Israel vs New York Times
Israel verklagt New York Times wegen Vergewaltigungs-Bericht

Netanyahu und Außenminister Saar kündigen Klage gegen die New York Times an — nach einem Bericht über systematische Vergewaltigungen palästinensischer Gefangener, auch durch Hunde.

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New York/Jerusalem – Drei Tage nach Erscheinen eines erschütternden Berichts über systematische sexuelle Gewalt gegen palästinensische Gefangene in israelischen Hafteinrichtungen — darunter der dokumentierte Einsatz von Hunden — hat die israelische Regierung einen außergewöhnlichen Schritt angekündigt:

Premierminister Benjamin Netanyahu und Außenminister Gideon Saar haben gemeinsam die Einleitung einer Verleumdungsklage gegen die New York Times angeordnet.

„Unter meiner Führung wird Israel nicht schweigen“, schrieb Netanyahu auf X. „Wir werden diese Lügen vor dem Gericht der öffentlichen Meinung und vor dem ordentlichen Gericht bekämpfen.“

Was der Artikel behauptete

Ausgangspunkt ist ein Meinungsbeitrag des zweifachen Pulitzer-Preisträgers Nicholas Kristof, der am 11. Mai in der New York Times erschien. Kristof stützte sich auf Interviews mit palästinensischen Männern und Frauen und dokumentierte ein Muster systematischer sexueller Gewalt — durch Soldaten, Siedler, Verhörspezialisten des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet und vor allem durch Gefängnispersonal.

Zu den geschilderten Fällen gehörte der des 46-jährigen palästinensischen Journalisten Sami al-Sai, der beschrieb, wie er nackt ausgezogen, geblendet und gefesselt wurde — bevor ein Militärhund auf ihn losgelassen wurde, angeleitet von einem auf Hebräisch sprechenden Hundeführer.

Ein weiterer Palästinenser, der Funktionär Mohammad Matar, schilderte, wie er von Siedlern ausgezogen und mit einem Stock traktiert wurde, während diese Witze über seine Vergewaltigung machten. „Sechs Monate lang konnte ich nicht darüber sprechen — nicht einmal mit meiner Familie“, sagte er.

Kristof betonte ausdrücklich, es gebe keine Beweise dafür, dass israelische Führungskräfte Vergewaltigungen direkt anordnen — wohl aber hätten israelische Behörden einen Sicherheitsapparat aufgebaut, in dem sexuelle Gewalt laut einem UN-Bericht zu einem „Standardverfahren“ geworden sei.

NYT steht hinter dem Bericht

Israel hatte den Artikel zunächst als „Blutlüge“ bezeichnet — ein Begriff mit schwerer historischer Last, der auf das mittelalterliche antisemitische Märchen anspielt, Juden würden christliche Kinder für rituelle Zwecke ermorden.

Kritiker werfen der israelischen Regierung vor, den Begriff missbräuchlich einzusetzen, da die Vorwürfe auf Zeugenaussagen, unabhängigen Untersuchungen und Berichten israelischer Menschenrechtsorganisationen beruhen — darunter B’Tselem, die bereits im August 2024 und erneut im Januar 2026 konkrete Fälle sexuellen Missbrauchs durch Militärhunde dokumentiert hatte.

Die New York Times wies Rückzugsgerüchte umgehend zurück und verteidigte den Bericht. NYT-Sprecherin Danielle Rhoades Ha erklärte, die Klagedrohung sei „Teil eines bewährten politischen Drehbuchs, das darauf abzielt, unabhängige Berichterstattung zu untergraben und Journalismus zum Schweigen zu bringen, der nicht in ein bestimmtes Narrativ passt.“

Die Zeugenaussagen seien mit anderen Zeugen, Familienangehörigen, Anwälten und unabhängigen Berichten abgeglichen worden.

Rechtlich schwieriges Terrain

Die Klage wirft erhebliche juristische Fragen auf. Eine ausländische Regierung kann technisch gesehen gegen ein US-Medienunternehmen klagen — doch US-Medien genießen durch den Ersten Verfassungszusatz weitreichenden Schutz, insbesondere wenn sie von Regierungsbehörden angegangen werden.

In welchem Gericht die Klage eingereicht werden soll, war zunächst nicht bekannt. Netanyahu selbst gab zu, dass es ihm bei der Klage nicht allein um den rechtlichen Ausgang geht — sondern um eine Botschaft.

Es ist nicht das erste Mal dass Netanyahu rechtliche Schritte gegen die Times in Erwägung zog. Bereits im vergangenen Jahr hatte er öffentlich geprüft, ob ein Land die New York Times verklagen könne — damals nach einem Bericht über Hunger in Gaza.

 


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