Meinung
Kommentar: Über die Ereignisse in Syrien haben die meisten deutschen Medien völlig einseitig berichtet

"Es war ein recht warmer Herbsttag, Anfang November, als sich die Familie Awad entschied aus ihrer Wohnung in Gaziantep/Türkei zurück in ihr Anwesen nach Tel Abyad, im Norden Syriens, zurückzukehren. Vor allem die beiden Kinder der Familie, der 12-jährige Tarek und seine 10 Jahre alte Schwester Aischa freuten sich endlich wieder zu Hause zu sein." Ein Kommentar.

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Rückkehr nicht erwünscht

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de

Es war ein recht warmer Herbsttag, Anfang November, als sich die Familie Awad entschied aus ihrer Wohnung in Gaziantep/Türkei zurück in ihr Anwesen nach Tel Abyad, im Norden Syriens, zurückzukehren. Vor allem die beiden Kinder der Familie, der 12-jährige Tarek und seine 10 Jahre alte Schwester Aischa freuten sich endlich wieder zu Hause zu sein.

An jenem Tag spielten beide ausgelassen im hauseigenen Garten, als eine gewaltige Explosion die Freude über ihre Rückkehr zu einem Alptraum werden ließ. Terroristen der YPG/PKK hatten vor ihrer Flucht eine Mine im Garten vergraben. Beide Kinder wurden bei der Explosion schwer verletzt und in ein türkisches Krankenhaus verlegt. Die Ärzte kämpften um das Leben der beiden Kinder. Zum Glück haben beide überlebt, aber Tarek verlor ein Bein.

Seitdem die türkische Armee in Nordsyrien militärisch interveniert hat, vergeht kein Tag, an dem nicht ein Zivilist oder Soldat das Opfer einer Landmine geworden ist. Die Terrororganisation YPG/PKK hat in den eroberten Gebieten in Nordsyrien nicht nur gemordet und gebrandschatzt, sondern sie hat überall, selbst in Wohngebieten, tödliche Sprengfallen errichtet. Das lässt darauf schließen, dass eine Rückkehr der ehemaligen Bewohner Nordsyriens, wie die Araber, Turkmenen und Kurden usw., die wegen dem Krieg seit Jahren überwiegend in der Türkei leben müssen, nicht erwünscht war. Seit vielen Jahren leben Millionen von syrischen Flüchtigen in der Türkei. Fast alle haben ein Ziel: Irgendwann wieder in ihre eigene Heimat zurückzukehren. Die Türkei hat diese Flüchtlinge in der Not aufgenommen, aber der Aufenthalt in der Fremde soll nach Regierungsangaben kein Dauerzustand sein.

Die türkische Regierung hatte angekündigt syrische Flüchtlinge wieder in ihrer Heimat anzusiedeln und beschloss ein Investitionsprogramm für den Bau von Häusern. Sehr mühsam läuft die Entschärfung von Sprengfallen, weil selbst unter Brücken Minen gelegt wurden. Betroffen war in diesem Fall eine Brücke zwischen Rasulayn und Tal Halaf. Selbst das Krankenhaus in Tel Abyad war vor diesen Extremisten nicht sicher. Es diente als Hauptquartier, Waffen- und Munitionslager und war unterirdisch über ein Tunnelsystem verbunden. Spezialeinheiten der türkischen Armee fanden im syrischen Operationsgebiet in einer Schule, die offensichtlich als Lager diente, 50 Antipanzerminen.

Die Minenentschärfungseinheiten arbeiten in Nordsyrien fieberhaft an der Minenräumung in den Städten und Gemeinden, damit die Zivilbevölkerung wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren können.  Die Minen bekommt die Terrororganisation überwiegend aus Italien, Russland und Deutschland geliefert. Nach Angaben der Tageszeitung Sabah handelt es sich bei 60 Prozent der Minen, die die türkischen Sicherheitskräfte bei Operationen sichergestellt haben, um Minen aus Italien.

Obwohl Italien die Konvention zum weltweiten Verbot von Antipersonenminen 1997 unterschrieben und 1999 ratifiziert hat, wird die PKK nach wie vor mit diesen gefährlichen Sprengfallen beliefert. Das liegt daran, weil der Vertrag Antipersonenminen so definiert, dass diese […] „eine oder mehrere Personen kampfunfähig macht, verletzt oder tötet.“

Anders ausgedrückt, Minen, die sich direkt gegen Personen richten, sind verboten. Antifahrzeug und Antipanzerminen fallen nicht in diese Kategorie, weil sie sich nicht direkt gegen Personen richten. Trotz des Verbots von Antipersonenminen wurden nach Angaben der türkischen Zeitung Akşam bei Antiterroroperationen der türkischen Armee im Südosten der Türkei die verbotenen Antipersonenminen sichergestellt. Die USA haben übrigens die Konvention für ein weltweites Verbot von Antipersonenminen nicht unterzeichnet.

Dieser Konvention ist auch Deutschland beigetreten, aber die PKK wird nach türkischen Presseberichten auch mit deutschen Minen beliefert. Man erinnere sich an die Aufregung in Europa und insbesondere Deutschland vor einigen Wochen, als die Türkei am 9. Oktober 2019 eine Militärintervention in Syrien startete. Was wurde in den Medien nicht alles verlautbart. Es ging sogar so weit, dass einige Politiker einen Ausschluss der Türkei aus der NATO forderten, obwohl die gleichen NATO-Mitgliedsländer nichts dabei finden eine Terrororganisation wie die YPG/PKK mit Waffen zu beliefern.

Diese Länder wissen ganz genau, dass sich diese Waffen dann gegen das NATO-Partnerland Türkei richten werden. Eine NATO-Partnerschaft sieht sicherlich anders aus. Es ist nicht verständlich warum zum Beispiel Deutschland syrische YPG/PKK Terroristen mit Minen beliefert, obwohl sich diese Minen gegen die Zivilbevölkerung richten und offensichtlich eine Rückkehr der syrischen Flüchtlinge aus der Türkei in ihre Heimat verhindert werden sollte.

Über die Ereignisse in Syrien haben die meisten deutschen Medien völlig einseitig berichtet. Die Berichterstattung war begleitet von Fehlinformationen und Halbwahrheiten. Hier einige Beispiele: Die Terroristen der YPG/PKK feuerten mit Granaten auf zivile Ziele auf türkischer Seite und dabei wurden mindestens 18 Zivilisten getötet.

Darüber wurde in den deutschen Medien kaum etwas berichtet. Darüber hinaus waren Journalisten, die von der türkischen Seite der Grenze berichteten, immer wieder das Ziel von Heckenschützen der YPG/PKK. Die Propaganda der Terrororganisation wurde von vielen deutschen Medien als glaubwürdig eingestuft und völlig unkritisch verbreitet. So behauptete die Propaganda der YPG/PKK, die türkische Armee hätte ein Krankenhaus wahllos angegriffen und in einem anderen Fall wäre eine zivile Fahrzeugkolonne aus der Luft angegriffen worden. Beide Berichte haben sich im Nachhinein als unwahr erwiesen.

Ein anderes Beispiel für die Verbreitung von Falschinformationen war der angebliche türkische Angriff auf eine armenische Kirche im syrischen Tel Abyad. Tatsächlich hatten die Terroristen der PKK die armenische Kirche als Quartier und Waffenlager benutzt und das Mobiliar der Kirche demoliert. Türkische Aufklärungsdrohnen kreisten über dem Ort und die türkische Armee war darüber informiert, wer sich in der Kirche verschanzt hatte. Darüber hinaus wusste man um den Stellenwert einer Kirche und das Gotteshaus wurde nicht angegriffen. Im Übrigen: Die armenische Kirche wurde inzwischen renoviert und ist vor kurzem wiedereröffnet worden und es finden wieder Gottesdienste statt.

Die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten mit dem syrischen Ableger der Terrororganisation PKK, der YPG, begann quasi mit der Gründung einer anderen Terrororganisation, dem sogenannten IS. Die Terroristen des IS sorgten zunächst im Irak und danach in Syrien für Angst und Schrecken, als sie in den eroberten Gebieten öffentlichkeitswirksam auf grausame Art Gefangene enthaupteten und die gemachten Aufnahmen anschließend ins Internet stellten. Der IS brachte innerhalb kurzer Zeit zunächst im Irak und danach in Syrien große Gebiete unter seine Kontrolle. Die Waffenlieferungen der USA an kurdische Terroristen wurde von offizieller Seite mit dem Kampf gegen den IS begründet. Zu diesem Zeitpunkt entschieden sich die Amerikaner die Stadt Rakka vom IS zu „befreien“ und die US-Luftwaffe bombardierte die Stadt so lange, bis sprichwörtlich kein Stein auf dem anderen blieb. Nachdem alles Leben in der Stadt vernichtet war, rückte die YPG/PKK ein.

Von einem „heldenhaften und aufopferungsvollen Kampf“ gegen den IS war weit und breit nichts zu sehen. Im Mai 2017 begannen die Waffenlieferungen der US-Armee an die syrisch-kurdischen Terroristen. Mit angemieteten großen Lastwagen wurden über den Irak nach Nordsyrien militärische Gerätschaften transportiert. Die YPG erhielt Waffen, Munition und Fahrzeuge, darunter Anti-Panzer-Raketen, gepanzerte Fahrzeuge und Mörsergranaten. Nachdem die Waffenlieferungen begonnen hatten, gab die US-Regierung gegenüber der Türkei ein Versprechen ab. Alle Waffen würden nach Beendigung der Militäroperation wieder eingesammelt. Das Pentagon führte Buch darüber welche Waffen an die YPG/PKK geliefert wurden. Später erklärte Washington, es sei unmöglich festzustellen, wo sich die Waffen jetzt befänden.

Die US-Armee hat die syrisch-kurdischen Terroristen militärisch ausgebildet und unterhält nach wie vor Stützpunkte in Nordsyrien. Mithilfe der Amerikaner eroberten diese 33 Prozent Syriens und in diesem besetzten Gebiet befinden sich 98 Prozent der Erdöl- und Erdgasvorkommen, obwohl die syrischen Kurden vor dem Krieg schätzungsweise nur 8 Prozent der Gesamtbevölkerung Syriens stellten. Nach Ansicht von Militärexperten haben die USA den syrischen Ableger der PKK, die YPG, mit über 30.000 LKW-Ladungen voll mit Waffen versorgt und sich, trotz aller Versprechungen, bisher an keine Vereinbarung mit der Türkei gehalten. Zumindest in Puncto Ehrlichkeit kann man US-Präsident Trump keinen Vorwurf machen. Er erklärte vor kurzem in nüchternem Ton, die US-Armee werde die Ölfelder im Nordosten Syriens vor dem IS beschützen.

Wie sagte doch einst der englische Dichter William Shakespeare „Bin ich auch von Natur nicht ehrlich, so bin ich´s zuweilen aus Zufall.“

Zuerst erschienen auf Sicht vom Hochblauen.

Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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