Gastkommentar
Afghanistan – die verschleppte politische Insolvenz des Westens!

Ähnlich den verschleppten Insolvenzen der Firmen aus der Wirtschaft, verschleppt der Westen auf ganzer Front mit allen Institutionen diese politische Tragödie seit 2001. Vorher zeichnete sich bereits dieser heutige Ausgang ab. Die Parteinahme des Westens für die radikaleren Kräfte in Afghanistan Ende der 70er Jahren kündigte ohnehin die heutige humanitäre Katastrophe an. Das stetige instrumentalisieren Afghanistans unter aller bisherigen Akteure wird zur geopolitischen Büchse der Pandora.

Teilen

Ein Gastkommentar von Hakan Işık

Ähnlich den verschleppten Insolvenzen der Firmen aus der Wirtschaft, verschleppt der Westen auf ganzer Front mit allen Institutionen diese politische Tragödie seit 2001. Vorher zeichnete sich bereits dieser heutige Ausgang ab. Die Parteinahme des Westens für die radikaleren Kräfte in Afghanistan Ende der 70er Jahren kündigte ohnehin die heutige humanitäre Katastrophe an. Das stetige instrumentalisieren Afghanistans unter aller bisherigen Akteure wird zur geopolitischen Büchse der Pandora.

Der bisherige Hegemon USA verliert mit dem Abzug jegliche Legitimität als Führungsmacht der freien Welt. Während die westliche Presse das vorher Abgesegnete druckt und sich an das Programm der Lügen hält, schwindet auch deren Legitimität.
Der Westen ist militärisch, politisch, humanitär, demokratisch und moralisch keine Ordnungsmacht mehr. In Personalunion Politik und Presse sind sie nicht in der Lage ihren Abzug zu revidieren, stattdessen debattieren sie, wie schnell die Taliban in Kabul einmarschiert sind und über die Schwäche der installierten Regierung.
Die fehlende Kampfbereitschaft der Regierungstruppen ist zugleich die fehlende Bereitschaft des Westens für ihre ehernen und allzuoft beschworenen Werte zu kämpfen.
Die eigentlichen Schwachen sind abgezogen, symbolisch wieder von einem Dach mit einem Hubschrauber. Warum sollten also Afghanen für etwas von außen eingeführten kämpfen, was scheinbar nur aufgesetzt war und nur ökonomisch dem Überleben diente. Somit waren die Regierung und deren politischen Rentenabhängige den Besatzern Afghanistans deckungsgleich. Deckungsgleich ist auch die antiquierte UN, unfähig zu agieren, Lösungen zur Vermeidung der humanitären Katastrophe erklingt nicht. Auch hier wird es keine Abhilfe geben.

Scheinbar steht die Welt davor, dass die Büchse der Pandora sich öffnet.
Nein! Jetzt sind andere politisch potentere Akteure gefragt. Wir rufen uns ins Gedächtnis zurück, dass diese Welt nicht aus fünf besteht, die Welt ist größer und besteht nicht nur aus ideologischen Blockierern im Ständigen Rat der UN. Dieser potente Akteur ist die Türkei, sie ist historisch in dieser Region verankert und kennt die politische Geographie Afghanistans und ist nicht belastet wie die fünf. Ankara sichert den Flughafen Kabuls, dies hat Ankara scheinbar geahnt und ohne die Sicherung wäre gewiss die humanitäre Katastrophe gewaltiger. Nun gilt es für Ankara die politische Insolvenz des Westens abzuwickeln. Die politische Restmasse der westlichen Systeme ist nicht mehr veräußerbar.

Jetzt gilt es diplomatisch mit den verbliebenen Kräften zu verhandeln und nach Lösungen zu schauen, sei es durch provisorische Schutzgebiete, Flüchtlingsaufnahmen in anderen Staaten, Transport der Flüchtlinge und zugleich auch die politische Zukunft in friedfertige Bahnen zu lenken. Ankara steht vor politischen Herausforderungen, welche lösbarer werden, weil der Westen den Zenith bereits überschritten hat. Die Annahme dieser geopolitischen Herausforderungen wird Ankara zum Hegemon der Herzen machen. Der einfachste Weg wird die Einbindung des islamischen Kulturraums sein. Ohnehin ist der Urheber der These, dass die Welt größer als fünf ist, ein Hoffnungsträger vieler im islamischen Kulturkreis und kann auf eine große politische Reichweite zurückgreifen. R. T. Erdogan kommt diese Aufgabe als Politiker zu. Mit diesem politischen Kapital kann zumindest die humanitäre Katastrophe des Westens gemildert werden. Dem gescheitertem Westen sollte dies bewusst werden und zugleich auch, das nunmehr Macher gefragt sind – keine politischen PRler und Marketingler.

Als Endergebnis steht fest, dass die politische Ware des Westens weder Nachfrage hatte, noch das Unternehmen sauber geführt wurde. Wer weder Qualität verkaufen kann, noch den Laden sauber führt, schlingert in die Insolvenz…


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


 

 

Auch interessant

Susanne Mattner zu Kindstötungen in Palästina

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner   Wir hören die Berichte eines ehemaligen israelischen Scharfschützen. Wir hören die Aussagen eines rechtsextremen Knesset-Mitglieds. Wir sehen Videos, Zeugenaussagen, Rekonstruktionen...

Wohnen im Umland: 52% Ersparnis zu Stadtzentren

Eine immowelt Analyse für die 15 größten Städte zeigt, wie stark die Angebotspreise von Eigentumswohnungen mit zunehmender Entfernung sinken: Dresden vorn: Wohnungskäufer zahlen im 60-Minuten-Umland...

Trump an Netanjahu: „Niemand will euch dort“

Washington - Die diplomatischen Spannungen zwischen den USA und Israel haben eine neue Eskalationsstufe erreicht.   Wie das US-Nachrichtenportal Axiosunter Berufung auf amerikanische und israelische Regierungsvertreter...

SEO für KI-Suchmaschinen: Guide 2026

Die Art, wie Menschen im Internet nach Antworten suchen, hat sich grundlegend verändert. Statt zehn blauen Links liefern KI-gestützte Suchsysteme heute direkte, zusammengefasste Antworten,...

USA: Distanzierung von Israel künftig „fast unmöglich“

Washington - In Washington hat sich ein erbitterter politischer Streit um das künftige Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Israel entzündet. Die Demokraten im US-Senat...

Headlines

Ben-Gvir über inhaftierte Palästinenser: „Sie pinkeln sich vor Angst in die Hosen“

Tel Aviv - Der rechtsextreme israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat mit neuen, drastischen Äußerungen über den...

Türkei: Die Chronologie des Putschversuchs

  Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Zehn Jahre nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 haben die türkischen Sicherheitsbehörden erstmals...

New Yorks Bürgermeister Mamdani plant Netanjahu-Festnahme

New York - In den Vereinigten Staaten droht ein beispielloser politischer und juristischer Machtkampf zwischen der Stadtregierung von New...

Freihandelsabkommen zwischen der Türkei und Ukraine

Kiew - Die Türkei und die Ukraine werden ihre bilaterale Zusammenarbeit trotz des anhaltenden Konflikts im Osteuropa weiter intensivieren....

Meinung

Der „Sánchez-Effekt“: Muslime weltweit feiern Spanien-Sieg

Madrid - Der triumphale Gewinn der Weltmeisterschaft 2026 durch die spanische Nationalmannschaft im MetLife Stadium von New York hat weit über die Grenzen Europas...

Ben-Gvir über inhaftierte Palästinenser: „Sie pinkeln sich vor Angst in die Hosen“

Tel Aviv - Der rechtsextreme israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat mit neuen, drastischen Äußerungen über den Umgang mit palästinensischen Häftlingen für...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Araştırma: ChatGPT kullanımı beyin aktivitesini önemli ölçüde azaltıyor

Cambridge – MIT Media Lab tarafından yapılan bir araştırma, ChatGPT ve diğer AI asistanlarının kullanımının beyin aktivitesini büyük ölçüde azalttığına dair ilk kanıtları sunuyor. Araştırma,...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...