Start Politik Ausland „SilkLink“-Projekt Saudi-Arabien isoliert Israel: Neue Glasfaser-Route über Syrien nach Europa

„SilkLink“-Projekt
Saudi-Arabien isoliert Israel: Neue Glasfaser-Route über Syrien nach Europa

Saudi-Arabien will offenbar ein Glasfaserprojekt für den Datenverkehr über Syrien statt Israel führen – ein Schritt, der geopolitische Allianzen im Nahen Osten verändert.

Prinz Mohammed bin Salman bin Abdulaziz Al Saud ist seit 2017 Kronprinz und seit 2022 Premierminister Saudi-Arabiens. Er ist außerdem Vorsitzender des Rats für Wirtschaft und Entwicklung und des Rates für politische und Sicherheitsangelegenheiten
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Riad – Die regionale Isolation Israels nimmt im Frühjahr 2026 eine neue, digitale Dimension an. Während Tel Aviv international wegen des anhaltenden Vorgehens im Gazastreifen unter massivem Druck steht, zeichnet sich ein schwerer geopolitischer Rückschlag im Bereich der kritischen Infrastruktur ab.

Saudi-Arabien plant offenbar, ein milliardenschweres Glasfaser-Projekt, das das Königreich mit Griechenland und dem europäischen Festland verbinden soll, grundlegend umzugestalten. Anstatt wie ursprünglich geplant über israelisches Territorium, soll die Datenautobahn nun durch Syrien führen.

Strategischer Schwenk: Syrien statt Israel

Die mögliche Neuausrichtung des Projekts ist weit mehr als eine technische Detailfrage – sie spiegelt die wachsende politische Isolation Israels wider. Wie Middle East Eye unter Berufung auf regionale Beamte berichtet, drängt Riad darauf, das „East to Med Data Corridor“ (EMC)-Projekt neu zu routen. Die Entscheidung ist technologisch machbar, aber politisch hochgradig brisant.

Durch den Sturz des Assad-Regimes Ende 2025 hat sich in Syrien ein neues Gelegenheitsfenster geöffnet. Der saudische Telekommunikationsriese STC Group hat bereits ein 800-Millionen-Dollar-Investment in das sogenannte „SilkLink“-Projekt angekündigt, um die syrische Infrastruktur wiederaufzubauen und das Land als zentralen digitalen Knotenpunkt zu rehabilitieren.

Beobachter werten diesen Schritt als klaren Versuch des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, Israel für die Zerstörungen im Gazastreifen abzustrafen. Dort sind nach aktuellen palästinensischen Angaben inzwischen über 72.000 Menschen getötet worden – ein Umstand, den der Kronprinz öffentlich als „Völkermord“ gebrandmarkt hat.

Eine Normalisierung der Beziehungen, die 2022 noch greifbar schien, ist damit in weite Ferne gerückt. Die Botschaft ist deutlich: Riad nutzt seine enorme Finanzkraft gezielt, um Verbündete zu stärken – insbesondere das neue Syrien – und eigene geopolitische Achsen ohne israelische Beteiligung aufzubauen.

Konkurrenz im Golf und wirtschaftlicher Druck

Ein weiterer Treiber für die Umgehung Israels ist die wachsende Rivalität zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Während die VAE als engster arabischer Partner Israels gelten, versucht Riad, eine eigene, unabhängige Achse zu bilden. Diese Entscheidung könnte Teil einer umfassenderen saudischen Vision sein: Eine wirtschaftliche Vernetzung der Region, die Israels Einfluss marginalisiert.

Der digitale Rückschlag trifft Israel in einer Phase extremer wirtschaftlicher Fragilität. Neben Boykottbewegungen und einer deutlichen Investitionszurückhaltung warnen Branchenvertreter vor einem „totalen Kollaps“ der israelischen Landwirtschaft. Durch den weltweiten Boykott verrotten Ernten auf den Feldern, da Exportmärkte in Europa zunehmend wegbrechen. Israel findet sich laut Berichten des Senders Kan 11 zunehmend in einer „Allianz der Boykottierten“ wieder.

Hintergrund: Warum Glasfaser strategisch entscheidend ist

Um die Tragweite dieser Entscheidung zu verstehen, muss man die Bedeutung der Technologie betrachten. Glasfaserkabel übertragen Daten mittels Lichtimpulsen und ermöglichen so ultraschnelle Kommunikation über Kontinente hinweg – und das in Millisekunden. Sie sind das Rückgrat der modernen Welt: Sie transportieren nicht nur Internetdaten und Cloud-Dienste, sondern auch kritische Finanztransaktionen und KI-Anwendungen.

Staaten, welche die Kontrolle über diese physischen Routen besitzen, gewinnen massiven wirtschaftlichen und geopolitischen Einfluss. Für die Golfstaaten ist dies von existenzieller Bedeutung, da sie sich als globale Hubs für Künstliche Intelligenz und Datenexporte etablieren wollen.

Wer die „Kabel-Hoheit“ besitzt, bestimmt die Spielregeln der digitalen Ökonomie. Eine Route über Syrien würde das Land wirtschaftlich und geopolitisch massiv aufwerten, während Israel den Einfluss auf eine der wichtigsten Infrastrukturachsen des 21. Jahrhunderts verlieren würde.

Dilemma für Athen

Für Griechenland stellt der saudische Vorstoß ein diplomatisches Dilemma dar. Athen hat sich in den letzten Jahren als strategischer Partner Israels positioniert – auch als Gegengewicht zur Türkei.

Gleichzeitig ist Griechenland auf saudi-arabische Investitionen angewiesen. Sollte die Glasfaserroute Israel tatsächlich umgehen, stünde das bilaterale Verhältnis zwischen Athen und Tel Aviv vor einer Zerreißprobe, während die Region Zeuge einer fundamentalen Neuordnung der Machtachsen wird.