Tel Aviv/Gaza – Das Oberste Gericht Israels hat der Regierung eine Frist bis Dienstag gesetzt, um auf Berichte über den kritischen Gesundheitszustand des bekannten palästinensischen Arztes Dr. Hussam Abu Safiya zu reagieren. Menschenrechtsorganisationen schlagen Alarm und sprechen von akuter Lebensgefahr durch schwere Gewalt im Gefängnis.
Frist bis zum 7. Juli
Das Oberste Gericht Israels hat der staatlichen Führung eine strikte Frist bis zum 7. Juli gesetzt. Die Regierung muss offiziell auf eine Petition der Organisation Physicians for Human Rights (Ärzte für Menschenrechte) reagieren. Die Organisation fordert die sofortige Freilassung von 14 palästinensischen Ärzten aus dem Gazastreifen, die ohne jede formelle Anklage von den israelischen Behörden festgehalten werden.
Das Gericht wies die staatlichen Stellen ausdrücklich an, zu den schwerwiegenden Vorwürfen bezüglich des Zustands von Dr. Hussam Abu Safiya Stellung zu beziehen. Zuvor hatte der Staat versucht, die Frist für eine Antwort zu verlängern, was von der Menschenrechtsorganisation jedoch strikt abgelehnt wurde.
Anwalt schlägt Alarm: „Eigene Mandant kaum wiederzuerkennen“
Hintergrund der richterlichen Dringlichkeit sind neue, alarmierende Informationen des Rechtsanwalts Nasser Odeh, der Dr. Abu Safiya kürzlich im Gefängnis besuchen konnte. Laut den Angaben der Physicians for Human Rights befindet sich der Mediziner in unmittelbarer Lebensgefahr.
„Bei dem jüngsten Besuch von Rechtsanwalt Odeh wurde deutlich, dass Dr. Abu Safiya schweren und wiederholten Schlägen ausgesetzt war. Er weist so massive Verletzungen auf, dass sein eigener Anwalt Schwierigkeiten hatte, ihn überhaupt wiederzuerkennen“, teilte die Organisation dem Gericht mit.
Neben den sichtbaren Folgen der Misshandlungen habe sich der allgemeine Gesundheitszustand des Arztes dramatisch verschlechtert. Aufgrund dieser direkten Beobachtungen kam der Anwalt zu dem Schluss, dass das Leben seines Mandanten akut bedroht ist.
Forderung nach dringender richterlicher Inspektion
Angesichts der Schwere der Vorwürfe hat die Organisation das Oberste Gericht aufgefordert, dass einer der Richter in seiner Funktion als offizieller Gefängnisinspektor einen dringenden Kontrollbesuch bei Dr. Abu Safiya durchführt. So soll der Zustand des Arztes unabhängig überprüft und irreversible Schäden oder Schlimmeres verhindert werden.
Gleichzeitig arbeiten die Physicians for Human Rights unter Hochdruck daran, einen dringenden Besuch durch einen eigenen Kardiologen sowie ein weiteres Anwaltsteam zu erwirken, um die medizinische Notversorgung des inhaftierten Arztes sicherzustellen.
Wer ist Dr. Hussam Abu Safiya?
Dr. Hussam Abu Safiya ist ein renommierter palästinensischer Kinderarzt und Neonatologe. Bis zu seiner Verhaftung war er der Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses im nördlichen Gazastreifen. Weltweite Bekanntheit erlangte er während des Gaza-Konflikts als eine der prominentesten und mutigsten Stimmen des dortigen Gesundheitswesens.
Trotz wiederholter Evakuierungsaufforderungen des israelischen Militärs weigerte er sich standhaft, seine hilflosen Patienten im Stich zu lassen. Das Schicksal traf den Arzt auch persönlich schwer: Bei den Angriffen auf das Krankenhaus im Herbst 2024 wurde einer seiner Söhne getötet.
Über 530 Tage Haft ohne Anklage
Am 27. Dezember 2024 wurde Dr. Abu Safiya von der israelischen Armee (IDF) festgenommen, als diese das Kamal-Adwan-Krankenhaus stürmte und schwer beschädigte.
Die israelischen Behörden werfen ihm vor, ein ranghohes Mitglied der Hamas zu sein und die Klinik als Stützpunkt geduldet zu haben. Unabhängige Belege für diese schweren Anschuldigungen wurden jedoch bis heute nicht öffentlich vorgelegt. Rechtsexperten betonen zudem, dass eine administrative Tätigkeit im medizinischen Dienst der lokalen Behörden keineswegs automatisch als Hamas-Zugehörigkeit gewertet werden kann.
Mittlerweile befindet sich Dr. Abu Safiya seit über 530 Tagen ohne jede formelle Anklage oder ein ordentliches Gerichtsverfahren in israelischer Haft. Erst im Juni 2026 bestätigte der Oberste Gerichtshof Israels eine erneute Verlängerung seiner Inhaftierung bis mindestens Oktober 2026.
Internationale Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Physicians for Human Rights verurteilen das Vorgehen scharf und bezeichnen die andauernde Inhaftierung als absolut willkürlich. Berichten von Anwälten zufolge leidet der Arzt in der Einzelhaft unter drastischem Gewichtsverlust, chronischen Schmerzen infolge von Misshandlungen sowie einer völlig unzureichenden medizinischen Versorgung.
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