Friedensprozess in Kolumbien
Kolumbien: Friedensabkommen zwischen Regierung und FARC beendet Bürgerkrieg nach 50 Jahren

Nach mehr als 50 Jahren haben die kolumbianische Regierung und die FARC-Guerilla ein Abkommen schließen können, das jüngst in Havanna vorgestellt wurde. Stimmt der Kongress in Bogotá zu, wird es ein Referendum geben und anschließend sollen die kommunistischen Rebellen unter UN-Aufsicht ihre Waffen abgeben.

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Bogotá (NEX) – Seit 1983 hatten die kolumbianische Regierung und die kommunistische FARC-Guerilla dreimal vergeblich versucht, ihre bewaffneten Auseinandersetzungen auf dem Wege einer Verhandlungslösung beizulegen. Nun ist endlich der Durchbruch gelungen:

Am Mittwoch unterzeichneten die Unterhändler beider Konfliktparteien in Havanna ein formelles Schlussdokument, das die Ergebnisse ihres über vier Jahre hinweg geführten Verhandlungsprozesses festhalten soll. „Die kolumbianische Regierung und die FARC haben zum Ende ein umfassendes und endgültiges Abkommen abgeschlossen“, erklärte der kubanische Regierungssprecher Rodolfo Benitez.

Kuba war eine der Garantennationen, die im Verhandlungsprozess involviert waren. Im Juni wurden die letzten noch offenen Punkte geklärt, im September werden Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos und FARC-Oberbefehlshaber Rodrigo Londono Echeverri, alias Timoschenko, im Rahmen einer symbolischen Zeremonie im Beisein von mindestens 15 Staatschefs anderer Länder – möglicherweise auch US-Präsident Barack Obamas – diese Unterzeichnung im Rahmen einer symbolischen Zeremonie in Kolumbien wiederholen.

Obama hatte dem Präsidenten telefonisch zu dem Durchbruch in den Verhandlungen gratuliert. „Der Krieg ist vorbei“, sagte Humberto de la Calle, der Chefverhandler der kolumbianischen Regierung. „Die beste Art, einen Krieg zu gewinnen, ist, sich zusammenzusetzen und über den Frieden zu sprechen.“ Santos erklärte, der Text sei endgültig und werde nicht mehr modifiziert werden. Gegenstand der Gespräche, die im Oktober 2012 begonnen hatten, waren eine Agrarreform, politische Mitbestimmung, die Drogengesetzgebung, die Opfer des Konflikts und Möglichkeiten zur Herstellung von Gerechtigkeit, die Bedingungen für einen Waffenstillstand und Möglichkeiten, den Konflikt zu beenden. Noch nie zuvor hatte man in Verhandlungsbemühungen dieses Stadium erreicht.

„Wir haben unsere schönste Schlacht gewonnen: die für den Frieden“, erklärte FARC-Chefverhandler Ivan Marquez. „Wir haben den bewaffneten Kampf beendet und eine Debatte begonnen, die von Ideen befeuert wurde.“ Nach der Unterzeichnung in Kolumbien muss erst der Kongress der Lösung zustimmen. Am 2. Oktober soll anschließend ein Plebiszit abgehalten werden, wobei eine Beteiligung von 13 Prozent reicht, um ein gültiges Ergebnis herbeizuführen. Fünf Tage nach der Unterzeichnen sollen die bis zu 7000 Kämpfer der FARC ihre Waffen abgeben und sich in eine von 23 Regionen begeben, in denen sie in sechs Monaten einen Reintegrationsprozess in die kolumbianische Gesellschaft durchlaufen sollen.

Die Entwaffnung soll unter Aufsicht der UN stattfinden. Diese soll die Waffen anschließend aufbewahren. Seit 1964 tobte der Bürgerkrieg in Kolumbien. Human Rights Watch zufolge soll er 300 000 Menschen das Leben  gekostet haben, jährlich sollen 200 000 Menschen, insgesamt 5,7 Millionen, in all den Jahren der Kämpfe wegen ihre Heimat verlassen haben. Die 2500 Mann starke, ebenfalls linksextreme „Nationale Befreiungsarmee“ (ELN) bekämpft weiterhin mit Waffengewalt die Regierung.

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