Israel
Wir müssen reden: „Das gelobte Land“

In Israel werden immer mehr Stimmen laut, die auf der Basis religiöser Texte die Inbesitznahme von großen Gebieten einfordern, die heute souveränen Staaten gehören.

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Ein Gastkommentar von Michael Thomas

In Israel werden immer mehr Stimmen laut, die auf der Basis religiöser Texte die Inbesitznahme von großen Gebieten einfordern, die heute souveränen Staaten gehören.

„Das gelobte Land“

Mit der Begründung, es handele sich um das „gelobte Land“ und man sei ja das „auserwählte Volk“, werden weite Teile des Westjordanlandes mit hermetisch abgeriegelten „Siedlungen“ bebaut und somit die Schaffung eines palästinensischen Staates unmöglich gemacht. (1)

Vor jeder anderen Betrachtung, die beide Glaubens- und Begründungsmuster zu Märchen deklassiert, muss man eines natürlich völlig klar sehen:

Weil die bei Wikipedia gelieferte Begriffsdefinition für Psychose so prägnant und umfassend ist, verwende ich sie hier für die Betrachtung extremistischer Zionisten:

„[der] Begriff [umschreibt] einen unscharf definierten Symptomenkomplex, gekennzeichnet durch: Halluzinationen, Wahn, Realitätsverlust oder Ich-Störungen.“

Das zumeist grotesk verzerrte, glorifizierte Bild, dass die Betroffenen vom antiken Israel haben, widerspricht jeder wissenschaftlich nachgewiesenen Realität. Bekannt ist lediglich, dass weite Teile der biblischen bzw. alttestamentarischen Schilderung entweder völlig erfunden oder bis zur Unkenntlichkeit verzerrt sind.

Das ist sicherlich begründet dadurch, dass der spirituelle Unterbau des Judentums erst im 6. Jhd. im babylonischen Exil eine allgemeinverbindliche Niederlegung fand. Bedingt dadurch wurden „historische“ Angaben dort nach überwiegend mündlicher Überlieferung zusammengefasst.

Nach vielen Jahrhunderten ist selbst die alte Sprache weitgehendst in Vergessenheit geraten; was heute als „Hebräisch“ gesprochen und geschrieben wird, wurde von vielen Wissenschaftlern und Historikern in der Neuzeit nachempfunden und ergänzt. Es würde einem modernen Israeli vermutlich sehr schwerfallen, sich mit einem Hebräer der Antike zu unterhalten. (2)

Die Periode, in welcher überhaupt von einem definierten Staat namens Israel die Rede war, umfasste einen vergleichsweise kurzen Zeitraum von etwa dreihundert Jahren, bevor es durch eine gewissermaßen wegen militärischer Unfähigkeit selbst verschuldeten Niederlage gegen Rom unterging.

Es kam auch nie zu der immer wieder behaupteten „Vertreibung“; die weitaus meisten Israeliten verließen das zerschlagene Land aus freien Stücken, ohne zum Weggang oder gar zur Flucht gezwungen worden zu sein. (3)

Der weitaus wichtigste Punkt ist jedoch der Umstand, dass all diese tradierten Texte und Erläuterungen in der modernen Welt absolut irrelevant, völlig bedeutungslos sind. Man würde heute von „Judäa“ und „Samaria“ nur dann sprechen, wenn man „Gallien“ statt Frankreich sagen wollte.

Antike Landschaftsbezeichnungen sind seit nunmehr zweitausend Jahren tot und von der Geschichte ausgelöscht, sie haben auf die Moderne keinen Einfluss und erzeugen auch keine Ansprüche.

Würde man sich der israelisch-zionistischen Logik tatsächlich stellen wollen, so müsste Israel sein Territorium an Ägypten übergeben. Immerhin beherrschten die Pharaonen das gesamte Gebiet viele Jahrhunderte lang, bevor von „Hebräern“ oder gar „Israeliten“ überhaupt die Rede war.

Die Tragik israelischer Archäologie besteht darin, meist altägyptische oder römische Artefakte aus der Erde Israels zu bergen. So konnte bisher sogar von dem zentralen Ort der Zionisten, dem berühmten „zweiten Tempel“ des Herodes, bisher noch kein einziger bestätigender Fund vorgewiesen werden. Streng wissenschaftlich gehört er tatsächlich noch ins Reich der Legende, auch wenn man, wie ich denke, seine Existenz sehr wohl annehmen kann.

Nach keinem modernen und verbindlichen Recht resultiert aus zitierten, religiösen Schriften irgendein Anspruch; die Selbstbezeichnung als „auserwähltes Volk“, dem das „gelobte Land“ zustünde, ist nichts als ein Wahn, eine mit aller Kraft herbeigesehnte Haluzination, die jede Realität vollständig verloren hat.

Diese Ideen entsprechen lehrbuchmäßig der Definition von Faschismus, der auf Basis einer hoffnungslos verzerrten und in Teilen erdachten Geschichte ein entrücktes Gefühl des Erwähltseins, einer gefühlt heiligen Bevorrechtigung über andere erzeugt.

Diese Erzählungen wollen einen aggressiven Besitzanspruch rechtfertigen, der keine Verhandlungen, keine Kompromisse und keinen Frieden einfordert. Das Gefühl, als geheiligtes Volk angeblich um Land, Heimat und Glück betrogen und zum ewigen Opfer gemacht worden zu sein, mündet heute in der ungebremsten Gewaltanwendung denen gegenüber, denen der Raub und Betrug vorgeworfen werden soll.

Wir erkennen das Muster fraglos wieder; beinahe vollendet spiegelt es das Überzeugungsmuster des nationalsozialistischen Deutschlands, dass sich mit gleichem Ernst eine durch Glorifikation seines erdachten „Germanien“ ein ebensolches Erwähltsein als „Arier“ erdachte.

Und tatsächlich finden wir in den Äußerungen des israelischen Sportministers Miki Zohar das Zitat, nach welchem „Juden die überlegene Rasse“ darstellen sollen. Näher ausgeführt wird diese Idee in der „Thora der Könige“, das ein schier unerträgliches Pamphlet mit zutiefst rassistischen Gedanken versehenes Sammelsurium groteskester Ideen darstellt.

Diesem Buch zufolge sei es das Schicksal von Nichtjuden, Juden als Sklaven zu dienen und je nach Bedarf erschlagen oder verkauft werden zu können. Die Vorstellung, man müsse die Kinder und Babies der Feinde rechtzeitig erschlagen, bevor sie Kinder gebären könnten, die zu neuen Feinden heranwachsen, ist diesem Buch entnommen. (4)

Immerhin scheut sich dies Israel keineswegs, die Ausbrüche seines Verteidigungsministers, Yoav Gallant, man ginge gegen „Tiermenschen“ vor, unkommentiert zu lassen und damit sogar das Vokabular eines Heinrich Himmler öffentlich zu benutzen, der das Wort für Slawen prägte.

Die zivilisierte und kultivierte Welt muss eine eindeutige und klare Haltung zu den Ideen finden, es gäbe ein „erwähltes Volk“ oder ein „gelobtes Land“, denn wie wir sehen, werden diese Ideen mit brutalen Mitteln momentan in die Tat umgesetzt.

  1. https://www.instagram.com/reel/DKcZVFcN-6D/?igsh=d25rNDRlN2J6OW4y
  2. https://www.uni-regensburg.de/sprache-literatur-kultur/slavistik/sprachen/sprachangebot/hebraeisch/index.html
  3. https://www.deutschlandfunk.de/die-zukunft-israels-ein-binationaler-staat-100.html
  4. https://www.deutschlandfunkkultur.de/des-koenigs-thora-100.html

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

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