Marktforschung
Umfrage: Deutsche werden zum Genießervolk
Berlin – Die Verbraucher in Deutschland verwandeln sich von einem Volk der Schnäppchenjäger in ausgabefreudige Genießer. Das legen die Ergebnisse einer Umfrage der Nielsen-Marktforschung nahe, aus der die „Welt am Sonntag“ zitiert. Danach bestehe der Hauptgrund für den Neukauf von Konsumprodukten darin, dass sich der Käufer „etwas Gutes tun“ wolle.
26 Prozent der Befragten nannten dies als wichtigstes Kaufmotiv. Ebenso viele bezeichneten die Neuheit eines Produkts als Kaufgrund. Der Preis ist dagegen auf den dritten Rang der wichtigsten Faktoren bei der Abwägung der Kaufentscheidung abgerutscht. Nur für 20 Prozent der deutschen Konsumenten ist er noch vorrangig, so Nielsen. Im Rest Europas steht der Preis dagegen auf Platz eins der Kaufkriterien. Der Befund passt zu jüngsten Analysen des Statistischen Bundesamts, wonach hohe Tarifabschlüsse bei stabilen Preisen die reale Kaufkraft beflügeln wie seit 2008 nicht mehr. Nielsen hatte für seine Studie „Global New Product Innovation Survey“ mehr als 30.000 Personen in 60 Ländern online befragt. (dts)
Griechenlandkrise
Führende Ökonomen sprechen sich für den Grexit aus
Berlin – Kurz vor dem entscheidenden Referendum in Griechenland hat sich eine Reihe führender Ökonomen für einen Abschied des Landes aus der Euro-Zone ausgesprochen. Angesichts der bestehenden Probleme könnte sich eine Rückkehr des Landes in die Eigenständigkeit womöglich als die bessere Option erweisen, urteilten die Experten in einer Umfrage der „Welt am Sonntag“. „Solange Griechenland in der Eurozone ist, wird es zu erheblichen Spannungen kommen. Politische Konflikte und wirtschaftliche Probleme sind programmiert“, sagte Kai Konrad, Direktor am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen.
„Die griechische Wirtschaft würde sich viel besser entwickeln können, wenn das Land nicht im Euroraum ist.“ In den letzten Jahren hätten die Verhandlungen um Kredite und Transfers die Politik in Griechenland dominiert. „Nach dem Ausstieg könnte das Land sich wieder darauf konzentrieren, die Weichen für eine wirtschaftliche Gesundung zu stellen“, so Konrad. Für Clemens Fuest, Präsident des Mannheimer Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und designierter Nachfolger von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, setzt die Mitgliedschaft im Euro zudem voraus, dass ein Land grundlegende Spielregeln einhält: „Mit der aktuellen Regierung und den bestehenden institutionellen Defiziten ist Griechenland außerhalb der Eurozone besser aufgehoben. Wenn Institutionen und Politik sich ändern, kann das Land zurückkehren“, sagte er.
Andere Ökonomen verweisen allerdings darauf, dass das Land derzeit vermutlich nicht einmal über die notwendigen Rahmenbedingungen verfügt, um nach einem Euro-Austritt tatsächlich genesen zu können. Damit steige die Gefahr von extremen wirtschaftlichen Verwerfungen. „Eine kluge und gleichzeitig starke Regierung könnte versuchen, den Abschied aus dem Euro dazu zu nutzen, um Griechenland wieder auf die Beine zu stellen“, urteilte Peter Bofinger, Wirtschaftsprofessor in Würzburg und Mitglied des Sachverständigenrates. „Wenn allerdings Athen der Versuchung nicht widerstehen kann, die Pensionen zu erhöhen und mehr Staatsbedienstete einzustellen, um die extrem hohe Arbeitslosigkeit und die wachsende Armut der Bevölkerung zu bekämpfen – dann ist das Risiko groß, dass der Austritt aus dem Euro in einer Hyperinflation endet.“ (dts)
Griechenland
Giannis Varoufakis: Schäuble wollte den Grexit schon 2012
Berlin – Der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis hat in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble vorgeworfen, schon lange für einen Austritt Griechenlands aus dem Euro zu sein. „Schon 2012 hat Herr Schäuble deutlich gemacht, dass er einen Grexit bevorzugen würde“, sagte Varoufakis der F.A.S. Die Schuld daran, dass die Banken in Griechenland nun geschlossen sind, schob Varoufakis den Geldgebern zu: „Europa hat beschlossen uns zu erpressen, damit wir einen Vertrag unterschreiben, der für niemanden gut ist“, sagte er der F.A.S. Varoufakis zeigte sich zudem sicher, dass die Griechen am morgigen Sonntag mit „Nein“ stimmen werden und es seine Regierung nach dem Referendum noch geben werde. „Ich weiß, dass die deutsche Regierung es gerne anders hätte, aber die Griechen wahrscheinlich nicht. Sie vertrauen uns.“
Egal, wie das Referendum ausgehe, werde es aber am Montag eine Einigung geben. „Ich erwarte, dass wir am Montag eine Einigung haben werden“, sagte er, „und zwar unabhängig davon, ob bei dem Referendum mehrheitlich mit `Ja oder mit `Nein gestimmt wird“. Auf ein „Ja“ würde eine Einigung nach den Wünschen der Institutionen folgen. „Hören Sie nicht auf diejenigen, die sagen, das Angebot sei vom Tisch natürlich ist es noch da, denn das ist es ja, was sie wollen.“ (dts)
Formel I
Mercedes-Pilot Hamilton sichert sich Pole-Position
Hamilton sichert sich Pole in Silverstone – Mercedes-Pilot Lewis Hamilton hat sich im Qualifying zum Großen Preis von Großbritannien für das Rennen am Sonntag die Pole-Position gesichert. Zweiter wurde sein Team-Kollege Nico Rosberg. Auf den Plätzen drei bis acht folgen Felipe Massa (Williams), Valtteri Bottas (Williams), Kimi Räikkönen (Ferrari), Sebastian Vettel (Ferrari), Daniil Kvyat (Red Bull) und Carlos Sainz (Toro Rosso).
Nico Hülkenberg (Force India) startet von Rang neun, ihm folgt Daniel Ricciardo (Red Bull). Rennstart ist am Sonntag um 14:00 Uhr. (dts)
LKW-Maut
Bericht: Dobrindt will Lkw-Mautsystem weiter mit Toll Collect betreiben
Berlin (dts) – Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will das Lkw-Mautsystem offenbar auch nach seiner Ausweitung 2018 mit der Technik des derzeitigen Anbieters Toll Collect betreiben. Das hat das Ministerium jetzt erstmals in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion bestätigt, aus der die „Frankfurter Rundschau“ (Samstag) zitiert. Zur Begründung heißt es demnach, „bis Herbst 2018 kann kein komplett neues Mautsystem errichtet werden“.
Zuvor hatte das Ministerium es jahrelang vermieden, die nötige europaweite Ausschreibung für den Auftrag einzuleiten. In drei Jahren soll die Lkw-Maut von Autobahnen und wenigen Fernstraßen auf alle Bundesstraßen ausgeweitet werden. Der Betreiber des Erhebungssystems kann mit Milliardeneinnahmen rechnen. Die Linksfraktion kritisiert die Technik-Entscheidung als illegalen Vorvertrag mit dem „Toll Collect“-Konsortium, der gegen das Vergaberecht verstoße. Bereits Dobrindts Entscheidung, den 2015 auslaufenden Vertrag mit Toll Collect um die zulässige Höchstdauer von drei Jahren zu verlängern, sei eine Weichenstellung zugunsten des Konsortiums gewesen. Aus der Antwort des Ministeriums geht der Zeitung zufolge nun außerdem hervor, dass das Ministerium noch keine Ausschreibung für den Auftrag erarbeitet hat, die Maut-Ausdehnung vorzubereiten, also das System technisch und administrativ für die Bundesstraßen aufzurüsten. Stattdessen prüfe es mit externen Anwälten die „vergaberechtlichen Probleme bei einer freihändigen Vergabe der technischen Vorbereitung“, zitiert die „Frankfurter Rundschau“ aus dem Schreiben. Linken-Verkehrspolitiker Herbert Behrens kritisierte vor allem, dass der Bund Toll Collect bereits bei den ersten Ausweitungen auf große Bundesstraßen zu weit entgegengekommen sei: Bislang muss Toll Collect für Maut-Ausfälle auf Autobahnen „vollumfänglich“ haften laut Ministerium gilt das auf den Bundesstraßen bereits nicht mehr. „Dobrindt hatte die Vertragsverlängerung mit Toll Collect ja überhaupt damit begründet, dass Telekom und Co. die Risiken tragen“, sagte Behrens der „Frankfurter Rundschau“. „Das erweist sich nun als Farce.“
Hungersnot
Auswärtiges Amt: Weitere Million für Jemen
Berlin (dts) – Das Auswärtige Amt stellt eine weitere Million Euro für humanitäre Hilfe im Jemen zur Verfügung. „Angesichts der dramatischen humanitären Lage wurde für Jemen der humanitäre Notstand ausgerufen“, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, Christoph Strässer, am Freitag. „Das Ausmaß des menschlichen Leidens ist kaum vorstellbar: Extreme Armut, Konflikte, Flüchtlingsströme, Hungersnot, Trinkwasserknappheit, Treibstoffmangel, sowie Tausende von Fällen des Denguefiebers und anderer Krankheiten – all dies sind Facetten einer der größten humanitären Krisen weltweit. Inzwischen sind 21 Millionen Menschen, das sind 80 Prozent der Bevölkerung, dringend auf Unterstützung der internationalen Gemeinschaft angewiesen.“
Deshalb sei entschieden worden, die humanitäre Hilfe für das Konfliktland weiter aufzustocken. „Ich rufe angesichts der humanitären Notlage alle Konfliktparteien auf, umgehend der von den Vereinten Nationen geforderten humanitären Waffenpause zuzustimmen und diese strikt einzuhalten. Der Konflikt darf nicht auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen werden“, betonte Strässer. „Die humanitäre Hilfe muss allen Teilen der notleidenden Bevölkerung zugutekommen, Hilfspersonal und Lieferungen dürfen nicht behindert werden.“ Die Vereinten Nationen haben in dieser Woche den humanitären Notstand in Jemen ausgerufen. Damit gehört das Land nun zusammen mit Irak, Südsudan, der Zentralafrikanischen Republik und Syrien zu den Ländern, in denen die höchstmögliche Krisenstufe erreicht ist.
Galatasaray Istanbul
Lukas Podolski wechselt zu Galatasaray Istanbul
Istanbul – Nationalspieler Lukas Podolski wechselt laut eines Berichts der „Bild“ von Arsenal London zu Galatasaray Istanbul. Er werde bis bis 2018 unterschreiben, heißt es in dem Bericht. „Wir hatten sehr gute Gespräche mit Wenger“, sagte Podolskis Berater Nassim Touihri zu „Bild“.
„Er wollte eigentlich Lukas behalten, konnte ihm aber keine Stammplatz-Garantie geben. Deshalb haben wir uns auf einen Wechsel verständigt.“ Podolskis hatte im Jahr 2012 beim FC Arsenal einen Vertrag bis 2016 unterzeichnet. (dts)
Ukrainekrise
Russlands Energieminister bekennt sich zu Europa
Moskau – Trotz des Dauerstreits mit der Ukraine und den Sanktionen des Westens gegen Russland, bekennt sich der russische Energieminister Alexander Nowak zu Europa: „Wir haben Europa immer als unseren strategischen Partner angesehen mit historisch gewachsenen Beziehungen im Energiebereich. Russland war immer ein zuverlässiger Energielieferant für Europa, und das bauen wir jetzt mit neuen Pipelines aus“, sagte Nowak dem „Handelsblatt“ Gleichzeitig wolle Russland aber auch am Aufschwung Asiens teilhaben. „Die Wirtschaft im asiatisch-pazifischen Raum wächst stark und damit auch die Nachfrage nach Energie. Der Boom in Asien ist gerade für den östlichen Teil unseres Landes eine enorme Chance, die wir nutzen wollen“, sagte Nowak.
Besonders mit China vertieft Russland seine Wirtschaftskooperation durch Energielieferungen sowie mehrere gemeinsame Infrastrukturprojekte. (dts)
Umfrage
Deutsche sind mit der Bundesregierung sehr zufrieden
Berlin (dts) – 57 Prozent der Deutschen sind einer Umfrage des „ARD-DeutschlandTrends“ zufolge mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden oder sehr zufrieden: Das sind dem fünf Punkte mehr als im Vormonat. Der Wert liegt damit nur zwei Punkte unter dem höchsten für eine Bundesregierung im „DeutschlandTrend“ jemals gemessenen Wert von 59 Prozent Zustimmung im August 2014. 42 Prozent der Befragten sind mit der Bundesregierung aktuell weniger beziehungsweise gar nicht zufrieden. Auf Platz eins der Liste der beliebten Politiker liegt Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit 73 Prozent Zustimmung.
Es folgt Finanzminister Wolfgang Schäuble. 70 Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit zufrieden beziehungsweise sehr zufrieden. Bundeskanzlerin Angela Merkel erreicht 67 Prozent Zustimmung. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel kommt auf 50 Prozent Zustimmung . Innenminister Thomas de Maizière kommt auf 45 Prozent Zustimmung. In der Sonntagsfrage liegt die Union mit 40 Prozent weiterhin vorn. Die SPD kommt auf 25 Prozent. Die Grünen erreichen elf Prozent, die Linke zehn Prozent. Die FDP erreicht fünf Prozent, die AfD ebenfalls fünf Prozent.
Unternehmensgründungen
Wirtschaftsinsitut: Schulen müssen für eine bessere Gründerkultur sorgen
Köln (dts) – Deutschland muss nach Überzeugung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) schon in den Schulen für eine bessere Gründerkultur sorgen, um dem drastischen Absinken der Zahl von Unternehmensgründungen entgegenzuwirken. Dieser Vorschlag steht im Mittelpunkt eines bislang unveröffentlichten IW-Aktionsplans, der der „Rheinischen Post“ vorliegt. Innerhalb der letzten zehn Jahre sei die Zahl der Firmengründungen von 573.000 auf unter 310.000 gesunken, erläutert das IW nach Angaben der Zeitung.
Als eine der Ursachen für die unterentwickelte Gründerkultur in Deutschland sehe das Institut die Schulbildung. Nur 17 Prozent der Schüler sagten, dass ein positives Unternehmerbild vermittelt und Interesse an der Selbstständigkeit geweckt worden sei. Auch die Politik leistet laut IW einer „hohen Risiko-Aversion der Bevölkerung Vorschub“, indem der Staat durch seine Sozialpolitik und wachsende Regulierung „alle potenziellen Risiken auszuschalten“ versuche.
Es gebe zwar bereits 190 Förderprogramme für Gründer von Bund, Ländern und EU. Diese erreichten jedoch vor allem die ohnehin daran Interessierten, seien zu wenig vernetzt und müssten mehr auf Erfolgssparten konzentriert werden. Viel zu tun sei bei der gezielten Ansprache von Frauen, da sie eine regelrechte „Gründungsscheu“ hätten und ihr Anteil etwa in der IT-Branche nur acht Prozent betrage. Nachdrücklich fordern die Ökonomen, die Gründerzuschüsse der Arbeitsämter wiederzubeleben.
Zudem müsse die Bürokratie verringert werden. In Deutschland erfordere eine Gründung im Schnitt 15 Tage mit neun behördlichen Genehmigungsprozeduren, während etwa in Kanada eine Online-Anmeldung reiche. Deshalb vermisse das IW Fortschritte beim E-Government.

