Rohstoffmarkt
Iran-Konflikt: Helium-Mangel belastet Halbleiterindustrie

Vor dem Hintergrund bereits angespannter globaler Kupferlagerbestände deutet der mittel‑ bis langfristige Ausblick auf eine zunehmende Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage hin.

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Von Joel Frick

Vor dem Hintergrund bereits angespannter globaler Kupferlagerbestände deutet der mittel‑ bis langfristige Ausblick auf eine zunehmende Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage hin.

Die rasche Elektrifizierung, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie massive Investitionen in die Stromnetzinfrastruktur dürften den Kupferverbrauch stetig ansteigen lassen, während die Minenproduktion und das Recycling voraussichtlich nicht Schritt halten können. Prognosen zufolge könnte die Nachfrage bis Mitte der 2030er‑Jahre das verfügbare Angebot um mehrere Millionen Tonnen übersteigen.

Zwar erhöhen die gestiegenen Preise wieder die Attraktivität neuer Bergbauprojekte, doch die meisten dieser Vorhaben sind nur bei nachhaltig deutlich höheren Kupferpreisen – über dem aktuellen Niveau – wirtschaftlich tragfähig. In der Summe spricht das Risikoprofil daher weniger für eine spürbare Preiskorrektur als vielmehr für einen weiteren, wenn auch graduellen, Preisanstieg im Verlauf des kommenden Jahres.

Am Ölmarkt zeigte sich bis Ende April eine ausgeprägte Backwardation, was auf erhebliche kurzfristige Angebotsengpässe und einen intensiven Wettbewerb um sofort verfügbare Lieferungen hindeutet.

Zwar gaben die Preise Anfang Mai im Zuge erster Anzeichen einer vorsichtigen geopolitischen Entspannung leicht nach, doch die Entwicklungen im April verdeutlichten die hohe Sensitivität des Marktes gegenüber geopolitischen Risiken. Trotz der leichten Entspannung blieb zum Monatsende ein signifikanter Risikoaufschlag in den Preisen enthalten.

Dieser reflektiert die anhaltende Unsicherheit über das Tempo, mit dem gestörte Energieflüsse wiederhergestellt werden können, und spricht für eine weiterhin erhöhte Volatilität in den kommenden Monaten.

Der Konflikt im Nahen Osten hat zudem eine neue Verwundbarkeit in der globalen Halbleiter‑ Lieferkette offengelegt, indem er die Versorgung mit Helium beeinträchtigt hat. Angriffe auf die Energieinfrastruktur in Katar führten zu einem Stopp der Erdgasförderung und unterbrachen damit schätzungsweise 30 bis 40 % der weltweiten Heliumproduktion, da Helium als Nebenprodukt bei der Gasförderung gewonnen wird.

In der Folge sahen sich große Anbieter, darunter Air Liquide, gezwungen, für bestimmte Kunden höhere Gewalt (Force Majeure) geltend zu machen. Die Situation ist besonders sensibel, da Helium nur schwer zu lagern und zu transportieren ist und extreme Kühlung sowie spezialisierte Behälter erfordert, was eine strikte Priorisierung der Lieferungen notwendig macht.

Obwohl Helium nur einen geringen Anteil an den Gesamtkosten der Halbleiterproduktion ausmacht, ist es für fortschrittliche Fertigungsprozesse wie die EUV‑Lithografie unverzichtbar. Wie bei früheren Engpässen ist zu erwarten, dass Chipproduzenten und medizinische Einrichtungen bevorzugt versorgt werden.

Der US‑Dollar erhält Unterstützung durch die verbesserte Stimmung an den US‑Aktienmärkten sowie durch die relative Abschirmung der US‑Wirtschaft gegenüber steigenden Energiekosten. Auch wenn die jüngste Einengung der Zinsdifferenzen zwischen den USA und anderen Währungsräumen auf den ersten Blick als Belastungsfaktor für den Dollar erscheinen mag, messen wir diesem Aspekt im aktuellen Umfeld eine geringere Bedeutung bei.

In energieimportierenden Regionen wie Europa und Teilen Asiens werden steigende Zinserwartungen zunehmend als potenzielle Belastung für das ohnehin fragile Wachstum wahrgenommen, anstatt als positiver Impuls für die jeweilige Währung. Sollte die Straße von Hormus kurzfristig wieder geöffnet werden, könnte die Nachfrage nach dem US‑Dollar als sicherem Hafen nachlassen und temporär zu einer Schwäche führen.

Eine solche Bewegung dürfte jedoch kaum von Dauer sein, da sich der Fokus der Märkte voraussichtlich rasch auf die Aussicht auf Zinssenkungen außerhalb der USA verlagern würde, die der Abfederung einer weiteren konjunkturellen Abschwächung dienen sollen – ein Umfeld, das den US‑Dollar letztlich erneut stützen dürfte.

 


Joel Frick, Investment Lead, BENDURA BANK AG

 


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