"Völkermord-Anerkennung"
Oppositionspolitiker Kilicdaroglu: Armenien sollte auch seine Archive öffnen

Der türkische Oppositionspolitiker Kemal Kılıçdaroğlu hat im Zusammenhang mit den Äußerungen von US-Präsident Biden Armenien dazu aufgerufen seine Archive zu öffnen und Historikern Zugang zu diesen zu gewähren. Die Untersuchung der Ereignisse von 1915 solle zudem von Historiker durchgeführt werden.

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Ankara – Der türkische Oppositionspolitiker Kemal Kılıçdaroğlu hat im Zusammenhang mit den Äußerungen von US-Präsident Biden Armenien dazu aufgerufen seine Archive zu öffnen und Historikern Zugang zu diesen zu gewähren. Die Untersuchung der Ereignisse von 1915 solle zudem von Historiker durchgeführt werden.

„Die Ereignisse von 1915 sind schmerzhaft und sollten, wenn nötig, untersucht werden. Diese Mission sollte nicht von Politikern, sondern von Historikern durchgeführt werden“, sagte Kemal Kilicdaroglu, Vorsitzender der Republikanischen Volkspartei (CHP), vor der Parlamentsfraktion seiner Partei, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu. Kilicdaroglu merkte an, dass die Türkei ihre Archive für alle Historiker auf der ganzen Welt geöffnet habe.

„Armenien sollte auch seine Archive öffnen, damit Historiker Zugang zu echten Informationen haben“, so Kilicdaroglu weiter.

Biden stuft Tod Hunderttausender als Völkermord ein

Als erster US-Präsident hatte Joe Biden am Samstag die Einstufung der Ereignisse von 1915 als Genozid bezeichnet.

„Wir gedenken all derer, die im Völkermord an den Armeniern während der Zeit der Osmanen gestorben sind“, erklärte er zum 106. Jahrestag der Massaker. Es handele sich um die Bestätigung einer historischen Tatsache und gehe nicht darum, der Türkei „Vorwürfe zu machen“, betonte Biden. Die Anerkennung der Geschichte sei wichtig um zu verhindern, „dass solch eine Gräueltat sich jemals wiederholt“.

Türkische Regierung weist Erklärung zurück

Das türkische Außenministerium wies die Erklärung Bidens „in schärfster Form“ zurück. Die Aussagen Biden hätten „keinen Wert“. Zudem habe Biden „weder legale noch moralische Autorität zur Bewertung historischer Ereignisse“.

Laut dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu basiere die Aussage „nur auf Populismus“.

„Wir haben nichts von niemandem über unsere eigene Vergangenheit zu lernen. Politischer Opportunismus ist der größte Verrat an Frieden und Gerechtigkeit“, schrieb er auf Twitter.

Die Türkei erkennt die Tragödie hinter den Todesfällen Hunderttausender Menschen an, die von 1915 an im Zusammenhang mit den Ereignissen in Ostanatolien während des Ersten Weltkrieges ihr Leben verloren hatten. Allerdings verwahrt sich die Türkei gegen die Beurteilung der Ereignisse als „Völkermord“ und spricht von einer beiderseitigen Tragödie.

Ankara hat wiederholt die Bildung einer gemeinsamen internationalen Historikerkommission angeregt, um die Ereignisse vom Grunde her aufzuarbeiten und historisch zu bewerten. Die Regierung des Osmanischen Reiches hatte 1915 die Deportation armenischer Bevölkerungsteile aus der Region beschlossen, nachdem sich armenische Terrormilizen und Teile der Bevölkerung mit der russischen Armee verbündet hatten, die im Osten an der Kaukasusfront in osmanische Gebiete vorrückte.

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