Unmut über Umgang der Politik mit Familiien der Todesopfer
Anschlag in München: „Nur von Erdoğan gab es ein persönliches Kondolenzschreiben“

Angehörige der Opfer des Amoklaufes von München übten am Rande der Trauerzeremonie Kritik an vermeintlichem Desinteresse aufseiten der kommunalen Autoritäten. Man wurde spät informiert, durfte erst spät zu den Opfern und bevor Politiker aus München die Hinterbliebenen besuchten, gab es schon persönliche Beileidsbekundungen aus der Türkei.

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München (nex) – Vor einer Woche erschoss ein 18-jähriger Amokläufer mit offenbar fremdenfeindlichem Hintergrund neun Menschen an einem Münchner Einkaufszentrum. Am Dienstag nahmen etwa 500 Menschen Abschied von zwei der Toten, Sevda D. (45) und Selçuk K. (15).

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. (DITIB) München ging den Angehörigen der Opfer bei der Durchführung der Trauerzeremonie in der Sendlinger Schanzenbachstraße zur Hand. Am Rande der Abschiedszeremonie äußerten zahlreiche Anwesende Unmut über den Umgang der örtlichen Behörden und der Politik mit den Familiien der Todesopfer.

Bereits am Freitag, als die Angehörigen von Sevda D. und Selçuk K. von den Schüssen erfahren und sich an den Tatort begeben hatten, wo sie die beiden auch vermuteten, konnte ihnen eigenen Aussagen zufolge niemand Auskunft über deren Schicksal erteilen. Erst am Samstag wurde der Familie mitgeteilt, dass ihre Angehörigen tot seien.

Bis Montag war es ihnen jedoch nicht erlaubt worden, die Leichen zu sehen und so endgültige Gewissheit zu erlangen. Auch habe sich kein örtlicher Politiker bei den Opferfamilien gemeldet, so Haci D., der Ehemann der getöteten Sevda D. – aus der Türkei sei jedoch ein Kondolenzschreiben des Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan eingelangt und Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu habe den Angehörigen telefonisch sein Beileid ausgesprochen.

Das türkische Konsulat unterstützte die Trauernden bei der Vorbereitung der Überführung der Leichname in die Türkei. „Darf man so mit Betroffenen umgehen?“, äußerte sich auch die Vorsitzende des Migrationsbeirates in München, Nükhet Kivran, gegenüber der Zeitung tz.

Im „Migazin“ erklärte Birol Kocaman dazu in einem Kommentar:

„Dringend notwendig wäre auch eine offizielle Geste der Anteilnahme gewesen. Weder das Land Bayern nocht die Stadt München waren bei der Trauerfeier der Opfer anwesend. Bis heute warten die Hinterbliebenen auf ein persönliches Wort. Wie die Angehörigen der Ermordeten berichten, haben sie stattdessen Unterstützung vom türkischen Konsulat erhalten und einen persönlichen Trauerbrief vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan; der türkische Außenminister habe jede betroffene Familie sogar persönlich angerufen. Verwundert es da noch, dass die Toten in der Türkei beigesetzt werden?“

Oberbürgermeister Dieter Reiter erklärte hingegen, dass die Angehörigen am Montag ein Kondolenzschreiben erreicht haben müsse und er darin weitere Unterstützung sowie ein persönliches Gespräch angeboten habe. Man habe die Familien nach dem Amoklauf nicht unangekündigt aufsuchen wollen. Noch am Dienstag soll es ein persönliches Treffen gegeben haben. Für Sonntag ist ein Trauerakt im Bayerischen Landtag anberaumt, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zugegen sein werde.

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