Weltpressefreiheitstag
Über 300 Tote: UN bezeichnet Gaza als Todesfalle für Journalisten

Genf/New York – Zum Weltpressefreiheitstag am 3. Mai hat UN-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk eindringliche Worte gefunden.

„Israels Krieg in Gaza ist zu einer Todesfalle für die Medien geworden. Mein Büro hat die Tötung von fast 300 Journalisten seit Oktober 2023 verifiziert — viele weitere wurden verletzt“, erklärte er.

Gaza und Libanon: Die tödlichsten Orte für Journalisten

Türk bezeichnete Gaza als das gefährlichste Kriegsgebiet für Medienschaffende der jüngsten Geschichte. Allein seit Januar wurden mindestens 14 Journalisten getötet — und nur etwa jeder zehnte Todesfall der vergangenen zwei Jahrzehnte habe zu einer vollständigen strafrechtlichen Verfolgung geführt.

Für das laufende Jahr sei der Libanon das tödlichste Land für Medienschaffende, so Türk. Der Krieg im Nahen Osten habe den Libanon an die Spitze dieser tragischen Statistik gebracht.

Eines der jüngsten und erschütterndsten Beispiele ist der Fall der libanesischen Journalistin Amal Khalil. Sie hatte zuvor öffentlich gemacht, von Israelis mit dem Tod bedroht worden zu sein. „Sie drohten mir, meinen Kopf von den Schultern zu reißen“, sagte sie in einem Interview. Kurz darauf wurde sie durch israelische Drohnen getötet.

Türks Worte zum Weltpressefreiheitstag

„Wenn Angriffe auf die Medien normalisiert werden, beginnt die Freiheit selbst zu verfallen — und mit ihr die Grundlagen von Frieden, Sicherheit und nachhaltiger Entwicklung“, warnte Türk in seiner Botschaft zum Weltpressefreiheitstag.

Er würdigte die mutigen Reporter und Fotografen weltweit, „die entsetzliche Gräueltaten dokumentieren, Korruption aufdecken und Geschäftspraktiken unter die Lupe nehmen.“ Journalismus sei heute jedoch „ein unsicherer und bisweilen gefährlicher Beruf“ geworden — Medienschaffende würden „in ihren Autos bombardiert, aus ihren Büros entführt, hinter Gittern zum Schweigen gebracht und aus ihren Jobs gedrängt.“

Auch UN-Generalsekretär António Guterres schloss sich der Warnung an: „In den vergangenen Jahren ist die Zahl der getöteten Journalisten stark gestiegen — oft wurden sie gezielt ins Visier genommen.“

Das bekannte Sprichwort besage, die Wahrheit sei das erste Opfer des Krieges. „Viel zu häufig sind jedoch die ersten Opfer die Journalisten, die alles riskieren, um diese Wahrheit zu berichten — nicht nur im Krieg, sondern überall dort, wo die Mächtigen Kontrolle fürchten.“

Bedrohungen weltweit — kein Land wirklich sicher

Türk warnte, dass „praktisch kein Land wirklich sicher ist für jene, die die Wahrheit zur Macht sprechen.“ Er verwies auf seinen jüngsten Besuch in Mexiko, wo die Berichterstattung über Korruption, Umweltschäden oder organisierte Kriminalität Journalisten, ihre Quellen und sogar ihre Familien schweren Risiken aussetze.

Besonders besorgt zeigte sich Türk über iranische Journalisten im Ausland, die Ziel transnationaler Repression und Überwachung geworden seien. „Medienschaffende sind die primären Ziele einer wachsenden transnationalen Unterdrückung und Überwachung“, sagte er.

Weltweit sitzen derzeit rund 330 Medienschaffende in Haft — dazu kommen etwa 500 Bürgerjournalisten und Menschenrechtsblogger.

Journalisten in Somalia nehmen an einer Pressekonferenz teil. (Archivfoto: UN News)

Frauen besonders betroffen

Online-Belästigung und Missbrauch treffen Journalistinnen überproportional hart — drei Viertel von ihnen haben Missbrauch erlitten, darunter Verleumdungskampagnen und Drohungen mit sexueller Gewalt.

Solche Angriffe riskierten laut Türk „eine Desinformationsgesellschaft zu schaffen, in der die Medien gezwungen sind, Fakten zu verschleiern und Wissenschaft zu leugnen, um in Sicherheit arbeiten zu können.“

Wirtschaftlicher Druck und Medienschließungen

Der wirtschaftliche Druck auf Medien erreiche Rekordniveau. In fast einem Drittel aller Länder zwängen Finanzierungskürzungen und Medienkonzentration lokale Nachrichtenmedien zur Schließung.

Bemühungen, die Presse zum Schweigen zu bringen, seien „beunruhigend kreativ geworden“ — von Zugangsbeschränkungen über Internet-Abschaltungen bis hin zu Nachrichtenblockaden. In manchen Fällen schade „eine unheilige Allianz zwischen politischer, unternehmerischer und medialer Macht der Demokratie und polarisiere Gesellschaften.“

Forderungen an Staaten und Technologieunternehmen

Türk forderte die Staaten auf, „die Verfolgung der Presse zu beenden, willkürliche Beschränkungen aufzuheben, missbräuchliche Gesetze abzuschaffen und die Rechtsrahmen an internationalen Menschenrechtsstandards auszurichten.“

Regierungen müssten Angriffe auf Medienschaffende verhindern, sie vor Überwachung schützen, Verstöße untersuchen und Rechenschaftspflicht sicherstellen.

An Technologieunternehmen appellierte er, wirksame Maßnahmen gegen Online-Missbrauch und Desinformation zu ergreifen. „Journalisten können nicht allein kämpfen“, betonte Türk.

ZUM THEMA

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Türkei
Pedro Sánchez‘ Flugzeug: Notlandung in der Türkei

Ankara – Das Flugzeug des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez hat am Sonntagabend eine Notlandung in Ankara durchgeführt.

Der offizielle Airbus A310 war kurz vor 16:00 Uhr Ortszeit vom Luftwaffenstützpunkt Torrejón de Ardoz bei Madrid in Richtung Eriwan gestartet, als ein technisches Problem auftrat.

Laut der spanischen Nachrichtenagentur EFE handelte es sich um eine kleinere Fehlfunktion — die Landung in Ankara erfolgte jedoch gemäß den Luftfahrt-Sicherheitsprotokollen. Sánchez und seine Delegation übernachten in Ankara und wollen die Reise früh am Montagmorgen fortsetzen, sobald das technische Problem behoben ist.

Sánchez war auf dem Weg zum 8. Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPC) in Eriwan, das unter dem Motto „Die Zukunft gestalten: Einheit und Stabilität in Europa“ steht und Staats- und Regierungschefs aus fast 50 europäischen Ländern zusammenbringt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sánchez wegen eines Flugzeugdefekts einen Termin zu verpassen drohte. Bereits im September 2025 musste sein Flugzeug auf dem Weg zu einem Ukraine-Treffen in Paris umkehren — Sánchez nahm damals virtuell teil.

In sozialen Medien kommentierten einige Nutzer den Vorfall mit Besorgnis. „This man needs to be protected“, schrieb ein Nutzer auf X. Sánchez gilt als einer der schärfsten Kritiker der israelischen Politik innerhalb der EU und hatte zuletzt vorgeschlagen, das EU-Assoziierungsabkommen mit Israel zu kündigen.

Auch gegenüber Washington hat er klare Kante gezeigt — Spanien verweigerte den USA die Nutzung seiner Militärbasen für den Iran-Krieg. Zuletzt drohte US-Präsident Donald Trump, Spanien aus der NATO auszuschließen.

 


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Gastkommentar
Çelik: „Die Welt schaut nach Washington und Peking — und versteht beide nicht“

Ein Gastbeitrag von Özgür Çelik

Drachen und Spiegel – Die Welt schaut nach Washington und Peking — und versteht beide nicht.

Es gibt Augenblicke in der Geschichte, in denen die Tektonik der Weltordnung hörbar zu knacken beginnt. Wir leben in einem solchen Moment. Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China ist nicht bloß eine diplomatische Fußnote, keine Handelsstreitigkeit, kein gelegentlicher Gipfel zwischen zwei Männern mit Krawatten und Protokoll. Es ist die Kernfrage unserer Epoche — und sie wird mit erschreckender Leichtfertigkeit behandelt.

Auf der einen Seite: Donald Trump. Ein Mann ohne Strategie, aber mit Instinkten. Der glaubt, Geschichte sei ein Deal, den man schließt oder platzen lässt. Der seinen Krieg gegen den Iran mit dem Bauchgefühl führt — „ich spüre es in meinen Knochen”, ließ er verlauten — und dabei vergisst, dass die Straße von Hormus keine Verhandlungsmasse ist, sondern ein Würgegriff.

Der Zölle wie Waffen einsetzt und dann erschrickt, wenn das Handelsdefizit trotzdem neue Rekorde bricht. Trump ist kein Stratege. Trump ist ein Darsteller, der die Weltbühne mit seinem Showroom verwechselt.

Auf der anderen Seite: Xi Jinping. Ein Mann, der schweigt, wenn andere schreien. Der wartet, wenn andere handeln. Der Taiwan nicht mit Panzern bedroht, sondern mit Flugverboten, mit Oppositionsführerinnen, die er zum Tee empfängt, mit Unterseekabeln, die er kauft, und mit Botschaften, die er schließt.

Xi führt keinen Krieg — er gestaltet das Terrain, auf dem der nächste Krieg stattfinden würde, falls es dazu käme. Das ist kein Zufall. Das ist zweitausend Jahre Denktradition, die Sun Tzu nicht überwunden, sondern verfeinert hat.

Wer diesen Kontrast nicht versteht, versteht auch den Gipfel nicht, der in diesen Wochen vorbereitet wird — und der von manchen als Hoffnungszeichen gefeiert wird. Es wäre Naivität, ihn als solches zu lesen.

Mäßigung ist keine Tugend — sie ist eine Waffe

Peking hat seinen außenpolitischen Tonfall geändert. Die Ära der sogenannten Wolfskrieger-Diplomatie, jene aggressive, oft belehrende Rhetorik, die chinesische Diplomaten in den vergangenen Jahren zur Schau stellten, scheint vorerst beendet.

Zhao Lijian und seine Mitstreiter, die einst das US-Militär für das Coronavirus in Wuhan verantwortlich machten und westliche Demokratien als „moralisch bankrott” bezeichneten, sind in den Hintergrund getreten. Peking spricht nun leiser.

Aber wer darin eine Bekehrung sieht, irrt. China hat nicht sein Wesen verändert — es hat seine Methode gewechselt. Die Interessen sind dieselben: Taiwan, Südchinesisches Meer, technologische Dominanz, die Entkoppelung vom Dollar als globaler Reservewährung, die Ausdehnung des chinesischen Einflussraums von Lateinamerika bis Afrika. Kein einziges dieser Ziele hat Peking aufgegeben. Es verfolgt sie nur stiller.

Das ist keine Schwäche. Das ist Kalkül.

Während Trumps Amerika sich selbst delegitimiert — durch verfassungswidrige Handelsnotstandsdekrete, durch Angriffskriege ohne Kongressmandat, durch die systematische Beschädigung internationaler Institutionen, die Amerika selbst aufgebaut hat — inszeniert sich Peking als Stabilitätsanker. Xi muss nicht werben. Er muss nur warten. Wer sich China annähert, tut es oft aus Mangel an Alternativen. Das ist Macht in ihrer effizientesten Form: Sie zieht an, anstatt zu drängen.

Lateinamerika: Das stille Schlachtfeld

Nirgendwo ist dieser Machtkampf sichtbarer als in Lateinamerika. Das Projekt „Chile China Express” — ein 500-Millionen-Dollar-Unterseekabel, das Südamerika direkt mit Asien verbinden sollte — wurde auf amerikanischen Druck hin gestoppt.

Innerhalb von 48 Stunden. Die USA verhängten Sanktionen gegen chilenische Funktionsträger, die das Projekt vorangebracht hatten. Der Ton war eindeutig: Hier endet Chinas Reichweite.

Das ist die Monroe-Doktrin des 21. Jahrhunderts — keine feierliche Erklärung mehr, sondern Sanktionen, Telefonanrufe und das gezielte Austrocknen von Finanzierungsquellen. Trump und sein Außenminister Marco Rubio verfolgen in Lateinamerika eine Strategie der Rückeroberung, die ihren demokratischen Vorgängern Obama und Biden fehlte.

Sie stellen jeden Hafen, jede Datenleitung, jeden Rohstoffvertrag auf den Prüfstand. Kolumbien erhebt Zölle auf chinesischen Stahl. Mexiko überdenkt seine Handelsbilanz mit Peking. Peru verweigert einem chinesischen Militärschiff die Durchfahrt. Honduras erwägt, seine Beziehungen zu Taiwan wieder aufzunehmen.

Das klingt nach amerikanischem Triumph. Aber der Schein trügt.

Chile ist das beste Beispiel dafür, wie widersprüchlich diese Rückeroberungsstrategie ist. Chiles neuer Präsident José Antonio Kast, erzkonservativ und Trump-nah, reiste noch vor Amtsantritt demonstrativ zu Trumps Miami-Gipfel. Er priorisiert das Google-Kabel, nicht das China-Kabel.

Er gibt sich als Washingtons Mann. Und trotzdem: Chinas Handelsvolumen mit Chile beträgt 65 Milliarden Dollar im Jahr — fast doppelt so viel wie das der USA. Kast kann den Drachen nicht einfach aus dem Salon werfen, ohne das Haus zu beschädigen. Chile ist kein Einzelfall. Es ist das Dilemma des gesamten Kontinents.

Amerika bietet Sicherheit. China bietet Geld. Und die Länder der Region müssen eine Wahl treffen, die keine wirkliche Wahl ist.

Gipfel ohne Seele

Die geplanten Gipfeltreffen zwischen Xi und Trump werden von manchen Kommentatoren als historische Chance gehandelt. Die Geschichte mahnt zur Skepsis. Seit dem bahnbrechenden Nixon-Mao-Treffen 1972 gab es mehr als zwei Dutzend solcher Begegnungen zwischen amerikanischen und chinesischen Staatschefs. Die überwiegende Mehrheit hat nichts bewirkt — außer schönen Fotos und nichtssagenden Abschlusskommuniqués.

Kissinger und Zhou Enlai konnten Geschichte schreiben, weil beide in der Sprache der Großstrategie dachten. Sie kannten ihre eigenen Interessen, aber auch die des Gegenübers. Sie konnten Kompromisse schließen, weil sie wussten, was unverhandelbar war — und was nicht.

Heute sitzen an diesem Tisch ein Mann, der Geschichte als persönliche Erfolgsgeschichte inszeniert, und ein Mann, der Geschichte als zivilisatorisches Projekt versteht. Trump braucht einen Erfolg, den er nach Hause tragen und verkaufen kann. Xi braucht nichts. Ihm reicht es, seinen Amtskollegen beobachten zu lassen, wie dieser sich erniedrigt. Das Ungleichgewicht ist strukturell — und es wird durch keinen Gipfel behoben.

Das Beste, worauf man hoffen kann, ist ein temporäres Einfrieren der Konflikte. Aber selbst das ist fragil. Das neue amerikanische Waffenpaket für Taiwan in Höhe von elf Milliarden Dollar könnte jederzeit als Zündschnur wirken. Und wer glaubt, Xi würde Taiwan vergessen, weil Trump ihm einen Drogenschmuggler als Goodwill-Geste ausgeliefert hat, versteht die Natur chinesischer Staatsräson nicht.

Die Frage, die niemand stellt

Es wird viel geredet über Trump. Über sein Chaos, seine Lügen, seine verfassungswidrigen Eskapaden. Das ist berechtigt. Aber die eigentliche strategische Frage lautet nicht: Was macht Trump falsch? Die eigentliche Frage lautet: Was macht der Westen nach Trump?

Denn Trumps Amerika ist eine Episode. Eine gefährliche, beschädigende, teure Episode — aber eine Episode. Die Geschichte der amerikanischen Parteiwechsel zeigt, dass MAGA keine dauerhafte Mehrheitskoalition ist. In 19 von 44 Wahlen seit dem Beginn des Zwei-Parteien-Systems wechselte die Kontrolle über das Weiße Haus. Das wird wieder geschehen.

Aber China wartet nicht auf diesen Wechsel. China baut währenddessen. Es baut Unterseekabel. Es baut Häfen. Es baut Weltraumüberwachungsanlagen in Lateinamerika. Es baut diplomatische Netzwerke in Afrika, wo Taiwan nur noch zwölf verbündete Staaten hat — und diese Zahl schrumpft. Es baut an einer Welt, in der die Frage nicht mehr lautet: USA oder China? Sondern: Unter welchen Bedingungen koexistiert man mit einem System, das seine Dominanz längst als selbstverständlich betrachtet?

Eine kohärente westliche China-Strategie existiert nicht. Es gibt Reaktionen. Es gibt Sanktionen. Es gibt Gipfel. Aber keine Architektur. Keine gemeinsame Sprache. Keinen langen Atem.

Sun Tzu schrieb: „Derjenige gewinnt, dem viele strategische Faktoren zugutekommen.” Xi hat diesen Satz gelesen. Trump hat ihn nicht. Und Europa hat ihn irgendwo zwischen Haushaltsgipfeln und Migrationsdebatte verlegt.

Was auf dem Spiel steht

Es wäre bequem, den chinesisch-amerikanischen Konflikt als fernes Machtspiel zweier Supermächte zu betrachten, das uns, die türkische Diaspora in Westeuropa, die Türken in Anatolien, die Turkvölker von Zentralasien bis zum Balkan, nichts angeht. Das wäre ein Fehler.

Denn in dieser neuen Weltordnung werden die Räume neu vermessen. Wer einen Hafen kontrolliert, kontrolliert Handel. Wer ein Datenkabel kontrolliert, kontrolliert Information. Wer Weltrauminfrastruktur besitzt, kontrolliert im Krisenfall Kommunikation und Navigation. Die türkische Welt liegt genau an den Schnittstellen dieser neuen Geographie — geographisch, historisch, strategisch.

Eine Türkei, die weder Amerika blind folgt noch China naiv vertraut, sondern ihre eigene strategische Autonomie mit Verstand und Entschlossenheit ausbaut, ist keine unrealistische Utopie. Sie ist eine Notwendigkeit. Denn die Alternative ist, dass andere über unseren Kopf hinweg entscheiden — wie sie es immer wieder getan haben, wenn wir es zugelassen haben.

Die Drachen und die Spiegel der Weltpolitik zeigen uns, was andere von uns erwarten: Gefolgschaft, Rohstoffe, Märkte, Schweigen. Was wir ihnen zeigen sollten, ist etwas anderes: Willen, Würde und einen eigenen Blick auf die Geschichte.​​​​​​​​​​​​​​​​


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


 Zum Autor

Özgür Çelik studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine Fachgebiete sind die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sowie zwischen der EU und der Türkei, türkische Politik, die türkische Migration und Diaspora in Deutschland.


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Wall Street Journal: Die Türkei muss eingedämmt werden

Geschichte
Der Sieg des Turkismus gegen den “Staatsterror”: Der 3. Mai 1944

Ein Gastkommentar von Özgür Çelik

Der 3. Mai 1944 ist ein Datum, das sich wie mit glühendem Eisen in das Gedächtnis der türkischen Nationalismusgeschichte eingebrannt hat. Der Prozess, der an jenem Tag begann und jahrelang andauerte, repräsentiert eine dunkle Ära, die von Unterdrückung, Folter und Staatsterror geprägt war.

„Von nun an ist der 3. Mai der Tag der Türken.Turkisten! Ob in der Gemeinschaft oder allein, lasst uns überall des 3. Mai gedenken. Lasst uns seiner gedenken und die Erinnerung an Kür Şad ehren.“

— H. Nihal Atsız

Gleichzeitig markiert dieser Tag jedoch den Moment, an dem der Turkismus aus den staubigen Seiten von Zeitschriften heraustrat und zu einer Stimme wurde, die in den Herzen von Zehntausenden widerhallte – eine Ideologie, die auf den Straßen Gestalt annahm, indem sie einen hohen Preis zahlte. Der 3. Mai 1944 ist nicht nur ein Datum von Verhaftungen; er ist der Wendepunkt, an dem der Turkismus auf das Volk traf und seinen Überlebenswillen durch Blut und Geduld unter Beweis stellte.

Ein Sturm bricht aus dem Gerichtssaal los

Man kann den 3. Mai nicht verstehen, ohne das politische Klima jener Zeit zu begreifen. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs, als die Sowjetunion auf dem Weg zum Sieg war, suchte die Einparteienherrschaft unter İsmet İnönü nach einer neuen außenpolitischen Orientierung.

Unter diesen Bedingungen wurden Turkisten, die über die türkische Welt schrieben und den unterdrückten Türken Gehör schenkten, als ein Element angesehen, das die Sowjets beunruhigen könnte. Ein Prozess gegen nationalistische Intellektuelle schien ein einfacher Weg zu sein, um eine Freundschaftsbotschaft nach Moskau zu senden.

Der Funke, der die Ereignisse auslöste, waren zwei offene Briefe des Autors und Denkers Hüseyin Nihal Atsız, die in der Zeitschrift Orhun veröffentlicht wurden. Diese an den Ministerpräsidenten Şükrü Saraçoğlu gerichteten Schreiben prangerten kommunistische Elemente an, die sich in den Institutionen des Bildungsministeriums eingenistet hatten, und nannten dabei konkrete Namen.

Atsız forderte von der Regierung eine entschlossene Haltung gegen diese Bedrohung. Unter den Genannten befand sich auch der Lehrer Sabahattin Ali, der Atsız wegen Beleidigung verklagte. Die zweite Anhörung dieses Falles am 3. Mai 1944 wurde zu dem Funken, der den Lauf der Geschichte veränderte.

An jenem Tag waren die Korridore des Justizpalastes von Ankara und die Umgebung der Anafartalar-Straße von nationalistischen Studenten überfüllt. Nach Ende der Verhandlung marschierten die Jugendlichen zum Ulus-Platz, sangen Nationalhymnen und riefen Parolen gegen den Kommunismus. Dieser leidenschaftliche Strom wurde vom Volk an den Fenstern und Türen mit Applaus begrüßt. Es war die größte nationalistische Demonstration, die Ankara bis dahin gesehen hatte.

Das Antlitz des Staatsterrors: Komplott und Folter

Die Regierung nutzte diese Demonstration als Vorwand. Ein Trio, bestehend aus Bildungsminister Hasan-Âli Yücel, dem Autor Falih Rıfkı Atay und dem Gouverneur von Ankara, Nevzat Tandoğan, schritt mit Unterstützung von Präsident İnönü sofort ein.

Die Verhaftungswelle begann in Ankara und breitete sich über das ganze Land aus. Selbst ein Brief an Atsız oder die Teilnahme an einer Umfrage der Orhun reichte als Grund für eine Festnahme aus. Die Inhaftierten wurden nicht in Ankara behalten, sondern in das unter Belagerungszustand stehende Istanbul überstellt – ein eklatanter Rechtsbruch.

In Istanbul erwartete sie ein Leben, das man nur als Hölle bezeichnen kann. Zivilgefangene wurden in die verseuchten, fensterlosen Zellen im Dachgeschoss des Sansaryan Han gesperrt, wo Abwasser floss und nur 15-Watt-Glühbirnen brannten. Militärgefangene im Tophane-Gefängnis erging es nicht besser. Alparslan Türkeş beschrieb jene Tage so: „Die Feuchtigkeit der Zelle, die Dunkelheit, das Fehlen von Sonnenlicht und die Unmöglichkeit zu lesen, hatten mich zermürbt.“

Für diejenigen, die die vorbereiteten Geständnisse nicht unterschrieben, begann die physische Folter. In den sogenannten „Tabutluk“ (Sarg-Zellen) – Nischen von nur 40 cm Tiefe und 50 cm Breite – wurden die Gefangenen mit Ketten an die Wand gehängt, während über ihnen 1500-Watt-Birnen brannten. Sie blieben dort, bis sie aufgaben oder das Bewusstsein verloren. Reha Oğuz Türkkan, Orhan Şaik Gökyay und viele andere erlitten hier bis zu 48 Stunden lang Folter ohne Wasser und Brot.

Die Verleumdungskampagne und İnönüs Rede

Parallel zur Folter wurde ein Propagandakrieg geführt. Regierungsnahe Autoren überfluteten die Zeitungen mit Verleumdungen gegen die Turkisten. Am 19. Mai 1944 widmete İsmet İnönü den Großteil seiner Rede zum Feiertag der Jugend und des Sports dem Thema „Rassismus-Turantismus“.

Mit dieser Rede verurteilte der Staatspräsident Menschen, gegen die noch nicht einmal Anklage erhoben worden war, öffentlich als „Verräter“. Dies war eine klare Vorverurteilung und ein massiver Eingriff in die Unabhängigkeit der Justiz.

Der Prozess: Drei Phasen, ein Sieg

Insgesamt 23 Personen, darunter Zeki Velidî Togan, Nihal Atsız, Alparslan Türkeş und Nejdet Sançar, standen ab dem 7. September 1944 vor dem Militärgericht. Der Staatsanwalt Kâzım Alöç gab die Folterungen während der Verhandlungen sogar zu, versuchte sie jedoch als legitim darzustellen, da es sich um „Verräter“ handele.

Das erste Urteil vom 29. März 1945 spiegelte den politischen Druck wider: Zehn Personen erhielten Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.

Doch das Militärkassationsgericht hob dieses Urteil auf. Am 26. August 1946 begann der Prozess erneut, und am 31. März 1947 fiel das historische Urteil: Freispruch für alle Angeklagten. Damit endete dieser dreijährige, von Folter und Verleumdung geprägte Prozess mit einem Sieg für die Turkisten.

Warum ist der 3. Mai der „Tag der Turkisten“?

Der 3. Mai 1944 ist der Tag, an dem der Turkismus als Idee auf die Straße trat, sich als Bewegung dem Staat stellte und als Wille eine Prüfung bestand. Die Stimme gegen Folter, Kerker und Exil zu erheben und trotz des gesamten Unterdrückungsapparates des Staates nicht zu beugen – das erfordert keinen gewöhnlichen Mut, sondern einen tiefen nationalistischen Glauben.

3 Mai ist für türkische Nationalisten nicht nur ein Gedenktag. Er hat bewiesen, dass Ideen nicht durch Ketten zum Schweigen gebracht werden können. Wie Atsız aus dem Kerker schrieb:

„Während die Mutter Erde uns in ihrem Schoß schlafen lässt / Werden die Kommenden das ernten, was wir gesät haben.“

Den 3. Mai zu ehren bedeutet, sich an diese Saat zu erinnern und die Verantwortung zu übernehmen, sie weiter wachsen zu lassen.

 


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 Zum Autor

Özgür Çelik studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine Fachgebiete sind die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sowie zwischen der EU und der Türkei, türkische Politik, die türkische Migration und Diaspora in Deutschland.


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USA
Drogen-Baron Hernández: Trump und Netanjahu sollen Deal gemacht haben

Washington – Neue Enthüllungen sollen den US-Präsidenten Donald Trump und den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu schwer belasten.

Geleakte Audioaufnahmen aus verschlüsselten Messengern wie WhatsApp, Signal und Telegram sollen eine koordinierte Operation belegen, um den wegen Drogenhandels verurteilten ehemaligen honduranischen Präsidenten Juan Orlando Hernández (JOH) politisch zu rehabilitieren.

Eine gemeinsame Untersuchung von Hondurasgate und dem spanischen Medium Canal RED zeigt, dass Honduras nach dem Willen Washingtons und Jerusalems in eine strategische Zone für militärische, logistische und wirtschaftliche Operationen verwandelt werden solle.

Netanjahu und pro-israelische Kreise sollen Schlüsselrolle gespielt haben

Hernández selbst soll in den Aufnahmen zu hören sein, wie er die entscheidende Rolle Israels bei seiner überraschenden Freilassung aus einem US-Bundesgefängnis hervorhebt. Er erkläre demnach ausdrücklich, dass der israelische Premierminister „alles mit meiner Freilassung und den Verhandlungen zu tun“ gehabt habe.

Die Finanzierung für die Lobbyarbeit und die Begnadigung durch Donald Trump im Dezember 2025 soll demnach von einem Gremium aus Rabbinern und pro-israelischen Kreisen bereitgestellt worden sein, die zuvor bereits Yani Rosenthal unterstützt haben sollen. Trump begründete den Gnadenerlass öffentlich damit, dass die Ermittlungen gegen Hernández lediglich eine „Inszenierung der Biden-Administration“ gewesen seien.

Die Unterstützung sei jedoch an weitreichende Bedingungen geknüpft gewesen. In Verhandlungen, die den Leaks zufolge unter anderem in Trumps Residenz in Florida stattgefunden haben sollen, seien millionenschwere Gegenleistungen vereinbart worden.

Dazu gehörten demnach die massive Ausweitung autonomer Wirtschaftszonen (ZEDEs), der Bau einer neuen Militärbasis sowie die Vergabe von Infrastrukturprojekten wie dem Palmerola International Airport und einer interozeanischen Eisenbahn an US-Konzerne wie General Electric.

Zudem sollen die Leaks Pläne für ein Medienprojekt enthüllen, das mit honduranischen Staatsgeldern und Unterstützung der argentinischen Regierung unter Javier Milei gezielt linke Staatschefs in Kolumbien und Mexiko angreifen solle.

Hernández soll den amtierenden Präsidenten Nasry „Tito“ Asfura in den Aufnahmen zudem barsch an seine Verpflichtungen erinnert haben. Er betone, dass Asfura seinen Wahlsieg lediglich der Absprache mit Trump zu verdanken habe, der im Vorfeld sogar mit dem Stopp sämtlicher US-Finanzhilfen gedroht haben soll, sollte die konservative National Party verlieren.

Hintergrund dieser politischen Machenschaften ist die kriminelle Akte des ehemaligen Staatschefs. Hernández war erst 2024 wegen der Verschleuderung von über 400 Tonnen Kokain in die USA zu 45 Jahren Haft verurteilt worden.

Die US-Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass er unter anderem eine Million Dollar Bestechungsgeld vom berüchtigten Drogenbaron Joaquín „El Chapo“ Guzmán angenommen hatte, um Schmuggelrouten zu schützen.

Während seiner Amtszeit soll er laut dem Bericht staatliche Institutionen und die Nationalpolizei systematisch genutzt haben, um den großflächigen Drogenhandel abzusichern und seine politischen Kampagnen mit illegalen Geldern zu finanzieren. Auch sein Bruder, Tony Hernández, verbüßt in den USA bereits eine lebenslange Haftstrafe wegen Kokainschmuggels.

 


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Brennerpass
Weltrekord in Europa: Der längste Eisenbahntunnel der Welt entsteht unter den Alpen

Steinach am Brenner – Tief unter den Alpen fressen sich gewaltige Tunnelbohrmaschinen durch den Fels. Am Brennerpass entsteht derzeit das längste Eisenbahntunnel-Projekt der Welt — ein Ingenieursmeisterwerk, das Europa gemeinsam verwirklicht.

Der Brenner Basistunnel verbindet Österreich mit Italien und bildet das Herzstück des transeuropäischen Eisenbahnkorridors zwischen Nord- und Südeuropa. Mit einer Gesamtlänge von 64 Kilometern wird die gigantische Anlage die längste Untergrundbahnstrecke der Welt sein — sie erstreckt sich vom Portal Tulfes bei Innsbruck bis nach Fortezza in Südtirol und ist das zentrale Glied im skandinavisch-mediterranen Transeuropäischen Netz (TEN) von Helsinki bis Valletta.

Projektleiter Sebastian Reimann zeigte sich gegenüber Euronews stolz auf das Vorhaben: „Die Europäer können stolz auf das sein, was sie hier erschaffen. Das ist eine gemeinsame europäische Leistung.“ Sein Kollege Andreas Ambrosi ergänzte gegenüber Euronews: „Elf Nationen aus ganz Europa arbeiten hier. Und europäische Spitzenunternehmen sind beteiligt — allein Herrenknecht hat acht Tunnelbohrmaschinen im Einsatz.“

Ein Projekt mit Signalwirkung für Mensch und Umwelt

Im Jahr 2024 überquerten 14,2 Millionen Autos und Lastwagen den Brennerpass auf der Straße. Mit dem Tunnel soll der Schwerlastverkehr künftig von der Straße auf die Schiene verlagert werden — zum Vorteil der Anwohner und der Umwelt.

Die nahezu waagerechte Tunnelstrecke wird die Steigungen der über 140 Jahre alten Brennerbahn überflüssig machen, die über den 1.371 Meter hohen Brennerpass führt.

Herrenknecht ist Marktführer für große Tunnelbohrmaschinen – hergestellt in Europa.

Herrenknecht: Europäische Ingenieurskunst im Weltmaßstab

Vier Tunnelbohrmaschinen des deutschen Unternehmens Herrenknecht graben sich derzeit durch den Brenner. Die gewaltigen Maschinen leisten 6.000 PS, sind fast 20 Meter hoch und mehrere hundert Meter lang.

Herrenknecht gilt als Weltmarktführer für große Tunnelbohrmaschinen und beschäftigt weltweit rund 5.000 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro. Die Maschinen des Unternehmens bohren nicht nur unter den Alpen — sie kamen auch beim Gelben Fluss, dem Panamakanal und im Himalaya zum Einsatz.

Gegründet wurde das Unternehmen vor einem halben Jahrhundert vom Ingenieur Martin Herrenknecht, einer der prägenden Stimmen der deutschen Industrie.
Eine Besonderheit des Projekts ist ein vorab gebohrter Erkundungsstollen, der die Geologie des Gebirges — etwa im Hinblick auf Störungszonen — vorab erkundet. Später, wenn die Züge fahren, wird dieser Stollen als Entwässerungs- und Wartungstunnel genutzt.

Für den Erkundungsstollen auf österreichischer Seite lieferte Herrenknecht eine rund 200 Meter lange und 1.800 Tonnen schwere Gripper-TBM mit einem Durchmesser von 7,9 Metern, die im September 2015 ihre 16,7 Kilometer lange Fahrt von Ahrental Richtung italienische Grenze aufnahm.

Herrenknecht warnt vor chinesischem Dumping

Gegenüber Euronews äußerte sich Firmengründer Martin Herrenknecht auch zur aktuellen Debatte in Brüssel über eine mögliche europäische Präferenz bei öffentlichen Aufträgen.

„Das ist die einzige Option“, sagte er. „Wenn man sieht, wie wir durch chinesisches Preisdumping unter Druck gesetzt werden: Ein Schweißer verdient hier 50 Euro brutto pro Stunde, in China 15 Euro. China arbeitet mit Dumping-Stahlpreisen — zum halben Preis. Unter solchen Bedingungen können wir die Wirtschaft in Europa nicht ankurbeln.“

 

 


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Christenfeindlichkeit
Israel: Schrecklicher Angriff auf französische Nonne

Jerusalem – In Israel gab es einen weiteren Angriff auf Christen. Wenige Wochen nachdem ein israelischer Soldat im Südlibanon eine Jesusstatue mit einem Vorschlaghammer zerstört hatte, sorgt ein neuer Vorfall für internationale Empörung:

In Jerusalem wurde eine französische katholische Nonne und Archäologieforscherin auf offener Straße brutal angegriffen. Der Vorfall hat eine breite Debatte über die wachsende Christenfeindlichkeit in Israel ausgelöst.

Das Video des Angriffs zeigt, wie ein Mann der Nonne von hinten auf dem Berg Zion folgt — in unmittelbarer Nähe des von Juden verehrten Grabes König Davids und des Abendmahlssaals, dem christlichen Ort des Letzten Abendmahls. Der Angreifer, der dem äußeren Erscheinungsbild nach jüdisch ist, stößt die Frau mit voller Kraft zu Boden, sodass sie nur knapp mit dem Kopf einen Steinblock verfehlt.

Nachdem er einige Schritte weitergegangen ist, kehrt er zurück und tritt auf die am Boden liegende Nonne ein. Erst als ein Passant eingreift, lässt er von ihr ab. Das Gesicht der Nonne wurde aufgeschürft, schwere Verletzungen wurden nicht gemeldet.
Die israelische Polizei verhaftete einen 36-jährigen Mann und erklärte, sie verfolge „null Toleranz gegenüber Gewaltakten“ und nehme jede Gewalttat, „die durch möglicherweise rassistische Motive motiviert ist und gegen Geistliche gerichtet ist“, mit „äußerster Schwere“.

In sozialen Medien wird laut israelischen Journalisten der Name Yonah Schreiber mit dem Verdächtigen in Verbindung gebracht — von offizieller Seite wurde dies jedoch noch nicht bestätigt. Laut Berichten israelischer Journalisten soll Schreiber einer der Gründer des rechtsradikalen Vereins „Der jüdische Sieg“ sein — gemeinsam mit dem rechten Aktivisten Moshe Miron, der dafür bekannt ist, bei Demonstrationen mit dem Schild „Linke sind Verräter“ aufzutreten.

Das französische Konsulat verurteilte den Angriff scharf und erklärte auf X:

„Frankreich fordert, dass der Täter der Aggression für diese Tat zur Rechenschaft gezogen wird und dass Gerechtigkeit geschieht.“

Der Direktor der Französischen Schule für Biblische und Archäologische Forschung in Jerusalem, Pater Olivier Poquillon, bestätigte dass die Nonne Forscherin an seiner Einrichtung sei und erwarte eine entschiedene Reaktion der Behörden.

Die Hebräische Universität Jerusalem erklärte in einer Stellungnahme, die die Jerusalem Post zitierte: „Dies ist kein Einzelfall, sondern Teil eines beunruhigenden Musters wachsender Feindseligkeit gegenüber der christlichen Gemeinschaft und ihren Symbolen.“

Die Nonne sei eine „geschätzte akademische Partnerin bei der Erforschung des Erbes dieses Landes“ gewesen. „Ein Angriff auf ihre Wissenschaftler ist ein Angriff auf die globale wissenschaftliche Gemeinschaft.“

Auch das israelische Außenministerium meldete sich zu Wort und bezeichnete den Angriff als „schändliche Tat, die in direktem Widerspruch zu den Werten des Respekts, des Zusammenlebens und der Religionsfreiheit steht, auf denen Israel gegründet wurde.“

Erzbischof Atallah Hanna, Oberhaupt einer griechisch-orthodoxen Kirche in Jerusalem, warnte auf Facebook: „Der Angriff auf eine Nonne in der Stadt Jerusalem erfolgt inmitten eskalierender Verstöße gegen christliche Einrichtungen in der Stadt.“ Solche Angriffe seien „keine Einzelfälle mehr, sondern Teil eines wiederkehrenden Musters, das die christliche Präsenz bedroht.“ Er forderte internationale Maßnahmen.

Ein Muster wachsender Christenfeindlichkeit

Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Übergriffen ein, die Experten als systematisches Muster bezeichnen. Das Religious Freedom Data Centre (RFDC), ein Netzwerk israelischer Freiwilliger, verzeichnete allein im ersten Quartal dieses Jahres 31 Vorfälle der Belästigung von Christen — überwiegend Anspucken oder die Beschädigung von Kircheneigentum.

Das RFDC betonte jedoch, die tatsächliche Dunkelziffer sei weit höher, da orthodoxe Gemeinden Vorfälle häufig nicht meldeten. Ein Kloster in Mea Shearim erklärte gegenüber der Organisation: „Die Wahrheit ist, wir haben das Haus kaum verlassen. Wenn wir doch ausgingen, spuckten Kinder und verfluchten den Namen des Herrn Jesus. Ich kann nicht sagen, wie oft das vorgekommen ist.“

Wadie Abunassar, Medienkoordinator des Holy Land Christian Forum, bezeichnete Angriffe auf Christen als wachsendes Phänomen. Die schnelle Reaktion auf den Angriff auf die Nonne führte er darauf zurück, dass er auf Video festgehalten wurde. Er äußerte „große Wut auf das System und große Trauer, weil ich das Gefühl habe, dass dies nicht bald enden wird.“

Palästinensische Christen im Westjordanland, deren Gemeinden zu den ältesten der Welt gehören, sehen sich seit Jahren zunehmendem Druck durch israelische Siedler ausgesetzt. Kirchenführer in Jerusalem haben die israelischen Behörden wiederholt aufgefordert, entschieden gegen solche Angriffe vorzugehen.
Blockade heiliger Stätten und der Fall Pizzaballa

Der Angriff ereignete sich zudem kurz nachdem israelische Behörden den Zugang zu heiligen Stätten für Muslime und Christen unter Berufung auf Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg eingeschränkt hatten. Für internationales Aufsehen sorgte bereits der Fall des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, dem am Palmsonntag der Zugang zur Grabeskirche verweigert worden war.

Israelischer Soldat zerstörte Jesusstatue im Libanon

Der Vorfall folgt auf den bereits international verurteilten Fall eines israelischen Soldaten, der im vergangenen Monat im Südlibanon eine Jesusstatue mit einem Vorschlaghammer zerstört hatte. Dieser Soldat sowie ein weiterer, der den Angriff filmte, wurden zu 30 Tagen Haft verurteilt. Premierminister Benjamin Netanyahu erklärte damals, er sei „bestürzt und traurig“ über den Vorfall.

 

Hormus-Krise
Streit mit Merz: USA ziehen Truppen aus Deutschland ab

Berlin/Washington – Das US-Verteidigungsministerium hat den Abzug von rund 5.000 amerikanischen Soldaten aus Deutschland angeordnet.

Der Befehl kam von Verteidigungsminister Pete Hegseth und soll innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate umgesetzt werden. Pentagon-Sprecher Sean Parnell erklärte in einer Stellungnahme: „Diese Entscheidung folgt einer gründlichen Überprüfung der militärischen Aufstellung des Ministeriums in Europa und berücksichtigt die Anforderungen des Operationsgebiets sowie die Lage vor Ort.“

Strafe für fehlende Iran-Unterstützung

Hochrangige Beamte des Pentagons bezeichneten den Schritt als klares Signal für Präsident Trumps Unzufriedenheit mit dem Niveau der Unterstützung, das europäische Verbündete im US-Iran-Krieg geleistet haben.

Trump hat die deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz und andere NATO-Staatschefs öffentlich dafür kritisiert, dass sie sich nicht direkt an der US-Militärkampagne gegen den Iran beteiligen.

Der Abzug wurde einen Tag angekündigt, nachdem Trump Merz scharf angegriffen hatte. Merz hatte zuvor erklärt, die USA würden vom Iran „gedemütigt“ und verfügten über keine klare Strategie im Iran-Konflikt. Trump reagierte auf Social Media und schrieb, Merz mache „einen schrecklichen Job“ und habe „Probleme aller Art“ — unter anderem bei der Einwanderung und der Energiepolitik.

Trump hat zudem angedeutet, auch US-Truppen aus Italien und Spanien abziehen zu wollen — ebenfalls Länder die sich geweigert haben, ihre Militärbasen und ihren Luftraum für US-Operationen gegen den Iran zur Verfügung zu stellen.

Massive US-Präsenz in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg

Die USA unterhalten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Kalten Krieg eine gewaltige Militärpräsenz in Deutschland. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums waren im vergangenen Dezember mehr als 36.000 aktive Soldaten auf Stützpunkten in ganz Deutschland stationiert — dazu kamen knapp 1.500 Reservisten und 11.500 Zivilangestellte. Nur Japan beherbergt mehr US-Truppen als ein ausländisches Land.

Deutschland ist zudem Sitz des Hauptquartiers des US European Command und des Africa Command. Die Ramstein Air Base gilt als zentraler Knotenpunkt für US-Operationen in Europa und darüber hinaus.
Landstuhl bleibt unberührt

Pentagon-Beamte betonten, dass der Abzug das Landstuhl Regional Medical Center nicht betreffen werde. Das Krankenhaus in Rheinland-Pfalz ist das größte US-Militärkrankenhaus im Ausland und hat seit Beginn des Iran-Krieges zahlreiche durch iranische Angriffe verwundete US-Soldaten versorgt.

Fokus auf Heimatverteidigung und Indo-Pazifik

Einige der aus Deutschland abgezogenen Kräfte sollen in die USA zurückkehren und von dort in andere Regionen verlegt werden. Pentagon-Beamte beschrieben den Schritt als Teil einer breiteren Neuausrichtung auf die Prioritäten des Pentagons — die Heimatverteidigung der USA und die Indo-Pazifik-Region.

Trump, ein langjähriger Kritiker der NATO-Allianz, hat in den vergangenen Wochen wiederholt auf Verbündete eingeschlagen, die sich geweigert haben, an Operationen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus teilzunehmen. Der Abzug aus Deutschland gilt als bisher schwerste konkrete Konsequenz dieser Spannungen.

Gewerkschaften
Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance

Bielefeld – Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der „Neuen Westfälischen“ ob der Einfluss der AfD auch in Gewerkschaften zunehme, sagt Werneke

„In den Gewerkschaften nicht. Das ist auch ein hoffnungsloses Feld für sie. Wir sind sehr klar zur AfD aufgestellt, da hätte sie keine Chance.“

Man sei dort so klar gegen sie aufgestellt, dass sie keine Chance hätte. Dennoch versuche die Partei, in der Arbeitswelt stärker Fuß zu fassen, erzielt dabei laut seiner Einschätzung bisher aber nur sehr bescheidene Ergebnisse. Mit Blick auf die fast abgeschlossenen Betriebsratswahlen betont er: „In den Verdi-Branchen ist es keiner AfD-nahen, rechten Liste gelungen, Mandate zu erzielen.“

Er räumt jedoch ein, dass durchaus Gewerkschaftsmitglieder die AfD wählen und die Partei versuchen werde, weiter Einfluss zu gewinnen. „Im Osten erleben wir das schon“, schildert er die Lage und führt aus, dass AfD-Politiker bei Krankenhausschließungen oft als Erste vor Ort seien, um solche Themen gezielt zu besetzen.

Der Kampf um die Meinungshoheit in den Betrieben fange seiner Meinung nach gerade erst an. Obwohl Alice Weidel „neoliberal und arbeitnehmerfeindlich bis in die Knochen“ sei, scheue die AfD keinen Sozialpopulismus. Dies mache die Partei letztlich gefährlich.

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Gastkommentar
Antisemitismus: „Alles wird in einen Topf geworfen“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

Antisemitismus habe eine Normalisierung erfahren, kritisiert der Zentralrat der Juden. Laut einer aktuellen Umfrage ist fast jede zweite jüdische Gemeinde von Vorfällen betroffen, weshalb viele ihre Identität verbergen. Auch wenn der Wert derer, die sich unsicher fühlen, seit 2024 leicht von 82 auf 68 Prozent gesunken ist, bleibe die Lage für Jüdinnen und Juden in Deutschland zutiefst bedrückend, berichtet die Tagesschau.

Ich finde es zutiefst beunruhigend, dass Menschen sich hier wieder verstecken müssen. Und gleichzeitig frage ich mich: In was für einer Debatte sind wir eigentlich gelandet, wenn plötzlich alles in einen einzigen Topf geworfen wird?

Wenn jedes kritische Wort zur israelischen Regierung oder zum militärischen Vorgehen sofort als Antisemitismus abgestempelt wird – was bleibt dann noch von einer ehrlichen Diskussion übrig? Eine Debatte, die nur noch aus Schlagworten besteht, ist wie ein Nebel, in dem niemand mehr klar sieht.

Ja, Antisemitismus ist real. Ja, jüdische Menschen müssen geschützt werden. Aber ist wirklich jede Kritik daran gleich Hass auf Juden? Oder machen wir es uns gerade viel zu einfach, indem wir komplexe Zusammenhänge plattbügeln?

Der Bericht zeigt, wie viele jüdische Gemeinden betroffen sind, wie Menschen sich zurückziehen, ihre Identität verstecken. Das ist erschütternd. Aber genau deshalb muss man doch differenzieren, statt alles wie mit einem Vorschlaghammer gleichzusetzen.

Und dann diese Reaktionen: lachende Emojis unter solchen Beiträgen. Ernsthaft? Wie kalt kann man sein? Das ist kein Witz, das ist kein Meme – das ist die Realität von Menschen.

Währenddessen passiert etwas anderes, fast im Schatten dieser lauten Debatte: Muslimfeindlichkeit und Araberfeindlichkeit wachsen weiter. Still, aber spürbar. Wie ein Hintergrundrauschen, das immer lauter wird, bis es irgendwann nicht mehr zu überhören ist.

Es gibt Stimmen, die ständig über Islamismus sprechen und dabei den Islam gleich mitverurteilen. Aber was richtet das an? Was macht das mit Menschen, die einfach nur ihr Leben leben wollen?

Mein Mann kann sich nicht verstecken. Er kann seine Identität nicht ablegen wie eine Jacke an der Garderobe. Man sieht ihm an, dass er Araber ist – an seinem Aussehen, an äußeren Merkmalen. Und genau deshalb ist er diesem Klima direkt ausgesetzt. Er kann nicht untertauchen, selbst wenn er wollte. Wie soll man sich schützen, wenn man gar keine Möglichkeit hat, unsichtbar zu werden?

Und während wir hier diskutieren, spitzt sich die Lage international weiter zu: Gaza, Westjordanland, Libanon, Syrien. Täglich neue Bilder, täglich neue Gewalt. Glaubt wirklich jemand, dass das keine Auswirkungen auf unsere Gesellschaft hat?
Vielleicht sollten wir uns fragen: Wem nützt es, wenn wir alles vereinfachen? Wem nützt es, wenn wir Begriffe so lange dehnen, bis sie ihre eigentliche Bedeutung verlieren?

Eine Gesellschaft, die nur noch in Schwarz und Weiß denkt, verliert die Fähigkeit, Grautöne zu erkennen. Und genau dort liegt oft die Wahrheit.

Wenn wir es ernst meinen, dann müssen wir genauer hinschauen. Müssen unterscheiden. Müssen aushalten, dass Dinge kompliziert sind. Und vor allem: müssen wir jede Form von Menschenfeindlichkeit benennen – ohne Scheuklappen und ohne Doppelstandards


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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