Gastkommentar
Ahmed Mansour – Populist und Publizist für Israel

Thomas: "Da Mansour selbst in der Öffentlichkeit sehr häufig und gern Teile seiner Lebensgeschichte verbreitet und diese somit als bekannt vorausgesetzt werden kann, sind hier keine Abhandlungen dazu notwendig."

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Ein Gastkommentar von Michael Thomas

Da Mansour selbst in der Öffentlichkeit sehr häufig und gern Teile seiner Lebensgeschichte verbreitet und diese somit als bekannt vorausgesetzt werden kann, sind hier keine Abhandlungen dazu notwendig.

Wir begegnen dem bereits als „Schweizer Messer“ bezeichneten Allround-„Experten“ buchstäblich an jeder publizistischen und populistischen Ecke, in der unter Islamophobie gelitten wird.

Vorübergehend und völlig erfolglos erschütterte die Behauptung eines Rechercheurs seine Vergangenheitserzählung im Bezug auf sein eigenes Leben, bezeichnete sie als teilweise erfunden, und er konnte sie ebenso elegant wie auch überzeugend durch Vorlage entsprechender Dokumente belegen. Wir können seiner eigenen Darstellung Infolgedessen durchaus Glauben schenken.

Allerdings eben auch der Erkenntnis, dass die Firma Mind Prevention GmbH mit Sitz in Berlin, deren Geschäftsführer er zusammen mit seiner Ehefrau ist, ihren eigenen Bedürfnissen folgt und nach Möglichkeit Bedarf deckt und womöglich erzeugt, wo immer er existiert oder geschaffen werden kann (1).

Hierfür taucht das Gesicht Ahmed Mansours genau immer dort und dann auf, wo aus einem unguten Gefühl Islamophobie gemacht werden kann. So findet man ihn beispielsweise gar als Preisträger im Kreis der illustren Gesellschaft von Hamed Abdel-Samad und Henryk M. Broder, die beide für ihre Bemühungen bekannt sind, den Islam und Muslime insgesamt unter Generalverdacht zu stellen, weil sich damit gut Kasse machen lässt. Keine nennenswerte TV-Talk-Show, die über Muslime, aber selten mit ihnen spricht, kommt ohne Mansour aus. (2)

Das ganze Schaffen und Wirken Ahmed Mansours jedoch bündelt sich für mich persönlich in einem einzigen Artikel von ihm, den ich für überaus bezeichnend und vielsagend halte.

Vorausschickend muss ich betonen, dass Mansour ein beachtenswertes Geschick darin besitzt, den eher unbedarften Leser für sich und die Sache Israels einzunehmen. Er fokussiert mit größter Eleganz auf einen scharf ausgerissenen Teil der Realität und arbeitet mit großen Gefühlen, um für die Sache Israels zu werben und Palästinenser zu Opfern einer fehlerhaften Wahrnehmung und einer eindrucksvollen Beschränktheit zu erklären. Ich habe schon viele Manipulationsversuche in dieser Richtung erlebt, dieser aber ist ein Meisterstück.

Erschienen ist der Artikel bei der WELT, die als Teil des Springer-Konzerns Islamophobie zum guten Stil und jedwede Israelkritik zu „Antisemitismus!“ erklärt und ist betitelt mit:

„Die Palästinenser warten auf einen Sieg, der niemals kommen wird.“ (3)

Schon der erste Satz macht klar, dass er, Ahmed Mansour, die intellektuellen Überflugrechte hat und somit der Herr der Definitionen ist. Da heißt es:

„Ich bin Palästinenser, israelischer Araber.“

Wir sind also informiert, dass hier Kompetenz wütet, die Wagenburg gegen Kritik schließt sich.

Der ganze, weitere Text des Artikels widmet sich den Empfindungen des kleinen Ahmed und des erwachsenen Mansour und beschreibt, wie er sich vom bösen Islamisten in einen lieben Mitbürger mit jüdischen Freunden wandelte. Irgendwann will er eingesehen haben, dass sich die Wut und der Hass der Palästinenser um nichts als die gehabten Landverluste und die verlorenen Kriege drehen.

Und darunter will er voller Mitgefühl für „sein Volk“ leiden.

„Ich habe beobachtet, wie die Kränkung über den verlorenen Krieg und die bloße Existenz des Staates Israel sie von innen heraus zerfrisst.“

Man möchte erst ihn, und dann all die armen, verblendeten Palästinenser in den Arm nehmen, ihnen sanft auf die Schulter klopfen und flüstern: „Alles wird gut. Habt Israel lieb, und alles wird gut.“

Mansour informiert uns, dass es zweifelsfrei die alleinige Schuld der „Islamisten“ unter den Palästinensern und in der Hamas ist, dass „sein Volk“ sich nicht vertrauensvoll in die geöffneten Arme eines mitfühlenden und friedfertigen Israels sinken lässt, um fürderhin in Frieden und Eintracht zu leben.

„Die Wege, die die palästinensische Führung und Gesellschaft in den letzten Jahren gegangen sind, halte ich für falsch und zerstörerisch.“

Für Mansour existiert außer dieser (Wahn-) Idee nichts anderes. Es gibt die illegalen „Siedlungen“ ebensowenig wie die rasenden Banden von „Siedlern“, die seit Jahrzehnten nicht nur Olivenhaine und Autos von Palästinensern verbrennen, sondern mittlerweile sogar ganze Dörfer.

Mansour weiß irgendwie auch nichts von systematischer Folter durch Israel, die seit vielen Jahren u.a. auch an Kindern verübt wird. Und wenn doch, dann erklärt er uns eben kurzerhand, dass all dies nur die Schuld der Palästinenser ist.

Nein, auch die Militärjustiz, die Israel in dem von ihm vollständig beherrschten Westjordanland wüten lässt, sagt ihm nichts.

Es gibt keine Kriegsverbrechen Israels für Mansour. Der Weiße Phosphor, diese unvorstellbar grausame Waffe Israels, die Menschen stundenlang unter furchtbaren Qualen langsam verrecken lässt, die gibt es nicht. Auch nicht die ungezählten, aber absichtsvollen Tötungen und Verstümmelungen von Kindern. Nichts davon.

Und da nichts davon existiert, kann die Gewalt, die von Palästinensern ausgeht, auch keinen andern Ursprung haben, als Zorn über irgendwelche Kriege in tiefer Vergangenheit und vor allem Hass auf Israel und Juden.

Noch nicht einmal eine zwei- oder dreisilbige, halblaut gemurmelte Erklärung, Israel sei in seinem Vorgehen kritikwürdig, findet sich. Wenn er Folgen israelischen Tuns erwähnt, dann liest es sich, als habe man bloß tragischerweise die Notwendigkeit nicht erkannt, weshalb Israel leider zwingend so vorgehen musste.

Mansour erzählt uns eine ganz andere Geschichte und vertraut dabei fest auf die Erkenntnis, dass all die täglichen Quälereien, Zerstörungen, Raubzüge und Massaker, die Israel verübt, den meisten seiner Leser und Zuhörer entweder gar nicht oder nur in unwesentlichen Fragmenten klar ist.

Mansour bietet uns eeineüberaus groteske Erklärung für den „Hass auf Juden und Israel“ an, um das Narrativ vom „Antisemitismus“ zu füttern, den die „Islamisten“ angeblich hegen. Natürlich verbiegt er selbst an dieser Stelle die Realität. Was er „Hass“ nennt, ist Verzweiflung. Und wieder pocht er auf seine Kompetenz, weil er das alles selbst erlebt haben und schließlich selbst Palästinenser sein will. Wir kennen dies Muster; „Experten“ wie er benutzen es gern.

Er bietet uns eine hübsche Geschichte an, die problemlos an die „deutsche Staatsräson“ andockt und eine gesteigerte Vehemenz in der Verfolgung vorgeblichen „Antisemitismus“ erlaubt oder sogar einfordert. Einen Flickenteppich von Halb- und Unwahrheiten, zusammengenäht von seiner Beschwörung, er sei ja selbst Teil dieses betreffenden Volkes.

Es ist unnötig zu erwähnen, dass die muslimische Welt Mansours „Ideen“ und Theorien strikt ablehnt. Letztlich bedient er , wie viele andere auch, nur den unendlich großen, aber überaus lukrativen Markt der Ängste. Wie man hört, erfährt er massive Drohungen gegen sich und seie Familie – aber das erscheint mir neben der Verwerflichkeit nur dumm zu sein, weil es nichts als unbezahlte Werbung für ihn ist, die ihm noch mehr Zulauf aus den bekannten Ecken bringt.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

 

 

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