Kryptowährungen
Die globalen Krypto-Trends: Regulierung, Potenzial und Risiko

Dezentrale Vermögenswerte (Kryptowährungen) haben sich mittlerweile auf globaler Ebene durchgesetzt. Es werden neue Rahmenbedingungen geschaffen, immer mehr Nutzer und Unternehmen investieren und die Einsatzbereiche gestalten sich deutlich umfangreicher. All diese Entwicklungen nehmen Einfluss auf die weltweiten Krypto-Märkte, Politik und die Gesellschaft. Eine Investition in eine Kryptowährung ist in der heutigen Zeit nicht bloß Anlegern vorbehalten, welche sich besonders gut mit modernen Technologien auskennen. Laut offiziellen Schätzungen nutzen bereits circa 12,4 % der globalen Bevölkerung eine oder mehrere Kryptowährungen. Somit wurde in diesem Jahr (2025) ein neuer Höchstwert erreicht, welcher die wachsende Bedeutung dezentraler Währungen für den weltweiten Finanzmarkt deutlich zur Geltung bringt. Insbesondere die Einwohner von Staaten mit einer schwachen und/oder instabilen Wirtschaftslage nutzen vermehrt digitale Vermögenswerte als eine Alternative zur heimischen Fiat-Währung. Gleichzeitig verstärkt sich der regulatorische Druck, da Regierungen weltweit versuchen, eine Balance zwischen Innovation und Verbraucherschutz aufrecht zu erhalten.

Neue Einsatzbereiche und regionale Unterschiede: Kryptowährungen weltweit

Die Nutzungsrate von Kryptowährungen unterscheidet sich sehr stark von Region zu Region. Europa liegt mit einer Nutzungsrate von circa 9 % im globalen Vergleich im Mittelfeld. In südamerikanischen Ländern fällt die durchschnittliche Nutzungsrate von Kryptowährungen mit circa 15 % deutlich höher aus. In Ländern wie Argentinien und Venezuela wird die Nutzung von dezentralen Währungen vermehrt zu einem wirksamen Mittel gegen die allgegenwärtige Inflation der Fiat-Währungen. Wirft man einen Blick auf die USA, so lässt sich erkennen, dass dort vor allem institutionelle Investoren und große Technologie Unternehmen die Entwicklung vorantreiben. Allein die sogenannten „Stablecoins“ konnten innerhalb der ersten sechs Monate dieses Jahres (2025) ein Transaktionsvolumen von circa $ 16 Billionen erreichen. Somit hat sich das Transaktionsvolumen im Vergleich zum Vorjahr (2024) beinahe verdreifacht. Befeuert durch die umfassendere Nutzung von dezentralen Währungen entstehen zudem völlig neue Geschäftsmodelle im Bereich der digitalen Unterhaltungsindustrie. Digitale Vermögenswerte werden nicht mehr ausschließlich für den reinen Zahlungsverkehr oder als Wertanlage genutzt, sondern zunehmend auch im Segment der iGaming Plattformen eingesetzt. Spezialisierte Crypto Casinos akzeptieren mittlerweile diverse Kryptowährungen als flexibles Zahlungsmittel. Zudem dienen Kryptowährungen hier mitunter als modernes Marketinginstrument, um eine breitere Zielgruppe anzusprechen.

Umfassendere globale Nutzung: Neue Rahmenbedingungen weltweit

Die stetig anwachsende Nutzung von Kryptowährungen sorgt überall auf der Welt für politische Konsequenzen. In diesem Jahr sind viele Länder weltweit damit beschäftigt, neue Rahmenbedingungen und Regulierungen auszuarbeiten, um eine erhöhte Transparenz und mehr Sicherheit im Umgang mit Kryptowährungen gewährleisten zu können. Innerhalb der EU steht die finale Verabschiedung der „MiCA“ Verordnung (Markets in Crypto-Assets) schon vor der Tür. Das Ziel dieser neuen Regulierung ist es, einheitliche Rahmenbedingungen für Emittenten und Dienstleister zu schaffen, welches gleichzeitig die Anleger schützt und neue Innovationen ermöglicht. Weitere Staaten gehen deutlich restriktiver mit dem Thema Kryptowährungen um. Das skandinavische Land Norwegen kündigte in diesem Sommer (2025) ein temporäres Verbot für energieintensive „Krypto-Mining-Prozesse“ an. Auf diese Weise soll das Stromnetz des Landes entlastet werden. In den USA wird darüber beraten, auf welche Weise sich die großen Mengen an Energie, welche während des „Minings“ von Bitcoins und weiteren Kryptowährungen benötigt werden, in Einklang mit den selbstgesteckten Klimazielen des Landes bringen lassen. Aufgrund dieser uneinheitlichen weltweiten Regulierungen kommt es dazu, dass Unternehmen vermehrt bestimmte Länder als Standort auswählen, um auf diese Weise von günstigeren Rahmenbedingungen profitieren zu können. Für die Endverbraucher bedeutet das jedoch Unsicherheit, da sich die Schutzmechanismen und Standards von Land zu Land völlig anders gestalten können.

Das Thema Sicherheit: Weiterhin ein Risiko

Neben der Regulierung von Kryptowährungen spielt das Thema Sicherheit nach wie vor eine bedeutende Rolle. Die Verluste durch Krypto-Diebstähle summierten sich laut aktuellen Daten im Verlauf des ersten Halbjahres 2025 bis zum heutigen Zeitpunkt bereits auf $ 2,17 Milliarden. Damit übertrifft die Gesamtsumme der Verluste durch Krypto-Diebstähle bereits jetzt den Wert des gesamten Jahres 2024. Ein Hacker-Angriff auf die Krypto-Plattform „Bybit“, bei dem über $ 1 Milliarde erbeutet werden konnten, stellt den bisher größten Angriff dieser Form dar. Solche Ereignisse unterstreichen, dass der Markt trotz des anhaltenden Wachstums auch weiterhin anfällig ist. Sicherheitslücken entstehen nicht ausschließlich durch technische Mängel in Verbindung mit „Smart Contracts“ oder Krypto-Wallets, sondern zudem durch unzureichend geschützte Schnittstellen zu traditionellen Finanzsystemen.

Die Folgen: Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft

Die zunehmende Verbreitung von Kryptowährungen wirkt sich zudem auf die Wirtschaft und die Gesellschaft aus. Für die Einwohner von Schwellenländern eröffnet sich die Möglichkeit, grenzüberschreitende Zahlungen deutlich schneller und günstiger abzuwickeln. Im selben Atemzug entstehen völlig neue Arbeitsfelder. So zum Beispiel im Bereich der Blockchain Entwicklung, der Compliance und den digitalen Zahlungsdienstleistern. In den Industriestaaten, wie zum Beispiel Deutschland oder den USA, steht hingegen eher der Investitions- und Spekulationsaspekt von Kryptowährungen im Vordergrund. Finanzdienstleister bieten vermehrt Krypto-Produkte wie zum Beispiel ETFs oder Futures an, was die Akzeptanz bei institutionellen Anlegern erhöht. Gleichzeitig warnt die BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) davor, dass die hohe Volatilität digitaler Vermögenswerte Risiken für Kleinanleger mit sich bringt und traditionelle Finanzmärkte destabilisieren könnte. Auch im kulturellen Bereich wächst die Bedeutung von Kryptowährungen. Innerhalb von Gaming Communitys oder während digitalen Events werden Kryptowährungen bloß als Zahlungsmittel, sondern auch als Identitätsmarker genutzt. Nutzer zeigen durch die Wahl ihrer Coins Zugehörigkeit zu bestimmten Projekten oder Ideologien.

Kryptowährungen im Spannungsfeld

Die weltweiten Krypto-Trends des Jahres 2025 verdeutlichen das Spannungsfeld von Regulierung, Potenzial und Risiko. Während neue Rahmenbedingungen entstehen und immer mehr Menschen auf globaler Ebene Kryptowährungen nutzen, bleiben Sicherheitslücken und starke Schwankungen bestehen. Kryptowährungen entwickeln sich zum festen Bestandteil von Wirtschaft und Gesellschaft, doch ihre Zukunft hängt von der Schaffung einheitlicher und klarer Standards ab.

Gastkommentar
„Israel – und der Wahnsinn einer hasserfüllten Sekte“

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Benjamin Netanyahu enthüllte unlängst seine Vision für die Zukunft eines Israel, das sich von der ganzen Welt unabhängig machen, seine Wirtschaft größtenteils auf Rüstung umstellen und sich auf endlose Kriege einstellen soll. Ein „Super-Sparta“, wie er es nannte. Selbstverständlich weiß jeder intellektuell halbwegs begabte Mensch, dass dieser Weg Israel insgesamt ins Verderben führt. In einer Welt wie heute gelingt es noch nicht einmal Supermächten, sich durch selbstgewählte Isolation autark zu machen, während gleichzeitig nicht etwa nur das reine Überleben, sondern eine aggressive Welle von Gewalt aufrechterhalten werden soll. Die Geschichte ist voll von Beispielen, die Menschen auf solchen Wegen zu Dutzenden, zu Hunderten, zu Tausenden und zu Millionen direkt in die Hölle von Tod, Zerstörung und Untergang führten.
Man muss die Idee, weshalb dieser Weg Israel unausweichlich in den Untergang führen muss, nicht kleinteilig belegen, ein bloßer Hinweis auf Abhängigkeitsverhältnisse reicht völlig aus. Israel verfügt über so gut wie keine Bodenschätze, hat keine ausreichenden Agrarflächen und kann seine Energie nicht allein bereitstellen. Selbst international geächtete Staaten wie Russland etwa, die über all das in reichem Maße verfügen und rein theoretisch eine derartige Isolation überstehen könnten, sind auf Außenkontakte angewiesen. Aber die israelische Führung besteht nicht aus Inteĺligenz, sondern aus Wahnsinn. Einem pathologisch relevanten Wahn, der es direkt in die Tradition selbstzerstörerischer Sekten stellt, an deren Ende meist allgemeiner Suizid stand. Wir müssen das Kind beim Namen nennen und es endlich ohne Verdrehungen, Relativierungen, Beschönigungen und sonstige Entschuldigungen aussprechen: die israelische Regierung ist verrückt geworden. Sie indoktriniert ihre Bürger und macht aus ihrer stetig anwachsenden Angst, die sie selbst erzeugt, eine namen- und grenzenlose Wut, übergießt sie mit Kampfreden, die nur so von irren Religionsbezügen strotzen.
Mir fällt ein direkter Bezug auf die Jim-Jones-Sekte ein, deren Anführer, besagter Jim Jones, 1978 fast Tausend Menschen in den Freitod hetzte. Jones propagierte wie Netanyahu heute auch eine Welt des Hasses, die nichts anderes als die Auslöschung seiner erwählten Anhänger beabsichtige.In der Enklave in Guyana, in „Jonestown“, die völlig isoliert von der Außenwelt im Djungel lag, wurden Lautsprecher installiert, über die Tag und Nacht seine Botschaften verbreitet wurden, die aus Hass bestanden und Ängste schürten. Die Menschen in „Jonestown“ litten, und genau das ist die Zukunft Israels auch, unter zahllosen Mangelerscheinungen, Epedemien, Hunger, Angst und Verzweiflung, die in Wut und Zerstörungsfantasien mündete. Abweichler wurden unter Drogen gesetzt, jeder spionierte den anderen aus.
Wie Jim Jones propagiert die geistig kranke Sekte in Israel das Bild, man sei angeblich „erwählt“, mithin etwas Besonderes und daher bevorrechtigt, aller menschlichen Gesetzgebung enthoben. Das ist völlig irre, verstörend und abstoßend; mit rationalen Mitteln ist dieser Geisteshaltung nicht zu begegnen oder zu erklären, geschweige denn durch Dialoge positiv zu beeinflussen. Man kann nicht mit jemandem nüchtern verhandeln, der auf einer irrationalen Ebene lebt. Er ist entweder unter Zwang auf den Boden menschlicher Gemeinschaft zurückzubringen, zu therapieren, oder man macht ihn buchstäblich unschädlich. Es wird sich die Frage stellen, wie wir mit diesem Jones-Netanyahu-Israel umgehen wollen.
Abgesehen von der Drohung seines Führers Netanyahu, die gesamte Nachbarschaft mit Zerstörung, Hass und Tod überziehen zu wollen, wie gehen wir um mit der erklärten Absicht dieser Führung, ganz Israel auf den Weg zu einem neuen „Jonestown“ gehen zu sehen, an dessen Ende der Zusammenbruch steht? Der deutsche Weg kann es nicht sein; eine wirkungsvolle Einflussnahme mit dem Hinweis zu unterlassen, man setze auf Einsicht und Verhandlungen zwischen Palästina und Israel verhält sich, als wolle ein Arzt die Heroinabhängigkeit seines Patienten mit Crack beheben wollen. Nicht erst Merz, sondern auch Scholz, Merkel und Kohl wussten und wissen selbstverständlich schon immer von dem Desinteresse Israels an Verhandlungen. Es gab nie ernstzunehmende Verhandlungen mit einem realistischen Ziel, selbst Oslo war vergiftet, es gibt keine, da Israel alles töten will, was verhandeln könnte und es wird keine geben, wie Netanyahu wortwörtlich, öffentlich, offiziell und unmissverständlich sagt. Wir sehen dem Rasen von Wahnsinnigen im wahrsten Sinne des Wortes zu; dies Israel hat einen Wahn im Sinn, der zu nichts anderem führt als seinem eigenen Untergang, der von Leid und Tod in der gesamten Region begleitet wird.

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

ZUM THEMA 

– Netanjahu-naher Kanal – Israel: TV-Produzent fordert Gaskammern in Gaza

Er sprach sich außerdem für einen „grausamen und harten Tod“ für alle Bewohner des Gazastreifens aus, verwarf die Vorstellung von unschuldigen Zivilisten

Israel: TV-Produzent fordert Gaskammern in Gaza
 

Gastkommentar
Kairo setzt Teile der Sicherheitskooperation mit Israel aus

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Es hat was von der großen Geschichte der alten Reiche Ägyptens: Oftmals, wenn sich dynastische Schwächen oder andere, größere Probleme um den Thron Ägyptens zeigten, fühlten sich Nachbarn häufig bemüßigt, anzugreifen.

Der derzeitige Diktator agiert wie ein Pharao, auch wenn ihm dazu einige Qualitäten fehlen.

Und nun gerät das ohnehin durch massive, wirtschaftliche Probleme unter hohem Druck befindliche Ägypten in eine neue, empfindliche und belastende Notlage:

Durch den Fluchtdruck, den Israel verursacht, drängen nun Hunderttausende von Menschen gegen Süden, auf die ägyptische Grenze zu Gaza zu. Steigen dieser Druck und das israelische Feuer weiter an, könnte es zu enenso herzzerreissenden wie entsetzlichen Szenen kommen – und die Menschen könnten versuchen, ihrer Vernichtung mit gewaltsamem Vordringen auf den ägyptischen Sinai zu entkommen.

Das wäre ein Szenario, das Israel ganz offensichtlich absichtsvoll plant. Ägypten bliebe nichts anderes übrig, als die Grenze entweder zu öffnen … oder die Menschen mit der Gewalt seiner Armee daran zu hindern.

Sowohl Israel, als auch die USA wissen ganz genau, dass Ägypten diese Lage weder militärisch, noch innen- oder außenpolitisch aushalten kann. Ein dramatischer Zuwachs an notleidender Bevölkerung sprengt in jeder Hinsicht Ägyptens Möglichkeiten; es kann sie unmöglich unterbringen, versorgen und davon abhalten, ihren Zorn auf Israel in die ägyptische Bevölkerung zu tragen, die sowieso schon längst lieber heute als morgen gegen Israel zur Waffe greifen würde.

Und genau darauf setzen beide

Erstens hat sich Ägypten gegen jeden friedlichen Umsiedelungsversuch in Verhandlungen bockig gezeigt und zweitens hat sich der neue Pharao enger an die arabische Phalanx gebunden und übt schärfste Kritik an Israel.

In der Konsequenz hat Ägypten bereits viel Militär im Sinai stationiert, der allgemein als sehr schwer kontrollierbar und noch schwerer zu regieren gilt. Der Sinai ist traditionell ein Rückzugsgebiet für regierungskritische Kräfte.

Der 1979 mit Israel geschlossene Friedensvertrag wurde damals vielleicht von der Regierung, niemals aber von der Bevölkerung ratifiziert, deren Zorn auf Israel schwelt ungebrochen bis heute. Auch Hosni Mubarak wusste, dass jeder Versuch, seinen Bürgern diesen Vertrag politisch verkaufen zu wollen, sinnlos war und drückte ihn mit brutaler Polizeigewalt einfach durch.

Nun aber denkt der Pharao recht unverhohlen über die Werthaltigkeit dieses Vertrages nach. Unbestritten ist längst, dass Israel ihn bereits mit seinen Militäroperationen nahe der Grenze, die vom Vertrag unmissverständlich verboten werden, empfindlich verletzt hat.

Die Präsenz bedeutender Militärkräfte auf beiden Seiten der Grenze zwischen Gaza und Ägypten ist brandgefährlich. In der Vergangenheit kam es bereits zu einem von Israel fehlgeleiteten Beschuss auf ägyptische Soldaten, bei dem zwei von ihnen ums Leben kamen.

Um den Vorfall nicht eskalieren zu lassen, wurde seitens Ägypten damals alles unternommen, die Toten schnell, ohne Presse und Aufsehen, zu bestatten. Das könnte jetzt anders kommen.

Aus buchstäblich erster Hand weiß ich, dass im Falle einer ernsten Auseinandersetzung den ermüdeten, israelischen Bodenstreitkräften ein modern ausgestattetes, gut ausgebildetes und extrem motiviertes Heer gegenüberstünde.

Ein einzelner Funke würde genügen, das Pulverfass hochzujagen. Al-Sisi wäre jede Möglichkeit der Deeskalation genommen; würde er ihn unternehmen, würde ihm das ganz sicher eine neue, landesweite Revolution der Wut bescheren. Ägypten würde implodieren. Die Gefahr ist durchaus real.

Auf Betreiben Israels und der USA, die offensichtlich weder an die Wehrhaftigkeit Ägyptens glauben, noch an die Motivation des unermesslichen Zorns seiner Bevölkerung, wird die Lage an der Grenze jeden Tag zunehmend unübersichtlicher, chaotischer und damit maximal gefährlich.

Sie könnte den Punkt erreichen, an dem der Pharao keine andere Chance mehr sieht, als auch den Rest jeder Kooperation mit beiden Staaten fahren und schießen zu lassen.

Schon jetzt hat Ägypten Teile der Sicherheitskooperation mit Israel ausgesetzt und der gesamte Friedensvertrag ist erklärtermaßen in Gefahr. Es könnte sehr bald der Punkt gekommen sein, an welchem Ägypten selbst den eigentlich dringend benötigten, gigantischen Erdgasdeal mit Israel fahrenlässt.

Erst vor wenigen Tagen deckte die Regierung einen Komplott israelischer Agenten im Land auf, die offenbar Angriffe auf ägyptischem Land gegen Hamas-Leute vorbereitet haben sollen. Ob das stimmt oder nicht, weiß bei diesem Pharao niemand so genau .. aber der Vorfall ist nicht dazu angetan, den Zorn der Ägypter auf Israel zu mildern und vielleicht wurde dies zielgerichtet auch genau deshalb publik.

Denn soviel ist sicher: auch Al-Sisi könnte verlockt sein, seine eigene Macht für die Zukunft durch einen umfassenden Krieg zu sichern. Sobald er sich bereit dazu zeigt, gegen Israel die Waffen zu erheben, liegt ihm das Volk auf jeden Fall zu Füßen.

 

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

ZUM THEMA 

– Netanjahu-naher Kanal – Israel: TV-Produzent fordert Gaskammern in Gaza

Er sprach sich außerdem für einen „grausamen und harten Tod“ für alle Bewohner des Gazastreifens aus, verwarf die Vorstellung von unschuldigen Zivilisten

Israel: TV-Produzent fordert Gaskammern in Gaza

Gastkommentar
Gaza-Genozid: Deutsche müssen sich nicht distanzieren

Ein Gastkommentar von Tolga Kaan Ihr sitzt da, trinkt euren Kaffee, scrollt durch die Nachrichten – und denkt: „Ach, das betrifft mich nicht?“ Falsch gedacht. Wer schweigt, unterschreibt mit. Es ist Zeit, dass auch Hans und Helga sich klar und laut vom Genozid in Gaza distanzieren. 1948 beschlossen die Vereinten Nationen die Genozidkonvention: Staaten sind verpflichtet, Völkermord zu verhindern und zu bestrafen. Kein Wischiwaschi. Gesetz und Moral zugleich. Wenn schon diese Verpflichtung besteht, warum galt sie nur für Muslime und Andersaussehende? Gilt sie dann nicht für alle – und warum wird erwartet, dass nur bestimmte Leute ständig Rechenschaft ablegen?
Die alte Forderung – wie sie immer an die Muslime ging
Erinnert ihr euch, wie oft in Deutschland Menschen mit muslimischem, türkischem oder arabischem Hintergrund öffentlich zugerufen wurde: „Distanzier dich!“ Nach Anschlägen, nach Terrorakten, einfach so, weil der Täter religiös oder ethnisch ähnlich gewesen könnte oder vielleicht auch war. Nancy Faeser (SPD) sagte am 16. Oktober 2023:
„Ich erwarte eine glasklare Abgrenzung vom Terror der Hamas, und das muss dieser Tage auch erfolgen.“
Damit forderte sie muslimische Verbände in Deutschland auf, sich explizit zu distanzieren. Ein weiteres Zitat von ihr:
„Ich erwarte von den muslimischen Verbänden, dass sie sich ganz klar äußern und ihre Verantwortung in der Gesellschaft wahrnehmen.“
Noch ein weiteres Zitat von der Innenministerin, die alle Bürger u.a. vor Hass und Hetze schützen solle, was ihr offensichtlich nicht gelang:
„Die großen islamischen Verbände müssen … laut und deutlich gegen Antisemitismus aussprechen und die furchtbaren Terrorattacken der Hamas gegen Israel verurteilen.“
Es ging aber schon viel früher los: Wolfgang Schäuble (Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) sagte am 10. September 2004: „Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Schäuble hat die Muslime in Deutschland dazu aufgerufen, sich klar vom Terrorismus zu distanzieren.“ Zwischen 2004 und bis heute gab es etlicher dieser Aufrufe gegenüber Muslimen, mit denen man Bibliotheken füllen kann. Diese Forderungen sind wie permanent angezogene Prüfungsbögen, auf denen steht: „Beweise täglich, dass du kein Extremist bist.“
Wie sehr Muslime darunter gelitten haben und leiden
Sie leben mit dem ständigen Gefühl, unter Generalverdacht zu stehen – weil ihr Glaube, ihre Herkunft oder ihr Name schon reicht, damit jemand sagt: „Ja, aber was sagst du jetzt? Distanziere Dich erst mal!“ Viele berichten, dass Kollegen, Nachbarn oder Fremde sie direkt oder indirekt unter Druck setzen: „Du musst dich äußern, distanzier Dich doch mal!“ Auch wenn sie nichts wissen, nichts belegen können. Wie eine Moschee, in der Kopftuch tragende Frauen schon mehrfach rassistische Zuschriften oder Bemerkungen erlebten, allein weil jemand vermutete, sie seien mitverantwortlich – oder müssten sich distanzieren. Studien belegen: Die islamfeindlichen Straftaten haben sich in Deutschland 2023 mehr als verdoppelt. Besonders nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sind antimuslimische Übergriffe und Hasskommentare deutlich gestiegen.
Wenn die Forderung jetzt an euch gerichtet ist
Hans, Helga – stellt euch vor, dieselbe Frage wird jetzt euch gestellt: „Distanzier dich vom Genozid in Gaza!“ Warum? Weil ihr deutsch seid, weil ihr sichtbar blond, weiß oder kirchlich seid – so wie Muslime, Türken, Arabischstämmige immer sichtbar waren. Diese pauschale „Umgekehrt-Forderung wäre jetzt legitim“, aber das Muster wäre dasselbe: Schubladen öffnen, Menschen reduzieren. Wie einst in dunklen Zeiten Deutschlands, nur anders gekleidet. Diese Forderung, dass sich alle Deutschen distanzieren sollen, ist falsch. So unbehaglich sie klingt, so ungerecht ist sie: Niemand muss Schuld tragen, die nicht die eigene ist. Niemand darf gedrängt werden, sich öffentlich zu etwas zu bekennen, wofür er nicht verantwortlich ist. Genauso wie es heute immer noch gegenüber Muslimen tägliche Praxis ist und falsch ist. Distanziert man sich mal nicht von Taten anderer, ist da mal schnell der Job verloren. Aber – Kritik an einer Regierung ist erlaubt. Genozid ist ein juristisch schwerwiegendes Wort, aber wenn eine UN-Menschenrechtskommission feststellt, dass vier der fünf Kriterien der Genozidkonvention erfüllt sind, dann darf man dieses Wort benutzen. Und ja – auch Vergleiche mit Hitler und dem Holocaust mögen provokant sein, vielleicht sogar schockierend. Aber wenn man klarstellt: Ich vergleiche Politik, nicht Menschen, dann ist auch das Teil einer legitimen Kritik. Hans, Helga – ihr müsst euch also nicht distanzieren, weil ihr Deutsche seid. Ihr müsst nicht in die Ecke der Kollektivschuld gezwungen werden. Doch ihr könnt Haltung zeigen: gegen Ungerechtigkeit. Gegen Generalverdacht. Gegen die Schublade, in die man andere steckt – weil’s bequem ist. Denn Gerechtigkeit heißt nicht: Alle sind schuldig. Sondern: Alle werden fair behandelt.  
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
AUCH INTERESSANT

– Türkei – Griechisch-orthodoxer Patriarch von Jerusalem erinnert Erdoğan an den Pakt

Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilus III. war dieser Tage zu Gast beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Ankara. Mit dabei im Gepäck: eine Replik des Paktes von Omar.

Griechisch-orthodoxer Patriarch von Jerusalem erinnert Erdoğan an den Pakt

Gaza-Krieg
Israel: Geheime Einheit gegen Gaza-Journalisten

Jerusalem – Eine Spezialeinheit des israelischen Militärs soll laut einer Untersuchung von israelischen und palästinensischen Quellen gezielt Reporter als mutmaßliche Hamas-Kämpfer identifizieren, um sie zu töten und internationale Kritik zu minimieren. Die sogenannte ‚Legitimierungszelle‘ wurde nach dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 gegründet, wie das unabhängige israelisch-palästinensische Magazin +972 und die hebräischsprachige Publikation Local Call berichten. Ziel der Einheit war es, nach Angaben von drei anonymen Geheimdienstquellen Informationen zu sammeln, um die öffentliche Wahrnehmung Israels zu verbessern und die diplomatische sowie militärische Unterstützung wichtiger Verbündeter zu sichern, so der Bericht. Laut dem Bericht hat die Einheit Informationen manipuliert, um Journalisten als Terroristen darzustellen. Im August tötete Israel etwa den Al-Jazeera-Journalisten Anas al-Sharif und drei Kollegen in ihrem provisorischen Nachrichtenraum, nachdem es behauptet hatte, Sharif sei ein Hamas-Kommandeur. Die Morde lenkten die weltweite Aufmerksamkeit auf die extremen Gefahren, denen palästinensische Journalisten in Gaza ausgesetzt sind, und auf Israels Bemühungen, die Berichterstattung über den Krieg in den Medien zu manipulieren.
Journalisten wird Einreise untersagt
Ausländischen Reportern wurde die Einreise nach Gaza untersagt, abgesehen von einigen kurzen und streng kontrollierten Reisen mit dem israelischen Militär, das ihnen Beschränkungen auferlegt, darunter ein Verbot, mit Palästinensern zu sprechen. Palästinensische Journalisten, die vor Ort berichten, sind laut dem Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) weltweit am stärksten gefährdet: In weniger als zwei Jahren wurden mehr als 180 von ihnen durch israelische Angriffe getötet. Israel habe in diesem Zeitraum 26 gezielte Tötungen von Journalisten durchgeführt, so das CPJ, das diese als Morde bezeichnete. Israel hat ein wenig überzeugendes Dossier mit unbestätigten Beweisen über Sharifs angebliche Verbindungen zur Hamas vorgelegt und es versäumt, zu erklären, wie er eine militärische Führungsrolle mit regelmäßigen Sendeaufgaben an einem der am stärksten überwachten Orte der Welt hätte vereinbaren können. Israel hat nicht versucht, die Tötung seiner drei Kollegen zu rechtfertigen.
Pressefreiheitsgruppen warnen vor falschen Vorwürfen
Vor dem Angriff hatten Pressefreiheitsgruppen und Sharif selbst gewarnt, dass die israelischen Vorwürfe über Verbindungen zur Hamas, die erstmals 2024 erhoben wurden, darauf abzielten, „Zustimmung zum Töten zu erzeugen“. Sie wurden wieder aufgegriffen und immer häufiger wiederholt, nachdem seine Berichterstattung über die Hungersnot in Gaza viral gegangen war. Geheimdienstquellen berichteten dem Magazin +972, dass die „Legitimierungszelle“ daran arbeitete, die Arbeit palästinensischer Journalisten sowie ihren Schutzstatus nach internationalem Recht zu untergraben. Die Beamten waren bestrebt, einen Medienmitarbeiter zu finden, den sie mit der Hamas in Verbindung bringen konnten, weil sie überzeugt waren, dass Journalisten aus Gaza „den Namen [Israels] vor der Welt in Verruf bringen“, wie eine Quelle zitiert wurde. „Sie waren bestrebt, ihn als Ziel, als Terroristen zu brandmarken, um zu sagen, dass es in Ordnung sei, ihn anzugreifen”, erinnerte sich einer. „Sie sagten: Tagsüber ist er Journalist, nachts ist er Terrorist. Alle waren begeistert. Aber es gab eine Kette von Fehlern.” Wenn die Medienkritik an Israel zu einem bestimmten Thema zunahm, hatte die Zelle die Aufgabe, Informationen zu finden, die freigegeben und zur Entkräftung der Darstellung verwendet werden konnten, berichtete das Magazin. „Wenn die weltweiten Medien darüber berichten, dass Israel unschuldige Journalisten tötet, wird sofort versucht, einen Journalisten zu finden, der vielleicht nicht ganz so unschuldig ist, als würde das die Tötung der anderen 20 irgendwie akzeptabel machen“, zitierte der Artikel eine Quelle aus dem Geheimdienst. „Die Idee war, (dem Militär zu ermöglichen) ohne Druck zu operieren, damit Länder wie Amerika die Waffenlieferungen nicht einstellen“, sagte eine zweite Quelle. „Alles, was Israels internationale Legitimität stärken könnte, um weiter zu kämpfen.“

NEX24-Interview
Gaziantep: Interview mit Oberbürgermeisterin Fatma Şahin

Von Klaus Jürgens Im Rahmen des diesjährigen und neun-Tage (13.9 bis 21.9.) dauernden Mega-Event ‚GastroAntep- Festival‘, mittlerweile eingebettet in das Kulturstraßen-Festival des türkischen Ministeriums für Kultur und Tourismus und mit Sicherheit eine der wichtigsten – wenn nicht die wichtigste – Veranstaltung dieser Art in Türkiye, konnte NEX24 News ein Exklusivgespräch mit Frau Oberbürgermeisterin Fatma Şahin führen. Ein weiterer Exklusiv-Beitrag für NEX24 News wird in Kürze das Festival an sich und das enorme Tourismuspotential der Stadt und Region näher beleuchten. Und Gaziantep ist in der Tat bemerkenswert: wenn man einmal für einige Monate nicht in der Stadt war, glaubt man seinen eigenen Augen kaum – es scheint, als ob schon wieder ein neues Museum gerade eröffnet hat oder etwa zwei, oder drei? Wir werden noch darüber berichten aber haben Sie schon einmal ein Spielzeugmuseum besucht, oder ein Badehaus/Hamman-Museum, oder vielleicht ein Museum wo traditionelle Mahlzeiten und Zubereitungsmethoden im Küchen-Museum vorgestellt werden? Und alle einfach toll, Klimaanlage drinnen, freundliches Personal, fantastische Ausstellungsstücke. Manche unserer Leserinnen und Leser fragen sich dann vielleicht wie sieht es denn mit den Unterkunftsmöglichkeiten aus? Keine Sorge – von gemütlichen Familienpensionen bis hin zu 5-Sterne-Hotels findet man alles, genauso wie das Familienbudget es vorgibt. Es ist aber nur fair zu sagen das die 3, 4 und 5-Sterne-Kategorie hier den Ton angibt. Qualitätstourismus, aber erschwinglich. Und die gesamte Region ist faszinierend: wir besuchte gerade Rumkale. Rumkale liegt im Bezirk Yavuzeli in Gaziantep. Es wurde auf den steilen Felsen erbaut, wo der Merzimen-Fluss in den Euphrat mündet. Da es heute auf drei Seiten von einem Stausee umgeben ist, sieht es wie eine Halbinsel aus. Es ist wohl eine der schönsten Selfie- und Fotogelegenheiten des ganzen Landes… Im heutigen Interview hob die Oberbürgermeisterin aber vor allem die gegenseitigen Vorteile der laufenden Zusammenarbeit sowohl im wirtschaftlichen als auch im kulturellen Bereich hervor.
Stichwort wirtschaftliche Verflechtung
Die Oberbürgermeisterin stellte fest, dass Gaziantep und Deutschland wirtschaftlich ‚sehr eng miteinander verbunden‘ sind. Unter Verweis auf den riesigen Industriesektor der Stadt, der 300.000 Menschen beschäftigt, gab Frau Şahin bekannt, dass bemerkenswerte 80 Prozent der in den Fabriken verwendeten Maschinen aus Deutschland stammen. Diese Dynamik schafft einen positiven Kreislauf: mit dem Wachstum der Industrie in Gaziantep werden mehr Maschinen aus deutscher Produktion gekauft, was wiederum das Wachstum der deutschen Maschinenindustrie ankurbelt. Diese wirtschaftliche Synergie wurde auch durch Joint Ventures gefördert, wie beispielsweise die Organisation erfolgreicher Teppichmessen in beiden Ländern und in Istanbul, die neue Märkte eröffnet und allen Beteiligten Vorteile gebracht haben.
Kulturelle und touristische Zusammenarbeit
Über die Wirtschaft hinaus hob die Oberbürgermeisterin die bedeutende Zusammenarbeit im Kulturtourismus hervor. Ein wichtiges Beispiel ist die laufende Restaurierung der antiken Stätte Doliche, ein Projekt, das in Zusammenarbeit mit deutschen Archäologen durchgeführt wird. Frau Şahin lobte die „große Disziplin” Deutschlands im Bereich der Archäologie und erwähnte, wie diese Zusammenarbeit die reiche Geschichte der Stadt ans Licht bringt, von vorchristlichen Mithras-Tempeln bis hin zu frühchristlichen und islamischen Zivilisationen. Dann appellierte sie an die deutschen Medien, Gaziantep als Reiseziel zu fördern. In ihren Stellungnahmen wies sie auch auf die Existenz von zwei Partnerstädten in Deutschland hin – Duisburg und Ludwigshafen – und unterstrich eine große türkisch-deutsche Bevölkerung der dritten Generation, die die bilateralen Beziehungen weiter stärken. Frau Şahin schloss mit einem Aufruf zu gemeinsamen Anstrengungen zur Förderung des Tourismus und erklärte:
‚Wir möchten wirklich, dass deutsche Touristen nicht nur die Ägäis- und Mittelmeerregion besuchen, sondern auch diese Region, die Region um den Euphrat, erkunden. Bitte stellen Sie uns in einem besseren Licht dar und helfen Sie dabei, dass mehr Menschen hierherkommen. Lassen Sie uns dies gemeinsam erreichen, lassen Sie uns dies gemeinsam erreichen.‘
Nichts hinzuzufügen – außer… Vielen Dank für dieses Gespräch sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Şahin und die fantastische Unterstützung von Frau Didem Kuzu, Übersetzerin und Schriftstellerin, und natürlich viel Erfolg für das weitere Festival 2025. Wir freuen uns schon auf 2026!  
Klaus Jurgens MSc. (LSE)
Media Relations Expert and Communications Strategist
Economyfirst Limited London
Telephone UK +44 7473 467 339
Telephone Türkiye +90 531 8348 703

Gaming
Digitale Schutzmauern: Wie serverseitige Systeme den Spielbetrieb absichern

Digitale Spielewelten sind längst mehr als bloße Freizeitbeschäftigung. Sie haben sich zu einem globalen Wirtschaftssektor entwickelt, in dem täglich Millionen von Transaktionen, Spielrunden und Datenpaketen verarbeitet werden. Ob es sich um Multiplayer-Games handelt, bei denen Tausende Menschen gleichzeitig interagieren, oder um Online-Plattformen, die Casino-Spiele in Echtzeit streamen, im Zentrum steht stets die Frage nach Sicherheit und Fairness. Während Nutzerinnen und Nutzer oft nur die Oberfläche sehen, liegt das Fundament im Hintergrund, und zwar auf den Servern, die durch spezialisierte Kontrollsysteme dafür sorgen, dass Manipulationen erkannt, Zahlungen geschützt und Regulierungen eingehalten werden.

Ein Einblick in die Kontrollsysteme

Ein wesentlicher Unterschied zwischen client- und serverseitigen Schutzmaßnahmen liegt in der Kontrolle. Was auf dem Endgerät passiert, kann leichter umgangen oder manipuliert werden. Serverseitige Systeme hingegen lassen sich zentral steuern, laufend aktualisieren und auditieren. Sie werten Daten in Echtzeit aus, prüfen die Plausibilität von Spieleraktionen und vergleichen Verhaltensmuster mit statistischen Modellen. Das macht es nahezu unmöglich, sich durch externe Programme oder technische Tricks dauerhaft Vorteile zu verschaffen. Gerade in Zeiten, in denen professionelle Cheating-Dienste auf dem Markt auftreten, ist diese Form der Überwachung unerlässlich.

Die Rolle der Regulierung

Besonders deutlich wird die Notwendigkeit serverseitiger Kontrollen im Bereich der Online Casinos. In Deutschland schreibt die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder eine Anbindung an das Kontrollsystem LUGAS vor. Dort werden zentrale Datenbanken betrieben, die sowohl das monatliche Einzahlungslimit überwachen als auch verhindern, dass Spieler parallel bei mehreren Anbietern aktiv sind. In den zentralen Datenbanken werden sowohl die monatlichen Einzahlungslimits als auch parallele Spielaktivitäten bei verschiedenen Anbietern überwacht. Anbieter, die ohne LUGAS Kontrolle arbeiten, setzen dabei auf eigene Systeme und schaffen so alternative Strukturen, die ebenfalls den Spielfluss organisieren. Ergänzend dazu trägt das bundesweite Sperrsystem OASIS dazu bei, dass gesperrte Personen keinen Zugang mehr erhalten und somit ein geregelter Ablauf im Spielbetrieb gewährleistet bleibt.

LUGAS als Beispiel für technische Aufsicht

Das deutsche LUGAS-System ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie regulatorische Vorgaben technisch umgesetzt werden. Die Limitdatei sorgt dafür, dass ein Spieler nicht mehr als einen festgelegten Betrag pro Monat einzahlen kann, und diese Regel gilt für alle Plattformen, die in Deutschland lizenziert sind. Die Aktivitätsdatei verhindert, dass zeitgleich mehrere Anbieter genutzt werden. Diese Vorgaben werden nicht durch manuelle Prüfungen, sondern automatisiert und serverseitig kontrolliert. Damit entsteht eine Infrastruktur, die flächendeckend wirkt und Missbrauch auf ein Minimum reduziert. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht auch ohne LUGAS Kontrolle spielen kann. Nur ist in diesem Fall das Online Casino außerhalb Deutschlands lizenziert.

Fairness durch geprüfte Zufallssysteme

Ein weiterer zentraler Punkt sind die Zufallszahlengeneratoren, die den Ausgang vieler Spiele bestimmen. Ob beim Kartenspiel, am virtuellen Roulette-Tisch oder bei Spielautomaten, die Grundlage für Fairness ist ein verlässlicher Zufall. Serverseitige Prüfmechanismen stellen sicher, dass diese Generatoren nicht manipulierbar sind und regelmäßig überprüft werden. Internationale Standards wie GLI-19 geben klare technische Mindestanforderungen vor, die von unabhängigen Testlaboren kontrolliert werden. Solche Zertifikate sind mehr als bloße Siegel. Sie stehen für nachvollziehbare Prozesse, revisionssichere Protokolle und regelmäßige Belastungstests, die die Integrität des Systems langfristig sichern.

Schutz vor Manipulation im Multiplayer-Bereich

Auch im klassischen Gaming ist die Serverseite entscheidend. Viele große Titel arbeiten mit dem Prinzip des „server-authoritativen Spielzustands“. Das bedeutet, dass die endgültige Berechnung von Positionen, Treffern oder Spieleraktionen immer beim Server liegt. Der Client, also das Endgerät, liefert nur Vorschläge. Manipuliert ein Nutzer diese Vorschläge durch Hacks oder Mods, erkennt der Server Unstimmigkeiten und weist sie zurück. Ergänzt wird dieses Prinzip durch Verhaltensanalysen, die auffällige Muster identifizieren können, etwa übermenschlich schnelle Reaktionszeiten oder präzise Bewegungen, die auf Automatisierungen hindeuten.

Zahlungs- und Identitätssicherheit

Nicht nur der Spielverlauf, auch die Zahlungswege werden auf Serverseite abgesichert. Hier greifen europäische Vorgaben wie die Zahlungsdiensterichtlinie, die eine starke Kundenauthentifizierung vorschreibt. Bei Transaktionen müssen Spielerinnen und Spieler sich über mindestens zwei Faktoren verifizieren. Serverseitige Systeme setzen diese Vorgaben um, analysieren Risikoindikatoren und blockieren verdächtige Transaktionen. Gerade mit dem Aufkommen von Kryptowährungen und digitalen Token gewinnen diese Sicherheitsmechanismen zusätzlich an Bedeutung, da sie eine Brücke zwischen traditionellen Zahlungswegen und neuen Technologien schlagen.

Frühwarnsysteme für Wettmärkte

Ein spezielles Feld sind die Sportwetten. Hier arbeiten Anbieter zunehmend mit internationalen Integritätsnetzwerken zusammen, die serverseitig Daten zu Wettmustern auswerten. Auffällige Quotenverläufe oder ungewöhnliche Einsatzmuster können auf Spielmanipulation hindeuten. Die zentrale Sammlung und Analyse solcher Daten ermöglicht es, Risiken frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen einzuleiten. Für die Integrität des Sports selbst ist das ein entscheidender Fortschritt.

Die zukunftsorientierte Entwicklung der Kontrollsysteme

Die technische Landschaft im digitalen Spielbetrieb bleibt dynamisch, und auch serverseitige Kontrollsysteme entwickeln sich stetig weiter. Künftig wird es verstärkt darum gehen, Automatisierungen mit lernenden Algorithmen zu verbinden, um Auffälligkeiten noch schneller zu erkennen und Prozesse effizienter zu gestalten. Gleichzeitig eröffnen neue Standards die Möglichkeit, internationale Schnittstellen harmonischer einzubinden und so über Ländergrenzen hinweg einheitliche Strukturen zu schaffen. Damit entsteht eine Grundlage, auf der digitale Plattformen langfristig wachsen und gleichzeitig ein stabiles, transparentes Umfeld für Nutzerinnen und Nutzer bieten können.

Sicherheit als Konstruktionsprinzip

Moderne Betreiber kombinieren verschiedene Sicherheitsmechanismen, um den Spielbetrieb zu schützen. Dazu gehören serverautoritatives Gameplay, kontinuierliche Audits durch unabhängige Prüfstellen, die Umsetzung internationaler Sicherheitsstandards sowie die Anbindung an nationale und internationale Kontrollsysteme. Sicherheit entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch ein Zusammenspiel mehrerer Schichten, die alle auf der Serverseite implementiert sind. Serverseitige Kontrollen sind ein Konstruktionsprinzip, das den langfristigen Erfolg digitaler Spieleplattformen sichern kann. Ob in Online Casinos mit zentralen Aufsichtssystemen oder in globalen Multiplayer-Titeln mit hochkomplexen Anti-Cheat-Mechanismen, die Zukunft des digitalen Spiels basiert in vielen Fällen auf robusten, serverseitigen Schutzmauern.

E-Zigaretten
Vapen unter Jugendlichen: Trend oder Risiko?

0
Vapen, also das Inhalieren von verdampften Flüssigkeiten über E-Zigaretten, hat in den letzten Jahren besonders unter Jugendlichen an Verbreitung gewonnen. Dabei handelt es sich um elektronische Geräte, die sogenannte Liquids – aromatisierte Flüssigkeiten, häufig mit Nikotin – erhitzen und in Dampf umwandeln. Auffällig ist, dass E-Zigaretten zunehmend im öffentlichen Raum präsent sind. Schulen, Jugendzentren und Haltestellen berichten von einer wachsenden Nutzung im Alltag. Was für einige als Ausdruck eines modernen Lebensstils gilt, sehen andere als besorgniserregende Konsumform. Die zentrale Frage bleibt: Handelt es sich um eine vorübergehende Mode oder um ein gesellschaftlich relevantes Thema mit Langzeitfolgen? Antworten auf diese und weitere Fragen folgen in den folgenden Abschnitten.

Wenn eine große Auswahl auf eine große Nachfrage trifft…

Wenn eine große Auswahl auf eine große Nachfrage trifft, entsteht ein dynamischer Markt mit weitreichenden Folgen. Genau das lässt sich derzeit beim Thema Vapen beobachten. Die Zahl an erhältlichen Geräten, Aromen und Nikotinstärken ist in kurzer Zeit stark gestiegen. Wer zum Beispiel Elfa Pods im Überblick behalten möchte, muss nur den Shop seiner Wahl besuchen und sich informieren. Gleichzeitig wächst die Neugier – insbesondere bei jungen Menschen. Die Gründe dafür sind vielfältig: visuelle Reize, süßliche Geschmacksrichtungen, kompakte Geräte und eine soziale Umgebung, in der Vapen längst zum Alltag gehört. Plattformen wie soziale Medien tragen dazu bei, dass das Dampfen als modern, experimentell oder sogar harmlos wahrgenommen wird. Die große Auswahl verstärkt diesen Eindruck, indem sie nahezu jedem eine passende Variante bietet. Doch mit der Vielfalt wächst auch die Herausforderung: Aufklärung, Regulierung und Prävention müssen mit dem Tempo der Produktentwicklung Schritt halten. Der breite Zugang führt dazu, dass sich neue Konsumgewohnheiten ausbilden – deren gesundheitliche, soziale und kulturelle Auswirkungen noch nicht vollständig absehbar sind.

Warum Vapen auf Jugendliche attraktiv wirkt

Die Attraktivität des Vapens für Jugendliche lässt sich, ähnlich wie bei Energydrinks, durch eine Kombination mehrerer Faktoren erklären. Zum einen bietet die geschmackliche Vielfalt einen Reiz: Liquids sind in Aromen wie Cola, Erdbeere oder Energy erhältlich und sprechen damit gezielt junge Geschmäcker an. Zum anderen wirken viele Geräte durch modernes Design, farbige Lichteffekte, kompakte Bauweise und digitale Ladeoptionen ansprechend und techniknah. Auch die äußere Gestaltung – auffällige Farben, verspielte Formen – unterscheidet sich deutlich von klassischen Tabakprodukten. Hinzu kommt der soziale Aspekt: In Schulpausen, Jugendgruppen oder bei Treffen unter Gleichaltrigen wird das Vapen oft gemeinsam praktiziert und vermittelt ein Gefühl von Zugehörigkeit. Die Mischung aus süßlichem Geschmack, visuellem Reiz und sozialer Dynamik macht diese Form des Konsums für viele besonders zugänglich – und damit attraktiver als andere Freizeittrends wie Mode oder Gaming.

Vapen und klassisches Rauchen: Das sind die Unterschiede

Im Vergleich zum traditionellen Rauchen unterscheidet sich das Vapen deutlich in Technik, Wirkung und gesellschaftlicher Wahrnehmung. Während herkömmliche Zigaretten auf der Verbrennung von Tabak basieren, funktioniert das Vapen über ein elektronisches Heizsystem, das aromatisierte Flüssigkeiten – sogenannte Liquids – verdampft. Dabei entsteht kein Rauch, sondern ein feiner Dampf, oft mit süßlichem Geruch, der weniger auffällig wirkt. Auch das Image unterscheidet sich: Rauchen wird häufig mit älteren Generationen und etablierten Gewohnheiten assoziiert, Vapen hingegen mit Jugendkultur, digitalen Trends und einem modernen Lebensgefühl. Zusätzlich zur technischen Innovation spielt die geschmackliche Vielfalt eine zentrale Rolle – vom Fruchtaroma bis zu koffeinhaltigen Varianten. Diese Kombination beeinflusst maßgeblich die Attraktivität elektronischer Zigaretten – besonders für jüngere Zielgruppen, die sich vom klassischen Raucherbild zunehmend distanzieren. Nicht selten führt die soziale Dynamik dazu, dass Jugendliche, die sich gegen das Vapen entscheiden, in ihrem Umfeld Ausgrenzung oder sogar Mobbing erfahren.

Wenn Risiken unterschiedlich interpretiert werden…

Jugendliche schätzen die Risiken beim Vapen häufig anders ein als Erwachsene. Viele nehmen die Nutzung von E-Zigaretten als weniger schädlich wahr, da kein Tabak verbrannt wird. Studien zeigen jedoch, dass das Verständnis der Gefahren oft lückenhaft ist. Besonders die Nikotinabhängigkeit wird häufig unterschätzt, während Geschmack und Lifestyle im Vordergrund stehen. In sozialen Netzwerken wie TikTok, Instagram oder YouTube tragen Influencer und Creator dazu bei, diese Wahrnehmung zu prägen. Dadurch erscheinen Risiken oft verzerrt oder werden durch trendbezogene Darstellungen abgeschwächt – fast wie durch einen digitalen Filter. Die Einschätzung der Gefahren orientiert sich somit weniger an wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern stärker an den Einflüssen der Online-Community.  

Türkei
Griechisch-orthodoxer Patriarch von Jerusalem erinnert Erdoğan an den Pakt

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilus III. war dieser Tage zu Gast beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Ankara. Mit dabei im Gepäck: eine Replik des Paktes von Omar. Am vergangenen Samstag besuchte der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos Giannopoulos, genannt Theophilus III., den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Ankara. Beim Treffen überreichte Theophilus III. dem türkischen Präsidenten Erdoğan eine gerahmte Nachbildung eines Bundes, den Kalifen Omar nach der muslimischen Eroberung Jerusalems im Jahr 638 an die Christen und Juden ausgegeben hatte. Das Geschenk, das Theophilus III. an Erdoğan überreichte, ist in vielerlei Hinsicht interessant. Es ist nicht nur interessant, weil es eine Replik des Schutz- und Toleranzedikts ist, die vom Kalifen Omar aus dem Jahre 638 stammt und mit dem die Rechte der griechisch-orthodoxen Kirche in Jerusalem sowie der jüdischen Gemeinschaft garantiert wurden. Es ist auch der gewählte Zeitpunkt, mit dem Theophilus III. seine Aufwartung macht – angesichts der Konflikte und Krisen im Nahen Osten, insbesondere in Zusammenhang mit Gaza und der völkerrechtlich geteilten Stadt Jerusalem, in der die griechisch-orthodoxe Kirche gleichermaßen beheimatet ist. Theophilus III. und Erdoğan hoben in ihren Statements insbesondere das christlich-islamische Erbe Jerusalems hervor. Ein mehr oder minder eindeutige Botschaft, die Erdoğan wenige Tage später wortgewaltig zusammen fasste. Eine Reaktion auf die Äußerungen des israelischen Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, der am 15. September in Bezug auf ihn die israelische Souveränität über Jerusalem mit „unsere ewige Stadt“ bezeichnete:
„Wir hatten die Ehre, dem Heiligen Jerusalem 400 Jahre lang zu dienen. Über Jahrhunderte hinweg haben wir Jerusalem mit Weisheit und Toleranz zu einem Land des Friedens und der Ruhe gemacht. Netanjahu weiß das nicht.“
Was ist aber der Pakt von Omar? Kurz gesagt: Mit der Belagerung von Jerusalem als Teil eines 637 stattfindenden Konflikts um das oströmische Jerusalem, begann eine Armee des syrischen Kalifats (Raschidun-Armee) unter dem Kommando des Abu Ubaidah Jerusalem im November 636 zu belagern. Nach sechs Monaten übergab der christlich-orthodoxe Patriarch Sophronius von Jerusalem die Stadt freiwillig unter der Bedingung, sie nur dem Kalifen persönlich zu übergeben. Im April 637 reiste Kalif Omar nach Jerusalem, um die Unterwerfung der Stadt anzunehmen. Zuvor, im Jahr 613, hatte der jüdische Aufstand gegen das Oströmische Reich in der Eroberung Jerusalems durch das Sassanidenreich im Jahr 614 gegipfelt, worauf die Juden zeitweise einen hohen Grad an Autonomie erhalten hatten. Nach dem Rückzug der Perser war es 630 zum Massaker an den Juden durch die Oströmer gekommen. 15 Jahre jüdischer Autonomie waren beendet gewesen. Nach der muslimischen Eroberung Jerusalems wurde den Juden wieder ein höheres Maß an Selbstbestimmung zugestanden, nur acht Jahre nach dem christlichen Massaker und 500 Jahre nach ihrer Vertreibung aus Judäa durch das Römische Reich. Dies gab auch den Anstoß zum Pakt von Omar von 638, der die Rechte und Pflichten der Christen und Juden unter islamischer Herrschaft beschreibt und ihnen den Status als Dhimmis (Schutzbefohlene) zuweist.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
AUCH INTERESSANT

– Netanjahu-naher Kanal – Israel: TV-Produzent fordert Gaskammern in Gaza

Er sprach sich außerdem für einen „grausamen und harten Tod“ für alle Bewohner des Gazastreifens aus, verwarf die Vorstellung von unschuldigen Zivilisten

Israel: TV-Produzent fordert Gaskammern in Gaza

Gastkommentar
Israel könnte Aggressionen auf die Türkei ausweiten

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Nach dem israelischen Luftangriff auf Doha, der Hauptstadt Katars, verstärkt die Türkei ihre militärische Aufrüstung und Kapazitäten. Die türkische Besorgnis über israelische Angriffe auf ihr Territorium hat exponentiell zugenommen. Die türkische Besorgnis rührt nicht nur von Israels völkermörderischem Schlachten im Gazastreifen her, nicht von der Apartheitspolitik sowie Verdrängungsdruck im Westjordanland, auch nicht von den Angriffen auf Katar, Jemen, Libanon sowie Syrien, sondern von der Besorgnis, dass das Land versucht, eine Pufferzone schwacher Länder um sich herum zu schaffen und Stück für Stück einzuverleiben. Diese Besorgnis teilt auch vollumfänglich die türkische Gesellschaft, was man anhand der fruchtlosen Bemühungen eines Arye Sharuz Shalicar, dem offiziellen Sprecher der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF), erkennt. Seine frühe Fixierung auf türkischsprachige schmeichelnde „Frontpropaganda“ bei den Türken im In- wie Ausland, endete recht früh – offensichtlich wegen der bereits verfestigten Haltung der türkischen Gesellschaft.
Türkisches Militär zeigt sich besorgt
Der Sprecher des türkischen Verteidigungsministeriums, Konteradmiral Zeki Ektürk, warnte letzte Woche während einer Pressekonferenz die türkische Gemeinschaft, Israel werde „seine rücksichtslosen Angriffe wie in Katar weiter ausweiten und die gesamte Region, einschließlich des eigenen Landes, in eine Katastrophe stürzen“. Ektürk erklärte des Weiteren, „Israel handelt mit alarmierender Rücksichtslosigkeit. Wenn es so weitermacht, gefährdet es nicht nur seine Nachbarn, sondern auch sich selbst.“ Seine Äußerungen erfolgten nach dem israelischen Angriff in Doha. Die Erklärungen aus Ankara erfolgen vor dem Hintergrund einer deutlichen Ausweitung der türkischen Aufrüstung und Militärkapazität. So kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan während der militärischen Operation gegen den Iran „Am K’Lavi – Ein Volk wie ein Löwe“, eine Beschleunigung der Entwicklung und Produktion des türkischen Schutzschildes „Stählerne Kuppel“ an, jüngst den Ausbau von Schutzbunkern in allen 81 Provinzhauptstädten. Die Besorgnis der Türkei rührt nicht nur von Israels Vorgehen in Gaza oder Katar her, sondern auch von der Befürchtung, dass Israel versucht, eine Pufferzone schwacher Staaten um sich herum zu errichten und diese Stück für Stück zu besetzen. Dr. Serhat Süha Çubukçuoğlu, Leiter des Türkei-Programms bei TRENDS Research & Advisory, erklärte herzu jüngst:
„Israels Fähigkeit, scheinbar ungestraft Angriffe durchzuführen und dabei oft die territoriale Lufthoheit anderer Länder und damit internationale Normen zu brechen, schafft einen Präzedenzfall, der Ankara zutiefst beunruhigt.“
Çubukçuoğlu fügte hinzu, die Türkei betrachte diese Angriffe als „Teil einer umfassenderen israelischen Strategie, eine fragmentierte Pufferzone schwacher oder kontrollierter Staaten um sich herum zu errichten.“ Auch und vor allem deshalb verschärft sich im syrischen Gebiet die Rivalität zwischen den beiden Ländern. Israel und die Türkei konkurrieren um Einfluss in der Region, insbesondere seit dem Sturz des Regimes von Baschar al-Assad. Ankara liefert seit dem Machtwechsel Waffen und Ausbildung an die neue Interimsregierung in Damaskus, um die nationale Einheit und Souveränität zu sichern, was die Lage weiter anheizt, weil Israel im Süden einen Drusenscheich für sich entdeckt hat, um die Golanhöhen zu besetzen. Letzte Woche wurde berichtet, dass Israel eine Lieferung von Luftabwehrwaffen angegriffen und zerstört habe, die die Türken an Ahmed al-Scharaa, dem Interimspräsidenten übergeben hätten. Es wurde zwar von der Türkei dementiert, aber das Gerücht blieb. Dies führte zu einer weiteren Verschärfung der Lage zwischen den beiden Ländern. Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei, einst von einer starken regionalen Partnerschaft geprägt, verschlechterten sich Ende der 2000er Jahre, verbesserten sich bis 2022 und erreichten nach dem Gaza-Krieg ab dem 7. Oktober 2023 wieder einen beispiellosen Tiefpunkt. Nun scheint es, dass die wachsende Rivalität und die Spannungen in Syrien die Lage weiter verschärfen und die beiden Länder in einen direkten Konflikt ziehen könnten.
Vollkommener Bruch erst im August 2025
Die dramatische Wende in den türkisch-israelischen Beziehungen erfolgte erst Ende August, als Ankara eine vollständige Aussetzung des Handels mit Israel, die Schließung seiner Häfen für israelische Schiffe und Beschränkungen seines Luftraums für israelische Flüge aussprach. Dieser verspätete Schritt spiegelt den wachsenden internen Druck auf die türkische Führung, adäquate dringliche Antworten auf eine komplexe geopolitische Lage, vor allem in den Sicherheitsbedenken in Zusammenhang mit Syrien und der Rolle Israels, zu finden. Die Entscheidung vom August folgte auf eine Dringlichkeitssitzung des türkischen Nationalparlaments hin, die einberufen worden war, um über den israelischen Angriff auf Gaza zu beraten, wo die Zivilbevölkerung seit dem 7. Oktober 2023 unter weitverbreiteter Zerstörung und systematischem Hunger leidet. Zudem wurde das neuerliche Interesse Netanyahus für die Terrororganisation PKK in Syrien erörtert. Die PKK, in Syrien firmiert als YPG bzw. SDF, denkt gar nicht daran, dem Aufruf vom türkischen Koalitionspartner Devlet Bahçeli (MHP) und dem Aufruf des inhaftierten PKK-Terrorfürsten Abdullah Öcalan Folge zu leisten. Öcalan hatte Ende Februar die PKK aufgefordert, die Waffen niederzulegen und sich dem demokratischen System zu fügen. Dabei betonte Öcalan, dass die PKK sich nicht von Imperialismus instrumentalisieren lassen dürfe und Abstand von etwaigen Föderationen oder Unabhängigkeitsbestrebungen nehmen müsse. Die Ankündigung vom August erfolgte zeitgleich mit der Erklärung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, den sogenannten Völkermord an den Armeniern im Jahr 1915 anzuerkennen – ein Schritt, der in Ankara als kalkulierte Provokation mit dem Ziel aufgefasst wurde, die Türkei in Verlegenheit zu bringen. „Ankaras Entscheidung spiegelt eine sorgfältige Abwägung zwischen humanitären Erwägungen und politischen Interessen wider“, erklärte hierzu Furkan Halit Yolcu, ein Experte für internationale Sicherheit am Middle East Institute, gegenüber The New Arab. „Historisch betrachtet hat die Türkei eine starke Position zur Unterstützung humanitärer Anliegen eingenommen, sei es in Palästina oder an geografisch weniger verbundenen Orten, wie etwa der Notlage der uighurischen Muslime in China.“ Yolcu argumentiert jedoch, dass die Entscheidungen Ankaras in diesen Zusammenhängen nicht von seinen umfassenderen geopolitischen Ambitionen getrennt betrachtet werden könnten. Die Türkei betrachte vielmehr „den wachsenden regionalen Einfluss Israels als direkte Bedrohung für die Stabilität des Nahen Ostens und ihre strategischen Interessen in Syrien und im östlichen Mittelmeerraum.“ Yolcu verwies dabei auf die militärischen Aktionen Israels in Syrien, die seit dem Sturz von Baschar al-Assad erfolgten, die Bombardierung des Libanon und die Bemühungen, Westjordanland und den Gazastreifen zu annektieren.
Türkisches Außenministerium protestiert inzwischen lautstark
Bei der Krisensitzung im Nationalparlament hatte der türkische Außenminister Hakan Fidan, die Aussetzung des Handels und die Schließung der Häfen als einen Protest, als einen unverrückbaren Standpunkt gegen Israels „Völkermord“ und „Hungerpolitik“ im Gazastreifen bezeichnet. „Der Völkermord Israels stellt eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte dar“, erklärte Fidan in seiner Rede vor dem Nationalparlament und fügte hinzu, die Verbrechen würden „vor den Augen der Welt und unter eklatanter Missachtung menschlicher Werte und des Völkerrechts“ begangen. In einem Interview mit Al Jazeera während des Sondergipfels der Arabischen Liga und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit in Doha sagte Fidan am vergangenen Sonntag:
„Es gibt zwei Gründe für die israelische Expansion. Der erste ist der Wunsch, seine Grenzen zu erweitern und einen größeren Staat Israel zu errichten. Der zweite ist, die Länder der Region zu schwächen, sie handlungsunfähig zu machen.“
Wohlüberlegt, gemählich aber deutlich
Das Ergebnis der Verschlechterung der bilateralen Beziehungen zeigt deutlich, wie dosiert und wohlüberlegt die türkische Sanktionspolitik bis zum völligen Bruch verlief. Nach Angaben des türkischen Handelsministeriums ging der bilaterale Handel mit Israel zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 2. Mai 2024 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 32 Prozent zurück. Die türkischen Exporte sanken dabei um 30 Prozent, während die Importe aus Israel um 43,4 Prozent einbrachen. Im Dezember 2024 gab der türkische Handelsminister Ömer Bolat bekannt, dass das Handelsvolumen bereits um mehr als die Hälfte zurückgegangen sei, was darauf schließen lässt, dass der Rückgang eher allmählich als plötzlich erfolgte. Der ehemalige Kabinettsberater Cahit Toz kommentierte diese differenzierte und wohlüberlegte Politik so:
„Vom jährlichen Handelsvolumen von 6 bis 7 Milliarden Dollar profitierte Israel deutlich mehr als die Türkei. Die Importe aus Israel konzentrierten sich auf militärische und technologische Sektoren, während die Türkei nun vor Ort dies in höherer Qualität produziert und so ihre Abhängigkeit von israelischen Waren verringert hat.“
Toz fügte hierzu hinzu, dass Israel stärker von türkischen Produkten abhängig sei, was Befürchtungen hinsichtlich steigender Preise in Israel, insbesondere bei Lebensmitteln, aufkommen lasse. Die vollen Auswirkungen sind noch nicht absehbar, doch erste Indikatoren deuten darauf hin, dass die Türkei auf ihre eigenen Produktionskapazitäten und alternative Märkte setzt, während Israel mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert ist. Der Bruch, der mit der strategischen Entscheidung zu wirtschaftlichen Sanktionen erfolgte, geht weit über das hinaus, was man als Handelsverhalten versteht. Es ist eine völlige Neuausrichtung.
Der 7. Oktober markiert eine Zeitenwende
Die „israelische Katastrophe“ vom 7. Oktober 2023 wird deshalb auch als Wendepunkt in Israels Außenbeziehungen in Erinnerung bleiben. Dieser Tag markierte zugleich den Beginn einer neuen Ära der Türkei im Nahen Osten. Alle geopolitischen Entwicklungen in der Region änderten sich grundlegend und derart rasant, dass sogar das Abraham-Abkommen die Flitterwochen abrupt beendete. Bis vor wenigen Monaten, vor Kriegsbeginn, wehte im Nahen Osten ein Wind des Friedens und der Normalisierung. Dank des Erfolgs und der positiven Dynamik des Abraham-Abkommen gelang es Israel, seine historische Isolation in der Region zu durchbrechen. Alle gemäßigten Länder, die Wohlstand statt Zerstörung und Krieg anstrebten – allen voran die Vereinigten Arabischen Emirate und hinter den Kulissen auch Saudi-Arabien – unterstützten diese positive Entwicklung. Die Auswirkungen der Aushandlung des Abraham-Abkommens auf die arabische Welt, hatte auch einen positiven Einfluss auf nicht-arabische Akteure. Dank der beispiellosen Machtdemonstration auf dem Negev-Gipfel (einer Konferenz Ende März 2022 mit hochrangigen Vertretern der Vereinigten Arabischen Emirate, Ägyptens, Bahrains und Marokkos, deren gemeinsamer Nenner mit Israel die Opposition gegen den Iran ist), verstand Recep Tayyip Erdoğan, dass das Abraham-Abkommen auch nach Donald Trumps Ausscheiden aus dem Weißen Haus ihre Wirkung weiter entfalten würde. Vor diesem Hintergrund und mit dem Ziel, in die Delegation der Abraham-Abkommen aufgenommen zu werden, entschied sich Ankara für eine versöhnliche Außenpolitik und verinnerlichte die Tatsache, dass es sich mit Israel und den anderen Ländern des Nahen Ostens, mit denen es aneinandergeraten war, arrangieren musste. So normalisierte Erdoğan seine Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Israel und auch zu al-Sisi, der mit einem Putsch an die Macht über Ägypten kam. Neben politischen Erwägungen war es auch der Bedarf der schwächelnden türkischen Wirtschaft an liquiden Mitteln, um den Verfall der türkischen Lira gegenüber dem Dollar zu verlangsamen – ein Bedarf, der Erdoğan zu diesem radikalen Wandel in der türkischen Politik veranlasste. Die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Israel und der Türkei vor dem Krieg kann nicht außerhalb dieses Kontextes interpretiert werden. Mit anderen Worten: Erdoğan wurde nicht zum Zionisten und Netanyahu gelang es nicht, die Beziehungen zur Türkei zu normalisieren – das gelang erst durch das Fortschreiten des Abraham-Abkommens.
Erdoğan hielt den Staat Israel als ein starkes Land
Vor dem 7. Oktober 2023 betrachtete Erdoğan den Staat Israel als ein starkes Land, umgeben von neuen Freundschaften in der arabischen Welt. Dank des inoffiziellen Bündnisses, das Israel während des Zweiten Berg-Karabach-Krieges 2020 mit Aserbaidschan schloss, begann Baku zudem als Brücke für die Beziehungen zu Ankara zu fungieren. Hier fungierte vor allem der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew als Brückenbauer. Während des Krieges im Kaukasus unterstützten sowohl die Türkei als auch Israel Aserbaidschan und beide Länder lieferten Baku Munition und Militärtechnologie für seinen Krieg gegen Armenien, den Verbündeten des Iran im Südkaukasus. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich eine positive Atmosphäre zwischen Jerusalem und Ankara. Im März 2022 lud Präsident Erdoğan den israelischen Präsidenten Isaac Herzog in seinen Palast in Ankara ein, und die beiden Länder verkündeten den Beginn einer neuen Ära in ihren Beziehungen. Die öffentliche Unterstützung beider Seiten führte zu engeren Beziehungen auf allen Ebenen. So lernten beispielsweise die Geheimdienste beider Länder, nach vielen Jahren wieder zusammenzuarbeiten, um einen versuchten iranischen Terroranschlag auf israelische Touristen auf türkischem Boden zu vereiteln – ein Schritt, der das Ansehen der Türkei in den Augen des israelischen Sicherheitsapparats stärkte. Gleichzeitig verbesserte Israel sein Image in den Augen der Türken dank der großzügigen humanitären Hilfe, die es der Türkei unmittelbar nach dem verheerenden Erdbeben vom 6. Februar 2023 zukommen ließ.
Der starke Staat entpuppt sich als unsicher und unkontrollierbar
Tatsächlich erschütterte der Angriff der Hamas auf Israel und das Versagen des Schutzmechanismus rund um den Gazastreifen das Bild des „starken Israel“ in Ankara. Nach einem Tag völliger Stille forderte Präsident Erdoğan bereits am nächsten Tag beide Seiten zur Zurückhaltung und Gewaltverzicht auf. Israel reagierte jedoch mit der gesamten militärischen Macht, die bis in die Bodenmanöver hineinreichten. Es versteht sich von selbst, dass es für Erdoğan viel schwieriger wurde, gute Beziehungen zu Israel aufrechtzuerhalten, als die ersten verstörenden Bilder aus Gaza die ganze Welt in den Bann zogen. Neben der ungehemmten Gewalt in Gaza erschwerte auch die türkische Opposition Erdoğan den weiteren Versuch, mit beschwichtigenden Aufrufen, Israel zur Räson zu bringen und damit die Beziehungen aufrecht zu erhalten. Die Opposition vertrat von Beginn des Krieges in Gaza an eine klare Pro-Hamas-Position einzunehmen, während Erdoğan selbst zunächst eine etwas versöhnlichere Haltung gegenüber Israel einnahm. Mit anderen Worten: Bis Erdoğan seine Haltung gegenüber Israel grundlegend änderte, blieb Erdoğan groteskerweise der pro-israelischste Politiker im politischen Spektrum der Türkei. Derart, dass sogar die konservativ-religiösen Kleinstparteien damit punkten konnten. „Als Muslim bin ich beunruhigt über Israels Angriffe auf Moscheen und Kirchen. Sind Sie als Christ nicht beunruhigt über die Angriffe auf Kirchen?“, sagte Erdoğan in Berlin in seiner Antwort zu einem deutschen Reporter im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz, Ende Oktober 2023. Für Erdoğan war Ende Oktober 2023 der letzte israelische Raketenangriff auf das älteste Krankenhaus von Gaza-City, dem al-Ahli-al-Arabi-Krankenhaus, der Höhepunkt und damit ein Grund des strategischen Umdenkens. In diesem Zeitraum berichteten türkische Medien unter Hinzuziehung der zuvor getätigten Angriffe über die „Barbarei“, weshalb die türkische Öffentlichkeit den Geschehnissen nicht gleichgültig gegenüberstand. Alle führenden Fernsehsender beschuldigten Israel, Kriegsverbrechen begangen zu haben. In diesem Kontext, parallel zu den großen Demonstrationen in Ankara und Istanbul, wuchs die Ohnmacht und der Wut auf den Staat Israel. In sozialen Medien waren die Reaktionen noch extremer. Erdoğans schwerer Stand gegenüber der türkischen Gesellschaft Die Wut auf den türkischen Straßen ließ Erdoğan keine andere Wahl, als den eigenen festen Standpunkt zu revidieren. Sein Pragmatismus wich der Solidarität. Mit anderen Worten: Der pragmatische Erdoğan war verschwunden, stattdessen trat ein Erdoğan auf, der tief von einer osmanischen Ideologie geprägt, die Türkei als großer Bruder aller „unterdrückten“ Völker darstellt. Am 25. Oktober nannte Erdoğan in einer Rede vor dem türkischen Nationalparlament die Hamas als „eine Organisation von Freiheitskämpfern, die ihr Land von der Besatzung befreien wollen.“ Das war jedoch nicht das Ende der Fahnenstange. Erdoğan beharrte auf seiner Haltung und verschärfte sie am 28. Oktober 2023 bei einer von ihm organisierten Kundgebung für den palästinensischen Kampf gegen Israel noch weiter. Auch in dieser Rede, ließ Erdoğan nicht locker und bekundete erneut öffentlich seine volle Unterstützung für die Hamas. Das allgemeine Bild des Staates Israel ist im Land zweifelslos am Boden. Infolgedessen sieht man von Istanbul bis Ankara und in verschiedenen anderen Großstädten die Auswirkungen der Ohnmacht und Wut der Bevölkerung; Geschäfte mit Schildern mit der Aufschrift „Israelis ist der Zutritt strengstens verboten“ oder Taxis mit Schildern mit der Aufschrift „Israelische Fahrgäste werden nicht befördert.“ Ein weiteres Phänomen ist die Schändung der israelischen Flagge im öffentlichen Raum, die so gar nicht in die türkische Werte- und Kulturnorm passt. Neben dieser eindeutig antiisraelischen Haltung gibt es auch öffentliche Sympathiebekundungen für den palästinensischen Kampf. Viele Türken haben im öffentlichen Raum PLO-Flaggen und riesige Bilder des Hamas-Sprechers Abu Obaida aufgehängt.
Türkisch-israelische Beziehungen auf Jahrzehnte gestört
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der 7. Oktober 2023 nicht nur die fragile Normalisierung zwischen Israel und der Türkei beendete, sondern auch die in der türkischen Gesellschaft vorherrschende Meinung stärkte, der Zionismus verfolge weiterhin das Ziel, in Palästina und darüber hinaus einen jüdischen Staat mit möglichst viel Land, möglichst vielen Juden und möglichst wenigen Palästinensern und Arabern zu errichten. Der zionistische Anspruch auf Palästina baue demnach auf der Vorstellung auf, dass das historische Recht der Juden auf das Land, dass der Araber überwiege, was das israelische Regierungskabinett des Öfteren selbst vollmundig und öffentlich betont hatte. Die breite Öffentlichkeit in der Türkei versteht vor allem deshalb die israelische Regierung als Übeltäter der Ära nach dem 7. Oktober 2023. Trotz vereinzelter Unterstützungsbekundungen für Israel, sei es in den sozialen Medien oder vereinzelt auf türkischen Straßen, ist das Bild des israelischen Staates noch nie so negativ gewesen, wie gegenwärtig. Daher dürfte es noch schwieriger werden, die Beziehungen wiederherzustellen und sie in den Zustand vor dem 7. Oktober zurückzuführen.  
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
AUCH INTERESSANT

– Netanjahu-naher Kanal – Israel: TV-Produzent fordert Gaskammern in Gaza

Er sprach sich außerdem für einen „grausamen und harten Tod“ für alle Bewohner des Gazastreifens aus, verwarf die Vorstellung von unschuldigen Zivilisten

Israel: TV-Produzent fordert Gaskammern in Gaza