F-35-Alternativen
Spanien zeigt Interesse an türkischem Kampfjet Kaan

Nach der Absage an den US-amerikanischen F-35 führt Spanien erste Gespräche mit der Türkei über den Kauf des Kampfjets Kaan — ein bemerkenswerter Kurswechsel

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Madrid/Ankara – Im August 2025 sorgte Spanien für Aufsehen bei seinen NATO-Partnern und in Washington: Madrid verkündete, den amerikanischen Tarnkappenjäger F-35 von Lockheed Martin nicht zu beschaffen — weder als Ersatz für die alternden F-18 Hornet der Luftwaffe noch für andere Aufgaben.

Die Entscheidung war mehr als eine Beschaffungsfrage. Sie war ein politisches Signal. Spanien, das die USA zuletzt immer häufiger öffentlich kritisiert hat, wollte sich nicht in dauerhafte Abhängigkeit von amerikanisch kontrollierter Militärtechnologie begeben.

Nun nimmt Madrid einen anderen Kurs. Türkische Rüstungskreise bestätigten beim Internationalen Verteidigungs- und Raumfahrtsalon SAHA 2026 in Istanbul, dass Spanien und die Türkei erste Regierungsgespräche über einen möglichen Kauf des türkischen Kampfjets Kaan aufgenommen haben.

Mehmet Demiroğlu, Vorstandsvorsitzender des türkischen Luft- und Raumfahrtunternehmens TAI, bestätigte die Verhandlungen gegenüber dem spanischen Fachportal Infordefensa am 7. Mai 2026. Die Gespräche befinden sich noch in einem frühen Stadium und laufen sowohl über technische als auch über politische Kanäle.

Der damalige britische Außenminister James Cleverly begutachtet das TFX-Kaan-Modell während seines Besuchs in der Zentrale der Turkish Aerospace Industries in der Türkei (2023)

Vier Probleme gleichzeitig

Spaniens Interesse am Kaan ist kein Zufall — es ist das Ergebnis einer sich zuspitzenden Lage in der eigenen Luftwaffe. Madrid steht vor vier gleichzeitigen Herausforderungen: Die EF-18 Hornet-Flotte, in den Jahren 1986 bis 1990 beschafft, nähert sich dem Ende ihrer Einsatzfähigkeit. Die AV-8B Harrier der Marine stehen vor der Ausmusterung.

Das europäische Gemeinschaftsprojekt FCAS — ein von Frankreich, Deutschland und Spanien gemeinsam entwickelter Kampfjet der nächsten Generation — verzögert sich weiter und wird nach aktuellen Schätzungen frühestens Mitte der 2040er Jahre einsatzbereit sein. Und den F-35 hat Madrid bereits abgelehnt.

Spanien hatte 6,25 Milliarden Euro im Haushalt für neue Kampfflugzeuge eingeplant. Mit dem Eurofighter wurden Teilbedarfe gedeckt — der grundlegende Fähigkeitsrückstand bleibt bestehen.

Souveränität statt Abhängigkeit

Was den Kaan für Madrid attraktiv macht, ist weniger die reine Kampfkraft als die Frage der Kontrolle. Türkische Verhandlungsführer bieten Spanien an, Missionssoftware, elektronische Kampfführung, Waffenintegration und Wartungsketten eigenständig zu gestalten — ohne Genehmigung einer fremden Macht.

Beim F-35 liegt genau das in amerikanischer Hand: Softwareupdates, Missionsdaten, Logistik und Tiefenwartung sind an amerikanisch kontrollierte Systeme gebunden.
Ankara positioniert den Kaan damit nicht nur als Kampfflugzeug, sondern als neues Beschaffungsmodell — eines, das auf nationaler Souveränität und industrieller Eigenständigkeit aufbaut.

Spanien könnte im Gegenzug eigene Avioniksysteme und Missionscomputer einbringen, wie es bereits beim Hürjet-Trainingsjet der Fall ist. Im Oktober 2025 hatte Madrid einen 3,12 Milliarden Euro schweren Vertrag über 45 türkische Hürjet-Maschinen unterzeichnet, bei dem Airbus España für die Integration von Missionscomputern und Avionik zuständig ist.

Erste Annäherung, keine Entscheidung

Spaniens erstes Interesse am Kaan wurde bereits im Oktober 2025 bekannt — wenige Monate nach der offiziellen F-35-Absage.

Die nun bestätigten Regierungsgespräche sind ein nächster Schritt, aber noch weit von einer Kaufentscheidung entfernt. Beobachter weisen darauf hin, dass der Kaan trotz seiner Vorzüge beim Thema Hoheitsrechte gegenüber dem F-35 in Bereichen wie operativer Reife, Tarnkappenvalidierung und kampferprobter Sensorik noch erheblichen Rückstand hat.

Dennoch sendet Spaniens Schritt ein eindeutiges Signal: Europäische NATO-Mitglieder suchen zunehmend nach Alternativen zu amerikanischen Rüstungssystemen — und die Türkei steht bereit.

 


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