Samuel L. Jackson schätzt Handy-Verbot bei Quentin Tarantino

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Los Angeles – Hollywood-Star Samuel L. Jackson verbringt normalerweise seine Drehpausen am Filmset in einem Wohnwagen. Ganz anders war das bei „The Hateful Eight“, dem neuen Film von Quentin Tarantino. „Er mag ja keine elektronischen Geräte am Set“, sagte Jackson mit dem Nachrichtenmagazin Focus. „Und deshalb konnte niemand sich zwischen den Szenen in sein Handy vergraben. Wir wurden eine echte Gemein­schaft, ein eingeschworenes Team und haben viel miteinander geredet.“ Für Jackson, der mit Tarantinos „Pulp Fiction“ seinen Durchbruch erlebte, ist die Arbeit mit ihm einzigartig. „Quentins Drehs sind immer etwas Besonderes. Jeder kennt da jeden, hat man das Gefühl. Und bei den mehr als 100 Filmen, die ich gedreht habe, kam das sonst nie vor.“ (dts)  

Schantall und die Scharia
Im Rausch gegen Erdoğan

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Von Fabian Köhler

Wenn in der Türkei wählt wird, verfallen deutsche Medien in einen kollektiven Anti-Erdoğan-Rausch. Und tatsächlich gibt es vieles zu kritisieren: die immer größer werdende soziale Ungleichheit, der Umbau des parlamentarischen Systems, die Syrien-Politik und und und. Auch die vermeintlich drohende Islamisierung steht bei vielen deutschen Medien hoch im Kurs der Erdoğan-Kritik. Einer der vermeintlichen Beweise hierfür: die strikten Alkoholgesetze des Landes.

In einem ausführlichen Artikel zum Rauschzustand der türkischen Gesellschaft stellt „DIE WELT“ zum Beispiel erschrocken fest:
„Nach Angaben der OECD trinken die Türken durchschnittlich gerade einmal 1,5 Liter Alkohol pro Jahr. Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt liegt bei 10,7 Litern.“
Dafür kann man die Türken entweder beglückwünschen oder eben etwas von Islamisierung lallen:
„Kritiker werfen der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP vor, mit dem Antialkoholgesetz der schleichenden Islamisierung der Türkei den Weg zu bereiten. … Der Säkularismus, die strikte Trennung von Staat und Religion, seit der Staatsgründung von 1923 in der Verfassung verankert, werde durch solche Gesetze ausgehebelt“
Oder noch etwas platter: „Den Islamisten ist Alkoholkonsum ein Dorn im Auge.“ Die Gesetze, die den Verkauf und Konsum von Alkohol einschränken und auf die der Artikel verweist, gibt es in der Türkei wirklich. Nur, gibt es sie eben nicht nur dort.
„Seit dem 9. September 2013 ist es in der Türkei verboten, auf öffentlichen Plätzen und in Parks Alkohol zu trinken.“
Das stimmt. Und damit befindet sich die Türkei in einer Reihe mit vielen anderen Ländern wie Finnland, Irland, Österreich, Portugal, Schweden… Eigentlich gibt es in fast allen EU-Staaten solche Einschränkungen. Die reichen vom Alkoholverbot in Schulen (Italien) bis zum vollständigen Verbot, Alkohol im öffentlichen Raum zu trinken (Norwegen).
„Zwischen 22 Uhr und sechs Uhr morgens ist der Alkoholverkauf sogar komplett verboten.“
Solche Zustände gibt es ansonsten nur in Saudi Arabien – und zum Beispiel in Schweden, Norwegen, Finnland und Schottland. Ganz besonders übel mitgespielt wird all jenen, die erst einmal ein Bier zum wach werden brauchen, in Irland. Dort kann man sich erst ab 10.30 Uhr betrinken.
„Die Getränke dürfen durch die Ladenfenster nicht zu erkennen sein“
Für Besoffene, denen jede zusätzlichen Ladentreppe zum lebensgefährlichen Hindernis werden kann, sicherlich eine schlimme Sache. Noch schlimmer wäre da nur noch, wenn der Staat komplett entscheiden würde, wo Alkohol verkauft werden darf und die entsprechenden Lizenzen nur an ausgewählte „Liquor Shops“ verteilt. Das ist zum Beispiel in den Niederlanden, Finnland, Norwegen, Schweden und Großbritannien der Fall.
„Auch im Fernsehen ist Alkoholreklame strikt untersagt.“
Das sind ja Zustände wie in – Schweden. Dort ist sogar jegliche Werbung für Alkohol untersagt. Auch in der Schweiz und in Finnland darf für Hochprozentiges nicht geworben werden.
„…große Warnhinweise, wie man sie sonst auf Zigarettenschachteln finden kann, prangen auf Flaschen und Dosen.“
Damit dürften der Türkei bald portugiesische Zustände drohen. Denn dort werden schon längst Schwangere und Autofahrer mit solchen Hinweisen vor dem Konsum von Alkohol gewarnt. Das EU-Parlament befasst sich zurzeit sogar mit einem Antrag, der Warnhinweise in der ganzen Europäischen Union vorschreiben soll. Zumindest in dieser Hinsicht steht einem EU-Beitritt der Türkei dank Erdogans Politik also nichts entgegen.     Mehr zum Thema:

Neve-Shalom-Synagoge: Juden beten für Erdogan und Türkei

Erschienen auf Schantall und die Scharia

"Dracula" gestorben
Sir Christopher Lee alias „Dracula“ ist tot

Seine Vorfahren entstammten Adelsgeschlechter, den Carrandini, das bis zu Karl dem Großen zurückreicht.

Der im Jahr 1922 in London geborene Christopher Frank Carandini Lee entstammte mütterlicherseits einem der ältesten italienischen Adelsgeschlechter. Sein Vater war Brite. Im Jahre 1958 wurde er als Graf Dracula weltberühmt. Des Weiteren spielte der ehemalige Soldat der britischen Luftwaffe in mehr als 30 Filmen kleinere Rollen. Im Jahr 1957 wurde er als Monster in dem Werk „Frankensteins Fluch“ bekannt für den Mann für Grusel und Schrecken. Als Gegenspieler von James Bond spielte er in dem Film „Der Mann mit dem goldenen Colt“ im Jahr 1974 den Bösewicht Francisco Scaramanga. Mit beinahe 80 Jahren war Christopher Lee in die Rolle des Zauberers Saruman in der Trilogie „Herr der Ringe“ zu sehen. Im vergangenen Jahr glänzte er schauspielerisch in dem Film „Der Hobbit“. 1992 erhielt Christopher Lee eine Auszeichnung der besonderen Art, indem er von Queen Elizabeth II. zum Knight Bachelor ernannt wurde und sich so mit dem Adelstitel „Sir“ schmücken durfte. Neben seiner Schauspielkarriere nahm „Dracula“ auch unter anderem zwei Heavy Metal Alben auf. Berichten des Telegraph zufolge wurde Sir Christopher Lee vor seinem Tod mit Atem- und Herzproblemen in ein Londoner Krankenhaus eingeliefert, indem er bis zu seinem Tod behandelt wurde. (nex)

„Winnetou“-Darsteller verstorben

Winnetou Darsteller stirbt am Samstagmorgen in einem Pariser Krankenhaus
Am Samstag verstarb der 86-jährige an den Folgen einer Lungenentzündung. Pierre Brice spielte den Indianerhäuptling in insgesamt elf Karl-May Filmen, die Meisten an der Seite seines amerikanischen Schauspielkollegen Lex Barker als „Old Shatterhand“. Nach seiner Filmkarriere begeisterte er seine Anhänger als Winnetou bei den Karl-May-Festspielen auf der Freilichtbühne in Elspe im Sauerland. Auch in seinem Privatleben engagierte sich Pierre Brice, indem er im Jahr 1995 eine Spendensammlung für die Menschen im vom Bürgerkrieg betroffenen Bosnien-Herzegowina organisierte. Im Zweiten Weltkrieg war er Botenjunge für französische Nachrichtenagenturen und Mitglied der Resistance. In den Jahren danach kämpfte er als Soldat in Indochina und Algerien, wofür er eine Anerkennung von Frankreich erhielt. Zuletzt lebte der in Brest geborene Pierre Brice mit seiner deutschen Frau in Garmisch-Partenkirchen, in der Nähe von München. (NEX)

"Ideologische Verwandtschaft"
Haaretz: „Hamas betreibt auf türkischem Boden Traningscamps“

Ankara (eurasia/nex) – Laut Berichten der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ habe der türkische Geheimdienst Millî İstihbarat Teşkilâtı/MİT (zu Deutsch: Nationaler Nachrichtendienst) eine Bitte an Salah al-Arouri gerichtet, die Operationen in der Westbank nicht mehr offen von der Türkei aus zu organisieren und anzuleiten.

Der türkische Geheimdienst soll sich der Aktivitäten al-Arouris, der sich als Widerstandskämpfer versteht und davon ausgeht, dass Ankara die Hamas auch als solche grundsätzlich akzeptiert, lange bewusst gewesen sein. Unbestätigten israelischen Informationen zufolge betreibe die Hamas auf türkischem Boden Trainingscamps, rekrutiere Mitglieder sowie plane und leite militärische Operationen gegen das israelische Militär von der Türkei aus.

Bisher habe die Türkei, die von der „Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung“, kurz AKP, regiert wird, bezüglich der Aktionen der Hamas bewusst weggesehen. Grund dafür sei eine ideologische Verwandtschaft der AKP zur Hamas. Beide würden ihre Wurzeln in der Bewegung der „Muslimbruderschaft“ haben, die für ein konservatives Islamverständnis steht, aber die demokratische Legitimation im Staat als Grundlage für die Machtausübung suche. Vor kurzem änderte sich das jedoch, hieß es in einem Bericht, nachdem sich israelische Verteidigungsoffizielle in Washington über vermeintliche Hamas-Trainingscamps, die in der Türkei unterhalten werden, beschwert hatten. Die Türkei ist ein Mitglied des westlichen Militärbündnisses NATO und wird als Alliierter der Vereinigten Staaten wahrgenommen.

Daraufhin forderten US-Behörden eine Erklärung von Ankara, das unmissverständlich entgegnete, dass al-Arouri seine Aktivitäten künftig herunterschrauben werde. Die Türkei will vermeiden, dass Washington von der Regierung in Jerusalem dazu verleitet wird, Ankara als Terrorunterstützer zu brandmarken.

Weil andere Staaten hochrangige Hamas-Mitglieder eben des Drucks wegen, den Israel beispielsweise in Washington ausübt, nicht aufnehmen wollen, hat sich die Türkei aus Solidarität mit dem Schicksal des palästinensischen Volkes bereiterklärt, zahlreichen Hamas-Aktivisten Asyl zu gewähren. Zudem erhofft sich Ankara bei einem Wegfall der Wirtschaftsblockade über die Palästinensergebiete besondere Handelsprivilegien im Gegenzug. Während viele westliche Staaten die Hamas als Terrororganisation listen, betrachtet der amtierende türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Mitglieder der Organisation als „Freiheitskämpfer“. Auch Russland, die Schweiz und Norwegen listen die Hamas nicht als Terrororganisation, dennoch werden Terrorakte seitens der Organisation oder ihrer Miliz, die Qassam-Brigade, strikt abgelehnt.   Erschienen auf eurasianews.de 

PKK
2 Tote und hunderte Verletzte durch Explosionen bei Wahlveranstaltung in der Türkei

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2 Tote und hunderte Verletzte durch Explosionen bei Wahlveranstaltung in der Türkei

Diyarbakir (nex) – Am Freitag sind bei Explosionen während einer Abschlusskundgebung der prokurdischen Partei HDP zwei Menschen getötet und mehrere Hundert verletzt worden. Zur Wahlveranstaltung  in der südosttürkischen Stadt Diyarbakır waren einige tausend Anhänger der Partei erschienen, um die abschließenden Worte des HDP-Vorsitzenden Selahattin Demirtas kurz vor Öffnung der Wahllokale am kommenden Sonntag zu hören. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi ereigneten sich die Explosionen kurz vor Beginn der Rede des Parteioberhauptes. Nach ersten Berichten zufolge sollen technische Probleme an einem Transformator Ursache für die Explosionen sein. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu schließt einen Anschlag nicht aus und gibt bekannt: „Was immer hinter diesem Vorfall steckt-ob es eine Trafo-Explosion war, ein Attentatsversuch, ein Akt der Provokation-wir werden es untersuchen“. Nachdem die Veranstaltung abgebrochen wurde, warfen Anhänger der HDP Steine auf Polizisten vor Ort und beschuldigten in Sprechchören den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als Mörder. Die Polizei reagierte daraufhin mit Wasserwerfern, um die Menge aufzulösen. Die prokurdische Partei HDP kandidiert erstmals in der Geschichte der Türkei bei einer Parlamentswahl. Bislang waren die Kurden nur als Direktkandidaten im Parlament vertreten. Um als Partei Einzug zu halten, muss die vorgegebene zehn-Prozent-Hürde überwunden werden.

Türkische Einwanderung
Bundesagentur für Arbeit bittet Türkei um Fachkräfte, doch Türken lehnen ab

Fachkräftemangel in Deutschland: Warum die Türken dankend ablehnen

Istanbul (nex) – Viele Handwerksbetriebe in Deutschland suchen nach wie vor händeringend Fachkräfte, die Hierzulande nur noch begrenzt zur Verfügung stehen. In den ersten Monaten dieses Jahres sind über 400.000 offene Stellen allein im Bereich Technik zu verzeichnen. In den 60er Jahren war die Bundesrepublik aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen und die Politik liebäugelt seit einigen Jahren erneut mit diesem Gedanken. Aus diesem Grund erhielt das türkische Arbeitsminitsterium eine Anfrage des deutschen Bundesministeriums für Arbeit und Soziales mit der Bitte um Vermittlung von Fachkräften im Bereich Elektrotechnik, Mechanik, Metallverarbeitung, Logistik, Gesundheit und Automobilbau. Die Anforderungen an die türkischen Mitarbeiter wurden bei mehrmaligen Zusammenkünften mit der ISKUR im Rahmen einer Vermittlung von Übergangsfachkräften besprochen und beschränken sich dabei auf mittelmäßige Deutschkenntnisse, wie das deutsche Ministerium mitteilte. Der Mindestlohn beläuft sich je nach Tätigkeitsgebiet auf 1.475€ Brutto monatlich. Das türkische Arbeitsministerium ISKUR erklärte sich bereit, potentiellen Arbeitnehmern aus der Türkei die Stellenangebote zu unterbreiten. Ersten Rückmeldungen zufolge lehnen die arbeitslosen Fachkräfte eine Tätigkeit in Deutschland jedoch ab, weil sie die Lebensqualität in der Türkei besser fänden als in Deutschland.
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Studie: Türken wollen nur noch zum Shoppen nach Europa

Deutsche Bahn
Bahnstreik: Claus Weselsky lehnt Schlichtung des Streiks ab

Ab heute stehen in Deutschland mal wieder die Räder still. Zumindest zwei Drittel derer, die auf Schienen einen nicht unwesentlichen Teil des Personen- und Gütertransports in der Republik bewegen. Grund dafür ist der groß angelegte Streik der GDL, der Gewerkschaft Deutscher Lokführer. (nex)
Erst heute Mittag lehnte Gewerkschaftsvorsitz Claus Weselsky eine Schlichtung des Streiks mit deutlichen Worten ab. Politiker wie Sigmar Gabriel, allerdings auch der Deutsche Beamtenbund, hatten eine Schlichtung gefordert. Aus Sicht der GDL und ihrem Vorsitzenden ist dafür allerdings keine Grundlage gegeben, da es in dem Streik um Grundrechte geht, die nicht in einer Schlichtung relativiert werden dürfen. Denn es sei die Bahn, die sich nicht an Urteile halte, aber immer wieder in ein Art Opferrolle gestellt würde. Immerhin steht der GDL zu autark und unabhängig über Tarifverträge seiner Mitglieder zu verhandeln. Die DB aber wolle genau dies verhindern und setzt auf Eingungen mit der größeren Partnergesellschaft der GDL, der EVG. Eine Eskalation des Streikes wirft Weselsky der Bahn vor, da diese die Verhandlungen immer wieder mit einer Verzögerungstaktik aufs Spiel setze. In Weselskys Augen wäre es Aufgabe der Politik und Regierung auf den Bahnvorstand einzuwirken und zu einem Einlenken zu bewegen um Eigentum der Regierung zu schützen. Der Streik hat heute im Güterverkehr begonnen und wird im Personenverkehr am Dienstagmorgen fortgesetzt und bis Sonntag dauern. Es könnte der bisher längste Streik bei der Bahn werden und ist der achte Streikfall seit dem 2014 begonnen Tarifstreit. Neben höherer Entlohnung und besseren Arbeitsbedingungen geht es der GDL auch für Zugbegleiter und Rangierführer Tarifverträge verhandeln zu dürfen. Da neben dem Personen- auch der Güterverkehr bestreikt wird, fürchtet die deutsche Wirtschaft erhebliche Schäden. Eric Schweitzer, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK),schätze die Höhe gegenüber dem „Handelsblatt“ auf insgesamt bis zu einer halben Milliarde Euro. „Wenn der Streik wie angekündigt sechs Tage dauert, kommt die Lieferkette ins Stocken.“

Terrorismus
Istanbul: Geiselnahme durch Linksterroristen endet tödlich

Geiselnahme in der Türkei endet tödlich

Istanbul (nex) – Zwei Mitglieder einer linksterroristischen Volksbefreiungspartei DHKP-C nahmen am Dienstag in einem Istanbuler Gerichtsgebäude einen Staatsanwalt als Geisel, der Ermittlungen am Tod eines Jungen durch Polizeigewalt bei den Gezi-Park Unruhen 2013 durchführte. Nach Berichten der TAZ zufolge forderten die Geiselnehmer eine schnelle Aufklärung des Sachverhaltes und eine Veröffentlichung der Namen der beteiligten Polizeibeamten. Nach 6 stündiger Verhandlung durch Vermittler beschloss der zuständige Einsatzleiter die Stürmung des Gerichtsgebäudes, da Schüsse vernommen worden waren. Präsident Recep Tayyip Erdogan gab in einer Pressekonferenz bekannt, dass die Täter im Schusswechsel mit der Polizei tödlich getroffen wurden. Sie hatten sich zuvor als Anwälte ausgegeben und konnten so Zutritt in das Gebäude erlangen. Der Staatsanwalt sei zunächst durch Schüsse in den Kopf und in den Körper getroffen worden, erlag aber nach kurzer Zeit seinen Verletzungen.

Kommentar
Gezi-Proteste: Ein Rückblick

Von Yasin Baş Die Gezi-Proteste sind vorüber. Die Türkei macht Sommerferien. Wochenlang haben westliche Medien, insbesondere auch unsere Anstalten und Blätter, über die, wie sie es nannten, „Volksaufstände“ in der Türkei berichtet. Die – um es diplomatisch zu formulieren: stark monoperspektivisch geprägte – Berichterstattung wurde zweifellos auch bei den in Deutschland lebenden Türken und türkischstämmigen Deutschen registriert. Tagtäglich wurden planmäßig Berichte und Bilder angeblicher oder tatsächlicher „brutaler Polizeigewalt“ in Print- und Onlinemedien sowie TV-Nachrichten lanciert. Interviews wurden dabei fast ausschließlich von Regierungsgegnern und so genannten „Opfern der Polizeigewalt“ verbreitet. Ein bekanntes deutsches Nachrichtenmagazin, das seit einigen Jahren eher auf dem Niveau hiesiger Boulevardzeitungen berichtet, hat sogar erstmals einen Teil seiner Ausgabe auch in türkischer Sprache produziert. Politiker aller Parteien haben die Türkei mit Belehrungen in punkto Rechtsstaatlichkeit überhäuft. Einige sind sogar selbst zu den Protesten gereist, um sich später mit geschwollenem Gesicht von Pressefotografen ablichten zu lassen und so der Stadt und dem Erdkreis zu demonstrieren, wie schlimm doch die „Polizeibrutalität“ beim EU-Beitrittskandidaten wäre. Gewaltmonopol liegt beim Staat In demokratischen Gesellschaftssystemen liegt das Gewaltmonopol regelmäßig beim Staat, sprich bei der Polizei. Niemand hat das Recht, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden. Diesem Grundsatz wird bei Bedarf notfalls auch unter Einsatz unmittelbarer Zwangsmittel Geltung verschafft. Wer das nicht glauben mag, kann sich die Bilder der Mai-Demonstrationen der letzten Jahre in Berlin und Hamburg ansehen, kann einen Blick auf die tagelangen, gewalttätigen Ausschreitungen während des G8-Gipfels in Heiligendamm, auf das Vorgehen der Polizei gegen die Castor-Gegner, Stuttgart 21 oder der „kapitalismuskritischen“ Occupy-Bewegung vor Augen führen. Wenn Demonstranten Sitzblockaden veranstalten, sich an Gleise ketten oder sogar Gewalt gegen die Polizei anwenden, öffentliche Einrichtungen oder Privatbesitz zerstören und in Brand setzen, dann ist es wohl nicht unmöglich, nachzuvollziehen, dass die Polizei irgendwann mal gezwungen ist, zu reagieren. „Die Freiheit eines jeden hört dort auf, wo die Freiheit eines anderen beginnt.“ Dieses Credo, das man schon in der Grundschule lernt, sollte eigentlich auch den „Freiheitsfalken“ und Universitätsabsolventen vom Taksim-Platz und dem Gezi-Park bekannt sein. Die Bilanz des Zerstörungswahns durch die in hiesigen Medien als „Freiheitsaktivisten“ gelobten Randalierer in der Türkei: 45 Rettungsfahrzeuge, 90 öffentliche Verkehrsbusse, 60 öffentliche Gebäude, Bushaltestellen, 12 Parteibüros, 215 private PKW, 340 Geschäfte, 240 Polizeifahrzeuge und 70 öffentliche Überwachungskameras. Ein toter und ein schwerverletzter Polizeibeamter. Moralische Hilfe durch manipulative und emotionalisierende Medienberichterstattung Den Menschen in Europa wurden während der Zeit der Proteste selektiv ausgewählte Bilder und Aussagen geboten, die eher an eine Showveranstaltung erinnerte als an sachlich-objektive Berichterstattung. Die Mehrzahl der Medien, leider auch der staatlichen und durch Rundfunkgebühren – auch der türkischen Minderheit in Deutschland – finanzierten Medien ging ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich einer wenn schon nicht neutralen, dann wenigstens zumindest umfassend informativen Berichterstattung, kaum nach. Somit erweckten sie zumindest in den Tagen der Gezi-Proteste ein Bild der Gleichschaltung, das man eigentlich eher aus totalitären Systemen kennt. In der Türkei wurde selbst in regierungskritischen Blättern wie der „Hürriyet“ ausgewogener, kritischer und sachlicher berichtet, als es hier der Fall war. Bilder von „Aktivisten“, die Polizisten mit Molotowcocktails, Steinen, Glas- sowie Stahlkugeln und Zwillen angreifen, suchte man in unseren so genannten Qualitätsmedien dagegen vergebens. Zerstörte und in Brand gesetzte Haltestellen, Parteibüros, Verkehrsbusse, Polizeiautos und öffentliche Gebäude, eingeworfene Scheiben von Geschäften? Nein, diese freiheitsliebenden Regierungsgegner wurden als die „Unschuld in Person“ dargestellt. Sie wurden als „friedliche Demonstranten“, „Freiheitskämpfer“ und „Demokraten“ apostrophiert. Dieses einseitige Bild vermittelten unsere Medien wochenlang. Die blinde Zerstörungswut, Nötigung, tätliche und körperliche Übergriffe der „Freiheitskämpfer“ gegenüber Zivilisten und Menschen, die in diesen Tagen anderer Meinung waren, wurden dagegen systematisch und mit Erfolg ausgeblendet. Sie passten nämlich nicht in die inszenierte „Horrorshow“. Agenturtexte und -fotos wurden völlig unkritisch und aus dem Zusammenhang gerissen sowie ohne weitere Recherche übernommen. Da in entwickelten Staaten Konflikte immer weniger mit Waffen ausgetragen werden und deshalb Informationsmanipulation, Falschmeldungen sowie Lügen zu den neuen Konfliktwerkzeugen zu gehören scheinen, erinnerten die verbalen Ausdrucksformen, Aussetzer, beidseitigen Beschimpfungen und gegenseitigen Schuldzuweisungen einiger Journalisten und Politiker an die Kriegsrhetorik alter Zeiten. Zudem deutete diese Art der Kommunikation darauf hin, dass wohl eine rote Linie in den bilateralen Beziehungen überschritten, zumindest jedoch angetastet wurde. Vernetzung der Regierungsgegner nach wie vor intakt Ein entscheidender Grund, wieso hiesige Medien so provokant, destruktiv, manipulierend und parteiisch über die Vorfälle in einigen türkischen Städten wie Istanbul, Izmir und Ankara berichten, ist unter anderem, dass ihre Quellen und Ansprechpartner gerade und fast ausschließlich aus regierungskritischen Kreisen stammten. Diese Personen sind nach wie vor in Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Sicherheitsbehörden und Medien international bestens vernetzt. „Schaut man sich nur mal die Personalpolitik einiger Parteien oder einiger Bereiche des öffentlichen Dienstes genauer an, erkennt man sehr genau, welche politisch-ideologischen und ethnisch-konfessionellen Gruppierungen gefördert werden“, sagt der Soziologe Tütüncü. „In der Besetzung von Medien und Verlagen“, so Tütüncü weiter, scheine dies wohl nicht anders zu sein. „Viele Medien ergreifen also ganz klar Partei, wobei sie bei Bedarf auch mal ihren ethischen Berichterstattungskodex über Bord werfen. Es hat auch etwas damit zu tun, welchen international agierenden Kreisen, Unternehmen und Persönlichkeiten diese Medien nahe stehen oder gar angehören.“ Religionsfreiheit ist auf dem Höhepunkt, Probleme sind Chauvinismus und Militarismus Wenn einige Journalisten und Think-Tanks jetzt von einer angeblichen „Islamisierung“ der Türkei sprechen, ist das entweder ein Ausdruck verschwörungstheoretischer Paranoia oder eine bewusste Unwahrheit. In der 90-jährigen Geschichte der türkischen Republik gab es noch nie eine derart stark ausgeprägte Religionsfreiheit wie heute. Die streng säkulare Türkei war bis vor wenigen Jahren noch religionsdistanziert und kritisch gegenüber jedem Glauben, sei es nun Judentum, Christentum, Buddhismus oder Islam. Der Staat sah es gleichsam als seine Pflicht an, Menschen so weit wie möglich ihre religiösen Überzeugungen auszutreiben. Offenbar verkörperte man auf diese Weise geheime Sehnsüchte hiesiger Eliten, die sich durch das Grundgesetz daran gehindert sehen, eine Politik dieser Art in Deutschland durchzusetzen – dies könnte ein weiterer Grund für die fanatische Parteinahme zu Gunsten der Kemalisten in deutschen Medien sein. Seit etwa fünf bis zehn Jahren hingegen bemüht sich die Türkei ernsthaft um religiöse Toleranz sowie konfessionellen und religiösen Frieden. Das passt dem antireligiösen, laizistischen Establishment ganz und gar nicht. So wurden diese schon in jüngerer Vergangenheit Teil eines Agitationskartells, das gegen christliche Missionare hetzte und jedwede christlich-islamische Dialogbemühungen torpedierte. Sabotiert wurden auch die alevitisch-sunnitische sowie türkisch-kurdische Annäherung. Das eigentliche Problem der Türkei seit ihrer Republikgründung bzw. noch davor, seit Mitte des 18. Jahrhunderts, war und ist weniger die Hinwendung zur Religion, sondern sind vielmehr der aus dem „aufgeklärten“ Europa importierte, chauvinistische Ethnonationalismus, fanatische Laizismus und Militarismus gewesen. Putsche in der Türkei sind eine ruhmlose Angewohnheit Die Türkei ist erst seit einigen Jahren auf dem Weg in eine Demokratie nach westlichen Maßstäben. Bis dato hatte das Land viele Bewährungsproben nicht bestanden. Ein Establishment, das die Modernität und seinen originellen Lebensstil für sich pachtete, das sich hinter dem glorreichen Republikgründer Mustafa Kemal „Atatürk“ versteckte und ihn immer und immer wieder für die eigenen Ziele und Zwecke benutzte, saugte das Land aus, verschaffte sich selbst weitgehende Privilegien und behandelte die Mehrheit der türkischen Bevölkerung wie Menschen zweiter und dritter Klasse. Diese Minderheit besetzte indessen systematisch die Schaltstellen im Staate: Justiz, Verwaltung, Militär, Staatsbetriebe, Schulverwaltung, Universitäten – alles war in den Händen dieser autoritären Clique. Sie bestimmten durch Verbote, Strafen, Folter und auch Morde, wie und ob die Menschen in der Türkei zu leben hatten. Und jedes Mal, wenn das Volk nach Ende der Einparteiendiktatur 1947 eine Regierung wählte, die dieser antidemokratischen Elite nicht passte, gab es in der Türkei einen Putsch. 1960 wurde der beliebte Ministerpräsident Adnan Menderes gestürzt und gehängt. Hingerichtet wurde dadurch nicht nur Menderes selbst, sondern auch die Volkssouveränität. 1970 gab es einen erneuten Putsch der laizistischen Generäle. 1980 putschten sie ein drittes Mal. Staatspräsident Turgut Özal verstarb plötzlich und unerwartet. Vor knapp einem halben Jahr wurden die sterblichen Überreste Özals, der sich ebenfalls mit den laizistischen Generälen und deren Verbindungspersonal im Staate angelegt hatte, eingehend untersucht. Es kam heraus, dass Özal vergiftet wurde. Zuletzt wurde 1997 der vom Volk gewählte Ministerpräsident Necmettin Erbakan zum Rücktritt gezwungen. Kenner sprachen damals von einem „kalten Putsch“. Die Putsche und Putschversuche gehören zu den schlechten Manieren dieser Gegner der Volkssouveränität. Diese elitäre Gruppe, die die Volkssouveränität und das Selbstbestimmungsrecht des Volks mit Füßen tritt, möchte mit aller Macht die alten Vorrechte zurückbekommen. Stoß gegen die Volkssouveränität Nun scheint sich diese ungeschickte Angewohnheit erneut zu zeigen. Wieso? Weil dieser alten Kaste die Privilegien beschnitten wurden? Weil die Korruptions- und Vetternwirtschaft dieser Kreise beendet wurde? Weil die Türkei unter den 20 größten Weltwirtschaftsmächten gelistet wird? Weil die Türkei in der Lage ist, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) selbst Geld zu leihen? Weil sie dabei ist, den langjährigen „Kurdenkonflikt“ souverän zu lösen? Weil die Türkei ihren Blick nicht mehr nur gen Westen richtet, sondern in alle Himmelsrichtungen? Weil sie bereit ist, eine entscheidende Rolle auf dem Balkan, in Afrika, in Nah- und Mittelost sowie Westasien zu übernehmen? Weil Istanbul zu einem Knotenpunkt der internationalen Finanzwirtschaft, des Schiffs-, Flug- und Energieverkehrs wird? Weil die Türkei das einzige Land ist, das eine derartige Schlüsselrolle in dieser strategisch wichtigen Region besitzt? Weil die Türkei immer unabhängiger und eigenständiger wird? Weil sie in der Rüstungs- und Raumfahrttechnik eigene Wege geht? Weil sie zu einem ernsten Akteur und damit zu einer Konkurrenz, besonders auf dem afrikanischen Kontinent, anwächst? Weil das Handelsvolumen mit bestimmten Regionen zu Lasten anderer Staaten zunimmt? Kurz: Weil die Türkei kaum noch einzufangen ist? Warum eigentlich? Türkisch-afrikanisches Handelsvolumen von 2002 bis 2011 verfünffacht Die Internetplattform „GermanForeignPolicy.com“ schreibt in einer Analyse z.B.: „Die Türkei richtet ihre wirtschaftliche und politische Expansion mittlerweile nicht mehr nur auf die arabischen Mittelmeerstaaten Nordafrikas, sondern auf den gesamten Kontinent. Auf der Grundlage dynamisch boomender Exporte hat sich das türkisch-afrikanische Handelsvolumen von 2002 bis 2011 verfünffacht; es soll in diesem Jahr weiter auf insgesamt 32 Milliarden US-Dollar steigen – also auf einen Wert, der sich bereits dem türkisch-deutschen Handelsvolumen annähert. Unterhielt Ankara im Jahr 2005 nur vier Botschaften südlich der Sahara, so waren es Anfang 2012 bereits 15; im Jahr 2008 wurde bei einem Türkei-Afrika-Gipfel in Istanbul, begleitet von einem Türkisch-Afrikanischen Unternehmerforum, eine ‚strategische Partnerschaft’ zwischen Ankara und der Afrikanischen Union (AU) in die Wege geleitet.“ Eigenständige Politik Ankaras als Störfaktor? „GermanForeignPolicy.com“ spricht überdies von einer „Befürchtung, Ankara könne außenpolitisch eigene Wege gehen und deutsch-europäischen Interessen zuwiderhandeln. Vor wenigen Wochen sorgte der türkische Ministerpräsident mit dem Vorschlag international für Aufmerksamkeit, die Türkei könne womöglich der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) beitreten, zu der sie seit dem Juni 2012 als fester ‚Dialogpartner’ institutionalisierte Beziehungen unterhält. Die SCO ist ein Bündnis, das – getragen von China, Russland und mehreren Staaten Zentralasiens – auf dem Feld der sogenannten Sicherheitspolitik tätig ist und manchen als künftige Alternative zur NATO gilt. Experten halten eine vollständige Abkehr der Türkei vom Westen zwar für unwahrscheinlich. Doch zeigen Pläne, auf ökonomischem und auf energiepolitischem Gebiet beträchtlich enger als bisher mit Russland zu kooperieren – die Rede ist von einem türkisch-russischen Handelsvolumen von bis zu 100 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 -, dass Ankara sich ehrgeizig um neue Optionen bemüht.“ Abnahme der türkisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen Die Außen- und Sicherheitspolitikexperten der „GermanForeignPolicy.com“-Seite weisen zudem auf diesen wichtigen Punkt hin: „Berlin konnte sich bei seinen Einflussbemühungen bislang stets darauf stützen, dass Deutschland bis heute größter Investor und größter Handelspartner der Türkei ist. Diese Position ist inzwischen jedoch gefährdet: Gingen 2007 noch 56 Prozent der türkischen Exporte in die Eurozone, waren es 2012 nur noch 40 Prozent, während zugleich die Ausfuhren nach Nordafrika und Mittelost von 18 auf 34 Prozent stiegen.“ „Autoritärer Regierungsstil“ als Grund für Proteste? Die Gründe für die Proteste können also weder der angebliche „autoritäre Regierungsstil“ des Regierungschefs sein, noch der Wille, einige Bäume abzuholzen. Der gehängte Ministerpräsident Adnan Menderes war sehr zuvorkommend und antiautoritär. Ihm wurde seine Barmherzigkeit zum Verhängnis. Ach ja: Übrigens wurden die Macht- und Gewaltbefugnisse der Polizei erst unter der jetzigen Regierung begrenzt, die die erlaubte Verhörzeit verkürzte und Folter verbot. „Westliche Demokraten“ mit Hammer und Sichel? Bei den Demonstrationszügen in Deutschland fiel auf, dass Fahnen von Terrororganisationen zusammen mit denen linksextremistischer, marxistisch-kommunis tischer Gruppen und türkischen Fahnen, Atatürk-Fahnen und Flaggen hiesiger Organisationen, die von bestimmten Stellen protegiert werden, Seite an Seite geschwenkt wurden. Dazu gesellten sich hier und da auch Fahnen der rechtsextremistischen Pro-Bewegung. Auch wenn sich eine Organisation im Nachhinein von dieser Bewegung schriftlich distanziert hat, bleibt das Bild doch bestehen, dass hier Islam-, Türken- und Türkeifeinde Seite an Seite marschiert sind, agiert und agitiert haben. Auf der anderen Seite stieß man auf Fahnen aus dem gesamten Nahen Osten, aus Afrika, den asiatischen Turkstaaten sowie dem Balkan. Auffällig war darüber hinaus, dass bei den Protesten auch hasserfüllte Parolen gerufen wurden. Jedoch sollte auch der Protest über eine Ethik und ein Mindestmaß an Normen verfügen. Dumpfe Beleidigungen unter der Gürtellinie und üble Schmähungen verdeutlichten allerdings, dass es den Personenkreisen, die zu dieser Art des Protests griffen, an zivilisiertem Verhalten und sachlichen Argumenten fehlte. Auch diejenigen, die antiisraelische Parolen von sich gaben, zählen zu dieser Kategorie. Hetze gegen ein Volk, eine Religion oder eine sonstige Gruppe ist nicht akzeptabel. Wie wäre es gewesen, wenn die Demonstranten anstatt Hassparolen Friedenslosungen gerufen hätten? Welch ein konstruktives Bild und eine vorbildliche Botschaft wäre entstanden, anstatt Aufschriften mit Erniedrigungen einfach nur Blumen hochzuhalten und zu verschenken? Bei ihrem nächsten Protest könnten sich diese Menschen über diese friedlich-alternative Protestform Gedanken machen. Der Putschversuch ist fehlgeschlagen Die aus der Geschichte herrührende, zum Teil infantile Angewohnheit, die Volkssouveränität zu missachten, scheint sich dieser Tage zu wiederholen. Diesmal sogar mit erstaunlich offener internationaler moralischer Unterstützung. Das türkische Volk mit all seinen ethnischen, konfessionellen und religiösen Mosaiken hat sich aber nicht an der Nase herumführen lassen, wie so oft in der Vergangenheit. Diesen schlechten Film hatte die Türkei bekanntlich zu oft gesehen. Langsam wurden die Szenarien langweilig. Ganz gleich, wie sehr die moralische, finanzielle, mediale und logistische Unterstützung der Möchtegern-„Freiheitskämpfer“ gewesen ist: Die Volkssouveränität und die Demokratie in der Türkei scheinen gereifter denn je zu sein. Und zwar dermaßen, dass auch eine tagtägliche Medienpropaganda nicht in der Lage war, dies zu ändern. Die Türkei hat gezeigt, dass sie nicht Ägypten ist. Hier konnte es im Gegensatz zu ungefestigten Demokratien in der Nachbarschaft niemandem gelingen, eine demokratisch gewählte Regierung zu stürzen und das Land ins Chaos zu treiben. Die Türkei hatte ihren Frühling – die demokratische Prüfung -, nämlich schon am 3. November 2002, also bereits vor über 10 Jahren, hinter sich gebracht. Erst wenn das Volk, das im November 2002 einen Wechsel herbeigeführt hat, erneut an der Wahlurne für einen Wechsel votiert, wird und darf es diesen geben. Das ist Volkssouveränität, das ist das Selbstbestimmungsrecht der Völker und das ist Demokratie. Kritik ernst zu nehmen steht für Weisheit Die Gezi-Proteste können als eine Bewährungsprobe für die türkische Volkssouveränität verstanden werden, aus der die Demokratie und das politische System des Landes gereifter und stabiler emporgekommen sind. Die Demokratie in der Türkei wird sich hierdurch weiter stabilisieren. Jedoch sollte eines nicht vergessen werden: Eine typische und aus der Historie bekannte Charaktereigenschaft in der Region ist die Solidarität mit Benachteiligten. Die Völker des Nahen und Mittleren Ostens sind weniger auf der Seite des Stärkeren und Mächtigen, sondern auf der Seite dessen, den sie im Recht sehen und der Personen, denen Unrecht zuteilwird. In der Türkei hat die große Mehrheit des Volkes bei den letzten Wahlen immer für politisch-gesellschaftliche Stabilität und ökonomische Prosperität gestimmt. Der türkische Premierminister gibt sich volksnah. Er, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, der einer von den ganz einfachen Menschen ist, vermittelt den Menschen genau dieses Gefühl, einer von ihnen zu sein. So hat er es in die Herzen der Menschen geschafft. Und so hat er es auch geschafft, die neidvolle, missgünstige Abneigung anderer auf sich zu laden, wie man in den letzten Wochen sehr deutlich zu sehen bekam. Der Premierminister ist aber auch kein Messias. Er ist auch nur ein Mensch wie jeder andere. Er macht auch Fehler. Und wenn das Volk ihn nicht mehr möchte, hat es letztendlich die Macht, ihn nicht mehr zu wählen. So einfach ist manchmal Demokratie. Bleibt zu hoffen, dass der Premierminister auch auf seine Kritiker hört und aus den Fehlern der Vergangenheit lernt. Beobachter sprechen unter anderem davon, dass er sich von den Falschen beraten lässt und wenig kompromissbereit sei. Aber: Erfolg lässt sich gerade durch Kritik steigern. Die Annahme von Kritik zeugt von Reife und Klugheit. Leider missverstehen nicht wenige Menschen – gerade aus dieser geografischen Region -, Kritik und werten sie als persönlichen Angriff. Sie können nur schwer mit Kritik umgehen. Wenn Personen ein Amt bekleiden dürfen(!) oder andere mit Professorentiteln und Ämtern ausgestattet werden, denken diese, sie seien das Zentrum der Welt. So ist es aber nicht. Auch diese Menschen machen Fehler. In Amt und Würden gelangte Menschen können, müssen aber nicht, leichtsinnig werden oder abheben. Gerade sie müssen jedoch auf der Hut sein. Nicht nur vor anderen, sondern auch vor sich selbst. Vor dem eigenen Ego. Kooperation statt Konfrontation Die „Brennpunkte“ und „Aktuellen Stunden“ der internationalen TV-Anstalten oder die Sonderseiten der Tages- und Wochenzeitungen konnten die Meinung in der Türkei nicht kippen. Medienethisch arm war außerdem, dass die Massenkundgebungen, die für den Ministerpräsidenten stattfanden – in Istanbul zuletzt mit über einer Million(!) Anhängern –, der begeisterte Empfang von Hunderttausenden, die dem türkischen Regierungschef nach seiner Nordafrika-Reise am Istanbuler Flughafen zujubelten, in den internationalen Medien systematisch ausgeblendet wurden bzw. kaum eine Rolle spielten. Es wurde pedantisch drauf geachtet, ein bestimmtes Bild zu transportieren: Das Bild eines in Aufruhr und unter Spannung befindlichen Landes am Rande eines Bürgerkriegs. Auch die nach wie vor breite Unterstützung und der Rückhalt beim Volk blieben oft unerwähnt. Die Mehrheit des türkischen Volkes steht weiterhin zu der Person, der sie zeitlich begrenzt eine politische Machtbefugnis erteilt hat. Umfragen zeigen, dass die jetzige Regierungspartei beim Wähler unangefochten an erster Stelle liegt. Nach den letzten Umfrageergebnissen des Sozialforschungsinstituts Andy-AR ist die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) mit 49,6 Prozent weiterhin stärkste Kraft im Land. Auf Umfragen allein sollte man sich allerdings nicht immer verlassen. Ob dieser erfolgreiche Trend auch weiterhin bestehen bleibt, wird neben der politischen und wirtschaftlichen Stabilität nicht zuletzt auch von der Kritik- und Kompromissbereitschaft der Regierung und ihrer Akteure abhängen. Möglicherweise könnte über eine bescheidene Richtungs- oder eine Stilkorrektur nachgedacht werden. Kooperation statt Konfrontation könnte eine Lösung sein. Sowohl national wie auch international. Sowohl innen- wie auch außenpolitisch.

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Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”. Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.