Rechtsextremismus
Brandanschlag auf Türken: Bekennerschreiben von der Polizei ignoriert

Rassistischer Brandanschlag auf türkische Familie in Kempten 17.11.1990. Bekennerschreiben von Neonazis wurde von der Polizei ignoriert.

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Kempten – Nach Recherchen von Sebastian Lipp vom Portal Allgäu rechtsaußen habe die Polizei 1990 in Kempten ein Bekennerschreiben ignoriert. Den Ermittlungsbehörden lag ein Bekennerschreiben der „Anti-Kanaken-Front Kempten“ mit Runenschrift und Hakenkreuz vor.

Die Täter ziehen in der Nacht des 17. November 1990 durch die Innenstadt und kommen an einem Mehrfamilienhaus am Rande des Kemptener Zentrums an. Sie verschaffen sich Zugang zum Haus und verschütten im zweiten und dritten Stock der Holztreppe brennbare Flüssigkeit.

In dem Gebäude bricht ein Brand aus, bei dem ein 5-jähriger Junge einer türkischen Familie infolge einer Rauchvergiftung im Krankenhaus stirbt und weitere Familienmitglieder zum Teil schwer verletzt werden.

Der 18-jährige Gökhan S., seine gleichaltrige Schwester Zeynep S. und die Mutter springen aus dem Fenster. Wenige Minuten danach holt die Feuerwehr mit einer Drehleiter den 5-jährigen Bub aus dem Kinderzimmer.

Wie br24 und Zeit online berichten, hat die Generalstaatsanwaltschaft München 30 Jahre nach dem Anschlag nun Ermittlungen wegen Mordes eingeleitet. Nach Recherchen von Sebastian Lipp vom Portal Allgäu rechtsaußen habe die Polizei 1990 in Kempten ein Bekennerschreiben ignoriert.

Den Ermittlungsbehörden lag ein Bekennerschreiben der „Anti-Kanaken-Front Kempten“ mit Runenschrift und Hakenkreuz vor. Obwohl der Polizei das Bekennerschreiben von Rechtsradikalen vorlag, ermittelte die zuständige Stelle nicht in der neonazistischen Szene, sondern bei den Bewohnern des Hauses, also bei den Betroffenen selbst. Vor dem Brand soll es Streit um die Nutzung des Erdgeschosses gegeben haben.

In dem Bekennerschreiben rühmen und bekennen sich die Neonazis zu dem Brandanschlag und drohen, bis Kempten von „undeutschen Kreaturen“ befreit sei. Die Staatsanwaltschaft in Kempten hatte das Ermittlungsverfahren wegen schwerer Brandstiftung zwei Jahre nach dem Anschlag eingestellt und somit konnten auch die Täter des tödlichen Brandanschlags nie gefasst und zur Verantwortung gezogen werden. Die Generalstaatsanwaltschaft in München hat die Ermittlungen wieder aufgenommen, aber diesmal lautet der Tatvorwurf auf Mord.

Nach Informationen von Allgäu rechtsaußen, hat der bayerische Staatsminister Joachim Herrmann eine Anfrage der Grünen zu diesem Sachverhalt im Landtag beantwortet. Demnach habe die Ermittlungen die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bei der Staatsanwaltschaft in München aufgenommen.

Bei den laufenden Ermittlungen geht es auch um weitere Brandanschläge in Kaufbeuren, Immenstadt und Kempten. Nach Angaben von Zeit online gibt es Zweifel daran, dass die Polizei in Kempten „den rechtsextremen Hintergrund konsequent verfolgt“ hat, da wenige Häuser weiter ein bekennender Neonazi gewohnt habe.

Kemal Bölge

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