Rentenpolitik
Rente: Bofinger warnt vor Einbeziehung von Beamten

Berlin – Peter Bofinger, Mitglied der Rentenkommission, warnt vor einer Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung. „Das wäre eine massive Doppelbelastung für den öffentlichen Sektor“, sagte er im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz).

Bei einer Systemumstellung müsse der Staat als Arbeitgeber für neue Beamte Rentenbeiträge abführen und gleichzeitig die Pensionen der jetzigen Pensionäre zahlen, wodurch die finanzielle Doppelbelastung die nächsten 40 Jahre bestünde, bis die heutigen Beamten im Ruhestand seien. „Dieser Übergang ist das Problem. Wenn jemand ein Patentrezept hat, soll er es zeigen, aber es ist einfach sehr schwierig umzusetzen.“

Zudem verwies Bofinger gegenüber noz auf verfassungsrechtliche Hürden bei einer vollständigen Aufnahme der Beamten in die GRV, da das Beamtenverhältnis ein besonderes, vom Bundesverfassungsgericht abgesichertes Verhältnis sei. „Man müsste dann wirklich die Verfassung ändern.“ Oder die Lücke müsste mit einer Erhöhung der Bezüge ausgeglichen werden.

In ihrem Bericht hatte die Rentenkommission eine Erwerbstätigenversicherung samt Beamten als „Idealbild der Alterssicherung“ bezeichnet, das jedoch „in absehbarer Zeit womöglich schwer zu erreichen“ sei. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte vor ein paar Wochen für die Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung plädiert.

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Markenaufbau
Branding für Einsteiger: So baust du eine starke Marke auf

Eine Marke entsteht aus einer konsequenten Zielsetzung und einem Gefühl dafür, wie du wahrgenommen werden möchtest.

Wenn sich deine Marke noch im Aufbau befindet, hast du die Chance, von Anfang an eine Richtung einzuschlagen, die langfristig Erfolg verspricht. Aber wie schaffst du es, aus einer Idee eine Marke zu formen, die im Gedächtnis bleibt?

Was meint eigentlich der Begriff „Branding“?

Das Branding umfasst weit mehr als ein Logo oder eine bestimmte Farbe. Es beschreibt den Eindruck, den Menschen von dir oder deinem Unternehmen gewinnen. Jede Interaktion prägt dieses Bild. Deine Website, deine Texte und deine Art zu kommunizieren wirken zusammen und formen ein Gesamtbild.

Wenn du dein Branding bewusst gestaltest, entwickelst du ein klares Verständnis dafür, wofür du stehst. Das betrifft Werte, Haltung und die Art, wie du Probleme löst. Menschen erinnern sich an Marken, die Haltung zeigen und ein konsistentes Bild vermitteln. Genau hier beginnt deine Arbeit!

Deine Zielgruppe verstehen

Bevor du über Design oder Slogans nachdenkst, solltest du wissen, wen du erreichen willst!

Schließlich erfüllen deine Produkte oder Dienstleistungen einen bestimmten Zweck und selbst Produkte, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, richten sich oftmals an einen klar eingrenzbaren Käuferkreis. Je genauer du also deine Zielgruppe kennst, desto gezielter kannst du sie erreichen.

Versetze dich in die Perspektive deiner potenziellen Kunden. Welche Herausforderungen treiben sie an? Welche Erwartungen haben sie an dein Produkt oder deine Dienstleistung? Wenn du diese Fragen beantwortest, entwickelst du Inhalte und Botschaften, die wirklich ankommen.

Eine klare Markenidentität entwickeln

Deine Markenidentität bildet das Fundament deiner gesamten werblichen Kommunikation. Sie setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen, die ein stimmiges Bild ergeben. Dazu zählen unter anderem deine Werte, deine Tonalität und dein visuelles Erscheinungsbild.

Achte darauf, dass diese Elemente miteinander harmonieren. Eine lockere Ansprache passt kaum zu einem sehr formellen Design. Ebenso wirkt eine kreative Bildsprache widersprüchlich, wenn deine Texte sehr nüchtern formuliert sind. Konsistenz sorgt dafür, dass deine Marke wiedererkennbar wird.

Visuelles Branding gezielt einsetzen

Farben, Formen und Schriftarten prägen den ersten Eindruck deiner Marke. Menschen reagieren stark auf visuelle Reize, in der Regel sogar schneller als auf Inhalte. Deshalb solltest du dein Erscheinungsbild bewusst gestalten.

Ein einheitliches Design sorgt dafür, dass deine Marke sofort erkannt wird. Das gilt für deine Website ebenso wie für Social Media oder gedruckte Materialien. Auch kleine Details wie Icons oder Bildstile tragen zur Gesamtwirkung bei.

Im Marketing können physische Produkte diesen Eindruck verstärken. Wenn du etwa Werbegeschenke einsetzt, die zu deiner Markenidentität passen, entsteht ein stimmiges Erlebnis. Du kannst Kugelschreiber oder Sonnenbrillen bedrucken lassen, wichtig ist in erster Linie, dass eine Verbindung zwischen deiner Marke und deinen potenziellen Kunden entsteht.

Die Auswahl an relevanten Werbegeschenken ist immens! Auf Loopper.de kannst du dir einen Überblick verschaffen und direkt ein individuelles Design entwerfen.

Die richtige Tonalität finden

Deine Sprache verrät viel über deine Marke! Sprichst du locker oder eher formell? Verwendest du fachbegriffe oder erklärst du komplexe Themen leicht verständlich?

Deine Tonalität sollte zu deiner Zielgruppe passen und sich in allen Kanälen wiederfinden. Denn ein einheitlicher Sprachstil schafft Vertrauen! Wenn deine Website anders klingt als deine Social-Media-Beiträge, kommt es zum Bruch.

Achte darauf, dass deine Botschaften immer aus derselben Perspektive formuliert sind. So entsteht ein roter Faden, der sich durch alle Inhalte zieht.

Konsistenz als Erfolgsfaktor

Wiedererkennbarkeit entsteht durch Wiederholung. Wenn du deine Marke konsequent präsentierst, prägt sie sich langfristig ein. Das betrifft sowohl visuelle als auch inhaltliche Aspekte. 

Viele Einsteiger ändern häufig ihr Design oder ihre Botschaften, weil sie unsicher sind oder sich nach kurzer Experimentierphase doch wieder umentscheiden. Dadurch entsteht jedoch ein uneinheitliches Bild. Halte an deiner Markenidentität fest und entwickle sie Schritt für Schritt weiter, statt ständig alles neu zu gestalten.

Auch im Alltag zeigt sich diese Konsistenz. Deine E-Mails, deine Angebote und sogar kleine Details wie Signaturen tragen zur Wahrnehmung deiner Marke bei.

Vertrauen durch Authentizität aufbauen

Menschen spüren schnell, ob eine Marke authentisch wirkt. Wenn dein Auftreten nicht zu deinen Aussagen passt, entsteht nachvollziehbarerweise Skepsis. Deshalb solltest du darauf achten, dass deine Kommunikation ehrlich und nachvollziehbar ist.

Zeige, wofür du stehst, und halte deine Versprechen ein! Authentizität entsteht durch greifbare Werte und konsequentes Handeln. Wenn du deine Marke auf dieser Basis aufbaust, entsteht Vertrauen, das langfristig wirkt.

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WM 2026
Iran-Kapitän kritisiert „Katastrophen-Weltmeisterschaft“: Schwere Vorwürfe gegen die FIFA und US-Behörden

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Seattle – Der Kapitän der iranischen Nationalmannschaft, Mehdi Taremi, hat nach dem jüngsten Gruppenspiel der Weltmeisterschaft 2026 schwere Vorwürfe gegen den Weltfußballverband FIFA sowie gegen die Organisatoren der Vereinigten Staaten erhoben.

Nach einem 1:1-Unentschieden gegen Ägypten am Freitagabend steht „Team Melli“ nach drei Remis in der Gruppenphase (gegen Neuseeland, Belgien und Ägypten) vor dem potenziellen Turnierende und muss darauf hoffen, sich eventuell als einer der besten Gruppendritten für die Runde der letzten 32 zu qualifizieren. Trotz der sportlich ungeschlagenen Leistung wird das Turnier von massiven logistischen und politischen Problemen überschattet.

„Eine Katastrophen-Weltmeisterschaft“

Mehdi Taremi machte seinem Ärger über die Bedingungen vor Ort öffentlich Luft. Der ehemalige Star von Inter Mailand bezeichnete das Turnier unumwunden als Desaster:

„Das ist ein katastrophales Weltmeisterschaftsturnier. Als Profispieler können wir kein Turnier unter diesen Bedingungen austragen, das ist weder in Ordnung noch fair. Wenn die FIFA denkt, das sei fair, dann ist das ihr Problem, aber es ist es nicht. Wer sollte dieses Problem für uns lösen? Die FIFA? Die USA? Ich weiß es nicht! Nennen Sie mir einen Namen.“

Besonders im Fokus der Kritik steht FIFA-Präsident Gianni Infantino. Dieser habe laut Taremi nach dem ersten Gruppenspiel gegen Neuseeland die Kabine der iranischen Mannschaft aufgesucht und versprochen, sich um alle organisatorischen Probleme zu kümmern. „Er sagte, es ist erst der Anfang… aber die Gruppenphase endet morgen“, so Taremi am Freitag. In der Realität habe die FIFA aus Sicht des Kapitäns jedoch überhaupt nichts unternommen, um der Mannschaft zu helfen.

Massive Visa-Probleme und Reisebelastungen

Hintergrund der heftigen Kritik sind beispiellose logistische Hürden für das iranische Team. Aufgrund der strengen Visa-Richtlinien unter Donald Trump durfte die iranische Mannschaft jeweils erst am Abend vor ihren Spielen in die USA einreisen und musste das Land unmittelbar nach dem Abpfiff wieder in Richtung ihres Trainingslagers in Mexiko verlassen. Dies führte dazu, dass der Iran während der Gruppenphase reisen musste wie kein anderes Team im Turnier.

Ursprünglich sollte das Team sein Quartier in Tucson, Arizona, aufschlagen. Ende Mai verlegte die Mannschaft ihr Basislager jedoch nach Tijuana in Mexiko. Grund hierfür waren die schweren geopolitischen Spannungen und der militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der am 28. Februar mit Militärschlägen der USA und Israels begann, bei denen der oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei getötet wurde, was iranische Vergeltungsschläge nach sich zog.

Durch diese Umstände durften selbst logistische Mitarbeiter des iranischen Verbands wegen fehlender Visa nicht in die USA einreisen. „Wir haben keine Betreuer oder Logistiker hier, die uns helfen. Wir beschweren uns immer über diese Dinge, aber niemand hilft uns, niemand“, betonte Taremi. Direkt nach dem Spiel in Seattle musste das Team, das im Spiel gegen Ägypten zudem einen Elfmeter in der ersten Halbzeit verschoss, umgehend nach Tijuana zurückreisen.

Vorwurf der gezielten Benachteiligung

Während einer beachteten Pressekonferenz in Seattle wurde Taremi konkret gefragt, ob er das Gefühl habe, dass die WM-Organisatoren – einschließlich der FIFA und der US-Beamten – ein Ausscheiden des Iran bevorzugen würden. Taremis Antwort fiel deutlich aus:

„Wir müssen gegen absolut alles kämpfen. Wir können nicht im Land bleiben, wir reisen und unterziehen uns jedes Mal Migrationskontrollen, wenn wir spielen wollen, jetzt können wir nicht in Seattle bleiben und müssen nach Tijuana zurückkehren. Sie haben alles Menschenmögliche getan, um uns zu eliminieren, also aus unserer Sicht, ja, ich glaube, sie wollen es so, sie wollen uns draußen.“

Auch Cheftrainer Amir Ghalenoei meldete sich zu Wort und kritisierte das Verhalten der US-Behörden scharf. Das Auftreten gegenüber dem Iran sei „wirklich schrecklich“ gewesen und er hoffe, dass sich die Welt dessen bewusst werde.

Dabei hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino noch in seiner Eröffnungsrede in Mexiko-Stadt symbolisch erklärt, er hätte selbst einen Bus von der iranischen Hauptstadt Teheran gefahren, um das Team zum Turnier zu bringen.

Trotz dieser extremen Belastungen, des emotionalen Drucks aufgrund der Ereignisse in der Heimat sowie wiederholter Buhrufe während der Nationalhymne vor den Spielen, präsentierte sich die iranische Mannschaft abseits des Platzes respektvoll: Bei ihren letzten beiden Spielorten hinterließ das Team jeweils Dankesschreiben in den Kabinen für die Gastgeber.

Gastkommentar
Zweierlei Maß bei Menschenrechten: Warum die EU in Zypern ihre Glaubwürdigkeit verliert

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel
 
Das Berufungsgericht der international anerkannten Republik Zypern hat die Klage türkisch-zyprischer Eigentümer abgewiesen. Die Kläger verlangten rund 41 Millionen Euro Schadenersatz für Grundstücke, auf denen sich heute unter anderem der Flughafen Paphos und der Luftwaffenstützpunkt Andreas Papandreou befinden.
 
Die Familie argumentierte, dass:
 
  • sie infolge der Ereignisse von 1974 ihr Eigentum verloren habe,
  • der Staat ihr Land rechtswidrig nutze,
  • ihre Eigentumsrechte und Menschenrechte verletzt worden seien.
Das Berufungsgericht wies die Klage jedoch vollständig zurück und verpflichtete die Kläger zudem zur Übernahme der Verfahrenskosten.
 
Das Gericht führte unter anderem aus:
  • Es akzeptierte nicht die Behauptung, die Kläger seien 1974 durch die Republik Zypern zwangsweise vertrieben worden. Nach Auffassung des Gerichts hätten nicht alle türkischen Zyprer den Süden verlassen müssen; einige seien dort geblieben.
  • Die Verwaltung des Eigentums durch den staatlichen „Guardian of Turkish Cypriot Properties“ sei aufgrund der Notstandsgesetzgebung seit 1974 rechtmäßig erfolgt.
Diese Argumentation ist allerdings politisch äußerst umstritten, denn im Norden existiert seit 2005 die Immovable Property Commission (IPC). Sie behandelt Ansprüche griechisch-zyprischer Eigentümer auf:
 
  • Entschädigung,
  • Rückgabe,
  • Grundstückstausch.
Nach den zuletzt veröffentlichten Zahlen:
  • wurden 8.670 Anträge eingereicht,
  • 3.288 Verfahren abgeschlossen,
  • insgesamt über 767 Millionen Euro an Entschädigungen gezahlt.
Der Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte hat diese Kommission in Nordzypern in früheren Entscheidungen – insbesondere im Fall Demopoulos u. a. gegen Türkei – als grundsätzlich wirksamen innerstaatlichen Rechtsbehelf anerkannt. Im Lichte betrachtet erfüllt der Norden der Insel die rechtsstaatlichen Grundsätze Europäischer Rechtsnormen, während der Süden es kategorisch verneint?
 
Es gibt Sätze, die in internationalen Debatten regelmäßig fallen: Eigentum ist ein Menschenrecht. Vertreibung schafft kein neues Eigentum. Rechtsstaatlichkeit verlangt gleiche Maßstäbe. Kaum jemand würde diesen Grundsätzen widersprechen. Bis sie politisch unbequem werden.
 
Der jüngste Fall um den Flughafen von Paphos zeigt genau dieses Spannungsfeld. Unabhängig davon, wie man die komplexe Geschichte Zyperns bewertet, wirft der Fall eine unangenehme rechtsstaatlich wie moralische Frage auf: Gelten Eigentumsrechte universell oder nur dann, wenn sie in das eigene politische Narrativ passen?
 
Im Norden der Insel existiert seit Jahren die Immovable Property Commission. Sie ist keineswegs unumstritten. Dennoch hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sie als wirksamen Rechtsbehelf anerkannt. Tausende griechisch-zyprische Antragsteller haben dort Entschädigungen erhalten; insgesamt wurden bereits Hunderte Millionen Euro ausgezahlt.
 
Im Süden gibt es für türkisch-zyprische Eigentümer kein vergleichbares Instrument und bislang kein einziges Urteil, mit der etwas an türkische Zyprioten zugesprochen wurde. Hier beginnt das eigentliche Problem. Gerade deshalb, weil der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hier einen Präzedenzfal geschaffen hat, müsste der Maßstab für Eigentumsrechte eigentlich derselbe sein.
 
Wenn ein griechisch-zyprischer Eigentümer Anspruch auf Entschädigung haben soll, weil Eigentum geschützt werden muss, warum sollte derselbe Grundsatz nicht auch für einen türkisch-zyprischen Eigentümer gelten? Menschenrechte verlieren ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie nach Volkszugehörigkeit sortiert werden. 
 
Besonders irritierend ist dabei die europäische Perspektive. Die Europäische Union betont regelmäßig Rechtsstaatlichkeit, Nichtdiskriminierung und den Schutz des Eigentums. Diese Prinzipien sollten universell gelten – unabhängig davon, ob der Eigentümer griechischer oder türkischer Zyprer ist. Genau hier liegt die Herausforderung für Europa. Glaubwürdigkeit entsteht nicht dadurch, dass man die eigene Seite konsequent verteidigt. Sie entsteht dadurch, dass dieselben Maßstäbe auch dann gelten, wenn sie politisch unbequem sind.
 
Der Zypernkonflikt gehört zu den kompliziertesten territorialen Streitigkeiten Europas. Es gibt keine einfachen und schon gar keine einseitigen Lösungen. Umso wichtiger wäre es, wenigstens bei einem Punkt Klarheit zu schaffen: Eigentumsrechte dürfen nicht von der ethnischen Zugehörigkeit des Eigentümers abhängen.
 
Wer Entschädigung für die einen fordert, sollte sie den anderen nicht grundsätzlich verwehren. Wer sich auf universelle Menschenrechte beruft, muss bereit sein, sie universell anzuwenden.
 
 

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Sprachtest fürs Strandbad: Wenn Bürokratie und Ausgrenzung die Sicherheit ersetzen

Türkei
Türkischer Schauspieler Kadir Inanir gestorben

Istanbul – Die türkische Kinowelt steht unter Schock: Der legendäre Schauspieler Kadir İnanır ist im Alter von 77 Jahren im Krankenhaus verstorben. Der unvergessene Star des Yeşilçam-Kinos erlag den Folgen einer schweren Lungenentzündung.

Der Ausnahmekünstler wurde am 14. Mai aufgrund gesundheitlicher Probleme ins Krankenhaus eingeliefert. Nach der Diagnose einer Lungenentzündung verschlechterte sich der Zustand des 77-Jährigen drastisch, woraufhin er am 21. Mai im Acıbadem-Fulya-Krankenhaus entubiert werden musste.

Trotz aller intensivmedizinischen Bemühungen verstarb der Schauspieler am heutigen Freitag an akutem Atemversagen. Besonders tragisch: Erst vor drei Tagen, am 23. Juni, war bereits seine ältere Schwester Altun Arıca in ihrer Heimatstadt Fatsa verstorben.

Beileid aus der Politik

Gesundheitsminister Kemal Memişoğlu drückte der Familie und der Kunstszene über die sozialen Netzwerke sein tiefes Beileid aus: „Mit großer Trauer habe ich vom Tod des Kinokünstlers Kadir İnanır erfahren. Ich wünsche ihm Gottes Gnade und seiner Familie, seinen Fans sowie unserer Kunstgemeinschaft mein herzliches Beileid.“

Eine Ikone des türkischen Kinos
Kadir İnanır wurde am 15. April 1949 in Ordu geboren. Nach seiner Schulzeit absolvierte er die Fakultät für Kommunikationswissenschaften (Abteilung Radio- und Fernsehen) an der Marmara-Universität. Seine Karriere begann nach dem Gewinn eines Fotoroman-Wettbewerbs im Jahr 1968.

Nach ersten kleinen Nebenrollen gelang ihm 1970 an der Seite von Türkan Şoray in dem Film „Kara Gözlüm“ unter der Regie von Atıf Yılmaz der große Durchbruch. Das Duo Şoray und İnanır prägte in den folgenden Jahrzehnten als absolutes Traumpaar das kollektive Gedächtnis des türkischen Kinos und machte İnanır zu einem der größten und einflussreichsten männlichen Hauptdarsteller des Landes.

 

Gewerkschaft
Nach fast 20 Jahren: IG Metall-Vorstand Urban tritt zurück

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Frankfurt – Es ist ein Einschnitt für die Gewerkschaftsbewegung: Hans-Jürgen Urban, geschäftsführender Vorstand der IG Metall, zieht sich nach bald zwanzig Jahren von seinem Posten zurück und geht am 30. Juni in den Ruhestand – und das, obwohl er noch bis 2027 hätte weitermachen können.

„Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, noch zu bleiben. Aber der Kampf um die Zukunft des Sozialstaates, der Demokratie und der Gewerkschaften wird weit länger dauern als bis zu unserem Gewerkschaftstag 2027. Auf diesem hätte ich altersbedingt ohnehin nicht mehr kandidieren können“, sagte Urban der Frankfurter Rundschau (Samstagsausgabe).

Der Ausstieg biete seinem Nachfolger die Möglichkeit, an der Programmatik mitzuarbeiten, die dieser dann verantwortlich mitumzusetzen habe, erklärte der Soziologe, der bei der IG Metall verantwortlich ist für die Themen Sozialpolitik sowie Arbeitsgestaltung und Qualifizierungspolitik. Und weiter: „Ich werde in wenigen Tagen 65 Jahre alt und die Rente erst ab 67 habe ich nie akzeptiert.“

Die Reformpläne der Bundesregierung in Sachen Rente, Gesundheit und Arbeitszeit kritisierte Urban scharf. „Wir erleben ein eklatantes Strategieversagen von Politik und Unternehmern. In den Betrieben werden Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen und andere Kompromisse infrage gestellt. Die Krise zulasten der abhängig Beschäftigten lösen zu wollen, ist keine Zukunftsstrategie“, sagte Urban. Notwendig seien neue umweltverträgliche Produkte und Produktionsverfahren, neue Märkte und Lieferketten. Was stattdessen geschehe, sei „ein Rückfall in aggressive Klassenpolitik gegen die Beschäftigten. Das wird scheitern“.

Die SPD forderte er auf, „sich klipp und klar“ an die Seite der abhängig Arbeitenden zu stellen. Es gehe darum, neue politische Mehrheiten zu erschließen und neue Perspektiven aufzuzeigen. Einen Bruch der Regierungskoalition lehnte Urban im Interview allerdings ab. „Einfach nur die Koalition zu beenden, wäre ein halsbrecherisches Risiko. Profitieren würde davon vermutlich der rechte Rand“, so der Gewerkschafter.

 

 

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Türkei-Besuch
Polnischer Präsident Nawrocki auf Türkisch: „Merhaba Asker!“

Ankara – Ein sympathischer Protokollbruch sorgt derzeit in den sozialen Netzwerken für Begeisterung: Beim offiziellen Staatsbesuch in Ankara begrüßte der polnische Präsident Karol Nawrocki die türkische Ehrenwache auf Türkisch.

Was wie ein moderner Social-Media-Hit wirkt, ist in Wahrheit Ausdruck einer tiefen, über sechs Jahrhunderte alten Verbindung zwischen beiden Nationen. Neben neuen milliardenschweren Wirtschaftszielen stand vor allem eine historisch beispiellose Solidarität im Mittelpunkt.

Es war der Moment des zweitägigen Staatsbesuchs, der sofort viral ging: Als der polnische Präsident Karol Nawrocki vom 23. bis 24. Juni 2026 in der türkischen Hauptstadt empfangen wurde, schritt er traditionell die Front der Ehrengarde ab.

Doch statt der üblichen Übersetzung rief Nawrocki der Presidential Guard mit kräftiger Stimme ein fehlerfreies „Merhaba Asker“ entgegen – zu Deutsch: „Hallo Soldaten“. Die sichtlich erfreute Reaktion der Soldaten und die anschließende Dynamik in den Netzwerken zeigten sofort, dass dieser Besuch weit über die übliche, steife Staatsdiplomatie hinausging.

Zuvor war Nawrocki mit einer feierlichen Zeremonie am Präsidentschaftskomplex empfangen worden, eskortiert von Kavallerie-Einheiten und begleitet von den Nationalhymnen beider Länder sowie 21 Ehrensalutschüssen. Neben den aktuellen politischen Delegationen waren auch Soldaten in historischen Uniformen vertreten, die symbolisch für die 16 historischen türkischen Staaten standen.

Neue wirtschaftliche Horizonte und die NATO-Allianz

Hinter den herzlichen Bildern stecken jedoch handfeste geopolitische und wirtschaftliche Interessen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan zog eine äußerst positive Bilanz der bisherigen Zusammenarbeit.

Nachdem das ursprünglich gesetzte Ziel von 10 Milliarden Dollar Handelsvolumen erfolgreich geknackt wurde, vereinbarten beide Staatschefs nun eine neue Zielmarke von 15 Milliarden Dollar. Insbesondere polnische Investitionen in der Türkei und das Engagement türkischer Bauunternehmer in Polen – die dort aktuell Projekte im Wert von rund 9 Milliarden Dollar umsetzen – bilden das Fundament dieser Partnerschaft.

Darüber hinaus wollen beide Länder im Rahmen der sogenannten „Drei-Meere-Initiative“, einer strategischen Infrastruktur-Plattform im Bereich Transport und Energie, noch enger kooperieren. Als zwei der wichtigsten Säulen der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsarchitektur betonten die beiden NATO-Partner zudem die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie massiv zu stärken.

Neben dem Ukraine-Krieg und regionalen Sicherheitsfragen sprach Erdoğan auch die Lage im Nahen Osten an und betonte die Erwartung, dass Polen seine Unterstützung für eine dauerhafte Zweistaatenlösung und die Anerkennung eines palästinensischen Staates fortsetzt.

Als Polen von der Landkarte verschwand: Die unerschütterliche Treue des Sultans

Was in Westeuropa heute kaum jemand weiß: Die Fundamente für dieses tiefe Vertrauen wurden bereits vor Jahrhunderten gelegt. Die Türkei und Polen blicken auf eine der beständigsten diplomatischen Freundschaften der Weltgeschichte zurück.

Als Polen am Ende des 18. Jahrhunderts durch die absolutistischen Monarchien Russland, Preußen und Österreich dreimal aufgeteilt und schließlich komplett von der Landkarte ausradiert wurde, zeigte das Osmanische Reich eine historisch beispiellose Haltung: Die osmanischen Sultane waren die einzige Großmacht der damaligen Welt, welche die völkerrechtswidrige Aufteilung Polens niemals anerkannten.

Die Osmanen lehnten die imperiale russische Einflussnahme in Polen strikt ab und gingen sogar so weit, dem Russischen Zarenreich den Krieg zu erklären, um sich aktiv mit den polnischen Freiheitskämpfern und dem aufständischen Adel zu solidarisieren.

Aus dieser Zeit stammt auch eine legendäre diplomatische Anekdote: Bei offiziellen Empfängen im Sultanspalast zu Istanbul wurden die ausländischen Diplomaten einzeln ausgerufen. Kam die Reihe an Polen, blieb der Platz leer, und der osmanische Protokollchef rief laut in den Saal: „Der Gesandte aus Polen ist noch nicht eingetroffen.“ Damit signalisierte das Reich der gesamten Welt, dass Polen für die Osmanen weiterhin als freie Nation existierte.

Ein polnischer Freiheitsheld wird zum osmanischen Pascha

Diese tiefe Verbundenheit führte dazu, dass das Osmanische Reich im 19. Jahrhundert zu einem sicheren Hafen für Tausende polnische Flüchtlinge, Intellektuelle und Militärs wurde. Das faszinierendste Beispiel für diese Schicksalsgemeinschaft ist die Lebensgeschichte von General Józef Zachariasz Bem.

Geboren 1794 im polnischen Tarnów, kämpfte Bem zunächst im napoleonischen Russlandfeldzug und später als gefeierter Kommandant im polnischen Novemberaufstand von 1830 gegen die russische Besatzung. Als 1848 die ungarische Revolution gegen die Habsburger ausbrach, stellte er sich erneut in den Dienst der Freiheit und wurde zu einem der fähigsten Generäle der Revolutionsarmee.

Nach der blutigen Niederschlagung der Revolution durch österreichische und russische Truppen war Bem im eigenen Land des Todes. Er floh ins Osmanische Reich, wo ihm der Sultan sofort Asyl und Schutz vor der Auslieferung gewährte. Bem konvertierte zum Islam, nahm den Namen Murad Tevfik Pascha an und stieg in der osmanischen Armee schnell zum General auf.

Schließlich wurde er zum Gouverneur von Aleppo im heutigen Syrien ernannt. Bis zu seinem Tod im Jahr 1850 modernisierte er die dortigen Verteidigungsanlagen und schützte die Region erfolgreich vor Aufständen – ein polnischer Nationalheld, der als osmanischer Pascha bleibende Spuren hinterließ.

Das virale „Merhaba Asker“ von Präsident Nawrocki in Ankara war somit weit mehr als eine gelungene PR-Aktion. Es war eine direkte Hommage an eine Jahrhunderte alte Brücke zwischen Istanbul und Warschau, die bis heute trägt.

 

 

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Naher Osten
Israel: Abgeordneter Gideon Sa’ar fordert Anerkennung des „Völkermords an den Armeniern“

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Tel Aviv – Inmitten einer historischen Annäherung zwischen der Türkei und Armenien sorgt ein politischer Vorstoß aus Israel für erhebliche Diskussionen. Der israelische Abgeordnete Gideon Sa’ar hat angekündigt, eine Resolution zur offiziellen Anerkennung der Ereignisse von 1915 als Völkermord auf den Weg zu bringen. Beobachter werfen der israelischen Politik jedoch vor, das Thema als strategische Waffe zu missbrauchen.

Auf der Plattform X gab Sa’ar seine Pläne bekannt: „Ich werde der israelischen Regierung bei ihrer nächsten Sitzung einen Resolutionsentwurf zur offiziellen Anerkennung des Völkermords an den Armeniern durch die israelische Regierung vorlegen“, schrieb der Abgeordnete.

Die Anerkennung der Geschehnisse in den letzten Jahren des Osmanischen Reiches sei sowohl eine „moralische als auch eine historische Pflicht“. Zudem müsse jede Leugnung, Verharmlosung oder Verfälschung der historischen Wahrheit entschieden verurteilt werden. Nach der Beratung im Kabinett soll die Resolution der Knesset zur Abstimmung vorgelegt werden.

Zweifel an der Aufrichtigkeit und scharfe Kritik

Internationale Beobachter und Analysten bezweifeln jedoch die Aufrichtigkeit des Zeitpunkts. Kritiker sehen darin weniger ein echtes moralisches Anliegen als vielmehr den Versuch, geopolitischen Druck auszuüben.

Der armenisch-stämmige US-Journalist Stephan Pechdimaldji brachte das Misstrauen auf X direkt auf den Punkt:

„Tun Sie dies, weil Sie wirklich daran glauben, oder ist dies nur der jüngste Versuch, den armenischen Völkermord als geopolitischen Fußball zu nutzen? Ein Völkermord ist kein Nullsummenspiel.“

In den sozialen Netzwerken löste die Ankündigung zudem eine Welle von Gegenreaktionen aus. Zahlreiche Nutzer warfen Israel Doppelmoral vor und verwiesen auf die aktuellen militärischen Handlungen im Gazastreifen. Zudem erinnerten viele Kommentatoren an die jüngere Geschichte: Im aserbaidschanisch-armenischen Krieg um Bergkarabach im Jahr 2020 gehörte Israel zu den wichtigsten Waffenlieferanten Aserbaidschans und unterstützte damit direkt die Gegenseite Armeniens.

Historische Wiederannäherung im Südkaukasus

Dass der israelische Vorstoß gerade jetzt erfolgt, kommt nicht von ungefähr. Die Region Südkaukasus erlebt derzeit eine diplomatische Dynamik, die noch vor wenigen Jahren als völlig undenkbar galt. Erst Anfang Juni festigte der armenische Premierminister Nikol Paschinjan seine Position durch einen Wahlsieg bei den Parlamentswahlen und treibt den historischen Friedenskurs im Land weiter voran.

Bereits im August 2025 hatten Armenien und Aserbaidschan unter Vermittlung der USA ein umfassendes Friedensabkommen im Weißen Haus unterzeichnet. Seither läuft die Normalisierung auf Hochtouren: Die direkten Flugverbindungen zwischen Eriwan und Istanbul wurden wieder aufgenommen. Im Juni 2025 reiste Paschinjan zudem auf offizielle Einladung nach Istanbul, um den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu treffen – ein symbolträchtiges Treffen, das den Wandel in den bilateralen Beziehungen markierte.

Medienberichten zufolge steht die seit über drei Jahrzehnten geschlossene armenisch-türkische Grenze vor der Wiedereröffnung. Geplant ist unter anderem eine umfassende Eisenbahnverbindung zwischen Armenien, Aserbaidschan und der Türkei, die bis nach Europa führen und gleichzeitig China sowie Zentralasien mit dem Mittelmeer verbinden soll. Die seit 1993 stillgelegte Bahnstrecke zwischen dem türkischen Kars und dem armenischen Gümrü soll dafür wiederbelebt werden. Erst im April 2026 trafen sich Vertreter beider Länder in Kars zu konkreten technischen Verhandlungen.

„Bergkarabach gehörte nie uns“

Diese weitreichende Annäherung hatte Paschinjan im Vorfeld des Urnengangs mit einer Aussage untermauert, die im eigenen Land für heftige politische Debatten sorgte. Bei einer Wahlkampfveranstaltung bezeichnete er die historische Bewegung zur schrittweisen Vereinigung Karabachs mit Armenien überraschend als einen „fatalen Fehler“ und erklärte unmissverständlich: „Es war nicht unseres, es war nicht unseres.“

Kritiker und die politische Opposition im Inland reagierten mit Empörung und nannten den Regierungschef daraufhin einen Verräter. Eduard Scharmasanow von der Republikanischen Partei konfrontierte Paschinjan direkt mit der harten Frage: „Wenn Karabach nicht unseres war – warum hast du dann 5.000 unserer Söhne geopfert?“

Paschinjan ließ sich von diesem Gegenwind jedoch nicht beirren, und die armenischen Wähler haben ihm mit der Wiederwahl nun ein klares Mandat für seinen pragmatischen Kurs erteilt.

Russland verliert an Einfluss – Europa gewinnt

Paschinjans Erfolg an den Wahlurnen signalisiert gleichzeitig eine tektonische Verschiebung im traditionellen russischen Einflussbereich. Sein engster Konkurrent bei der Wahl war der pro-russische, armenisch-russische Oligarch Samvel Karapetyan, dessen Partei „Strong Armenia“ laut den vorliegenden Teilergebnissen auf rund 23,5 Prozent der Stimmen kam und damit deutlich unterlag.

Armenien hatte bereits im Jahr 2024 sein langjähriges Militärbündnis mit Russland ausgesetzt, woraufhin Moskau mit empfindlichen wirtschaftlichen Restriktionen und unverhohlenen Drohungen reagierte. Russlands Präsident Wladimir Putin warnte Eriwan zuletzt eindringlich davor, dass der eingeschlagene Kurs in Richtung einer EU-Annäherung geradewegs zu einem „Ukraine-Szenario“ führen könnte.

Aus dem Westen hingegen gab es umgehend Rückendeckung. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte Paschinjan nach dem Wahlsieg via X: „Der Geist der Samtenen Revolution, die Sie 2018 anführten, ist lebendig.“

Sie fügte hinzu: „Wir schätzen unsere Partnerschaft mit einem demokratischen Armenien, das sich immer mehr Europa annähert. Armenien kann auf uns zählen.“ Auch US-Präsident Donald Trump hatte Paschinjan bereits vor der Wahl öffentlich seine Unterstützung ausgesprochen – ein für Washington ungewöhnlicher Schritt, der die enorme geopolitische Bedeutung dieser Wahl einmal mehr unterstrich.

Ein delikater Balanceakt für Eriwan

Trotz der Euphorie im Westen warnen armenische Analysten vor zu einfachen, voreiligen Schlussfolgerungen. Richard Giragosian vom renommierten Regional Studies Centre in Eriwan erwartet beispielsweise, dass Paschinjan trotz seines pro-westlichen Kurses nach der Wahl zunächst nach Moskau reisen wird. Ziel sei es, Russland zu versichern, dass Armenien der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) weiterhin fest verbunden bleibt.

„Das hier ist nicht einfach ein klares EU gegen Russland – das ist vielmehr Armeniens delikater und hochkomplexer Balanceakt“, betont der Analyst mit Blick auf die künftige Außenpolitik des Landes.

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Gastkommentar
Pinkwashing: Die Regenbogenfahne als Feigenblatt

Ein Gastkommentar von Aras Karasun

Falls sich jemand wundert, warum die israelische Fahne erstaunlich häufig, beinahe ausschließlich gemeinsam mit der Regenbogenfahne auftaucht:

Dafür gibt es tatsächlich einen Begriff: Pinkwashing

Ähnlich wie beim „Greenwashing“ beschreibt der Begriff den Versuch von Staaten, Unternehmen oder Institutionen, durch die Betonung positiver Themen ihr Image aufzuwerten und von anderen, kontroversen Themen abzulenken.

Israel gilt als eines der bekanntesten, auffälligsten Beispiele für diesen Vorwurf. Die internationale Vermarktung von Tel Aviv als LGBTQ+-freundliche Metropole, Pride-Paraden und die gesteuerte sehr starke Sichtbarkeit der Regenbogenfahne werden von vielen Beobachtern nicht nur als Ausdruck gesellschaftlicher Offenheit gesehen. Kritisiert wird vielmehr, dass dieses progressive Image gleichzeitig dazu genutzt werde, von Vorwürfen im Zusammenhang mit Besatzung, Vertreibung, Apartheid und den Ereignissen im Gazastreifen abzulenken.

Dabei ist Pinkwashing keineswegs ein ausschließlich israelisches Phänomen.

Auch Deutschland präsentiert sich sehr gerne als Verfechter von LGBTQ+-Rechten – etwa durch Regenbogenflaggen an öffentlichen Gebäuden oder permanente moralische Appelle an andere Staaten. Gleichzeitig bestehen enge Wirtschaftsbeziehungen und Rüstungsexporte in Länder, in denen Homosexualität verfolgt oder sogar mit dem Tod bestraft wird.

Die USA nutzen LGBTQ+-Rechte regelmäßig als eine Art Verbundenheit und Symbol westlicher Werte in der Außenpolitik. Gleichzeitig gibt es im eigenen Land politische Auseinandersetzungen und Gesetze, die Rechte von Transpersonen oder die Behandlung von LGBTQ-Themen sehr stark einschränken.

Kanada der „Saubermann“ der westlichen Welt, pflegt international das Bild eines besonders offenen und progressiven Landes. Gleichzeitig weisen Kritiker darauf hin, dass dadurch ungelöste Probleme im eigenen Land – die Rechte der indigenen Bevölkerung – umso weniger Aufmerksamkeit bekommt.

Der Kern der Kritik am Pinkwashing liegt daher nicht in der Regenbogenfahne selbst. Die ursprünglichen Ideale der LGBTQ+-Bewegung – Gleichberechtigung, Freiheit und Schutz vor Diskriminierung – sind wichtige gesellschaftliche Anliegen.

Problematisch wird es dort, wo diese Symbole und Werte für andere politische Zwecke vereinnahmt werden und wurden. Wenn die Regenbogenfahne nicht mehr nur für ihre ursprünglichen Ideale steht, sondern als Mittel zur Imagepflege oder zur moralischen Selbstreinigung eingesetzt wird, sprechen wir von Pinkwashing.

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Mattner: „Die Siedlerkinder wirkten auf mich deutlich radikaler“

Gastkommentar
„Qantara“ – und das Schmusemärchen vom Zionismus

Ein Gastkommentar von Michael Thomas

Da meldet sich jetzt bei Qantara die israelische, selbstbekennende Zionistin und Historikerin Fania Oz-Salzberger zu Wort und unterbreitet uns eine Gute-Nacht-Geschichte. Ihr Spezialfach ist die Wissenschaft von der Idee.

Was man darunter verstehen muss ist das, was sie in diesem Artikel tut: Sie erläutert uns ihre Idee vom Zionismus.

Oz-Salzberger ist damit durchaus in ihrem Fach. Jede Epoche brachte in ihren jeweiligen Kulturkreisen eine Idee, eine Philosphie, eine Selbstidentifikation für sich zur Welt. Und da es ein Israel für Juden, wie es 1948 gegründet wurde, immerhin schier unendliche 2000 Jahre zuvor einmal gab, musste eine neue Idee für die Moderne her.

Aber manche Ideen sind eben krank.

So, wie die „germanische“ des Dritten Reiches bereits vom Grundsatz her falsch und daher krank war, so war auch der Zionismus vom ersten Moment an krank. Denn seine Idee kam niemals ohne Gewalt gegen Palästinenser aus. Schon Herzl schrieb, da gab es noch kein Israel, dass man die Palästinenser still und des nachts fortschleppen müsse, weil es sonst internationales Geschrei geben würde.

Da sich Oz-Salzberger selbst dazu bekennt, Zionistin zu sein, taucht natürlich auch bei ihr keine grundsätzliche und kritische Auseinandersetzung über den Zionismus auf; im Gegenteil verklärt sie ihn zum „Licht für die Welt‘.

Obschon sie tatsächlich das geisteskranke Wüten israelischer „Siedler“ im Westjordanland benennt und auch als Terrorismus bezeichnet, enthält ihr Text kein einziges Wort, ja keine einzige Silbe zu den Schrecken der Vertreibung, mit der dies Israel seinen Auftakt nahm.

Und nehmen musste, weil die Vision des Zionismus nunmal nur das Modell der totalen Herrschaft, nicht aber eines Miteinander kennt. Für sie scheint die Aussage hinter dem eisigen Schweigen seitens des offiziellen Israels dazu in Stein gehauen.

Es wird einfach so getan, als habe es all diese entsetzliche Gewalt nie gegeben. Obschon sich der Zionismus darüber im Land entfaltet hatte und bis heute mit gleichen Denkmustern arbeitet, tut auch Oz-Salzberger so, als wenn die Kämpfe von geradezu bösartigen Palästinensern einseitig begonnen worden wären.

„Dutzende Zivilisten in Israel wurden durch Raketen des Iran und der Hisbollah getötet, das Gefühl der Sicherheit ist erschüttert.“

Für Oz-Salzberger gibt es, wie für jeden Zionisten, keine Vorgeschichte. Für sie begann alles mit dem Überfall der Hamas auf Israel an diesem 7. Oktober. Das kann bedeuten, dass für sie, was sehr seltsam wäre, da sie Historikerin ist, alles vorherige nicht nennenswert wäre.

Kein besonderes Vorkommnis. Gewissermaßen „normales Geschäft“. Dabei kennt die Geschichte diverse Massaker, die Israel verübt hat, sie kennt den immensen Landraub, sie kennt Tausende von Folterungen und willkürliche Erschießung.

Dies achselzuckend hinzunehmen, nicht als Grund für diesen Angriff anzuerkennen verrät eine extremistische Einstellung. Auch wenn sie sich selbst eine „liberale, humanistische Zionistin“ nennt, hat sie offenbar die gleichen, selektiven Wahrnehmungsmuster im Kopf wie alle anderen Zionisten auch.

‚Meine Güte.“ scheint sie zu denken, „Wer will sich schon groß über ein paar Tausend tote Palästinenser aufregen? Wir brauchen doch ihr Land.“

Das wirkt, als wolle sie sagen, dass das Aufstellen von Fallen gegen Ratten und das Totschlagen lästiger Fliegen schließlich nichts Bemerkenswertes sei. Da scheint es nur allzu konsequent, dass sie aus diese blinden Flecken einen verstörenden Schluss zieht:

„Ja, Yahya Sinwar und Hassan Nasrallah waren Schurken, die sich ein Attentat auf ihr Leben redlich verdient hatten.“

Als ich das las, war ich bestürzt.

Einen solchen Satz kann man definitiv nicht ohne die vollständige Verblendung eines geradezu kranken Geistes schreiben. Es wäre sicherlich völlig nutzlos, ihr erklären zu wollen, dass man mit ihrer eigenen Idee die gesamte, israelische Regierung sofort würde vollständig hinrichten müssen. Und noch lebende Mitglieder vorangegangener Regierungen gleich mit.

Wenn Sinwar und Nasrallah „Schurken“ waren und den Tod verdient hatten, was ist dann eine Regierung, die Hunderten von Kindern gezielt in den Kopf schießen und Gefangenen Stöcke in den Anus treiben lässt? Um nur willkürlich zwei Beispiele israelischer Scheußlichkeiten zu nennen, deren Liste und Zahl unerträglich lang ist?

Der übrige Text ihres Artikels ergeht sich über den Extremismus der aktuellen, faschistischen Regierung, die das Ende einer Demokratie und die Beseitigung der letzten, politischen Vielfalt herbeiführt und somit auch die Gruppe bedroht, zu der sie sich selbst zählt: vorgeblich „humanistische“ und liberale Zionisten.

Sie erklärt uns recht gut mit ihrem Artikel, dass auch diese Gruppe weder mit Geschichtsklitterung, noch mit dem Landraub Israels ein größeres Problem hätte, solange es keine hässlichen Bilder davon gibt.

Man muss nicht nur lesen, was sie schreibt, sondern vor allem auch, was sie nicht schreibt. Auch für Oz-Salzberger gibt es offenbar gar kein Problem mit dem Landraub und der Vertreibung. Sie akzeptiert die entsprechende Vergangenheit achselzuckend und scheint zu empfinden, dass dies halt der natürliche Weg zur Machtentfaltung Israels wäre.

So sagt sie:

„Die Frage lautet daher nicht, ob Israel in Zukunft stärker oder schwächer sein wird oder ob sich die Länder des Nahen Ostens selbst stabilisieren können, während sie Israel in Schach halten. Die Frage ist, ob Israel es schafft, das Land zu bleiben, das wir von früher kennen.“

Ob Israel das Land sein kann, das man von früher kennt, fragt sie sich, die „humanistische“ und liberale Zionistin. Das Land meint sie, das jahrzehntelang ganz nach Belieben stahl, folterte, zerstörte und tötete.

Das ist es, was sie sagt.

Es mag ja hart klingen, aber sich selbst als „humanistischen“ und „liberalen Zionisten“ zu bezeichnen wirkt auf mich verstörend, weil nachhaltig unglaubhaft. Es ist tatsächlich ein Widerspruch in sich selbst.

Wir sollten ihren Artikel sehr aufmerksam lesen, da wir an ihm lernen können, wie der politische und engagierte Zionismus funktioniert und am Ende des Tages doch die gleiche Idee verfolgt, wie der extremistische Zionismus.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

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