Wohnen
Geschichte unserer Wohnkultur: Sofas im Wandel der Zeit

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Die Geschichte unserer Wohnkultur ließe sich auch als die Geschichte des Sofas erzählen. Denn das Sofa ist das einzige Möbelstück in unseren vier Wänden, das keine rein funktionale Aufgabe wie das Schlafen, Essen oder Arbeiten erfüllt, sondern hauptsächlich einfach dem Dasein dient.

Während der Stuhl Disziplin einfordert und das Bett die Abwesenheit von Bewusstsein ermöglicht, besetzt das Sofa die Grauzone dazwischen. Es ist der Ort, an dem die Zeit gedehnt wird und man zur Ruhe kommen kann.

Die Evolution der horizontalen Sitzkultur

Betrachten wir die Geschichte des Sofas einmal von Anfang an. Ursprünglich war das Sitzen mit angehobenen Beinen ein Privileg, das strengen gesellschaftlichen Hierarchien unterworfen war. Das Wort „Sofa“ leitet sich vom arabischen suffah ab, was so viel wie eine gepolsterte Bank bedeutet.

Doch bevor es zum Standard in westlichen Wohnzimmern wurde, durchlief es eine lange Transformation. Im 18. Jahrhundert war das Sofa noch ein Repräsentationsinstrument, das vor allem dazu genutzt wurde, männlichen Wohlstand und Eleganz zu zeigen. Die Polsterung war fest, die Bezüge aus kostbarer Seide, Leder oder schwerem Brokat.

Man saß aufrecht darauf und konnte es benutzen, ohne dass der Anzug verknitterte. Heute ist es das Sinnbild für Bequemlichkeit, in das man sich in Jogginghosen am Ende eines Tages sinken lässt.

Denn mit der industriellen Revolution änderte sich die Wahrnehmung von Komfort maßgeblich. Die Entstehung des Bürgertums brachte das Bedürfnis mit sich, den anstrengenden Arbeitsalltag in einem privaten Rückzugsort auszugleichen. Es war die Geburtsstunde des Sofas als Zentrum des sozialen Lebens innerhalb der eigenen vier Wände.

Psychologie des Polstermöbels

Wenn ein Sofa in einem Raum steht, wird es unweigerlich zum Mittelpunkt. Je nachdem, wie es ausgerichtet ist, wirkt ein Raum offen und einladend oder geschlossen und schützend. Wenn das Sofa beispielsweise mit dem Rücken zur Tür steht, transportiert dies Abschottung.

Ein Sofa, das sich zu einem großen Fenster hin öffnet, lädt die Welt von draußen ein, Teil des Innenraums zu werden. Sofas, die über Eck stehen, regen Konversation an. Eines, das auf den Fernseher ausgerichtet ist, nicht. Besonders reizvoll ist die Kombination von Innen und Außen. Wenn der Blick vom Sofa aus nach draußen in den Garten oder Himmel schweifen kann, unterstützt das die Entspannung, die man auf dem Möbelstück sucht.

Die Last der Bequemlichkeit

Doch auch wenn man sich gerne in weiche Kissen sinken lässt, um zu entspannen, birgt das Sofa auch Tücken für die menschliche Anatomie. Gerade wenn man einen Schreibtischjob hat und dementsprechend wenig Bewegung, können zu weiche Polster, die dem Körper keinen Widerstand bieten, dazu führen, dass die Wirbelsäule in eine unnatürliche Krümmung gezwungen wird. Die Muskulatur erschlafft, die Bandscheiben werden ungleichmäßig belastet.

Über Jahre hinweg kann diese Haltung negative Folgen haben. Wenn die Sitzposition ständig kollabiert, entwickeln sich häufig chronische Rückenschmerzen. Es ist eine Ironie, dass ausgerechnet der Ort, der für die Regeneration gedacht ist, zum Verursacher von langfristigen körperlichen Beschwerden werden kann. Hier zeigt sich der Vorteil von festeren Modellen wie dem klassischen Chesterfield-Sofa oder ergonomisch durchdachten Modulsystemen. Sie entlasten den Rücken auch während der Ruhephasen.

Verschiedene Sofatypen

Neben dem klassischen Chesterfield haben sich im Laufe des 20. Jahrhunderts weitere Formen etabliert: Das Ecksofa, oft auch als L-Form bezeichnet, ist ideal für die Raumoptimierung.

Es nutzt tote Winkel aus und lässt Menschen einander zugewandt sitzen. Häufig findet sich im Inneren Stauraum und mit wenigen Handgriffen kann das Sofa zu einer Schlafgelegenheit umgewandelt werden. Damit ist dieser Allrounder ein ideales Sofa für Familien, ein Spielplatz für Kinder und ein Rückzugsort oder gesellschaftlicher Mittelpunkt für Erwachsene gleichermaßen.

Modulare Sofas hingegen spiegeln den Zeitgeist der Flexibilität wider. Sie bestehen aus einzelnen Elementen, die wie Bausteine neu angeordnet werden können. Gerade wenn man häufig umzieht oder umräumt und flexibel bleiben möchte, sind diese Sofas ideal geeignet. Der Vorteil liegt in der Wandelbarkeit. Der Nachteil oft in einer gewissen optischen Unruhe, die durch die vielen Elemente entsteht.

Neben den Klassikern bestimmen vor allem Standardmaße den Alltag. Der Zweisitzer ist das ideale Sofa für kompakte Stadtwohnungen oder als ergänzendes Element in einer größeren Sitzgruppe. Der Dreisitzer gilt als das goldene Mittelmaß, da er Platz für entspanntes Liegen bietet, ohne den Raum optisch zu dominieren.

Wer maximale Entspannung sucht, landet oft beim tiefen Sitzsofa. Durch die großzügige Sitztiefe und die niedrige Bauweise lädt es zum völligen Versinken ein. Besonders bequem und vielseitig ist auch eine Wohnlandschaft. Diese u-förmigen Giganten vereinen Sitz-, Liege- und Spielflächen und fungieren als Inseln im Raum, auf denen eine ganze Familie gleichzeitig Platz findet.
Materialien

Gerade im Sommer liegen wir mit der bloßen Haut auf unserer Couch. Spätestens jetzt wird klar, wie wichtig der Bezug bei der Wahl des Sofas ist. Leder ist kühl, glatt und besonders langlebig. Dieses Material atmet und bietet sich beispielsweise in Haushalten mit Tieren an, die es sich bekanntermaßen ebenfalls gerne auf der Couch gemütlich machen.

Stoffbezüge, vom groben Leinen bis zum feinen Samt, hingegen bieten eine sofortige Wärme. Samt reflektiert das Licht auf eine besondere Weise, die ihn zu einem wahren Hingucker macht. Auch die Farbauswahl ist wesentlich. So kann das Sofa in einem hellen Ton dezent in den Hintergrund treten, oder sich beispielsweise in einem leuchtenden Rot hervortun. Wer Abwechslung schätzt, kann durch diverse farbige Kissen und Decken die Gestaltung wesentlich ändern.

Beachtenswert ist auch die Platzierung: Ein Sofa in der Nähe einer großen Glasfront zum Garten hin ist zudem anderen Belastungen ausgesetzt als ein Möbel in einer dunklen Ecke. UV-Strahlung kann Farben verblassen lassen und Materialien spröde machen. Hier zeigt sich die Qualität der Verarbeitung. Ein hochwertiges Sofa ist eine Investition in die nächsten zwei Jahrzehnte. Es muss dem Sonnenlicht ebenso standhalten wie gelegentlichen Wassertropfen, wenn beispielsweise ein Saft auskippt oder Tränen bei Filmen fließen.

Gemütlichkeit und Technik

In einem modernen Sofa stecken häufig technische Raffinessen: Unter den Polstern verbergen sich oft elektrische Funktionen, die Fußstützen ausfahren oder die Sitztiefe verstellen lassen. Diese Zusätze sind ideal, um beispielsweise chronischen Rückenschmerzen proaktiv zu begegnen, indem sie wechselnde Sitz- und Liegepositionen ermöglichen.

Gleichzeitig sollte die Akustik bedacht werden. Ein Sofa aus weichen Textilien wirkt im Raum wie ein riesiger Schallschlucker. In Räumen mit vielen harten Oberflächen, beispielsweise mit Fliesenböden, Fensterfronten und wenigen Möbeln, ist dies ein entscheidender Faktor für die Aufenthaltsqualität. Ohne die dämpfende Wirkung eines großen Polstermöbels würde jedes Geräusch unangenehm nachhallen.

 


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Robotik
Arbeit für rund 2 Dollar pro Stunde: Humanoide Roboter

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München – Humanoide Roboter stehen vor dem Sprung aus der Prototypenphase in die industrielle Skalierung. Die aktuelle Roland Berger Studie Humanoid Robots 2026 – The Convergence Moment for a New Market zeigt:

Durch Fortschritte bei KI und Robotik-Hardware könnten humanoide Systeme perspektivisch zu Betriebskosten von rund zwei US-Dollar pro Stunde arbeiten. Damit wären sie in Hochlohnländern wie Deutschland ein entscheidender Hebel, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, neue Industrien entstehen zu lassen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Laut der Studie dürften Robotik-Hersteller bis 2035 einen Umsatz von 300 Milliarden US-Dollar erreichen; in optimistischeren Rechenszenarien bis zu 750 Milliarden US-Dollar. Langfristig könnte der Markt bis zu vier Billionen US-Dollar erreichen, und damit das Potenzial, eine Marktgröße wie die der Automobilindustrie zu erlangen.

„Wir erleben gerade, wie technologische Machbarkeit auf wirtschaftliche Notwendigkeit trifft. Die entscheidende Frage ist also nicht mehr, ob humanoide Roboter kommen, sondern wie schnell sie skalieren,“ sagt Thomas Kirschstein, Partner bei Roland Berger.

Milliardenchance entlang der Wertschöpfungskette

Humanoide Roboter schaffen neue Absatzmärkte weit über den eigentlichen Roboter hinaus: von Motoren, Mechanik und Sensoren bis hin zu Elektronik und Produktionsausrüstung – eine komplexe Wertschöpfungskette, die in großen Teilen auf bestehenden Industriekompetenzen aufbaut.

Bis humanoide Roboter vollständig autonome Produktionsaufgaben übernehmen können, muss die Technik weiter fortschreiten. Während die Hardware bereits in einem fortgeschrittenen Stadium ist, reifen Software, Lieferketten oder Regulierungen sukzessive nach. Der Nutzen wird sich zunächst in klar abgegrenzten, repetitiven Anwendungen zeigen, wie etwa Gegenstände auspacken oder transportieren. Erst mit wachsender Software-Reife können sich die Tätigkeiten ausdehnen.

Auch Themen wie Haltbarkeit und Sicherheits- und Haftungsfragen entscheiden über Geschwindigkeit und Breite der Industrialisierung. So müssen die komplexen Systeme einen Dauerbetrieb in teils rauen Produktionsumgebungen aushalten.

Bestehende Sicherheitsstandards sind auf klassische, eingezäunte Automation ausgelegt. Humanoide Roboter arbeiten hingegen dynamisch und bewegen sich in den gleichen Räumlichkeiten wie Menschen. Dafür braucht es neue Test- und Zertifizierungslogiken sowie einheitliche Gesetzgebung.

Europa benötigt eine eigene Value Chain

Zwar verfügt Europa über eine starke industrielle Basis, insbesondere in Automobilbau, Maschinenbau und Automatisierung, doch Investitionen, Stückzahlen und Startup-Ökosysteme sind aktuell noch hinter den USA und China zurück. Der Kontinent hat den Anschluss laut der Studie noch nicht verloren, muss aber entschlossen handeln.

Thomas Kirschstein, Partner bei Roland Berger, sagt: „Europa hat die technologischen Fähigkeiten, in Zukunft von humanoiden Robotern zu profitieren. Was fehlt ist die Entschlossenheit, in eigene Wertschöpfungsketten zu investieren und schnell zu skalieren.“

Humanoide Roboter eröffnen mit Betriebskosten von rund zwei US-Dollar pro Stunde die Möglichkeit, auch arbeitsintensive Produktion wieder wirtschaftlich nach Europa zu holen. Voraussetzung dafür ist eine europäische Wertschöpfungsstruktur: mehr Skalierung, mehr Investitionen und eine enge Verzahnung von Industrie, Zulieferern und Technologieanbietern.

Gelingt das nicht, droht Europa von fremden Technologien abhängig zu werden, obwohl Europa heute mehr als 20 Startups für Humanoide Roboter hat. Ohne eine eigene industrielle Wertschöpfungskette, die mit den USA und China mithalten kann, würde ein erheblicher Teil der wirtschaftlichen Effekte außerhalb Europas entstehen, wie es heute bereits in Teilen der KI-Industrie zu beobachten ist.

Über die Studie

Die Studie „Humanoid Robots 2026 – The Convergence Moment for a New Market“ analysiert Marktpotenziale, die Ökonomie humanoider Robotik sowie technologische und regulatorische Voraussetzungen für die Skalierung. Sie basiert auf Marktinterviews, Modellierungen und internen Daten von Roland Berger. Sie beleuchtet zudem regionale Ökosysteme sowie erste industrielle Einsatzfelder.

 


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Künstliche Neuronen kommunizieren mit lebenden Gehirnzellen

Forscher der Northwestern University entwickelten gedruckte künstliche Neuronen, die direkt mit lebenden Hirnzellen kommunizieren und die Energieeffizienz von KI massiv steigern können.

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USA
TV-Tipp: JD Vance – Der Mann nach Donald Trump

Berlin – Für die einen ist er ein rückgratloser Opportunist, für andere der aussichtsreichste Kandidat der Republikaner bei den nächsten amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2028.

Wie aber wurde aus dem aus schwierigen Verhältnissen stammende James David Vance der derzeitige Vizepräsident der Vereinigten Staaten? Der 82-minütige Dokumentarfilm ist ab 21. April 2026 in der ARD Mediathek verfügbar und wird am gleichen Tag um 22:50 Uhr im Ersten gezeigt. Eine Produktion von Together Media in Zusammenarbeit mit dem SWR.

Der Film entfaltet sich wie ein politischer Thriller und verfolgt die Schritte eines Mannes, der seine eigene Geschichte schon niederschrieb, bevor er weltbekannt wurde – „Hillbilly Elegy“ (2016) ein von Hollywood verfilmter Bestseller, der sogar den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz zu Tränen gerührt haben soll.

Inzwischen hat JD sich aus der amerikanischen Unterschicht bis nach oben gekämpft und ist nach Donald Trump der mächtigste Politiker der USA. Middletown, Ohio, im armen Rust Belt Amerikas, ist der Ort, aus dem JD Vance seine Stärke, seine Widerstandskraft und seinen Rachedurst zieht: Hier wuchs er bei seinen Großeltern auf, weil sich seine drogenabhängige Mutter nicht um ihn kümmern konnte.

Glühender Ehrgeiz und ideologische Anpassungsfähigkeit

In Yale fühlte er sich zunächst in einer neuen Welt verloren, bevor er Denker entdeckte, die ihn tief beeinflussten und er seine spätere Frau Usha kennenlernte. Sein Weg führte ihn auch vom Atheismus zum katholischen Glauben vom absoluten Trump-Gegner zum aktiven Unterstützer.

In einer Mischung aus atmosphärisch eingefangenen Ortserkundungen, die Vance und sein Weltbild prägten, Archivausschnitten seiner öffentlichen Auftritte, privaten Fotos und Interviews mit Menschen aus seinem nahen Umfeld, wie seiner Mutter, Ehefrau, Studienfreundin und Mentoren entsteht das beunruhigende Bild eines Mannes, der von ganz unten kommt, es mit viel Ehrgeiz und vielen ideologischen Verwandlungen geschafft hat, in die Elite aufzusteigen und der noch weiter nach oben strebt. Der Mann nach Trump?

82-minütiger Dokumentarfilm über den zweitmächtigsten Politiker der USA ab 21.4.2026 in der ARD Mediathek / Ausstrahlung im Ersten am 21.4., um 22:50 Uhr


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Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hat den US-Krieg gegen den Iran in der NBC-Sendung „Meet The Press“ scharf verurteilt und dabei auf einen Songtext des verstorbenen Rappers Tupac Shakur zurückgegriffen.

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Neurotechnologie
Künstliche Neuronen kommunizieren mit lebenden Gehirnzellen

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Northwestern – Ingenieure der Northwestern University haben künstliche Neuronen entwickelt, die direkt mit lebenden Gehirnzellen interagieren können. Die flexiblen Bauteile erzeugen lebensechte elektrische Signale und könnten die Neurotechnologie sowie die Energieeffizienz von KI-Systemen revolutionieren.

Wissenschaftler an der Northwestern University erzielten einen bedeutenden Durchbruch an der Schnittstelle zwischen Maschine und menschlichem Gehirn. Das Team um Mark C. Hersam entwickelte gedruckte künstliche Neuronen, die über bloße Imitation hinausgehen und aktiv mit biologischen Nervenzellen kommunizieren. In Experimenten mit Hirngewebe von Mäusen lösten diese kostengünstigen, flexiblen Geräte Reaktionen in realen Neuronen aus.

Schnittstelle für Neuroprothetik und KI

Diese Entwicklung rückt die Vision von Elektronik, die direkt mit dem Nervensystem gekoppelt ist, in greifbare Nähe. Mögliche Anwendungsgebiete sind Hirn-Maschine-Schnittstellen und Neuroprothesen, die Hör-, Seh- oder Bewegungsfunktionen wiederherstellen könnten. Zudem weist die Technologie den Weg zu einer neuen Generation von Computersystemen. Durch die Nachahmung neuronaler Kommunikation könnte Hardware künftig komplexe Aufgaben mit einem Bruchteil der heute benötigten Energie bewältigen.

„Die Welt ist von künstlicher Intelligenz dominiert, doch das datenintensive Training führt zu massiven Stromverbrauchsproblemen“, erklärte Mark C. Hersam, Leiter der Studie und Professor für Materialwissenschaften an der McCormick School of Engineering. Da das Gehirn um fünf Größenordnungen energieeffizienter arbeitet als ein digitaler Computer, müsse die nächste Hardware-Generation vom biologischen Vorbild lernen.

Abkehr vom starren Silizium

Herkömmliche Computer basieren auf Milliarden identischer Transistoren auf starren Siliziumchips. Das Gehirn hingegen besteht aus heterogenen, dynamischen Netzwerken, die sich ständig anpassen. Um diese Komplexität zu erreichen, nutzte Hersams Team elektronische Tinten aus Nanoflocken von Molybdändisulfid (MoS2) und Graphen. Mittels Aerosol-Jet-Druck wurden diese auf flexible Polymeroberflächen aufgebracht.

Besonders innovativ: Ein Polymer, das bisher als störend galt, wurde gezielt genutzt

Durch teilweise Zersetzung des Polymers unter Stromfluss entstanden leitfähige Filamente, die plötzliche elektrische Reaktionen – ähnlich dem Feuern eines Neurons – ermöglichen. Die künstlichen Neuronen erzeugen so Spikes, kontinuierliche Signale und Burst-Muster, die biologischen Signalen präzise entsprechen.

Erfolgreiche Tests an biologischem Gewebe

In Zusammenarbeit mit der Neurobiologin Indira M. Raman wurde die Wirksamkeit am Kleinhirn von Mäusen getestet. Die künstlichen Signale entsprachen in Timing und Dauer exakt den biologischen Eigenschaften. „Andere Labore versuchten es mit organischen Materialien, die zu langsam waren, oder mit Metalloxiden, die zu schnell reagierten. Wir bewegen uns in einem Zeitbereich, der direkt mit lebenden Neuronen interagiert“, so Hersam.

Angesichts des enormen Energie- und Wasserverbrauchs moderner Rechenzentren unterstreicht Hersam die Dringlichkeit effizienterer Hardware. Die additive Fertigung der neuen Neuronen ist zudem kostengünstig und nachhaltig. Die Studie wurde am 18. April in der Fachzeitschrift Science Daily veröffentlicht.

 


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USA
Mamdani: „Wir haben immer Geld für den Krieg, aber nicht um die Armen zu ernähren“

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New York – Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hat den US-Krieg gegen den Iran in der NBC-Sendung „Meet The Press“ scharf verurteilt und dabei auf einen Songtext des verstorbenen Rappers Tupac Shakur zurückgegriffen.

„Ich wünschte, die Worte von Tupac aus den 90er Jahren wären nicht immer noch prophetisch, aber sie treffen für zu viele Menschen weiterhin zu — nämlich dass wir immer Geld für den Krieg haben, aber nicht, um die Armen zu ernähren“, sagte Mamdani gegenüber Moderatorin Kristen Welker.

Das Zitat stammt aus Tupacs Song „Keep Ya Head Up“ und beschreibt nach Ansicht Mamdanis die aktuelle Lage in Amerika treffender denn je.

Krieg verschärft Lebenshaltungskostenkrise

Mamdani betonte, der andauernde Krieg gegen den Iran habe die ohnehin hohen Lebenshaltungskosten in New York City weiter in die Höhe getrieben. „Während dieser Krieg eine Lebenshaltungskostenkrise verschärft hat, ist das eine Krise, die bereits vor meiner Bürgermeisterkandidatur existierte — und sie spiegelt sich darin wider, dass wir die teuerste Stadt der Vereinigten Staaten sind“, sagte er.

Die Militäroperation gegen den Iran solle „nicht nur aus politischen oder moralischen Gründen, sondern auch aus rein wirtschaftlichen Gründen abgelehnt werden“, so Mamdani. Die USA hätten bereits schätzungsweise 28 Milliarden Dollar für den Krieg ausgegeben — Geld, das seiner Meinung nach stattdessen für die Arbeiterklasse in ganz Amerika eingesetzt werden könnte.

Krieg tief unpopulär in der Bevölkerung

Der Krieg gegen den Iran, der Ende Februar als gemeinsame Militäroperation der USA und Israels begann, ist in der amerikanischen Bevölkerung inzwischen tief unpopulär. In einer aktuellen CBS News/YouGov-Umfrage gaben fast 60 Prozent der Amerikaner an, der Krieg laufe „sehr“ oder „eher schlecht“ für die USA.

Der Konflikt hatte zudem dazu geführt, dass der Iran die Straße von Hormus sperrte, was die globalen Ölpreise in die Höhe trieb und die Benzinkosten in den gesamten USA ansteigen ließ. Im Kongress scheiterte unterdessen ein parteiübergreifender Versuch, den Präsidenten zum Abzug der US-Streitkräfte aus dem Iran-Konflikt zu verpflichten — die Abstimmung im Repräsentantenhaus verlief weitgehend entlang der Parteilinien.

Trump: Militär hat Vorrang vor Kinderbetreuung

Präsident Donald Trump wies derweil Forderungen zurück, Subventionen für die Kinderbetreuung auszuweiten. Bei einem privaten Osteressen im Weißen Haus sagte er:

„Es ist uns nicht möglich, uns um Kinderbetreuung, Medicaid, Medicare und all diese einzelnen Dinge zu kümmern. Das können die Bundesstaaten auf eigene Initiative tun. Wir müssen uns um eine Sache kümmern: den Militärschutz. Wir müssen das Land schützen.“

Mamdani setzt auf kostenlose Kinderbetreuung

Ein klarer Gegensatz zu Mamdanis politischer Agenda: Der Bürgermeister, der im November gewählt wurde und dabei einen Wahlkampf für eine erschwinglichere Stadt geführt hatte, hat die kostenlose Kinderbetreuung zu einer seiner wichtigsten Prioritäten erklärt.

Im März kündigten Mamdani und New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul ein kostenloses Kinderbetreuungsprogramm für bis zu 2.000 Zweijährige in New York City an — mit dem Ziel, es künftig auszuweiten. Zur Finanzierung seiner Versprechen, darunter erschwinglichere Kinderbetreuung, hatte Mamdani im Wahlkampf eine Steuererhöhung für die reichsten New Yorker angekündigt.

Vergangene Woche schlugen er und Hochul offiziell eine „Pied-à-Terre“-Steuer für Eigentümer von Immobilien im Wert von mehr als 5 Millionen Dollar in New York City vor, die dort nicht ihren Hauptwohnsitz haben.

„Diese Steuer wird mindestens 500 Millionen Dollar direkt für die Stadt einbringen und Dinge wie kostenlose Kinderbetreuung, sauberere Straßen und sicherere Nachbarschaften finanzieren“, so Mamdani.

Zohran Kwame Mamdani wurde 1990 in Kampala, Uganda, geboren und wuchs in New York City auf. Er ist der Sohn des renommierten ugandisch-amerikanischen Politikwissenschaftlers Mahmood Mamdani und der südafrikanischen Filmemacherin Mira Nair. Mamdani studierte Wirtschaftswissenschaften an der Bowdoin College in Maine. Vor seiner politischen Karriere arbeitete er als Mieterrechtsberater in Queens.

Er ist Mitglied der Demokratischen Sozialisten Amerikas (DSA) und vertrat ab 2021 den Stadtteil Astoria in Queens als Abgeordneter der New York State Assembly. Im November 2024 wurde er zum Bürgermeister von New York City gewählt.

Präsidentschaft außer Reichweite

Trotz seiner rasanten politischen Karriere und wachsender Popularität weit über New York hinaus bleibt das Weiße Haus für Mamdani verfassungsrechtlich unerreichbar. Viele seiner Unterstützer würden ihn gerne als nächsten US-Präsidenten sehen — doch die US-Verfassung schließt ihn aus: Als in Kampala, Uganda geborener Politiker erfüllt er nicht die Voraussetzung des „natural-born citizen“, die für eine Präsidentschaftskandidatur zwingend erforderlich ist.

Keiner seiner Eltern war zum Zeitpunkt seiner Geburt US-Bürger — sein Vater ist ugandischer, seine Mutter indischer Staatsbürgerin. Eine Verfassungsregel aus dem Jahr 1787 versperrt ihm damit den Weg ins höchste Amt Amerikas.

 


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Global Outrage
Israeli Soldier Smashes Jesus Statue in Lebanon

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Beirut – A viral photograph showing an Israeli soldier smashing a statue of Jesus Christ in southern Lebanon with a sledgehammer has sparked outrage worldwide.
The image was viewed more than 5 million times on X and ignited a broad debate about Western indifference to the destruction of religious symbols by Israeli soldiers and settlers.

The Israeli military confirmed the authenticity of the image and announced that an investigation had been launched.

„The actions do not align with the values of the army or the expected conduct of its soldiers,“ the military said in a statement. Appropriate measures would be taken „based on the findings“ — without providing further details on the soldier’s identity or possible disciplinary action. The statue was located on the outskirts of the village of Debl in southern Lebanon, near the border with Israel.

Palestinian Lawmakers React Sharply

Ayman Odeh, a Palestinian member of the Israeli Knesset, responded with pointed sarcasm: „We’ll wait to hear the police spokesperson claim that the soldier felt threatened by Jesus.“

His colleague Ahmad Tibi wrote on Facebook that those who blow up mosques and churches in Gaza and spit on Christian clergy in Jerusalem — without punishment — have no hesitation in destroying a statue of Jesus Christ and publishing it online. „When the Western world remains silent, racists go further,“ Tibi said.

A Pattern of Destruction

The incident is not an isolated one. Israeli forces repeatedly attacked religious sites during the war on Gaza — including mosques and churches. In the occupied West Bank, settlers vandalized or attacked 45 mosques last year, according to the Palestinian Authority’s Ministry of Religious Affairs.

The Religious Freedom Data Center (RFDC) documented at least 201 incidents of violence against Christians in Israel between January 2024 and September 2025 — predominantly carried out by Orthodox Jews targeting international clergy or individuals displaying Christian symbols.

The majority of these incidents — including spitting, verbal abuse, vandalism and physical assaults — took place in Jerusalem’s Old City, located in occupied East Jerusalem.

Conservative Christians Silent — While Christians in Israel Face Harassment

There is a striking discrepancy between rhetoric and reality: while conservative and radical Christians in the West frequently invoke a „Judeo-Christian partnership“ and offer unconditional support for Israel, Christians in Israel — particularly international clergy and pilgrims — are regularly harassed and attacked by radical settlers and parts of the ultra-Orthodox community.

Conservative American political commentator Candace Owens reacted on X with sharp criticism: „Which commentators will reliably lecture us about Judeo-Christian values?“ — a direct jab at Western conservatives who unconditionally support Israel while Israeli soldiers destroy Christian symbols.

A report by the Times of Israel recently documented a significant rise in attacks on Christians in Israel. The second annual report by the Rossing Center, cited by the Times of Israel, documented 111 anti-Christian incidents in 2024. An accompanying survey found that nearly half of Christians under the age of 30 are considering emigrating from Israel.

In connection with the report, the group also examined Christian attitudes toward issues such as identity, religious freedom, Israeli-Jewish society, the role of the church, and emigration.

The survey results showed that relations between the Christian community and the rest of the country are somewhat strained: one in three Christians feels unaccepted by their Jewish-Israeli fellow citizens and is considering leaving the country — a figure that rises to 48 percent among those under 30.

 


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Weltweite Empörung
Libanon: Israelische Soldaten zerstören Jesus-Statue

Beirut – Ein virales Foto, das einen israelischen Soldaten zeigt, der mit einem Vorschlaghammer eine Jesus-Christus-Statue im Südlibanon zerstört, hat weltweit Empörung ausgelöst.

Das Bild wurde über 5 Millionen Mal auf X aufgerufen und löste eine breite Debatte über die westliche Gleichgültigkeit gegenüber der Zerstörung religiöser Symbole durch israelische Soldaten und Siedler aus.

Die israelische Armee bestätigte die Echtheit des Bildes und teilte mit, dass eine Untersuchung eingeleitet worden sei.

„Die Handlungen entsprechen nicht den Werten der Armee oder dem erwarteten Verhalten ihrer Soldaten“, hieß es in einer Stellungnahme. Angemessene Maßnahmen würden „auf Grundlage der Ergebnisse“ ergriffen — ohne weitere Details zu Identität oder möglichen Disziplinarmaßnahmen gegen den Soldaten zu nennen. Die Statue befand sich am Ortsrand des Dorfes Debl im Südlibanon, nahe der Grenze zu Israel.

Palästinensische Abgeordnete reagieren scharf

Ayman Odeh, palästinensisches Mitglied der israelischen Knesset, kommentierte ironisch: „Wir werden darauf warten zu hören, dass der Polizeisprecher behauptet, der Soldat habe sich von Jesus bedroht gefühlt.“

Sein Kollege Ahmad Tibi schrieb auf Facebook, dass diejenigen, die in Gaza Moscheen und Kirchen in die Luft sprengen und in Jerusalem christliche Geistliche anspucken — und das ungestraft — keine Hemmungen hätten, eine Jesusstatue zu zerstören und dies zu veröffentlichen. „Wenn die westliche Welt schweigt, gehen Rassisten weiter“, so Tibi.

Ein Muster der Zerstörung

Der Vorfall ist kein Einzelfall. Israelische Streitkräfte griffen während des Krieges gegen Gaza wiederholt religiöse Stätten an — darunter Moscheen und Kirchen. Im besetzten Westjordanland vandalisierten oder griffen Siedler im vergangenen Jahr laut dem palästinensischen Ministerium für religiöse Angelegenheiten 45 Moscheen an.

Das Religious Freedom Data Center (RFDC) dokumentierte zwischen Januar 2024 und September 2025 mindestens 201 Vorfälle von Gewalt gegen Christen in Israel — überwiegend begangen von orthodoxen Juden gegen internationale Geistliche oder Personen, die christliche Symbole trugen.

Die Mehrheit dieser Vorfälle, darunter Anspucken, verbale Beleidigungen, Vandalismus und körperliche Angriffe, ereignete sich in der Altstadt von Jerusalem im besetzten Ostjerusalem.

Radikale Christen schweigen — während Christen in Israel schikaniert werden

Bemerkenswert ist dabei die Diskrepanz zwischen Rhetorik und Realität: Während konservative und radikale Christen im Westen oft von einer „jüdisch-christlichen Partnerschaft“ sprechen und Israel bedingungslos unterstützen, werden Christen in Israel — insbesondere internationale Geistliche und Pilger — von radikalen Siedlern und teilen der ultraorthodoxen Gemeinschaft regelmäßig schikaniert und angegriffen.

Die konservative amerikanische Politanalystin Candace Owens reagierte auf X mit scharfer Kritik: „Welche Kommentatoren werden uns zuverlässig über jüdisch-christliche Werte belehren?“ — eine direkte Anspielung auf westliche Konservative, die Israel bedingungslos unterstützen, während israelische Soldaten christliche Symbole zerstören.

Ein Bericht der Times of Israel dokumentierte zuletzt einen deutlichen Anstieg solcher Angriffe auf Christen in Israel. Der zweite Jahresbericht des Rossing Center auf den sich Times of Israel bezieht dokumentiert 111 antichristliche Vorfälle im Jahr 2024. Eine begleitende Umfrage ergab, dass fast die Hälfte der Christen unter 30 Jahren aus Israel auswandern möchte. 

Im Zusammenhang mit dem Bericht untersuchte die Gruppe auch die Einstellungen von Christen zu Themen wie Identität, Religionsfreiheit, der israelisch-jüdischen Gesellschaft, der Rolle der Kirche und Auswanderung.

Die Umfrageergebnisse zeigten, dass die Beziehungen zwischen der christlichen Gemeinschaft und dem Rest des Landes etwas angespannt sind: Jeder dritte Christ fühlt sich von seinen jüdisch-israelischen Mitbürgern nicht akzeptiert und erwägt, das Land zu verlassen – bei den unter 30-Jährigen steigt dieser Anteil auf 48 %.

 


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USA
Rachel Corrie’s Mother Calls for Arms Embargo Against Israel

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Washington D.C. – The mother of Rachel Corrie, the US activist killed in Gaza in 2003 by an Israeli military bulldozer, has published a powerful commentary in the US-magazine The Nation calling for a comprehensive arms embargo against Israel.

Cindy Corrie, whose daughter lost her life 23 years ago during a peaceful protest, writes that the US delivery of armored Caterpillar D-9 bulldozers to Israel must finally end.

These bulldozers — manufactured in the United States and delivered by presidents from George W. Bush to Joe Biden — are the same machines that killed her daughter and remain in use to this day.

In his final months in office, President Biden halted the shipment of militarized bulldozers to Israel, officially acknowledging for the first time the role these machines play in the systematic destruction of Palestinian homes. However, one of Donald Trump’s first acts upon taking office was to reverse that decision and resume the transfers.

Since then, Israel has only accelerated the destruction of homes — not only in Gaza, but also in the West Bank and now in its invasion of southern Lebanon.

Cindy Corrie welcomes the initiative of Senator Bernie Sanders, who is forcing a vote in the US Senate on banning the transfer of D-9 bulldozers to Israel.

„This will not be a symbolic gesture, but a concrete step toward the protection of human life,“ she writes. She urges elected representatives not to leave Sanders standing alone, and to cast their votes as a clear signal — in honor of her daughter, other Americans, and thousands of Palestinian civilians killed.

Who was Rachel Corrie?

Rachel Corrie was a 23-year-old American and member of the International Solidarity Movement (ISM). In March 2003, she was run over by an armored Israeli military bulldozer in Rafah while peacefully attempting to prevent the demolition of a Palestinian home

. Her death sparked a global debate about the proportionality of military force against unarmed activists.

In one of her last letters to her parents, she wrote:

„I feel like I’m witnessing the systematic destruction of a people’s ability to survive. It’s hard to believe when you’re not here, but it’s real.“

Rachel Corrie became a global symbol of civilian resistance against Israeli occupation policies. Her name remains to this day a symbol of courage and commitment to Palestinian rights.

Following their daughter’s death, Cindy and Craig Corrie founded the Rachel Corrie Foundation, which has since worked for human rights, education and the rights of the Palestinian people — keeping their daughter’s legacy alive.

Bernie Sanders is a US Senator from Vermont and one of America’s most prominent progressive politicians. He is among the few American politicians to have openly and repeatedly criticized the unconditional US military support for Israel.

Sanders has consistently argued that the delivery of American weapons to Israel that result in civilian deaths can no longer be tolerated. His push for a bulldozer and arms embargo against Israel represents the most far-reaching congressional attempt to date to concretely restrict US weapons policy toward Israel — and has so far been met with resistance in the Senate.

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Mutter von Rachel Corrie fordert Waffenembargo gegen Israel

Washington D.C. – Die Mutter der 2003 in Gaza von einem israelischen Militärbulldozer getöteten US-Aktivistin Rachel Corrie hat in einem eindringlichen Kommentar im amerikanischen Magazin The Nation ein umfassendes Waffenembargo gegen Israel gefordert.

Cindy Corrie, deren Tochter vor 23 Jahren bei einem friedlichen Protesteinsatz ums Leben kam, schreibt in ihrem Beitrag: Die US-amerikanische Lieferung gepanzerter Caterpillar D-9-Bulldozer an Israel müsse endlich enden. Diese Bulldozer — hergestellt in den USA und geliefert von Präsidenten von George W. Bush bis Joe Biden — seien dieselben Maschinen, die ihre Tochter getötet hätten und die bis heute im Einsatz seien. 

In seinen letzten Amtsmonaten stoppte Biden die Lieferung militarisierter Bulldozer an Israel und erkannte damit erstmals offiziell die Rolle dieser Maschinen bei der systematischen Zerstörung palästinensischer Häuser an. Doch eine der ersten Amtshandlungen Donald Trumps nach seinem Amtsantritt war es, diese Entscheidung rückgängig zu machen und die Lieferungen wiederaufzunehmen.

Seitdem hat Israel die Zerstörung von Häusern — nicht nur in Gaza, sondern auch im Westjordanland und nun bei seiner Invasion des Südlibanon — weiter beschleunigt

Cindy Corrie begrüßt den Vorstoß von Senator Bernie Sanders, der im US-Senat eine Abstimmung über ein Verbot der Lieferung von D-9-Bulldozern an Israel erzwingen will. „Das wird keine symbolische Geste sein, sondern ein konkreter Schritt zum Schutz von Menschenleben“, schreibt sie. Sie appelliert an gewählte Vertreter, Sanders nicht allein zu lassen und mit ihrer Stimme ein klares Zeichen zu setzen — zu Ehren ihrer Tochter, anderer Amerikaner und tausender getöteter palästinensischer Zivilisten.

Wer war Rachel Corrie?

Rachel Corrie war eine 23-jährige US-Amerikanerin und Mitglied des International Solidarity Movement (ISM). Im März 2003 wurde sie in Rafah von einem gepanzerten israelischen Militärbulldozer überrollt, während sie versuchte, den Abriss eines palästinensischen Wohnhauses friedlich zu verhindern. Ihr Tod löste eine globale Debatte über die Verhältnismäßigkeit militärischer Gewalt gegen unbewaffnete Aktivisten aus.

In einem ihrer letzten Briefe an ihre Eltern schrieb sie:

„Ich habe das Gefühl, dass das, was ich hier sehe, eine systematische Zerstörung der Lebensgrundlagen eines ganzen Volkes ist. Man kann sich das nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst sieht.“

Rachel Corrie wurde zum weltweiten Symbol des zivilen Widerstands gegen die israelische Besatzungspolitik. Ihr Name steht bis heute für Zivilcourage und den Einsatz für palästinensische Rechte.

Nach dem Tod ihrer Tochter gründeten Cindy und Craig Corrie die Rachel Corrie Foundation, die sich seither für Menschenrechte, Bildung und die Rechte des palästinensischen Volkes einsetzt — und das Erbe ihrer Tochter lebendig hält.

Bernie Sanders ist US-Senator aus Vermont und einer der bekanntesten progressiven Politiker Amerikas. Er gehört zu den wenigen amerikanischen Politikern, die die bedingungslose militärische Unterstützung Israels durch die USA offen und wiederholt kritisiert haben.

Sanders hat mehrfach betont, dass die Lieferung amerikanischer Waffen an Israel, die zum Tod von Zivilisten führen, nicht länger hingenommen werden dürfe. Sein Vorstoß für ein Bulldozer- und Waffenembargo gegen Israel ist der bisher weitreichendste parlamentarische Versuch, die US-Waffenpolitik gegenüber Israel konkret einzuschränken — und scheiterte bisher am Widerstand des Senats.

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B’Tselem-Bericht
Israelische Gefängnisse: Netzwerk von Folterlagern

Jerusalem –  Ein neuer Bericht der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem zeichnet ein schwerwiegendes Bild über die Behandlung palästinensischer Gefangener in israelischen Haftanstalten. Demnach seien Häftlinge systematisch Misshandlungen, Folter und sexualisierter Gewalt ausgesetzt.

B’Tselem, eine in Israel ansässige Nichtregierungsorganisation, die sich seit Jahren mit der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten befasst, beschreibt das israelische Gefängnissystem in dem Bericht als ein „Netzwerk von Folterlagern“.

Dutzende Tote und tausende Inhaftierte

Laut dem Bericht seien seit Oktober 2023 bis Januar 2026 mindestens 84 palästinensische Gefangene in israelischen Einrichtungen gestorben, darunter auch ein Minderjähriger. Die tatsächliche Zahl könnte demnach höher liegen, da nur verifizierte Fälle berücksichtigt worden seien.

Zum Stand Ende September 2025 sollen sich mehr als 10.000 Palästinenser in israelischer Haft befunden haben, darunter etwa 350 Kinder. Schätzungen zufolge liege die aktuelle Gesamtzahl bei rund 9.200 Inhaftierten.

Die Organisation gibt weiter an, dass israelische Behörden die Leichen von 80 der Verstorbenen weiterhin zurückhalten würden. Nur vier Leichname seien bislang an die Familien übergeben worden. Dies erschwere unabhängige Untersuchungen, da Autopsien häufig nicht möglich seien.

Schwere Misshandlungsvorwürfe

Die Vorwürfe stützen sich laut B’Tselem auf Aussagen von ehemaligen Gefangenen sowie auf Recherchen israelischer und internationaler Menschenrechtsorganisationen.

Ehemalige Häftlinge hätten berichtet, sie seien geschlagen, erniedrigt und teilweise gezielt unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten worden. Zudem sei von systematischem Nahrungsentzug sowie verweigerter medizinischer Versorgung die Rede.

Sexualisierte Gewalt

Besonders schwer wiegen die im Bericht geschilderten Vorwürfe sexualisierter Gewalt. Demnach hätten mehrere Betroffene angegeben, es sei zu sexuellen Übergriffen, erzwungener Entkleidung sowie schweren Verletzungen im Genitalbereich gekommen. In einigen Fällen sei auch von Angriffen durch Hunde oder dem Einsatz von Gegenständen berichtet worden.

„Disco-Raum“ und Foltervorwürfe

Einige Zeugenaussagen beschreiben laut Bericht auch Verhörräume, in denen Gefangene regelmäßig Elektroschocks ausgesetzt worden seien. Ein Raum, der von Insassen als „Disco-Raum“ bezeichnet werde, sei demnach für solche Praktiken genutzt worden. Gleichzeitig sei den Betroffenen Nahrung und Zugang zu sanitären Einrichtungen verweigert worden.

Systematische Praxis

Die Direktorin von B’Tselem, Yuli Novak, erklärte, die Vorwürfe deuteten auf eine koordinierte Politik hin. Das Gefängnissystem sei demnach Teil eines umfassenderen Vorgehens gegen die palästinensische Bevölkerung.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass es sich nicht um Einzelfälle handeln könnte, sondern um eine institutionalisierte Praxis, die von verschiedenen staatlichen Ebenen gestützt werde.

Kritik an Haftbedingungen und Rechtssystem

Ein Großteil der palästinensischen Gefangenen befinde sich laut Bericht in sogenannter Administrativhaft. Dabei würden Personen ohne Anklage oder Gerichtsverfahren zunächst für sechs Monate inhaftiert, wobei diese Frist unbegrenzt verlängert werden könne.

Kritiker sehen darin ein System, das grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien unterlaufe. Zudem würden viele Palästinenser vor Militärgerichten verurteilt, während israelische Staatsbürger vor zivilen Gerichten stünden, was auf ein unterschiedliches Rechtssystem hindeute.

Einschüchterung und internationale Kritik

B’Tselem zufolge werde die Aufklärung zusätzlich erschwert, da freigelassene Gefangene unter Druck gesetzt würden. Israelische Behörden hätten demnach damit gedroht, ehemalige Häftlinge erneut festzunehmen, sollten sie über ihre Erfahrungen berichten.

Ein Sprecher der Organisation erklärte, die internationale Gemeinschaft müsse stärker reagieren und vorhandene völkerrechtliche Instrumente nutzen. In einer Stellungnahme erklärt die Organisation, das israelische System aus Besatzung und Apartheid sei untrennbar mit Menschenrechtsverletzungen verbunden.

Seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 habe Israel nach Einschätzung der Organisation „koordiniert und gezielt“ gehandelt, um die palästinensische Gesellschaft im Gazastreifen zu zerstören. B’Tselem spricht in diesem Zusammenhang von einem Genozid an der Bevölkerung in Gaza.

Zugleich warnt die Organisation, es bestehe die Gefahr, dass sich diese Entwicklung auf weitere Gebiete ausweiten könnte, insbesondere auf das Westjordanland. Als Begründung verweist sie unter anderem auf öffentliche Äußerungen israelischer Entscheidungsträger sowie auf ein aus ihrer Sicht unzureichendes Eingreifen der internationalen Gemeinschaft.

B’Tselem ruft sowohl die israelische Öffentlichkeit als auch internationale Akteure dazu auf, alle völkerrechtlichen Mittel zu nutzen, um die Situation zu beenden.

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