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Epstein-Akten
Epstein-Akten: „Erdoğan reinigt das Militär von israel-freundlichen Kräften“

Washington – Brisante neue Enthüllungen aus den über 3 Millionen freigegebenen Jeffrey-Epstein-Akten des US-Justizministeriums: In geheimen Korrespondenzen des Epstein-Netzwerks wird detailliert analysiert, wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan das türkische Militär umbaut. Wörtlich heißt es in den Dokumenten, Erdoğan „reinigt das türkische Militär von denjenigen, die gut mit Israel zusammenarbeiten“. Die Akten werfen ein völlig neues Licht auf die geopolitische Spionage-Rolle des pädophilen Multimillionärs und seiner hochrangigen Kontakte. Die Ende Januar 2026 entsiegelten Dossiers belegen, dass die Militärstrategie von Präsident Erdoğan und das Verhältnis der Türkei zu Israel ein zentrales Thema in den diplomatischen Zirkeln rund um Jeffrey Epstein waren. Die Korrespondenzen, die unter anderem aus dem Umfeld hoher europäischer Funktionäre stammen, skizzieren eine gezielte Abkehr Ankaras von der einst engen militärischen Kooperation mit Tel Aviv.

Netanyahu-Abneigung und strategische Neuausrichtung

Die Akten zitieren Beobachtungen, wonach Erdoğan gegenüber der „diplomatisch unfähigen Netanyahu-Regierung“ eine tiefe Abneigung hege. In den Berichten, die Epstein offenbar als Teil eines informellen Informationsnetzwerks sammelte, wird die diplomatische Lage Israels als „prekär“ bezeichnet, während der Türkei eine erfolgreiche Rolle als Ordnungsmacht im Nahen Osten attestiert wird.

Mavi Vatan: Marine-Aktivitäten als Unruheherd

Neben der Personalpolitik im Militär thematisieren die Epstein-Files auch die türkische Marine-Strategie im östlichen Mittelmeer. Die Manöver der Türkei in der Nähe der Gasfelder vor Zypern werden in den diplomatischen Depeschen als „hochgradig belastend“ für die westliche Allianz beschrieben. Diese Dokumente erhärten den Verdacht, dass Epsteins Kontakte weit über kriminelle Aktivitäten hinausgingen und sein Zirkel dazu diente, sensible Informationen über Staats- und Regierungschefs wie Erdoğan zu sammeln und zu bewerten.

Vom NATO-Partner zum globalen Powerhouse

Was in den Epstein-Files als „nervenaufreibende“ Veränderung für westliche Kreise beschrieben wird, spiegelt die tatsächliche Transformation der Türkei in den letzten zwei Jahrzehnten wider. Nach einer Phase der jahrzehntelangen, weitgehend selbst gewählten Isolation hat sich das Land zu einem globalen Akteur entwickelt. Die Türkei agiert heute als souveräne Macht, die ihren Einflussbereich weit über die regionalen Grenzen hinaus ausgedehnt hat. Ob als stabilisierender Vermittler auf dem Balkan, als zentraler Partner in weiten Teilen Afrikas oder durch eine verstärkte diplomatische und wirtschaftliche Präsenz in Südamerika: Ankara hat seinen strategischen Spielraum systematisch erweitert. Diese neue globale Rolle wird von einer wirtschaftlichen Dynamik getragen, die die Türkei trotz globaler Herausforderungen zu einem regionalen „Powerhouse“ gemacht hat, das verstärkt auf eigene Ressourcen, neue Handelswege und wirtschaftliche Autarkie setzt.

Rüstungsindustrie als Motor der Souveränität

Ein entscheidender Pfeiler dieser neuen Unabhängigkeit, die in den Epstein-Dokumenten kritisch analysiert wurde, ist der rasante Aufstieg der heimischen Rüstungsindustrie. In den letzten 20 Jahren hat die Türkei ihre Abhängigkeit von ausländischen Militärimporten drastisch reduziert – von einst ca. 80 % auf mittlerweile rund 20 %. Die Entwicklung eigener hochmoderner Waffensysteme, wie der weltweit gefragten Bayraktar-Drohnen, des Kampfpanzers Altay oder des nationalen Kampfflugzeugs KAAN, hat der türkischen Diplomatie eine neue strategische Tiefe verliehen. Die in den Akten erwähnte „Säuberung“ von israel-freundlichen Netzwerken im Militär erscheint vor diesem Hintergrund als konsequenter Schritt einer Strategie, die auf nationale Souveränität und technologische Selbstständigkeit setzt. Die Veröffentlichung dieser Akten verdeutlicht, dass Epsteins Zirkel offenbar auch dazu genutzt wurde, sensible geopolitische Analysen über aufstrebende Mächte wie die Türkei zu sammeln.

NEX24-Interview
Politanalystin Rena Netjes: Die PKK repräsentiert nicht die Kurden

Obwohl zahlreiche Menschenrechtsorganisationen, wie Human Rights Watch, der  Terrororganisation PKK Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen auch unter der kurdischen Bevölkerung vorwerfen, wird in den europäischen Medien kaum darüber berichtet. Ein Beispiel ist die Zwangsrekrutierung von Minderjährigen.

Aber auch assyrische Christen und Aramäer sind frustriert in Bezug auf die Medienberichterstattung über die PKK und ihrem syrischen Ableger, die YPG. Die Berichte spiegelten meist nicht die Realität wider. Jeder, der Fragen stellt oder Einwände erhebt, werde „in Europa ignoriert“. Der assyrische Journalist Dikran Ego etwa, Chefredakteur von Assyria TV, sagte in einem Interview: „Westliche Medien lassen keine kritischen Fragen über die PKK oder die YPG zu.“

Morddrohungen wegen PKK-Kritik

Die renommierte niederländische Politanalystin, Rena Netjes, ist eine der wenigen Medienvertreter, die kritisch berichten und Verbrechen der Terrororganisation aufdecken. Hierfür erhielt sie bereits zahlreiche Morddrohungen. „Ich zahle einen Preis dafür, dass ich die Propaganda der PYD entlarve“, so Netjes auf Twitter.

Die YPG wird als bewaffneter Arm der kurdisch-syrischen Partei der Demokratischen Union (PYD) betrachtet. Die PYD ist eine kurdische Partei in Syrien und gilt als Schwesterpartei der PKK. Sie kooperiert mit dem Regime in Damaskus. Laut Netjes habe die PYD bei zahlreichen Niederschlagungen von Protesten gegen das Regime eine Rolle gespielt. Netjes betont, dass jede Kritik am Regime mit Unterdrückung, Verhaftung oder Ermordung verbunden sei. Ferner war die PYD daran beteiligt, die syrische Metropole Aleppo, die von syrischen Oppositionskräften kontrolliert wurde, zu erobern und damit dem Regime einen entscheidenden Vorteil zu bescheren.

Netjes ist studierte Arabistin und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Fragen der Staatsführung und Sicherheit in Nordsyrien. Netjes befürwortet eine militärische Intervention und Befreiung Tal Rifaats von der YPG durch die Türkei. „Das Engagement der türkischen Streitkräfte in Nordsyrien könnte Tausenden von Syrern die Rückkehr in ihre Heimat ermöglichen, nachdem sie von der YPG vertrieben wurden“, schreibt Netjes in einem Artikel, der auf der Seite des Washington Instituts erschien.

Im Westen gibt es starken Widerstand gegen eine neu geplante Militäroperation der türkisch-syrischen Nationalarmee (SNA) im Norden Syriens. Doch viele vertriebene Araber aus Tal Rifaat, Manbij und den umliegenden Dörfern begrüßen die Idee der Befreiung ihrer Städte und Dörfer. Tatsächlich fordern sie die von der Türkei unterstützte SNA schon seit Jahren auf, ihr Gebiet zu befreien.

Netjes: „Im Jahr 2016 wurde die gesamte arabische Bevölkerung in Tal Rifaat, einer historisch mehrheitlich arabischen Stadt auf der Westseite des Euphrat, in einer koordinierten Militäroperation von Russland, dem syrischen Regime und Kämpfern der Volksverteidigungseinheiten (YPG) aus Afrin vertrieben.“

„Handlanger, Rebell, Demokrat, Terrorist“

In ihrem umfassenden Bericht „Henchman, Rebel, Democrat, Terrorist“ (Handlanger, Rebell, Demokrat, Terrorist) gemeinsam mit Erwin van Veen, behandelt Netjes das Erstarken, die Ziele und organische Verbindung der YPG zur PKK in Nordsyrien. Dabei decken die beiden Experten die strategisch wechselnde Allianz der YPG mit dem Assad-Regime, dem iranischen Mullah-Regime, der russischen Führung sowie den USA auf. In ihrem Bericht zeigen sie differenziert auf, welche unterschiedliche geostrategische Politik die Regierungen in Nordsyrien verfolgen. Auch begangene Kriegsverbrechen der Organisation bleiben nicht unerwähnt. Zum Schluss zeigt der Bericht anhand von Szenarien auf, wie brüchig die gewaltsam erreichte Autonomie ist.

„Sie versuchen, uns zum Schweigen zu bringen“

In einem Interview mit NEX24 erklärt die Expertin, dass sie in einigen Medien über die PKK/YPG zwar relativ frei berichten könne, hinter den Kulissen jedoch auch schon eingeschüchtert wurde.

„Mein Kollege Jan Jaap de Ruiter und ich wurden hinter den Kulissen von Nederlands Nieuwsuur und Trouw ziemlich eingeschüchtert. Sie versuchen, uns zum Schweigen zu bringen“, so Netjes.

Da ich mich seit 2016 mit dem Thema beschäftige, fühle ich mich wohl genug, um über das Schlechte und das Gute zu schreiben, wie ich es vor Ort und nach zahlreichen Interviews mit hauptsächlich syrischen Kurden und auch Assyrern, Arabern, Turkmenen, Jesiden, Tscherkessen tue.

„Überwältigenden Propagandamaschinerie“

Die niederländische Forscherin stimmt dem assyrischen Journalisten Dikran Ego zu. Das Bild der Terrororganisation sei im Westen von ihrer „überwältigenden Propagandamaschinerie und von der mangelnden Kenntnis des Terrains einiger aber nicht aller, westlicher Journalisten und Politiker geprägt“.

Ich selbst begann, mir ein anderes Bild von der YPG zu machen, als ich es aus den westlichen Medien kannte, nachdem ich ganz andere Geschichten von Einheimischen gehört hatte, die aus Nordsyrien geflohen waren. Im März 2016 traf ich mehrere Syrer, die aus Tal Rifaat und Umgebung geflohen waren und die Grenze am Grenzübergang Bab al-Salama, einige Kilometer nördlich von Azaz, überquerten. In der anfänglichen Annahme, dass sie vor den russischen und regimetreuen Bombenangriffen aus Ost-Aleppo fliehen, war es überraschend zu erfahren, dass sie flohen, weil „YPG-Kämpfer ihre Häuser eingenommen hatten“. Später an der Grenze und in Kilis sowie Gaziantep, erzählten andere Flüchtlinge viele ähnliche dramatische Geschichten.

Netjes finde zwar neue Plattformen, aber sie bestätige, dass die allgemeine Medienberichterstattung im Westen im Einklang mit der PKK-Propaganda sei. Netjes erwähnt etwa die Assoziierung der PKK und der YPG mit „den Kurden“. Nach jahrelangen Recherchen und Gesprächen mit syrischen Kurden wisse sie, dass die ständige Behauptung der YPG, die Repräsentanten der Kurden zu sein, überhaupt nicht stimme. Die syrischen Kurden sähen sich in erster Linie als Syrer, als syrische Staatsbürger mit kurdischen Wurzeln. Sie seien auch nicht empfänglich für PKK-Propaganda und die zwangsweise angesetzte Wehrpflicht der YPG lehnten sie im Grunde ab.

„Die meisten syrischen Kurden wollen auch keinen eigenen Staat, denn die syrischen Kurden leben hauptsächlich in drei Enklaven im Norden: im nördlichen Teil der Provinz Hasaka, in Kobani und in Afrin. Andere Teile Nordsyriens sind arabisch (turkmenische Gebiete) und kurdische Gebiete nicht groß genug für einen eigenen Staat. Daher wollten sie große Teile der nicht-kurdischen Gebiete zwischen Afrin und Kobani sowie zwischen Kobani und Ras al-Ayn beherrschen. Die YPG beherrscht momentan nicht-kurdische Gebiete wie Tal Rifaat, Manbij, Raqqa und Deir Ezzor“, so Netjes.

Netjes in einem Interview mit dem kurdischen Führer Ahmad Misto. Er habe vier Attentatsversuche der PKK überlebt. (Foto: Screenshot/Twitter)

Die „andere Seite der YPG“

Die YPG habe zwar gegen den IS gekämpft, die Organisation habe jedoch noch eine weitere, im Westen unbekannte Seite.

Netjes: „Am problematischsten ist vielleicht die anhaltende Entführung von Minderjährigen, Mädchen und Jungen, Kurden, Assyrern und Jesiden. Sogar jenseits der Grenze habe ich zwei Teenager interviewt, die gerade von einer Entführung aus der Südtürkei nach Syrien zurückgekehrt waren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele im Westen davon nichts wissen oder es nicht glauben. Anders die niederländischen und amerikanischen Diplomaten. Für die Niederländer war dies schon immer ein Grund, sie (die YPG, Anm. Red.) nicht zu unterstützen, was einige niederländische politische Parteien verärgerte.

Ein weiterer problematischer Punkt ist die Zwangsverpflichtung in die Armee und der PKK-Lehrplan, der weder von Universitäten noch von internationalen Organisationen anerkannt wird, sodass es keine Chance gibt, damit an die Universität zu gehen. Dies sind Gründe, die vor allem junge Menschen dazu veranlassen, das Gebiet zu verlassen. In der kurdischen Region des Irak gibt es etwa 250.000 syrische Flüchtlinge, die meisten von ihnen sind Kurden. Und es gibt auch, und das ist viel weniger bekannt, nach Angaben des syrisch-kurdischen Politikers und Forschers Bedir Mulla, etwa 400.000 syrische Kurden in der Türkei, hauptsächlich in der Südtürkei, die vor dem IS, aber auch vor der syrischen PKK geflohen sind.

Diese Menschen kehren nicht zurück. Außerdem lassen sie Oppositionspolitiker nicht frei arbeiten, einige wurden sogar von PKK-Kämpfern getötet, wie Mashal Tammo, Nasredine Burheik und mehrere andere. Andere wurden inhaftiert oder sind unter Todesdrohungen geflohen, wie die KNC-Führer Abdel Hakim al-Bashar und Ibrahim Biro. Sie lassen keine freien Medien zu, auch keine westlichen oder arabischen Medien oder Forscher, die sich kritisch geäußert haben. Die meisten machen dies jedoch nicht öffentlich, wahrscheinlich in der Hoffnung, wieder Zugang zu erhalten.

In Afrin haben sie viele Kurden an das Assad-Regime ausgeliefert. Nur wenige haben es raus geschafft. Sie schließen assyrische christliche Schulen, weil sie wollen, dass sie den Lehrplan der PKK anwenden. Kurzum, sie regieren Hasaka und die Provinz Kobani – und davor Afrin -, insbesondere die kurdischen Gebiete, mit eiserner Faust. Das können sie nicht in allen arabischen Gebieten tun, weil die Stämme das einfach nicht zulassen würden. Hinzu kommt, dass derzeit etwa 70 Prozent der von der YPG beherrschten Gebiete arabische Gebiete sind, die sich selbst regieren wollen und nicht wollen, dass der Reichtum, wie etwa Öl, aus ihren Gebieten genommen und ein Teil davon an das Regime verkauft wird.“

„Die Mehrheit der syrischen Kurden mag die PYD nicht“

In ihren Berichten betont Netjes immer wieder, dass die Mehrheit der kurdischen Bevölkerung eine Regierung durch die PYD ablehnt:

„Kurz gesagt, die von der PYD kontrollierten Gebiete sind besser als die Gebiete des Regimes, aber aus den oben genannten Gründen und wegen der extrem schlechten wirtschaftlichen Lage verlassen die Menschen auch diese Gebiete. Nun mag die Mehrheit der syrischen Kurden die PYD nicht, sie sehen sie als ein gewalttätiges Regime, aber sie haben jetzt auch ihre schlechten Erfahrungen mit einigen SNA-Brigaden* gemacht, die nicht ihre Kinder, sondern ihr Geld stehlen. Das ist sehr bedauerlich.

Ein Unterschied ist jedoch, dass ungefähr die Hälfte der Kurden, die 2018 zunächst vor der türkischen Militäroperation geflohen waren, mittlerweile wieder nach Afrin zurückgekehrt sind. Sie hatten eine ‚Dschihadisten-Invasion‘ befürchtet. Aber Araber, die aus den von der YPG gehaltenen Gebieten geflohen sind, können nicht zurückkehren, zum Beispiel die Bevölkerung von Tal Rifaat. Die Situation in Afrin ist gemischt, einige Teile sind gut, einige Teile sind mittelmäßig und andere sind schlecht. Und leider lässt die PYD afrinische Kurden, die in das Gebiet von Tal Rifaat zurückkehren wollen, nur nach Zahlung hoher Summen zurückkehren“, betont die niederländische Analystin.

„Mütter von Diyarbakir“

Seit Jahren sitzen Eltern kurdischer Herkunft vor dem Parteigebäude der oppositionellen HDP und beschuldigen die Partei, mit Hilfe der PKK „ihre Kinder zu entführen“. Weder die HDP noch die PKK sprächen für die Kurden, erklärt Netjes.

Nein, ich würde eher sagen, sie schaden der kurdischen Sache, vor allem in Syrien. Sie sprechen für sich selbst und präsentieren sich im Westen als die Stimme der Kurden, was viele westliche Politiker und Medien nicht ausreichend verstehen und darauf hereinfallen.

Wegen Ihrer PKK-kritischen Berichterstattung wurde die renommierte Expertin von mutmaßlichen Mitgliedern oder Sympathisanten der Terrororganisation mit dem Tode bedroht. Netjes betont, wie wichtig es sei, trotzdem weiter zu machen und sich nicht einschüchtern zu lassen.

Sie haben sich selbst entlarvt und zeigen, dass die Arbeit, die ich mache, notwendig ist. Ich werde weitermachen. Was ich erlebe, ist wenig im Vergleich zu dem, was viele syrische Kurden, Assyrer und Araber erleben. In Syrien, aber auch in Europa.


*Die Syrische Nationale Armee (SNA), war der Vorgänger der Freien Syrischen Armee (FSA), auch bekannt als die von der Türkei unterstützte Freie Syrische Armee (TFSA). Sie ist eine Koalition bewaffneter syrischer Oppositionsgruppen im syrischen Bürgerkrieg. Sie setzt sich aus verschiedenen Rebellengruppen zusammen, die zu Beginn des Krieges im Juli 2011 entstanden sind. Seit 2017 wird die FSA offiziell von der Türkei unterstützt, die dadurch finanzielle Mittel, Ausbildung und militärische Unterstützung erhält.


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Roman-Brodmann-Preis
Dokumentarfilm ‚Inside Gaza‘ gewinnt weiteren Preis

Berlin – Der Dokumentarfilm „Inside Gaza“ der französisch-belgischen Regisseurin Hélène Lam Trong ist mit dem Roman-Brodmann-Preis ausgezeichnet worden.

Die mit 10.000 Euro dotierte Preisverleihung fand am Freitagabend in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz beim Bund in Berlin statt — im Anschluss an ein Kolloquium zum Thema „Autokratismus, Kulturkampf, Desinformation! Stirbt die Demokratie?“ sowie ein Panel zum Thema „Produzieren und Berichten in Kriegs- und Krisenzonen“, an dem auch RSF-Geschäftsführer Christian Mihr teilnahm.

Der Preis wurde in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben. Für die Auszeichnung waren 130 Filme eingereicht worden, zehn davon hatte eine Auswahljury nominiert.

Zahlreiche Auszeichnungen

„Inside Gaza“ ist bereits vielfach ausgezeichnet worden. Beim 33. FIGRA International Documentary Festival in Frankreich gewann der Film sowohl den Großen Preis als auch den Publikumspreis.

Zuvor hatte das Projekt den Best Global Issues Pitch Award beim Sunny Side of the Doc in La Rochelle sowie den AJB Doc Special Award gewonnen. Die Regisseurin Hélène Lam Trong hatte bereits 2023 Frankreichs renommiertesten Journalismuspreis, den Prix Albert Londres, für ihren Dokumentarfilm über Kinder von IS-Kämpfern erhalten.

Was zeigt der Film?

„Inside Gaza“ begleitet sieben Journalistinnen und Journalisten der Agence France-Presse (AFP), einer der größten Nachrichtenagenturen der Welt, die von Oktober 2023 bis Februar 2024 aus dem Kriegsgebiet im Gazastreifen berichteten. Im Mittelpunkt stehen die Reporterinnen Mai Yaghi und Adel Zaanoun sowie die Fotojournalisten Mahmud Hams und Mohammed Abed — allesamt langjährige AFP-Mitarbeiter.

Der Film zeigt bisher unveröffentlichtes Filmmaterial und Zeugenaussagen der Protagonisten, die die extreme Schwierigkeit ihrer Arbeit in einem kriegsverwüsteten Gebiet schildern — während sie gleichzeitig ihre eigenen Familien schützen mussten.

„Inside Gaza erhebt nicht den Anspruch, den Konflikt zu erklären, sondern zu zeigen, dass Reporter ihr Leben riskieren, damit die Öffentlichkeit weiterhin Zugang zu unabhängigen und genauen Informationen hat“, betont die Regisseurin.

Die Jury lobte, der Film zeige sowohl die Erschöpfung und Einsamkeit der Reporter als auch ihren „unbeirrbaren Willen, weiter zu berichten.“
Journalist:innen als Zielscheibe

Über 200 getötete Journalisten

Der Film entstand unter extremen Bedingungen. Reporter ohne Grenzen (RSF) wies darauf hin, dass Journalistinnen und Journalisten im Gazastreifen oft gezielt angegriffen werden. Seit Beginn des Krieges hat die israelische Armee nach RSF-Angaben fast 220 Journalistinnen und Journalisten getötet — viele davon im direkten Zusammenhang mit ihrer Arbeit.

Im Frühjahr 2024 wurden alle AFP-Reporter samt ihren Familien aus dem Gebiet evakuiert. Seitdem ist die Agentur auf palästinensische Freiberufler angewiesen, die vor Ort geblieben sind und die Realität des Krieges dokumentieren — in einem Gebiet, das für die internationale Presse seit Kriegsbeginn gesperrt ist.
Produktion und Ausstrahlungen

„Inside Gaza“ ist eine französisch-belgische Koproduktion von Arte France, RTBF und FACTSTORY, mit Beteiligung der AFP und Unterstützung von RTS sowie in Partnerschaft mit Reporter ohne Grenzen. Der Film wurde zudem vom französischen Nationalen Filmzentrum (CNC), dem Cinema and Audiovisual Center der Wallonie-Brüssel-Föderation sowie weiteren Förderern unterstützt.

Seine Weltpremiere feierte der Film am 24. September im belgischen Fernsehen RTBF zur Hauptsendezeit, gefolgt von Ausstrahlungen in der Schweiz (RTS), Deutschland und auf ARTE in Frankreich. International war der Film unter anderem beim DIG Festival in Modena sowie beim Bayeux Calvados-Normandy War Correspondents‘ Award zu sehen.

Roman Brodmann — der Namensgeber

Der Preis ist nach dem Journalisten Roman Brodmann benannt, einem Vertreter der „Stuttgarter Schule“ im Dokumentarfilm. Bekanntheit erlangte Brodmann durch den ARD-Film „Der Polizeistaatsbesuch“ von 1967 über den Besuch des persischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi in der Bundesrepublik. Das Stuttgarter Haus des Dokumentarfilms verleiht den Preis für politische Dokumentarfilme mit Autorenhandschrift.

 


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Bnei-Menashe-Gemeinschaft
„Verlorene Stämme“: Israel lässt indische Juden einfliegen

Tel Aviv/Neu-Delhi – Über 250 Angehörige der Bnei-Menashe-Gemeinschaft aus Nordostindien sind am Donnerstagabend am Flughafen Ben Gurion gelandet — begrüßt mit einem Torbogen aus blau-weißen Luftballons, einem roten Teppich und den Klängen von „Oseh Shalom“.

Es war ein emotionaler Empfang: Viele der Neuankömmlinge lagen sich weinend in den Armen mit Freunden und Familienmitgliedern, von denen sie jahrelang getrennt waren.

„Operation Wings of Dawn“

Die Ankunft markiert den Beginn von „Operation Wings of Dawn“ — einem Regierungsprogramm, das vorsieht, bis 2030 rund 6.000 verbleibende Mitglieder der Gemeinschaft nach Israel zu bringen. Allein im Jahr 2026 sollen 1.200 Personen eingeflogen werden. Zwei weitere Flüge sind bereits für die nächsten zwei Wochen geplant.

Einwanderungsminister Ofir Sofer bezeichnete die Ankunft als „historischen Moment“ und erklärte, dies sei „der Beginn einer Operation, die der gesamten Gemeinschaft die Einwanderung ermöglichen wird.“

Wer sind die Bnei Menashe?

Die Bnei Menashe — auf Hebräisch „Söhne des Manasse“ — sind eine Gemeinschaft aus den nordostindischen Bundesstaaten Mizoram und Manipur, die behauptet, von einem der zehn verlorenen Stämme Israels abzustammen. Laut jüdischer Überlieferung wurden diese Stämme um 722 v. Chr. nach der assyrischen Eroberung Nordisraels in alle Welt zerstreut.

Der Überlieferung der Gemeinschaft zufolge wanderte ihr Stamm jahrhundertelang durch Persien, Afghanistan, Tibet und China, bevor er sich im heutigen Nordostindien niederließ. Im 19. Jahrhundert wurden sie von protestantischen Missionaren zum Christentum bekehrt.

Den entscheidenden Wendepunkt hin zum Judentum brachte ein Traum: Im Jahr 1951 berichtete ein Mizo-Mystiker namens Challianthanga, er habe in einer Vision gesehen, dass die Mizo, Kuki und Chin Nachkommen der antiken israelitischen Stämme seien.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich eine aktive Judaisierende Bewegung — unterstützt von der israelischen Organisation Amishav unter Rabbiner Eliyahu Avichail, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die zerstreuten Stämme nach Israel zurückzubringen.

Mizo Israel Zionist Organization

Die Mizo Israel Zionist Organization wurde 1974 gegründet, und die Gemeinschaft nahm Kontakt zu jüdischen Gemeinden in Bombay und Kalkutta auf. Bis in die 1980er Jahre war die Transformation zum Judentum nach Angaben von Forschern weitgehend vollzogen.

Seit den 1990er Jahren sind rund 4.000 Bnei Menashe nach Israel eingewandert — gefördert durch die Organisation Shavei Israel, die sich der Spurensuche nach Nachkommen der verlorenen Stämme widmet. Rund 7.000 Mitglieder der Gemeinschaft leben noch in Indien.

Die Neuankömmlinge werden zunächst in einem Aufnahmezentrum in Nof Hagalil untergebracht — einer nördlichen Stadt mit Blick auf Nazareth, in der bereits eine große Bnei-Menashe-Gemeinde lebt. Da die Gemeinschaft in Indien zum Christentum konvertiert war, müssen die Einwanderer eine formelle Konversion zum Judentum durchlaufen, um die israelische Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Ein junger Mann der Gemeinschaft, der 17-jährige Amos Namte, der bereits seit seinem vierten Lebensjahr in Israel lebt, kam zum Flughafen um einen Jugendfreund zu empfangen. Er selbst wird in sechs Monaten zur Armee einrücken. Sein Vater habe immer davon geträumt, für Israel zu kämpfen — man ließ ihn jedoch nicht zu, da er zu alt war. „Er wollte sehr gerne für Israel kämpfen, weil es hier einen jüdischen Staat gibt, weil er sich wirklich mit diesem Ort verbunden fühlte, auch als er noch in Indien war“, erzählte Namte gegenüber israelischen Medien.

Bevölkerungswachstum auf historischem Tiefstand

Die Einwanderung der Bnei Menashe fällt in eine Zeit, in der Israel demografische Herausforderungen zu bewältigen hat. Eine aktuelle Studie des Taub Center for Social Policy Studies zeigt, dass das israelische Bevölkerungswachstum erstmals seit der Staatsgründung unter ein Prozent gesunken ist — auf 0,9 Prozent im Jahr 2025, den niedrigsten Wert seit 1981.

Als Hauptfaktoren nennt die Studie eine negative Nettomigration, stagnierende Geburtenraten und eine steigende Zahl von Todesfällen. Im Jahr 2024 verließen 26.000 mehr Menschen Israel als einwanderten — 2025 soll diese Lücke auf 37.000 angewachsen sein. Bis 2030 wird erwartet, dass die Geburtenrate säkularer jüdischer Frauen auf 1,7 Kinder sinkt.

„Wir befinden uns am Beginn einer neuen Ära in Israels demografischer Entwicklung. Die Hochphase des natürlichen Bevölkerungswachstums ist vorbei“, sagte Professor Alex Weinreb, Forschungsdirektor des Taub Center gegenüber israelischen Medien.

„Billige Arbeitskräfte“

Manche Beobachter sehen in der verstärkten Einwanderung der Bnei Menashe auch einen pragmatischen Hintergrund. „Israel importiert Menschen aus Indien, um seine Bevölkerungszahlen zu erhöhen. Der eigentliche Grund ist, dass sie billige Arbeitskräfte brauchen und diese Menschen dafür nutzen wollen“, schrieb der Analyst Ryan Rozbiani in einem Post auf X.

 


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Bericht: Israel nutzt sexuelle Gewalt zur Vertreibung

Türkei
Göbeklitepe: Wie der deutsche Archäologe Klaus Schmidt die Geschichte neu schrieb

Von Klaus Jürgens

Während Stonehenge 5.000 Jahre und die Pyramiden von Gizeh 4.500 Jahre alt sind, ist Göbeklitepe sage und schreibe 12.000 Jahre alt. Es verschiebt nicht nur die Chronologie der Zivilisation zurück, sondern stellt unser Verständnis vom Menschsein völlig auf den Kopf.

Jahrzehntelang galt die Annahme, dass Landwirtschaft zu sesshaften Gemeinschaften führte, aus denen schließlich Religionen entstanden. Göbeklitepe legt das Gegenteil nahe: es war der spirituelle Drang, sich zu versammeln und zu beten, der uns zu Innovationen zwang und letztendlich zur Entstehung der Landwirtschaft führte.

Zusammen mit der Journalistin und Medienproduzentin Didem Kuzu konnte ich mir kürzlich vor Ort mein eigenes Bild machen. Die Übersetzungen aus dem türkischen wurden dankenswerterweise von Frau Kuzu erstellt.

Die deutsche Entdeckung: Klaus Schmidts Vision

Die moderne Geschichte von Göbeklitepe ist untrennbar mit der deutschen Forschung verbunden. Obwohl der Hügel bereits in den 1960er Jahren entdeckt wurde, blieb seine wahre Natur bis 1994 ein Rätsel, als der verstorbene deutsche Archäologe Klaus Schmidt vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) die Bedeutung der Feuersteinwerkzeuge und Kalksteinfragmente an der Oberfläche erkannte.

Unter Schmidts akribischer Leitung wurde die Stätte erschlossen und von einem staubigen Hügel zu einer internationalen Sensation. Schmidts Weitsicht ermöglichte es, die Stätte nicht als Siedlung, sondern als monumentales Kultzentrum zu identifizieren.

Durch jahrzehntelange deutsch-türkische Zusammenarbeit erfuhr die Welt, dass Jäger und Sammler – denen man lange Zeit die Fähigkeit zu komplexer Architektur abgesprochen hatte – tatsächlich 20 Tonnen schwere Säulen behauen und errichtet hatten. Dieser „deutsche Einfluss“ ist bis heute der Grundstein für den Erhalt der Stätte und ihres Status als UNESCO-Welterbestätte.

Eine neue Grenze für den deutschen Reisenden

Seit Jahren zieht es internationale Reisende an die türkisfarbenen Küsten Antalyas oder in die pulsierenden Basare Istanbuls. Doch im Südosten der Türkei eröffnet sich ein neues Reiseziel – sicher, dynamisch und mit einer tiefen Verbindung zu unserer gemeinsamen Identität.

Willkommen in Şanlıurfa, oder einfach Urfa. Der Name bedeutet zwar ‚Glorreiches Urfa‘, doch für den modernen Besucher symbolisiert er eine Reise zurück zu den Anfängen unseres Seins.

Als absoluter Höhepunkt menschlichen Erbes hat Göbeklitepe einen Paradigmenwechsel angestoßen und uns gezwungen, den gesamten Weg unserer Spezies neu zu überdenken. Während unseres Besuchs hatten wir die unschätzbare Gelegenheit, diesen heiligen Ort mit Experten zu beschreiten, die eng mit seinen Steinen verbunden sind.

„Erstes Zentrum organisierten Glaubens“

Doğan Güneş, ein ortsansässiger Archäologe und offizieller Fremdenführer, betont die spirituelle Bedeutung des Ortes. ‚Das neolithische Göbeklitepe ist deshalb so bedeutend, weil es der erste Tempel ist – möglicherweise das Zentrum des ersten organisierten Glaubens auf Erden‘, erklärt er.

Güneş steht in der Nähe der massiven T-förmigen Säulen und erklärt, dass zwar erst sechs Tempel freigelegt wurden, aber durch Bodenscans etwa 20 ähnliche Bauwerke identifiziert werden konnten. Die detailreichen Tierreliefs – Skorpione, Füchse und Raubtiere – stellen vermutlich die verschiedenen Clans und Stämme dar, die hierher wanderten, um an gemeinsamen Ritualen teilzunehmen.

Eine faszinierende Wendung im Leben der Steinzeit: Forscher haben herausgefunden, dass diese frühen Jäger und Sammler nicht nur beteten, sondern auch feierten. Die Entdeckung großer Kalksteinfässer, von denen einige bis zu 160 Liter fassten, deutet darauf hin, dass diese Tempelbesucher auch die ersten Brauer der Welt waren und Bier genossen, lange bevor das Rad erfunden wurde.

Ein Vermächtnis aus Stein und Seide

Auf dieser Reise begleitete uns Dr. Lamih Çelik, Rechtsanwalt und Autor, dessen Verbindung zu diesem Land zutiefst persönlich ist. Geboren in einem Dorf mit Blick auf diesen Bergrücken, betrachtet Çelik den Ort als Kern des menschlichen Erbes. „Hier begann die Menschheitsgeschichte‘, sagt er. ‚Die Archäologie befreit unser kollektives Gedächtnis vom Staub und verbindet uns mit Epochen, in denen die Menschheit zusammenlebte, anstatt getrennt.“

Medienproduzentin Didem Kuzu (l), Dr. Lamih Çelik (m.) und Journalist Klaus Jürgens

Dr. Çelik erklärt mit einem verschmitzten Lächeln, dass es gut sei, dass die alten Menschen den Steinen gefolgt seien, als sie diesen Ort entdeckten. „Hätten sie stattdessen den Bäumen gefolgt, wer weiß, wie wir das alles jemals erfahren hätten“, sagt er.

Da diese Bauwerke aus einer Zeit vor der Erfindung der Schrift stammten, werde man kein schriftliches Zeugnis dieser Zivilisation finden, so Çelik. Wissenschaftliche archäologische Funde und Hypothesen seien daher die einzige Grundlage — und die zahlreichen in den Stein gemeißelten Tierfiguren sprächen eine eigene Sprache.

Die frühen Menschen hätten recht primitiv gelebt und sich von einfachen Nahrungsquellen ernährt. Erst mit dem Übergang zum Ackerbau und der Sesshaftigkeit seien Kultur, Kunst und Tempel entstanden. „Mit anderen Worten: Der Tempel existierte vor der Stadt“, betont Çelik.

„Revolutionäre Entdeckung“

Der deutsche Archäologe Klaus Schmidt habe genau hier eine revolutionäre Entdeckung gemacht, erläutert der Autor. Schmidt stellte fest, dass es an diesem Ort weder Ackerbau noch Stadt gab — und dennoch einen Tempel. „Schmidts Arbeit veränderte grundlegend unser Verständnis der chronologischen Abfolge von Ackerbau, Ernährung und Religion und lehrte die Welt eine neue historische Sequenz“, so Çelik.

Dr. Çelik‘s Expertise verbindet die antike Vergangenheit mit der lebendigen Kultur des modernen Urfa. Kürzlich präsentierte er auf dem III. Symposium „Göbeklitepe bis heute: Historisches und kulturelles Erbe der Türkei“ einen Vortrag über das kulinarische Potenzial der Stadt.

Er merkte abschließend an, dass Urfas strategische Lage an der Seidenstraße die Entwicklung einer einzigartigen Gastronomie ermöglichte, die an die Lobeshymnen des Reisenden Evliya Çelebi aus dem 17. Jahrhundert anknüpft. Für Çelik wirft die Tatsache, dass Menschen vor 12.000 Jahren auf diesem Land lebten und gediehen, noch heute Licht auf unser heutiges Leben.

Eine globale Heimkehr

Die Geschichte dieser uralten Steine ​​verbindet weiterhin Kontinente. Diese internationale Bedeutung wurde kürzlich in Berlin mit der Eröffnung der Ausstellung ‚Gemeinschaftsbildung: Göbeklitepe, Taş Tepeler und das Leben vor 12.000 Jahren‘ im Vorderasiatischen Museum unterstrichen.

Die Zusammenarbeit zwischen dem türkischen Ministerium für Kultur und Tourismus und deutschen Landesmuseen verdeutlicht die gemeinsame globale Verantwortung für den Erhalt dieser Stätte.

Da der Tourismus in Südosttürkei weiterwächst, wird deutlich, dass Göbeklitepe mehr als nur ein türkisches Juwel ist. Es ist eine Art Heimkehr für die ganze Welt – eine Einladung an alle, den Ort zu besuchen, an dem unsere gemeinsame Menschheitsgeschichte ihren Anfang nahm.

 


Klaus Jurgens MSc. (LSE)
 
 
Media Relations Expert and Communications Strategist
Economyfirst Limited London
Telephone UK +44 7473 467 33
Telephone Türkiye +90 531 8348 703


Fusch am Bau
Thailand: Behörden nehmen türkischen Bauunternehmer fest

Pattaya – Ein türkischer Bauunternehmer, der im Zusammenhang mit dem Einsturz eines Wohngebäudes während des verheerenden Erdbebens in der Türkei im Jahr 2023 gesucht wurde, ist in Thailand nach mehr als einem Jahr auf der Flucht festgenommen worden.

Nach Angaben der Behörden wurde Abdullah Aybaba (76) am 22. April gegen 17 Uhr in einem Hotel in Pattaya festgenommen. Die Einwanderungspolizei der Provinz Chon Buri war einem Hinweis nachgegangen, wonach sich ein international gesuchter Ausländer dort aufhalten soll.

Der Mann, gegen den eine sogenannte Red Notice von Interpol vorlag, wurde ohne Zwischenfälle festgenommen. Seine Aufenthaltserlaubnis in Thailand wurde widerrufen, zudem wurden rechtliche Schritte zur weiteren Inhaftierung eingeleitet. Anschließend wurde er an die Polizei im Bezirk Nong Prue übergeben.

Gesucht wegen tödlichem Gebäudeeinsturz

Die türkischen Behörden werfen Aybaba eine Mitverantwortung für den Einsturz des 16-stöckigen „Sami Bey Apartment“ in der südtürkischen Stadt Adana vor.

Das Gebäude war am 6. Februar 2023 infolge eines schweren Erdbebens der Stärke 7,7 eingestürzt. Die Katastrophe forderte in der Türkei und in Syrien insgesamt mehr als 60.000 Todesopfer. Allein beim Einsturz des Gebäudes in Adana kamen 40 Menschen ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. Das Haus wurde innerhalb weniger Sekunden vollständig zerstört.

Vorwürfe wegen mangelhafter Bauweise

Ermittlungen zufolge soll das Gebäude mit illegalen und minderwertigen Baumaterialien errichtet worden sein, die nicht den vorgeschriebenen Sicherheitsstandards entsprachen. Aybaba war sowohl als Bauunternehmer als auch als Bauleiter für das Projekt verantwortlich.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor. Insgesamt stehen vier Personen in dem Verfahren vor Gericht, den Angeklagten drohen Haftstrafen von bis zu zwei Jahren.

Mehr als ein Jahr auf der Flucht

Nach Behördenangaben setzte sich Aybaba bereits zu Beginn des Verfahrens ab und entzog sich über mehr als ein Jahr hinweg der Festnahme, während der Prozess in der Türkei weiterlief.

Politisch sensibler Fall

Der Fall gilt in der Türkei als politisch und rechtlich sensibel. Er ist Teil umfassender Ermittlungen nach dem Erdbeben, bei denen zahlreiche Baumängel und Verstöße gegen Bauvorschriften aufgedeckt wurden.

Mehrere Bauunternehmer und Projektverantwortliche wurden in der Folge strafrechtlich verfolgt, da viele Gebäude den seismischen Anforderungen nicht standgehalten hatten.

Tochter ebenfalls angeklagt

Nach Berichten türkischer Medien gehört auch die Tochter des Beschuldigten zu den Angeklagten. Sie lebt seit 2017 in England und weist die Vorwürfe zurück. Unternehmensanteile seien ihr ohne ihr Wissen übertragen worden, mit dem Bauprojekt habe sie nichts zu tun gehabt.

Auslieferung erwartet

Die Festnahme erfolgte im Rahmen internationaler Zusammenarbeit nach einem Hinweis aus der Bevölkerung. Die thailändischen Behörden gehen davon aus, dass nun ein Auslieferungsverfahren eingeleitet wird, um Aybaba zur Fortsetzung des Prozesses in die Türkei zu überstellen.

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Building collapse
Thailand: Turkish contractor arrested in Pattaya

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Pattaya – A Turkish engineer wanted in connection with a deadly building collapse during the 2023 earthquake in Turkey has been arrested in Thailand after more than a year on the run.

According to Thai authorities, Abdullah Aybaba, 76, was detained at a hotel in Pattaya on April 22 at around 5 p.m. local time. Immigration police acted on a tip-off that a foreign national subject to an international arrest warrant was hiding at the location.

The suspect, who was listed under an Interpol Red Notice, was taken into custody without incident and transferred to immigration authorities in Chon Buri. His visa was revoked, and legal detention procedures were initiated. He was later handed over to investigators for further proceedings.

Wanted over deadly collapse

Turkish authorities have been seeking Aybaba in connection with the collapse of the 16-storey Sami Bey Apartment in the southern city of Adana during the powerful February 6, 2023 earthquake.

The 7.7-magnitude quake caused widespread devastation across Turkey and Syria, killing more than 60,000 people. In Adana alone, 40 residents were killed and two others injured when the building collapsed within seconds.

Allegations of negligence

Investigators allege that the building had been constructed using illegal and substandard materials that failed to meet safety regulations. Aybaba, who served as both contractor and construction supervisor, is accused of negligence causing death.

He is among four defendants facing trial in Turkey, with prosecutors reportedly seeking prison sentences of up to two years.

Authorities said Aybaba fled during the early stages of legal proceedings and had been evading arrest while the case continued in his absence.

Wider scrutiny after earthquake

The case is part of a broader investigation into construction practices following the 2023 earthquake, which exposed widespread safety violations in the building sector.

Multiple contractors and developers have since faced legal action over structures that failed to meet seismic standards.

Family also implicated

According to Turkish media reports, Aybaba’s daughter is also listed among the defendants. She has denied any involvement, stating that shares in her father’s company had been transferred to her without her knowledge and that she played no role in the construction project.

Extradition expected

Thai authorities confirmed that the arrest was carried out following international coordination and that extradition proceedings are expected to follow, as Türkiye seeks Aybaba’s return to stand trial.

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Bundeswehr
Pistorius räumt Fehler ein: Keine Genehmigung für Auslandsreisen nötig

Berlin – Nach wochenlanger Verwirrung um eine mögliche Genehmigungspflicht für längere Auslandsaufenthalte hat Verteidigungsminister Boris Pistorius einen Fehler im Wehrdienstgesetz eingeräumt.

„Diese Regelung hat für unnötige Verunsicherung gesorgt“, sagte der SPD-Politiker der „Rheinischen Post“. „Das war ein handwerklicher Fehler. Die Regelung hätte niemals im Gesetz stehen dürfen.“

Regelung sorgte für Kritik

Hintergrund ist das zum 1. Januar 2026 in Kraft getretene Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Darin ist vorgesehen, dass Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren Auslandsaufenthalte von mehr als drei Monaten grundsätzlich von der Bundeswehr genehmigen lassen müssen.

Diese Passage hatte in den vergangenen Wochen für erhebliche Kritik und Verunsicherung gesorgt.

Ministerium reagierte bereits zuvor

Bereits vor rund zwei Wochen hatte Pistorius klargestellt, dass eine solche Genehmigungspflicht in der Praxis derzeit nicht gelten solle. Der Wehrdienst sei freiwillig, daher werde die Regelung ausgesetzt.

„Alle dürfen selbstverständlich verreisen und brauchen derzeit dafür auch keine Genehmigung“, erklärte der Minister damals.

Das Verteidigungsministerium kündigte zudem an, die Genehmigungspflicht durch eine Verwaltungsvorschrift faktisch außer Kraft zu setzen. Inzwischen wurde eine entsprechende allgemeine Ausnahme erlassen.

„Niemandem aufgefallen“

Nun räumte Pistorius ein, dass die problematische Passage im Gesetzgebungsverfahren übersehen worden sei.

„Dieses Versäumnis ist seit Beginn des Gesetzgebungsverfahrens niemandem aufgefallen – weder mir oder meinem Haus, noch dem Kabinett oder dem Parlament“, sagte er. Auch Medien hätten die Regelung erst später aufgegriffen.

Wenn ein solcher Fehler auftrete, müsse schnell für Klarheit gesorgt werden. Dies sei inzwischen per Erlass und Allgemeinverfügung geschehen.

Hintergrund: Ausbau der Bundeswehr

Kern des Gesetzes ist die Wiedereinführung einer verpflichtenden Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008. Ziel ist es, mehr Freiwillige für die Bundeswehr zu gewinnen und die Truppenstärke deutlich zu erhöhen.

Geplant ist ein Ausbau von derzeit rund 180.000 auf bis zu 260.000 aktive Soldaten sowie eine deutlich stärkere Reserve.

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Vatikan
Papst Leo XIV.: „Ich trage das Foto eines getöteten muslimischen Jungen bei mir“

Rome – Papst Leo XIV. hat enthüllt, dass er ständig das Foto eines muslimischen Jungen bei sich trägt, der während der israelischen Invasion im Libanon getötet wurde. Während seines Rückflugs von einer Afrika-Reise erklärte das Kirchenoberhaupt, dass der US-israelische Krieg gegen den Iran eine ganze Bevölkerung unschuldiger Menschen leiden lasse.

Auf dem Flug von Äquatorialguinea nach Rom, wo er am Abend des Donnerstags, dem 23. April 2026 – elf Tage nach seinem Aufbruch – landete, forderte Papst Leo dazu auf, den Fokus auf das einzelne menschliche Schicksal in den tragischen Situationen dieser Welt zu richten und eine Kultur des Friedens zu fördern.

„Es gibt viele menschliche Situationen, und ich denke, wir müssen in der Lage sein, in diesen Dimensionen zu denken“, sagte der Papst gegenüber den mitreisenden Journalisten.

Besonders bewegt zeigte er sich von dem Schicksal des Kindes auf seinem Foto: „Ich trage das Bild eines muslimischen Kindes bei mir, das während meines Besuchs im Libanon dort mit einem Schild mit der Aufschrift ‚Willkommen Papst Leo‘ gewartet hat. Er wurde in dieser letzten Phase des Krieges getötet. Es gibt viele solcher Schicksale, und wir müssen lernen, die Dinge so zu betrachten.“

Das Kirchenoberhaupt betonte seine pazifistische Grundhaltung: „Als Kirche – ich wiederhole – als Hirte kann ich nicht für den Krieg sein. Und ich möchte jeden ermutigen, Anstrengungen zu unternehmen, um Antworten zu finden, die aus einer Kultur des Friedens kommen und nicht aus Hass und Spaltung.“ Er rief dazu auf, den Rückgriff auf Gewalt bei Konflikten durch eine neue „Kultur des Friedens“ zu ersetzen.

In Bezug auf den Konflikt mit dem Iran erklärte der Papst, die entscheidende Frage sei nicht, ob das dortige Regime gewechselt werden sollte oder nicht. Vielmehr gehe es darum, wie man die Werte, an die man glaubt, fördern könne, ohne den Tod so vieler Unschuldiger in Kauf zu nehmen. Er erinnerte daran, dass der Junge auf seinem Foto ihn noch im letzten Jahr bei seinem Besuch im Libanon freudig begrüßt hatte, bevor er nun im jüngsten Krieg zwischen Israel und der Hisbollah ums Leben kam.

„Als Hirte kann ich nicht für den Krieg sein“, wiederholte er an Bord des Flugzeugs. „Ich möchte alle ermutigen, Reaktionen zu finden, die aus einer Friedenskultur entspringen und nicht aus Hass und Trennung.“

Auf die Frage angesprochen, ob er die jüngsten Hinrichtungen im Iran verurteile, antwortete Papst Leo, dass er „alle ungerechten Handlungen“ verurteile und schloss dabei ausdrücklich die Todesstrafe ein. „Ich verurteile das Nehmen von Menschenleben. Ich verurteile die Todesstrafe. Ich glaube, dass das menschliche Leben respektiert werden muss und dass das Leben aller Menschen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod geachtet und geschützt werden sollte.“

Gartentipps
Welcher Gartenbaum wächst auf welchem Boden am besten

Die Wahl eines Baumes beginnt selten mit der richtigen Frage. Die meisten Menschen suchen nach Form, Blattfarbe oder Blütezeit.

Dabei entscheidet der Boden unter den Füßen weit mehr uber den langfristigen Erfolg als die Optik im Katalog. Ein Baum, der auf lehmigem Untergrund gedeiht, kann auf sandigem Boden innerhalb weniger Jahre verkummern. Wer diesen Zusammenhang ignoriert, pflanzt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Baum, der nie sein volles Potenzial erreicht.

Lehmböden speichern Wasser und Nährstoffe besser als Sandböden, sind aber schwerer zu durchwurzeln. Baumarten wie Hainbuche, Stieleiche und Feldahorn kommen damit gut zurecht, weil ihr Wurzelsystem kräftig genug ist, um sich durch verdichtete Schichten zu arbeiten.

Sandböden draenieren schnell und trocknen im Sommer aus. Birken, Kiefern und Robinien sind an diese Bedingungen angepasst, weil sie mit wenig Feuchtigkeit auskommen und tiefe Wurzeln bilden. Wer auf Lehm eine Birke pflanzt, bekommt einen Baum, der bei Staunässe Wurzelprobleme entwickelt. Wer auf Sand eine Hainbuche setzt, schaut einem Baum beim langsamen Verdursten zu.

Weitere Informationen zu Baumarten, Standortanforderungen und verfügbaren Größen bietet die Online Baumschule Venovi, die auf ueber 160 Hektar Anbaufläche mehr als 600 verschiedene Arten kultiviert. Die Auswahl reicht von klassischen Hochstämmen bis zu mehrstämmigen Gehölzen und Spalierformen, jeweils mit Angaben zu Boden und Standortverträglichkeit.

Warum der pH Wert wichtiger ist als die Bodenart

Selbst wenn die Bodenstruktur stimmt, kann ein falscher pH Wert das Wachstum bremsen. Rhododendren und japanische Ahorne bevorzugen saure Boeden mit einem pH Wert unter 6. Auf kalkhaltigem Untergrund entwickeln sie Chlorose, eine Gelbfärbung der Blätter durch Eisenmangel, die den Baum schwächt.

Umgekehrt brauchen Obstbäume wie Kirsche und Pflaume einen leicht alkalischen bis neutralen Boden, um ausreichend Nährstoffe aufzunehmen. Ein einfacher Bodentest aus dem Gartencenter gibt Aufschluss uber den pH Wert und kostet weniger als ein falsch gepflanzter Baum, der nach drei Jahren ersetzt werden muss.

Grundwasserstand und Drainage als unterschätzte Faktoren

Manche Gärten stehen im Frühjahr wochenlang nass. Andere haben einen Grundwasserspiegel, der bis knapp unter die Oberfläche reicht. Für die meisten Baumarten ist das ein Problem, weil die Wurzeln bei Staunässe faulen. Weiden und Erlen sind Ausnahmen.

Sie vertragen nasse Standorte nicht nur, sondern bevorzugen sie. Wer einen feuchten Garten hat und trotzdem eine Buche pflanzen moechte, muss zunaechst fuer Drainage sorgen. Ohne diese Maßnahme wird der Baum in den ersten Jahren zwar wachsen, dann aber zunehmend Vitalität verlieren und anfaellig werden fuer Pilzbefall.

Die richtige Kombination aus Baumart, Boden und Standort ist keine Frage des Geschmacks, sondern eine technische Entscheidung. Wer sie bewusst trifft, pflanzt einen Baum, der Jahrzehnte lang gesund bleibt. Wer sie dem Zufall überlässt, investiert Zeit und Geld in ein Gehölz, das seine Umgebung nie wirklich annimmt.


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Israel-Sanktionr
Frankreich: Israel-Sanktionen „innerhalb weniger Tage“

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Paris – Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot hat angekündigt, dass die Europäische Union bereits in den kommenden Tagen Sanktionen gegen israelische Akteure verabschieden könnte.

Die Maßnahmen richten sich gegen Einzelpersonen oder Einheiten, die für Gewalt gegen Palästinenser verantwortlich sind, einschließlich derjenigen im besetzten Westjordanland.

Ende des ungarischen Vetos erwartet

In einem Interview mit dem Sender franceinfo am Donnerstag erklärte Barrot, dass er sich bereits „seit einem Jahr“ für Sanktionen gegen jene einsetze, die für Tötungen von Palästinensern und Brandanschläge im Westjordanland verantwortlich sind.

Er wies darauf hin, dass die Maßnahmen auf EU-Ebene bislang durch ein Veto Ungarns unter dem scheidenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán blockiert wurden. Barrot zeigte sich jedoch optimistisch, dass dieses Veto nach der Wahl des neuen ungarischen Ministerpräsidenten „aufgehoben werden könnte“. „Ich denke, es wird uns gelingen, diese Sanktionen in den kommenden Tagen zu verabschieden“, sagte er.

Forderung nach Aussetzung des Handelsabkommens

Angesichts der aktuellen Entwicklungen warnte Barrot davor, dass die EU das Handeln Israels nicht ignorieren könne, wenn dessen Politik unverändert bleibe. Damit rückt das EU-Israel-Handelsabkommen (Assoziierungsabkommen) in den Fokus, welches an die Achtung der Menschenrechte geknüpft ist. Gegenüber franceinfo stellte der Minister klar:

„Wenn die israelische Regierung ihre Politik nicht ändert, insbesondere in Gaza und im Westjordanland, können wir nicht so tun, als wäre nichts passiert.“

Sollte das Abkommen ausgesetzt werden, drohen weitreichende Handelssanktionen und der Wegfall privilegierter Zollvorteile für israelische Exporte in die EU.

Scharfe Kritik an Siedlungspolitik und humanitärer Lage

Der Außenminister bekräftigte Frankreichs Kritik und erklärte, dass Paris die israelischen Aktionen im Gazastreifen, im Westjordanland und im Libanon verurteile. Er forderte die Zulassung humanitärer Hilfe für Gaza sowie ein Ende der „illegalen Siedlungsaktivitäte

Warnung vor diplomatischer Isolation

Barrot warnte zudem davor, dass die EU das Handeln Israels nicht ignorieren könne, wenn dessen Politik unverändert bleibe. Angesichts von Forderungen, das EU-Israel-Assoziierungsabkommen auszusetzen – welches an die Achtung der Menschenrechte geknüpft ist –, betonte der Minister: „Wenn die israelische Regierung ihre Politik nicht ändert, wird der Block nicht in der Lage sein, so zu tun, als ob nichts passiert wäre.“

Der Außenminister bekräftigte Frankreichs Kritik an der israelischen Politik und erklärte, dass Paris die israelischen Aktionen im Gazastreifen, im Westjordanland und im Libanon verurteile. Er forderte die Zulassung humanitärer Hilfe für Gaza sowie ein Ende der „illegalen Siedlungsaktivitäten und des Anstiegs der Gewalt durch extremistische Siedler“ im Westjordanland.

Ziel ist politischer Kurswechsel

Gleichzeitig stellte Barrot klar, dass Frankreich nicht anstrebe, die Beziehungen zur EU allein um der Suspendierung willen abzubrechen. Jede Entscheidung müsse auf europäischer Ebene getroffen werden.

„Unser Ziel ist nicht die Suspendierung um der Suspendierung willen; unser Ziel ist es, dass sich die Dinge ändern und dass die israelische Regierung ihre Politik ändert“, so Barrot.

 


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Kampagnen gegen israel
Frankreich: Abgeordnete Gabrielle Cathala fordert Israel-Ausschluss

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Strassburg – In der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) hat sich im April 2026 eine tiefgreifende Debatte über den Verbleib Israels als Beobachterstaat entwickelt.

Die französische Abgeordnete Gabrielle Cathala (LFI-NFP) nutzte die jüngste Sitzungswoche, um eine fundamentale Neubewertung der diplomatischen Beziehungen zu fordern und die moralische Legitimität der israelischen Präsenz in der Organisation infrage zu stellen.

Cathala kritisiert „Doppelmoral“ und rassistische Gesetzgebung
Im Zentrum der Kritik steht die Unvereinbarkeit der israelischen Regierungspolitik mit den Grundwerten des Europarates. Gabrielle Cathala fand hierzu klare Worte, die sie ursprünglich auf Französisch im Parlament formulierte:

„Trotz des Ende März verabschiedeten rassistischen Todesstrafen-Gesetzes ist das israelische Parlament immer noch Beobachtermitglied in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Die Zeit der Doppelmoral hat lange genug gedauert. Der Staat Israel respektiert die Menschenrechte nicht und hat keinen Platz im Europarat.“

Diese Äußerung ist eine direkte Reaktion auf die israelischen Gesetzesinitiativen vom März 2026 zur Ausweitung der Todesstrafe. Da der Europarat die vollständige Abschaffung der Todesstrafe als universelles Prinzip und Grundvoraussetzung für jede Form der Mitgliedschaft verteidigt, sieht Cathala darin einen unheilbaren Bruch mit den Statuten der Organisation.

Spanien und europäische Partner forcieren diplomatische Konsequenzen

Die Forderung der französischen Abgeordneten steht in einem größeren europäischen Kontext. Länder wie Spanien und Irland haben in den vergangenen Monaten ihre diplomatischen Bemühungen intensiviert, um Israel international in die Pflicht zu nehmen.

Die spanische Regierung unter Pedro Sánchez drängt bereits seit Längerem auf eine Überprüfung internationaler Abkommen und fordert spürbare Konsequenzen für die Siedlungspolitik und die humanitäre Lage in den Palästinensergebieten.

Wachsende Isolation und massiver zivilgesellschaftlicher Protest

Diese Entwicklungen signalisieren eine zunehmende diplomatische Isolation Israels in Europa. Während das Land über Jahrzehnte als privilegierter Partner galt, bröckelt dieser Rückhalt nun auf institutioneller Ebene.

Flankiert wird dieser politische Druck durch eine beispiellose Mobilisierung der Zivilgesellschaft. Eine europaweite Unterschriftenaktion – „European Citizens‘ Initiative (ECI) – Justice for Palestine“ – zur Aussetzung der diplomatischen Sonderstatus erreichte im April die Marke von über 1 Million Unterzeichnern. Die Initiatoren dieser Kampagne fordern die PACE-Abgeordneten auf, den Beobachterstatus Israels formell zu suspendieren, solange die internationalen Menschenrechtsstandards systematisch missachtet werden.

Israel hält seit 1957 den Status eines Beobachters in der Parlamentarischen Versammlung. Die Organisation steht nun vor der Zerreißprobe, ob sie die Einhaltung ihrer eigenen demokratischen Standards erzwingt oder die politische Realität weiterhin ohne Sanktionen hinnimmt.

 

 


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