Überwachungsskandal
Wikileaks: NSA überwachte weite Teile der Bundesregierung

Berlin – Der US-Geheimdienst NSA hat nach Informationen von Wikileaks offenbar nicht nur Kanzlerin Angela Merkel (CDU), sondern weite Teile der Bundesregierung ausgespäht, bis hin zu einzelnen Ministern. Die Enthüllungsplattform veröffentlichte am Mittwochabend Dokumente, die sie zuvor der „Süddeutschen Zeitung“ sowie NDR und WDR zugänglich gemacht hatte. Offenbar war an einigen Abhöraktionen auch ein britischer Geheimdienst beteiligt.

Liste stammt von 2010 bis 2012

Aus den Unterlagen geht dem Bericht zufolge hervor, dass sowohl der Berliner Telefonanschluss des Bundeswirtschaftsministers als auch seine Fax-Nummer auf der NSA-Überwachungsliste stehen, zudem der Anschluss seines Büroleiters. Die Liste stammt offenbar aus der Zeit von 2010 bis 2012. Der heutige Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) war damals noch in der Opposition. Es sei aber anzunehmen, dass auch Gabriel abgehört wurde oder wird, berichten die drei Medien. Die Überwachung durch die NSA sei in der Regel an Funktionen und nicht an Personen gebunden. Der Liste zufolge gehören zu den Spionagezielen der National Security Agency (NSA) offenbar bereits seit den Neunzigerjahren nicht nur das Wirtschafts-, sondern auch das Finanz- sowie das Landwirtschaftsministerium. Demnach habe sich die NSA vor allem für die deutsche Währungs- und Handelspolitik interessiert. Das ergibt sich SZ, NDR und WDR zufolge aus der Analyse einer 69 Nummern umfassenden Selektoren-Liste. Bei den Wikileaks vorliegenden Selektoren handelt es sich offenbar sowohl um in der Vergangenheit überwachte Anschlüsse als auch um aktuelle Anschlüsse. Gespräche, die über in den Selektoren aufgeführte Nummern liefen, würden normalerweise automatisch von Computern aufgezeichnet. Die Überwachung reiche mindestens bis in die Neunzigerjahre zurück. So finde sich auf der Liste die damalige Bonner Büronummer des früheren Finanzministers Oskar Lafontaine mit dem Eintrag: „Finance. Min. Lafont“. Lafontaine war 1999 als Minister zurückgetreten. Lafontaines Bonner Nummer, die in den NSA-Unterlagen steh, sei bis heute in Betrieb, berichten die drei Medien. Wer sie anrufe, lande im Vorzimmer von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Auch die aktuellen Nummern mehrerer Staatssekretäre des Bundesfinanzministeriums finden sich dem Bericht zufolge in der Liste. Aufgeführt sei zudem die Europäische Zentralbank. Im Visier der NSA steht offenbar auch das Bundeslandwirtschaftsministerium. Auch fänden sich darin frühere Nummern der Wirtschaftsabteilung des Auswärtigen Amtes und die zentralen Einwahlnummern verschiedener Ministerien. Barbara Hendricks, Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller sowieso Werner Gatzer wurden überwacht Zu den offenbar überwachten Politikern gehöre auch die damalige parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Barbara Hendricks, die heute das Bundesumweltministerium führt. Außerdem stünden auf der Liste der Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller sowie Werner Gatzer, der seinerzeitige Kabinettsreferent der SPD-Finanzressortchefs Lafontaine und Hans Eichel; heute ist Gatzer Haushaltsstaatssekretär. Vorige Woche hatte Wikileaks Unterlagen über NSA-Lauschangriffe auf drei französische Staatspräsidenten veröffentlicht. Diese Dokumente stammen, wie auch die Deutschland betreffenden Unterlagen, offenkundig nicht von Edward Snowden, sondern von einer anderen, bislang nicht identifizierten NSA-Quelle. Die Bundesregierung erklärte auf Anfrage, der Sachverhalt sei ihr nicht bekannt. Ein Regierungssprecher fügte hinzu: „Ohne nähere Kenntnis des zugrunde liegenden Sachverhalts ist der Bundesregierung eine Bewertung derzeit nicht möglich.“ (dts)  

Solidaritätszuschlag
Steuerzahlerbund: Schäuble hält 2016 an „Politik des Abkassierens“ fest

Berlin – Der Bund der Steuerzahler hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vorgeworfen, auch bei seiner Haushaltsplanung für 2016 mit dem Solidaritätszuschlag an einer Politik des „Abkassierens“ festzuhalten. „Der Soli hat keine inhaltliche Aufgabe mehr und ist verfassungsrechtlich bedenklich“, sagte Präsident Reiner Holznagel der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er appellierte an das Bundeskabinett, das am Mittwoch den Etatentwurf verabschieden will, den Zuschlag abzuschaffen. Nur noch ein Bruchteil davon brauche die Politik für den Aufbau Ost. Die Kassen des Bundes seien zudem gut gefüllt und würden Jahr für Jahr voller. Der Bund könne problemlos den Abbau des von den Bürgern ungeliebten Solidaritätszuschlags einleiten und sich dennoch über weiter steigende Steuereinnahmen freuen, meinte Holznagel. „Wenn die Regierung nicht zügig handelt, ist die Grenze zur Arbeitsverweigerung gegenüber den Bürgern zum Greifen nah“, betonte er. Im kommenden Jahr erwartet Schäuble laut Haushaltsentwurf fast 260 Milliarden Euro an Steuereinnahmen. Endgültig verabschiedet wird der Etat im November vom Bundestag. (dts)  

Gründungen rückläufig
Zahl der Existenzgründer sinkt seit 5 Jahren

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Berlin – Die Zahl der Existenzgründer ist in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gesunken. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag hervor, die der „Rheinischen Post“vorliegt. So wagten im Jahr 2010 insgesamt 417.000 Existenzgründer den Schritt ins eigene Gewerbe. Im vergangenen Jahr waren es nur 309.900. Zum Vergleich: Im Jahr 2004 lag die Zahl sogar bei 572.500. Die Bundesregierung beruft sich bei den Angaben auf Daten des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn und auf den KfW-Gründungsmonitor. Grünen-Vize-Fraktionschefin Kerstin Andreae kritisierte angesichts der Daten: „Deutschland ist Gründungsentwicklungsland. Die Bundesregierung redet viel über Innovation und Gründungskultur. Konkret tut sie allerdings kaum etwas, um die rückläufigen Gründungen in Deutschland abzuwenden.“ Die Grünen-Politikerin beklagte auch, Gründer müssten zurzeit im ersten Jahr die fällige Umsatzsteuer monatlich erklären und abführen. Das sei „aufwendig und geradezu absurd“. Sie forderte: „Gründerinnen und Gründer brauchen Welpenschutz.“ Sie sollten in den ersten beiden Jahren loslegen können, ohne von „Regeln und Bestimmungen“ erschlagen zu werden. Seit 2003 gab es der Bundesregierung zufolge insgesamt 7,9 Millionen Existenzgründungen, die meisten davon im Bereich Handel, Gastgewerbe, Verkehr, Information und Kommunikation. Etwa 30 Prozent der Gründer müssen ihr Geschäft innerhalb der ersten drei Jahre wieder aufgeben. (dts)  

Griechenland zahlt Kreditrate nicht

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Washington – Die griechische Regierung hat eine fällige Kreditrate in Höhe von 1,55 Milliarden Euro nicht fristgerecht an den Internationalen Währungsfonds (IWF) überwiesen. Das Geld sei nicht eingegangen, so ein Sprecher des IWF in Washington. „Wir haben den Exekutivrat informiert, dass Griechenland nun in Zahlungsverzug ist und erst wieder Hilfen vom IWF erhalten kann, wenn der Rückstand beglichen wurde.“ Die Athener Regierung hatte den Ausfall der Zahlung bereits im Vorfeld angekündigt und sich vergeblich um eine Verlängerung der Rückzahlungsfrist bemüht. Griechenland ist damit das erste entwickelte Land, das seine Schulden beim IWF nicht fristgerecht zurückzahlen kann. (dts)  

Grexit
Türkei bietet Griechenland Hilfe aus der Krise an

Türkische Hilfe für Griechenland

Ankara (nex) – Premierminister Ahmet Davutoğlu gibt in einer Pressekonferenz bekannt, dass die türkische Regierung auf höchster Ebene mit Griechenland zusammenarbeiten wird, um Lösungen aus der Finanzkrise zu finden. Der türkische Premierminister Ahmet Davutoglu gab am Dienstag in einer Pressemitteilung in Ankara bekannt, dass die Türkei bereit ist, gemeinsam mit Griechenland einen Ausweg aus der Finanzkrise zu finden. „Wir sind bereit, alles erdenklich Notwendige zu tun, um die Zusammenarbeit in den Bereichen Tourismus, Energie und Handel zu fördern!“ Des Weiteren fügte der Premierminister hinzu, dass sich die Türkei mit der griechischen Regierung in Verbindung setzen wird, um eine Zusammenarbeit auf höchster Ebene zu gewährleisten. Einen genauen Termin zu bestimmen, um gemeinsam über weitere Schritte aus der Finanzkrise auszuarbeiten, sei aber erst nach der Neubildung der türkischen Regierung möglich. Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, hatte Griechenland am Montag mit dem Ausschluss aus der Europäischen Union sowie aus dem Eurobündnis gedroht. In einer sehr emotionalen Rede verdeutlichte Juncker, dass eine Gegenstimme im Referendum bedeuten würde, dass Griechenland nicht bereit ist, Teil des Handelsabkommens zu bleiben. Als Antwort auf die Drohung der Europäischen Gemeinschaft gab der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis bekannt, dass seine Regierung die Europäische Kommission wegen Auferlegung von Kapitalsteuern der Banken und der Ausweisung aus dem Eurosystem verklagen wird. Am Dienstagmorgen lag noch keine Zahlung der 1,6 Milliarden Euro vor, die Griechenland dem Internationalen Währungsfonds schuldet. Somit gerät das Land in den formellen Verzug und daher sind weitere Unterstützungen und Hilfen seitens der IWF ausgeschlossen.

Börse
DAX stürzt unter die 11000-er Marke

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Frankfurt/Main – Der DAX ist am Montagmorgen im außerbörslichen Handel unter die Marke von 11.000 Punkten gestürzt. Kurz nach 8 Uhr wurde der X-DAX mit etwa 10.880 Punkten berechnet, ein Abschlag in Höhe von 5,51 Prozent gegenüber dem Xetra-Schluss vom Freitagnachmittag. Zuvor hatten schon die Börsen in Fernost Verluste verzeichnet. Die Börse in Sydney verlor 2,2 Prozent, der Nikkei 2,9 Prozent. In Griechenland hat die Börse am Montag geschlossen, ebenso wie alle Banken. Die Höhe von Bargeldabhebungen an Geldautomaten wurde auf 60 Euro begrenzt. (dts)

Islamischer Staat
„Immer mehr junge Frauen reisen nach Syrien in den Krieg“

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Berlin (dts) – Der Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, rechnet mit einem weiteren Anstieg der Zahl junger Frauen, die mit islamistischen Motiven nach Syrien und in den Irak ausreisen und hat eine Vernachlässigung dieser Entwicklung beklagt. „Ich würde davon ausgehen, dass der Frauenanteil unter denen, die jetzt ausreisen, viel höher ist als zehn oder 15 Prozent“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Donnerstagausgabe). „Und ihre Rolle wird häufig unterschätzt.“ Generell lasse sich „immer wieder feststellen, dass totalitäre Ideologien auch für Frauen attraktiv sind – etwa der Kommunismus oder der Nationalsozialismus. Ich sehe nicht, warum der Dschihadismus nicht genau so attraktiv sein sollte.“ Steinberg fügte hinzu, in den Hoheitsgebieten des IS gebe es „heute einen Quasi-Staat und ein funktionierendes Gemeinwesen, in dem Frauen auch eine Rolle spielen können“. Dies gelte bei der Verbreitung der Ideologie oder bei der Finanzierung; das sei anfangs anders gewesen. Zuvor hatte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, erklärt, dass der Anteil der jungen Frauen von 70 an 680 deutschen Ausreisern auf 100 von nun 700 Ausreisern gestiegen sei. Darunter sind über 50 Prozent jünger als 25 Jahre und zirka 15 Prozent minderjährig.

Poststreik: Die Geduld der Kunden neigt sich dem Ende zu

„Trara, Trara, die Post ist da“…. Oder nicht?

Auch nach Wochen ist im Poststreik bisher kein Ende abzusehen. Für viele Kunden wird das allmählich zu einem großen Problem, denn Millionen von Briefen und Paketen werden entweder nicht oder mit sehr großer Verspätung zugestellt. Die Geduld vieler Privatkunden der Deutschen Post neigt sich langsam dem Ende entgegen. Durch den Streik werden Rechnungen nicht zugestellt, auf die wahrscheinlich dann noch unverschuldet Mahngebühren drohen. Wichtige Bewerbungsunterlagen liegen nicht dem potentiellen Arbeitgeber vor, sondern verweilen in den Lagerhallen der Post. Aktionäre befürchten, dass die Deutsche Post auf Dauer mit großen Verlusten an Kunden rechnen muss, wenn nicht bald eine Einigung im Tarifkonflikt absehbar sein sollte. Bereits jetzt verzeichnen private Briefzustellfirmen weitaus mehr Aufträge als zuvor. Die Post entschuldigt sich für die Umstände und bittet ihre Kunden um Geduld mit dem Hinweis, dass 80% der Briefe pünktlich ihre Adressaten erreichen werde. (nex)

Polizei stürmt Wohnung
Schüsse in Dortmund: Verdächtiger wieder frei

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Fluchtfahrzeug fällt Anwohnern auf

Der Tatverdächtige konnte über Zeugenaussagen und das vor Ort aufgefallene Fahrzeug ermittelt werden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Vernehmung dauern an. Zu einem möglichen Opfer oder Verletzten gibt es bisher keinerlei Hinweise.

Die Polizei konnte eine beschossene Person aufspüren.

Fünf Personen sollen angegriffen worden sein und einer der beschossenen Personen konnte die Polizei inzwischen unverletzt aufspüren. Nach wie vor ist unbekannt ob es Verletzte gegeben hat. Laut Staatsanwalt Elmar Peus war der festgenommene 22-Jährige nicht Fahrer sondern Mitinsasse des Fluchtfahrzeugs.

Islamfeindlichkeit
Moscheebau: Morddrohungen gegen Bürgermeister

Am Samstag wird die türkisch-muslimische Gemeinde in der Hohenwarte Straße in Pfaffenhofen bei München eine Moschee eröffnen. Eine Festlichkeit, bei der den Islamgegnern nicht zum feiern zumute ist. Sie haben eine Protestkundgebung angekündigt, um gegen die Eröffnung zu demonstrieren. Der Dritte Bürgermeister Roland Dörfler (die Grüne) hat in der Zeitung ”Donaukurier” die Moscheegegner kritisiert und seine Unterstützung für das Gotteshaus zur Sprache gebracht. Er kündigte in dem Interview an, den Rednern aus der rechten Szene wird der Saft abgedreht, wenn sie sich nicht an die Auflagen halten. Nach Dörflers Gespräch mit dem Donaukurier hat der Münchener Islamkritiker und Chef der rechtspopulistischen Partei ”Die Freiheit”, Michael Stürzenberger, eine Protestkundgebung angemeldet. Außerdem veröffentlichte er auf einer islamfeindlichen Onlineseite einen hetzerischen Text über den Moscheebau in Pfaffenhofen und veröffentlichte Dörflers Gespräch mit der Zeitung sowie seine E-Mail-Aderesse. Daraufhin bekam Dörfler unzählige Mails mit Beleidigungen und Bedrohungen: ”Kanada, Israel, Amerika – aus der ganzen Welt. Aber keine Einzige aus Pfaffenhofen”, so der Grünen-Politiker. Obwohl er sogar Morddrohungen bekommen hat, lässt sich Dörfler nicht einschüchtern oder sich den Mund verbieten. Er hat bereits Strafanzeige gestellt und bekommt Unterstützung von Kommunalpolitikern aus der Stadt, die sich mit ihm solidarisiert haben. Die Polizei bestätigt die Drohungen und die Berichterstattung der Zeitung.