Bäcker kauften Billigmohn
Billig-Mohn aus Australien: Brötchen machen „high“ zum Frühstück

Deutsche Grossbäckereien haben günstigen Mohn aus Australien gekauft, der gar nicht für den Verzehr bestimmt ist. In einigen Mohnbrötchen wurden jetzt so hohe Konzentrationen von Morphin gefunden, dass eine Arzneiwirkung nicht ausgeschlossen ist. Das enthüllte am Donnerstag der Deutschlandfunk.

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Von Peter Z. Ziegler

Basel (BZZ/nex) – Opium gehört selbst in einer Klinik in einen speziell gesicherten Schrank und nur ein Oberarzt darf das Rauschgift verordnen. Kein Verbraucher rechnete bisher damit, dass er bereits zum Frühstück Opium konsumiert – versehentlich und ohne es zu wollen.

Bei der Analyse von Mohnbrötchen am Chemischen Untersuchungsamt Karlsruhe stieß eine Lebensmittelchemikerin auf ungewöhnlich hohe Konzentrationen von Morphin. Besser bekannt ist der Naturstoff als Morphium. Ein Rauschmittel und sogenanntes Opiat, das von Schlafmohn-Pflanzen produziert.

Die Mediziner verwenden das Opiat als Schmerzmittel. Morphin wirkt zudem dämpfend, unter Umständen aber auch euphorisierend: „Der Maximalbefund lag bei 6.250 Mikrogramm Morphin pro Kilogramm Gesamtprobe“, berichtete eine Chemikerin dem Deutschlandfunk.

Das ist sehr viel, vor allem wenn das Mohnbrötchen zum Frühstück von einem Kind verspeist wird. „Wenn ein Kind ungefähr 15 Kilogramm wiegt,  dann schöpft es die sogenannte akute Referenzdosis bereits zu 200 Prozent aus.“

Das heißt: Das Kind würde in diesem Fall doppelt so viel Morphin zu sich nehmen, wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit noch für tolerierbar hält. Für Erwachsene sind sechs Milligramm Morphin angeblich noch nicht gefährlich.

Die Chemiker geben jedoch zu, „dass man bei sensibleren Verbrauchern dann vielleicht tatsächlich in den Bereich, wo eine Wirkung auftritt, kommen könnte.“ Was zum Beispiel ist mit Drogenabhängigen, die durch Mohnbrötchen wieder rückfällig werden könnten? Das Untersuchungsamt beurteilte die auffälligen Brötchen jedenfalls als „nicht zum Verzehr geeignet“.

Die Mohnproben waren australischer Herkunft.  In Australien wird Mohn angebaut zur Gewinnung von Morphin für pharmazeutische Zwecke. Als Abfallprodukt fällt dann Mohnsamen an, der weltweit vertrieben wird und besonders billig ist. Er zeichnet sich durch sehr hohe Opiatgehalte aus. Es lohnt sich also, ihn zu importieren.

Das Problem haben wir deshalb, weil es Bäckereien gibt, die um jeden Preis billiger produzieren möchten. Da macht es dann scheinbar nichts, dass der Mohn, den sie einkaufen, gar nicht für Brötchen bestimmt ist. „Das sind ja dann die Pflanzen-Varietäten, die eben speziell selektiert wurden, um hohe Morphin-Gehalte zu haben. Und nicht die normalen Varietäten, wie wir sie hier in Europa für den Lebensmittelverzehr anbauen“, kommentiertr ein Karlsruher Chemiker.

In zwölf Backwaren mit Mohn entdeckte die Arbeitsgruppe darüber hinaus hohe Gehalte von Thebain. Es zählt ebenfalls zur Stoffgruppe der Opiate. Möglicherweise gehe auch von dieser Substanz in so hohen Konzentrationen eine gesundheitliche Gefahr aus, so die Karlsruher Analytiker. Es sei bekannt, dass Thebain Krämpfe auslösen könne.

Wie kritisch hohe Opiat-Gehalte in Mohnbrötchen für Verbraucher sind, lässt sich laut Deutschlandfunk noch nicht sagen. Die Chemiker in Karlsruhe haben das Bundesinstitut für Risikobewertung um eine Bewertung dieser Gehalte gebeten, weil da einfach noch keine ausreichenden Daten vorliegen. Der rat kann also nur lauten: Finger weg von allen Backwaren die Mohn enthalten.

 

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