verschiedene Bonus- und Belohnungssysteme an Bedeutung. Plattformen arbeiten zunehmend mit personalisierten Angeboten, um mobile Nutzer langfristig zu binden. Beispiele wie ein sogenannter 300 casino bonus zeigen, wie stark moderne Glücksspielplattformen auf flexible digitale Strategien setzen, die speziell auf Smartphone-Nutzer zugeschnitten sind.

Der Aufstieg des mobilen Gamings und die Veränderung der Nutzergewohnheiten

Der Erfolg des mobilen Gamings basiert vor allem auf seiner Zugänglichkeit. Während Konsolen und Computer oft an bestimmte Orte gebunden sind, ermöglichen Smartphones eine völlig neue Form der Flexibilität. Nutzer können überall spielen – im Zug, im Café oder bequem von zuhause aus.

Diese Freiheit hat dazu geführt, dass mobile Spiele mittlerweile einen großen Teil des gesamten Gaming-Marktes ausmachen. Besonders jüngere Generationen bevorzugen Smartphones als primäre Plattform für digitale Unterhaltung.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die einfache Bedienung. Mobile Spiele sind häufig intuitiver gestaltet und benötigen keine langen Einführungen oder komplizierten Steuerungen. Dadurch erreichen sie ein breiteres Publikum.

Auch die technische Entwicklung moderner Geräte spielt eine zentrale Rolle. Leistungsstarke Prozessoren, hochauflösende Displays und schnelle Internetverbindungen ermöglichen heute komplexe Spiele, die früher nur auf PCs oder Konsolen denkbar gewesen wären.

Wie mobile Technologien die Glücksspielbranche verändert haben

Die Glücksspielbranche hat sehr früh erkannt, welches Potenzial in mobilen Geräten steckt. Betreiber investierten massiv in die Entwicklung mobiler Plattformen, um den wachsenden Anforderungen der Nutzer gerecht zu werden.

Heute bieten viele Anbieter speziell optimierte Apps und Webseiten an, die auf Smartphones besonders gut funktionieren. Dabei geht es nicht nur um technische Anpassungen, sondern auch um die Gestaltung des gesamten Nutzererlebnisses.

Besonders wichtig sind dabei folgende Entwicklungen:

  1. Optimierte Benutzeroberflächen
    Mobile Plattformen setzen auf einfache Navigation und intuitive Bedienung.
  2. Schnellere Ladezeiten
    Nutzer erwarten sofortigen Zugriff auf Inhalte.
  3. Mobile Zahlungsmethoden
    Digitale Wallets und Sofortzahlungen gewinnen an Bedeutung.
  4. Personalisierte Angebote
    Inhalte werden an das Verhalten der Nutzer angepasst.
  5. Push-Benachrichtigungen
    Direkte Kommunikation erhöht die Nutzerbindung.

Diese Veränderungen haben dazu geführt, dass mobiles Glücksspiel heute deutlich komfortabler und zugänglicher ist als noch vor einigen Jahren.

Statistische Entwicklungen des mobilen Glücksspielmarktes

Die Bedeutung des mobilen Marktes lässt sich anhand aktueller Zahlen klar erkennen:

  • Über 70 % des Online-Glücksspielverkehrs stammt mittlerweile von mobilen Geräten
  • Mobile Gaming-Umsätze wachsen schneller als klassische Desktop-Segmente
  • Smartphones sind die bevorzugte Plattform jüngerer Nutzergruppen
  • Die durchschnittliche Nutzungsdauer mobiler Apps steigt kontinuierlich
  • Immer mehr Anbieter investieren primär in mobile Technologien

Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Smartphones mittlerweile das Zentrum der digitalen Glücksspielbranche bilden.

Darüber hinaus wird erwartet, dass der mobile Markt in den kommenden Jahren weiter wächst. Besonders in Regionen mit hoher Smartphone-Dichte entstehen neue Zielgruppen, die digitale Unterhaltung hauptsächlich mobil konsumieren.

Die psychologischen und sozialen Auswirkungen mobiler Unterhaltung

Mit der Verbreitung mobiler Plattformen verändert sich nicht nur die Technologie, sondern auch das Verhalten der Nutzer. Smartphones schaffen eine Form der Unterhaltung, die stärker in den Alltag integriert ist als traditionelle Plattformen.

Ein wichtiger Aspekt ist die ständige Verfügbarkeit. Nutzer können jederzeit auf Inhalte zugreifen, was die Hemmschwelle zur Nutzung deutlich senkt. Gleichzeitig entstehen neue Formen des Konsums, die stärker auf kurze und intensive Erlebnisse ausgerichtet sind.

Auch soziale Aspekte spielen eine größere Rolle. Viele mobile Spiele und Plattformen integrieren Community-Funktionen, Chats oder Wettbewerbe, wodurch Nutzer stärker miteinander interagieren.

Diese Entwicklungen führen dazu, dass mobiles Gaming längst nicht mehr nur als individuelles Hobby betrachtet wird, sondern als sozialer Bestandteil moderner digitaler Kultur.

Neue Geschäftsmodelle und die Zukunft mobiler Plattformen

Die Verlagerung auf mobile Geräte hat neue Geschäftsmodelle hervorgebracht. Betreiber setzen zunehmend auf flexible Monetarisierungsstrategien, die speziell für mobile Nutzer entwickelt wurden.

Dazu gehören:

  1. Mikrotransaktionen
    Kleine Zahlungen innerhalb von Apps.
  2. Abonnementmodelle
    Regelmäßige Inhalte gegen monatliche Gebühren.
  3. Personalisierte Werbung
    Individuell angepasste Anzeigen.
  4. Belohnungssysteme
    Boni und Treueprogramme für aktive Nutzer.
  5. Cloudbasierte Technologien
    Spiele werden direkt gestreamt.

Diese Modelle ermöglichen es Unternehmen, ihre Einnahmen zu diversifizieren und gleichzeitig das Nutzererlebnis weiter zu verbessern.

Besonders cloudbasierte Technologien könnten die Branche langfristig verändern. Nutzer wären dadurch nicht mehr auf leistungsstarke Geräte angewiesen, da Spiele direkt über das Internet bereitgestellt werden.

Warum Smartphones das Zentrum moderner Glücksspielangebote geworden sind

Die zentrale Rolle von Smartphones ergibt sich aus mehreren Faktoren gleichzeitig. Sie verbinden Mobilität, technische Leistungsfähigkeit und permanente Erreichbarkeit in einem einzigen Gerät.

Für Anbieter bedeutet dies enorme Chancen. Mobile Nutzer sind aktiver, häufiger online und reagieren schneller auf neue Inhalte. Dadurch entstehen völlig neue Möglichkeiten für Marketing, Personalisierung und Nutzerbindung.

Gleichzeitig steigen jedoch auch die Anforderungen. Nutzer erwarten reibungslose Abläufe, hohe Sicherheitsstandards und ein modernes Design. Plattformen müssen daher kontinuierlich investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die internationale Reichweite. Mobile Plattformen können Nutzer weltweit erreichen und dadurch neue Märkte erschließen. Dies beschleunigt die Globalisierung der Glücksspielbranche erheblich.

Die Rolle künstlicher Intelligenz im mobilen Glücksspiel

Künstliche Intelligenz spielt eine immer größere Rolle im mobilen Gaming- und Glücksspielmarkt. Moderne Systeme analysieren das Verhalten der Nutzer in Echtzeit und passen Inhalte dynamisch an.

Dadurch entstehen personalisierte Erlebnisse, die deutlich stärker auf individuelle Vorlieben zugeschnitten sind. KI wird genutzt, um:

  • Spielvorschläge zu optimieren
  • Betrug zu erkennen
  • Nutzerverhalten zu analysieren
  • personalisierte Boni anzubieten
  • Support-Systeme zu automatisieren

Diese Technologien verbessern nicht nur die Effizienz der Plattformen, sondern verändern auch die Art und Weise, wie Nutzer digitale Unterhaltung erleben.

Wie sich der Markt in den kommenden Jahren entwickeln könnte

Experten gehen davon aus, dass mobiles Gaming und mobiles Glücksspiel auch in Zukunft weiter wachsen werden. Die technologische Entwicklung schreitet schnell voran, und neue Innovationen könnten die Branche erneut verändern.

Besonders relevant sind dabei:

  • schnellere Mobilfunkstandards
  • Virtual- und Augmented-Reality-Technologien
  • stärkere Integration sozialer Funktionen
  • cloudbasierte Plattformen
  • noch intensivere Personalisierung

Diese Entwicklungen könnten dazu führen, dass Smartphones künftig nicht nur ein Zugangspunkt, sondern das zentrale Element der gesamten digitalen Unterhaltungsbranche werden.

Die Grenzen zwischen Gaming, sozialen Medien und Glücksspiel verschwimmen dabei zunehmend. Nutzer bewegen sich flexibel zwischen verschiedenen Formen der Unterhaltung, während Plattformen versuchen, möglichst umfassende digitale Ökosysteme aufzubauen.

Damit verändert mobiles Gaming nicht nur die Glücksspielbranche, sondern die gesamte Struktur moderner digitaler Unterhaltung.

 


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Türkei: Turkcell und Huawei erreichen bei Test 50 Gbit/s

Israel
Kommentar: „Der Zionismus besteht aus Lügen“

Ein Gastkommentar Michael Thomas

Seit vielen Jahren bereits bin ich über die dröhnende Stille, die das „Thema Israel“ innerhalb jüdischer Gemeinden umfängt, sehr verwundert. Denn es ist sehr wohl ein Thema.

Ich bilde mir nicht ein, jüdische Spiritualität und Schriften durchdrungen zu haben oder besondere Kenntnisse darin zu besitzen.

Was sagt die Schrift zim „Existenzrecht“? Was sagen die Gelehrten?

Aber eines immerhin weiß ich:

Die Existenz eines „jüdischen Staates“ ist unter jüdischen Gelehrten nicht unumstritten. Es gibt unter ihnen nicht wenig Stimmen, die das Existenzrecht Israels aus religiösen Gründen unter Hinweis auf die Schrift ablehnen. Manche gehen so weit zu sagen, dass es ihrer Exegese nach einen solchen Staat nicht geben dürfe. Sie verweisen dabei auf Kesubot 111a in der Tora. (1.)

Gerade ultraorthodoxe Juden wollen hierin ein göttliches Gebot sehen, keinesfalls aus eigenem Antrieb, sondern ausschließlich nur auf direkten Befehl Gottes einen neuen Staat Israel zu gründen – und sie sehen diesen Befehl als bisher nicht erteilt. Infolgedessen betrachten viele von ihnen die Existenz des „jüdischen Staates Israel“ als Sakrileg und lehnen ihn ab. 

Hier ist besonders die Gruppe „Neturai Karta“ (aus dem Aramäischen „Wächter der Stadt“ [Jerusalem]) zu erwähnen, die seit den 40’er Jahren des letzten Jahrhunderts engagiert gegen den Staat Israel und insbesondere gegen den Zionismus zu Felde ziehen. (2.)

Man versucht sie mit dem Vorwurf zu isolieren, sie hätten angeblich den Holocaust geleugnet, weil ihre Vertreter an einer Versammlung zusammen mit anderen teilgenommen hatten, die als Holocaustleugner bekannt sind. Allerdings hat „Neturai Karta“ auf dieser Versammlung den Holocaust unter Hinweis auf eigene Opfer anerkannt.

Basierend auf einem anderen, jüdischen Grundgedanken gründete der Jude und bekennende Antizionist Richard Silverstein die Bewegung „Tikun Olam“, was in etwa „Die Welt zu einem besseren Ort machen“ bedeutet. (3.)

Silverstein sieht die Realität der Politik Israels hart mit den „Mizwot“, den Geboten des Judentums kollidieren und engagiert sich als Journalist intensiv im Kampf gegen den Zionismus, der seiner Auffassung nach in direktem Widerspruch zu den Schriften und dem Glauben steht.

Anzumerken ist, dass sich innerhalb des Judentums massive, auch spirituelle, ganz grundsätzliche Kritik an der bloßen Existenz Israels nicht nur auf diese beiden Aktionen bzw. Gruppen reduziert, sondern dass es eine Vielzahl solcher und ähnlicher Aktivitäten unterschiedlicher Nuancierung gibt. Auch in Israel selbst gibt es kontroverse Diskussionen, auch wenn diese zwar den Staat Israel als solchen, keineswegs jedoch dessen Politik infrage stellen.

Nicht allein durch die teilweise extremen, manipulatorischen Bemühungen der israelischen Politik, sondern auch durch die tätige Mithilfe ihrer „Freunde“ konnten unter anderem auch die Stimmen von „Neturai Karta“ und „Tikun Olam“ beispielsweise bisher immer erstickt und der öffentlichen Wahrnehmung entzogen werden.

Es wurde das Bild eines gewissermaßen monolithischen Blocks „der Juden“ erzeugt, die vorgeblich ausnahmslos nichts sehnlicher wünschen, als einen stark militarisierten, „jüdischen Staat Israel“, dessen angeblich einzige Überlebenschance im ewigen Kampf liegen würde.

Differenzierung findet auch und gerade in Deutschland nicht statt. Im Gegenteil wird dieses falsche Bild „der Juden“ betoniert und direkt auf Israel bezogen. Weder der Zentralrat der Juden Deutschlands, der zwar von der Regierung finanziert wird, allerdings nur einen Teil der jüdischen Gemeinschaften repräsentiert, noch die Bundesregierung selbst hat jemals auf die offenen Fragen von Juden reflektiert, inwiefern Israel als Staat existieren dürfe. Oder ob die aktuelle Kriegspolitik Israels spirituell vertretbar wäre.

Aber bereits vor vielen Jahren begann diese Phalanx des eisenharten Schweigens dazu zunächst in den USA zu zerbrechen. Immer und immer mehr vor allem junge Juden konfrontierten die Älteren in ihren Gemeinden mit der Frage, ob die anhaltende Gewalt und Ungerechtigkeit Israels mit dem Glauben vereinbar wären. Erste Risse zeigten sich, kritische und ablehnende Gruppen erhielten Zulauf.

Wie ich schon vor langer Zeit in einem Essay eines Juden aus den USA las, versuchten viele Ältere, die noch persönliche Holocausterfahrung hatten, diese Diskussion aus Angst zu erdrücken. Ihnen schien, trotz wahrgenommener Fehler und Schieflagen in Israel, dies Land als möglicher Fluchtpunkt und sicherer Hafen erstrebenswert zu sein.

Diese innere Haltung und die Angst, die daraus spricht, allen volltönenden Versprechen zum Trotz doch wieder zum Ziel von Vertreibung und Vernichtung werden zu können, kann und konnte ich menschlich immer nachvollziehen und verstehen. Vergessen wir nicht, dass der Pogrom im nationalsozialistischen Deutschland letztlich nur einer von vielen in der Geschichte war und manchen davon immer Phasen der Reue und Versprechungen gefolgt waren.

Unter dem Eindruck der zurückliegenden Jahre voller Zerstörung, Tod und Leid, gewinnen diese grundsätzlichen Diskussion um das „Existenzrecht Israels“ gerade auch innerhalb des Judentums allerdings deutlich an Lautstärke und Einfluss. Heute mehren sich die Reihen jüdischer Gelehrter, die diese ganz grundlegenden Fragen stellen – und sich zu organisieren beginnen.

Inwiefern sie eines Tages den grundsätzlichen Streit um die religiöse Zulässigkeit eines Israels innerhalb der jüdischen Weltgemeinschaft zum Gegenstand einer Auseinandersetzung machen können oder werden, wird heute niemand erahnen können.

Allerdings ist die bloße Existenz einer nunmehr größeren Organisation, die sich jetzt mit der Jewish Diaspora Movement (JDM) gegründet hat und ein starkes Anwachsen erfährt, ein extrem wichtiger Kontrapunkt gegen zionistische Behauptungen. (4.)

Denn dort versammelt sich spirituelle Kompetenz in den Personen von Rabbis, die nicht vom Tisch gefegt und ignoriert werden kann. Mit der JDM wird nun laut, was ich seit mindestens zwanzig Jahren und mehr vermisse: eine hör- und sichtbare Diskussion von Juden unter Juden über ganz grundlegende Fragen in Bezug auf Israel.

Flankiert wird sie durch weitere, jüdische Organisationen, die aus ihrem Entsetzen über die aktuelle Lage und die anhaltend aggressive Kriegs- und Eroberungspolitik dieses Israels die Abwanderung von Juden aus dem Land unterstützen. Solche, die vielleicht zu einem Israel stehen, aber keineswegs zu diesem konkreten Staat.

Nichtjuden steht meines Erachtens mangels Studium und Kenntnis der Schriften keine Teilnahme an dieser religiös zu führenden Diskussion zu – und selbstverständlich werde und würde ich mich aus Respekt daran niemals beteiligen.

Aber natürlich beobachte ich sie.

Und ihre bloße Existenz sagt mir unter Hinweis auf Gelehrte, dass der Zionismus aus Lügen besteht. Ich halte die Organisation JDM zusammen mit Richard Silverstein und Neturai Karta für einen Beweis, dass der Zionismus keineswegs die, wie behauptet, logische und legitime Folgerung aus dem jüdischen Glauben und somit identitätsstiftend sei.

Zusammen mit den Bestimmungen des Völkerrechts, dem ja beispielsweise auch mit Artikel 25 Grundgesetz Deutschland unterworfen ist, ergeben antizionistische Überlegungen eine neue Sichtweise, die der Darstellung der deutschen Regierung beispielsweise auf breiter Front widerspricht, die sich ausschließlich nur auf das verschobene Bild eines Judentums bezieht, wie es der israelischen Politik dient.

Hier wird ein fundamentales Umdenken, eine tiefgreifende Revision unseres bisherigen Umgangs mit diesem Israel sofort dann zwingend notwendig, wenn wir unser Verhalten tatsächlich an der historischen Schuld Deutschlands an Juden ausrichten wollen. Wir müssen es nämlich auch an den Juden ausrichten, die die Existenz Israels ablehnen. Sobald wir diese Opposition ignorieren, unterscheiden wir zwischen „guten, echten“ und „bösen, falschen“ Juden.

Und genau das steht uns nicht zu.

  1. https://www.sefaria.org/Ketubot.111a.3?lang=bi

  2. https://www.zeit.de/politik/ausland/2010-07/Neturei-Karta-Israel

  3. https://www.richardsilverstein.com

  4. Jewish groups launch new diaspora movement rejecting Israel’s ethno-nationalism

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.
 

Rechtsextremismus
„Wo wohnen hier noch Scheißtürken?“

Ludwigsburg – Viele Jahre vor der NSU oder den Ermordungen türkischer Familien in Solingen oder Mölln, Anfang der 1990er, kam es bereits in den frühen 1980er-Jahren zu zahlreichen tödlichen Angriffen rechtsradikaler Gruppen auf Migranten, insbesondere  Türken.

Anfang der 1980er Jahre machten Neonazis bundesweit Jagd auf türkische Migranten. Im Jahr 1981 war der 44-jährige Seydi Battal Koparan das „erste“ Opfer eines rassistisch motivierten Mordes mit türkischer Herkunft.

Am 31. Dezember 1980 wurde der 44-jährige türkische Gastarbeiter Seydi Battal Koparan vor den Augen seines geistig behinderten Sohnes durch Mitglieder der rechtsradikalen Motorrad-Gang „Stander Greif“ mit Eisenstangen ins Koma geprügelt. Der „Stander Greif“ gilt als Nachfolger der 1980 verbotenen rechtsterroristischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“.

Damaligen Medienberichten zufolge erlitt Koparan durch Stiefeltritte und Faustschläge Rippenbrüche. Durch Schläge mit Eisenstangen sei ihm zudem die Schädeldecke eingeschlagen worden. Seinem behinderten Sohn schlugen die Angreifer zwei Zähne aus und seine Augen blutig. Koparan erlag fünf Stunden später seinen Verletzungen.

Der Spiegel 05.07.1982

Koparan befand sich in der Silvesternacht mit Freunden auf der Suche nach seinem geisteskranken Sohn. Dabei betrat er auch die Gastwirtschaft „Krone“ in Gündelbach im Kreis Ludwigsburg. Dieses Lokal war die Stammkneipe der rechtsradikalen Motoradgang „Stander Greif MC“. Diese Gruppe galt als Nachfolger der 1980 verbotenen rechtsterroristischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“.

„Scheißtürken, macht dass ihr wegkommt, haut ab“, rief die Frau des Wirten.

Koparan und seine Freunde hätten anschließend das Lokal verlassen und draußen den verlorenen Sohn gefunden. Sechzig Angreifer seien der Gruppe aus dem Lokal gefolgt und hätten sie draußen brutal angegriffen. Koparan, sein Sohn, und auch seine Freunde, wurden dabei schwer verletzt. Nach dem Angriff seien die Rechtsradikalen grölend durch den Ort gezogen und riefen „wo wohnen hier noch Scheißtürken?“.

Nur drei der Täter wurden damals in Verbindung mit dem Mord verhaftet. Einer der Täter erhielt eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren und ein zweiter bekam ein Jahr und neun Monate. Der Dritte wurde freigesprochen.

 


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Kapitalmärkte
Iran-Krieg: Der neue Stresstest für Schwellenländer

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Von Dr. Johannes Feist

Der Ölpreis bleibt Ende Mai ein wichtiges Signal für die Kapitalmärkte. Das Marktbild hat sich seit Ende April jedoch verändert. Nach dem Preissprung im April preisen Investoren nicht mehr nur die Eskalation rund um Iran und die Straße von Hormus ein, sondern zunehmend auch die Möglichkeit einer Deeskalation.

Zugleich rückten wechselnde Berichte über Fortschritte und Rückschläge in den US-Iran-Gesprächen sowie über eine mögliche Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus in den Fokus der Märkte.

Auch die großen Zentralbanken haben ihre April-Entscheidungen inzwischen getroffen. Die Fed hielt den Zielkorridor für die Federal Funds Rate bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die EZB ließ ihre Leitzinsen ebenfalls unverändert und verwies auf höhere Energiepreise, stärkeren Inflationsdruck und eine belastete Wirtschaftsstimmung infolge des Kriegs im Nahen Osten.

Die Bank of Japan hielt ebenfalls an ihrem geldpolitischen Kurs fest und verwies in ihrem April-Ausblick auf Risiken aus der Nahostlage für Finanz- und Devisenmärkte sowie für Konjunktur und Preise. 

Für Emerging Markets ist dieser Blick jedoch nur der erste Schritt. Entscheidend ist nicht allein, wie stark Ölpreise, Zinsen oder Wechselkurse schwanken. Entscheidend ist, wie Kapital auf diese Schwankungen reagiert.

Kapital kann Wachstum finanzieren, Investitionen ermöglichen und Stabilität schaffen. Es kann sich in Stressphasen aber auch schnell zurückziehen und damit jene Verwundbarkeit verstärken, die es zuvor überdeckt hat.

Kapital ist nicht homogen

Kapital ist nicht homogen. Kapital von Banken, Pensionsfonds, Hedgefonds, passiven Fonds sowie lokalen Kredit- und Leasinganbietern folgt unterschiedlichen Regeln. Manche Finanzierungsquellen sind langfristig gebunden und orientieren sich an realen Zahlungsströmen.

Andere reagieren täglich auf Marktpreise, Liquidität und globale Risikoindikatoren. In ruhigen Phasen fällt dieser Unterschied kaum auf. Wenn Ölpreise, Währungen und Zinserwartungen stark schwanken, entscheidet genau dieses Verhalten darüber, ob Kapital stabilisiert oder Stress verstärkt.

Was der IWF über Kapitalflüsse in Schwellenländer zeigt

Der Internationale Währungsfonds hat diesen Strukturwandel im April deutlich beschrieben. Emerging Markets haben seit der globalen Finanzkrise erhebliche grenzüberschreitende Portfoliozuflüsse erhalten, weitgehend vermittelt über Nichtbank-Finanzintermediäre.

Diese Zuflüsse schaffen Chancen, erhöhen aber auch die Sensitivität gegenüber globaler Risikostimmung. Laut IWF reagieren Hedgefonds und Investmentfonds stärker auf globale Risikoänderungen als andere Nichtbank-Investoren; unter den Investmentfonds zeigen passive Fonds und ETFs die höchste Sensitivität. Länder, die stärker von solchen Investoren abhängen, können in Phasen globalen Marktstresses verschärfte Finanzierungsbedingungen erleben. 

Damit verschiebt sich die Analyse. Es genügt nicht mehr zu fragen, ob Kapital in einen Markt fließt. Wichtiger ist die Frage, welches Kapital fließt: Bleibt es investiert, wenn der Dollar steigt? Passt seine Laufzeit zu den Cashflows der Realwirtschaft?

Beruht es auf einer langfristigen Kreditbeziehung oder auf täglicher Handelbarkeit? Entscheidend ist, wie Kapital unter Druck reagiert: Bleibt es verfügbar, verteuert es sich nur – oder zieht es sich abrupt zurück?

Der IWF warnt im Global Financial Stability Report zudem vor erhöhten Stabilitätsrisiken durch den Krieg im Nahen Osten. Er verweist auf mehrere Kanäle, über die sich Stress verstärken kann: höheren Inflationsdruck, verschärfte Finanzierungsbedingungen, Kapitalabflüsse, Währungsdruck und abrupte Anpassungen in risikobehafteten Positionen.

Für Emerging Markets ist diese Kombination besonders relevant, weil externe Finanzierung dort oft stärker von globaler Liquidität und Risikobereitschaft abhängt als in entwickelten Märkten. 

Von Marktvolatilität zur Realwirtschaft

Die aktuelle Marktphase testet deshalb nicht nur Konjunktur- und Inflationsprognosen. Sie testet auch die Qualität der Finanzierung. Kapital, das in guten Zeiten reichlich vorhanden ist, aber in schwierigen Phasen schnell verschwindet, hat eine andere Wirkung als Kapital, das an reale Zahlungsströme, längere Laufzeiten und klare Sicherheiten gebunden ist.

Das eine kann Wachstum kurzfristig beschleunigen. Das andere kann Finanzierung über einen Zyklus hinweg verlässlicher machen – vorausgesetzt, Laufzeit, Sicherheiten und Quelle der Rückzahlung passen zur finanzierten Aktivität.

Für die Realwirtschaft ist dieser Unterschied konkret. Kleine und mittlere Unternehmen brauchen Finanzierungen, die zu ihren Einnahmen, Investitionen und Rückzahlungsprofilen passen. Wer Maschinen, Fahrzeuge, Lagerbestände oder Betriebsmittel finanziert, kann nur begrenzt mit Kapital arbeiten, das sich bei jedem globalen Stresssignal neu sortiert.

Die OECD zeigt in ihrem aktuellen SME-Finance-Scoreboard, dass neue Kredite an kleine und mittlere Unternehmen zwar wieder zulegen, der gesamte Bestand an KMU-Krediten aber weitgehend stagniert. Diese schwache Kreditentwicklung belastet Liquidität und Investitionen. Zugleich bleiben die Kreditkosten für KMU im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie hoch, während Banken in einem unsicheren Umfeld weiter an strengen Kreditstandards festhalten. 

Stabil ist ein Markt daher nicht schon deshalb, weil Kapital verfügbar ist. Stabiler wird er, wenn Finanzierung zur wirtschaftlichen Realität passt: zur Laufzeit der Investition, zu realen Cashflows und zur Fähigkeit, auch dann belastbar zu bleiben, wenn globale Investoren defensiver werden. Die Finanzierungsstruktur sollte Risiken früh sichtbar machen, bevor sie zu Ausfällen werden.

Was Anleger prüfen sollten

Für Anleger bedeutet das: Die klassische Analyse anhand von Land, Rating und Renditeaufschlag reicht nicht mehr aus. Ein Markt kann auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, weil Renditen hoch sind und Kapitalzuflüsse robust wirken. Gleichzeitig kann er verwundbar bleiben, wenn ein großer Teil dieser Finanzierung schnell handelbar, kurzfristig oder stark von globalen Risikoindikatoren abhängig ist.

Die Diskussion springt häufig zwischen zwei Polen: Emerging Markets als Wachstumschance oder Emerging Markets als Krisenrisiko. Beides greift zu kurz. Entscheidend ist die Struktur der Finanzierung. Wer stellt Kapital bereit? Wie lange bleibt es? Welche Risiken trägt es? Wie schnell werden Probleme sichtbar? Und wie stark hängt die Finanzierung von Marktliquidität ab?

Was die Ausschläge am Ölmarkt offenlegen

Die jüngsten Ausschläge am Ölmarkt legen diese Fragen offen. Sie zeigen nicht nur, welche Länder Energie importieren oder exportieren. Sie zeigen auch, welche Kapitalstrukturen Belastungen aushalten und welche den Schock verstärken können. Das ist für Investoren ebenso wichtig wie für Aufsichtsbehörden und politische Entscheidungsträger. Denn Kapitalflüsse sind nicht automatisch stabilisierend. Sie stabilisieren nur dann, wenn sie zu den realen Finanzierungsbedarfen passen.

In den kommenden Monaten dürfte diese Unterscheidung wichtiger werden. Wenn Ölpreise, Zinsen und Währungen weiter stark schwanken, wird Kapital selektiver. Dann zählt, ob Finanzierung verlässlich genug ist, um Investitionen, Beschäftigung und unternehmerische Aktivität auch in einem schwierigeren Umfeld zu ermöglichen.

Die Lehre aus der aktuellen Marktphase lautet daher: Entscheidend ist die Qualität des Kapitals. Herkunft, Laufzeit, Risikosensitivität und Nähe zur Realwirtschaft bestimmen, ob es im Stress stabilisiert oder den Druck erhöht.

Der aktuelle Stresstest liegt deshalb nicht nur im Ölpreis. Er liegt in der Struktur der Finanzierung.

 


Dr. Johannes Feist
Dr. Johannes Feist ist CEO von MK Global Kapital. Zuvor war er in verschiedenen leitenden Funktionen bei der KfW tätig. Er verfügt über langjährige Erfahrung in Entwicklungsfinanzierung, Fonds- und Kreditstrukturen sowie in der Arbeit mit Finanzinstitutionen in Schwellen- und Frontier-Märkten.
 
 

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