Türkisch-israelische Beziehungen
Treffen zwischen Türkei und Israel in der Schweiz

Am Dienstag empfing der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan Vertreter jüdisch-amerikanischer Organisationen in Ankara. Heute führen Diplomaten in Genf Gespräche. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in den USA, Malcolm Hoenlein, und US-Vizepräsident Joe Biden sollen den zuletzt stockenden Aussöhnungsprozess wieder angestoßen haben.

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Genf (nex) – In die Bemühungen der Türkei und Israels, die seit mehreren Jahren angeschlagenen bilateralen Beziehungen wieder zu normalisieren, scheint Bewegung zu kommen.

Am Dienstag besuchten Vertreter bekannter jüdischer Organisationen aus den USA den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan im Weißen Palast von Ankara. Unter diesen sollen sich Vertreter der Anti Defamation League (ADL) und des Amerikanisch-Israelischen Komitees für öffentliche Angelegenheiten (AIPAC) sowie Malcolm Hoenlein, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde der USA, befunden haben, der als enger Vertrauter des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu gilt.

Am Mittwoch wird es nach Berichten israelischer und türkischer Medien im schweizerischen Genf eine Gesprächsrunde namhafter Diplomaten beider Länder geben. Unter anderem soll der Staatssekretär im türkischen Außenministerium, Feridun Sinirlioğlu, mit nach Genf reisen, um dort an den bereits seit längerer Zeit geplanten Verhandlungen zur Normalisierung der wechselseitigen Beziehungen teilzunehmen.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind bereits seit 2009 angespannt. Damals übte Recep Tayyip Erdoğan, zu jener Zeit der Premierminister und heute Präsident der Türkei, im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos scharfe Kritik an Luftangriffen der israelischen Armee auf den Gazastreifen infolge Raketenbeschusses israelischer Städte. Die diplomatischen Beziehungen wurden 2010 abgebrochen, nachdem israelische Sicherheitskräfte im Juni desselben Jahres ein Schiff der Hilfsflottille „Mavi Marmara“ gestürmt hatten. Pro-Gaza-Aktivisten wollten damit die 2006 nach der Machtübernahme der Hamas verhängte Seeblockade durchbrechen.

Während der Erstürmung kam es zu Zusammenstößen zwischen Aktivisten und israelischen Soldaten, bei denen zehn Menschen, hauptsächlich türkische Staatsangehörige, ums Leben kamen. Erst 2013 kam es auf Initiative des US-Präsidenten Barack Obama wieder zu einer Annäherung, als die israelische Regierung sich für die Todesopfer auf der „Mavi Marmara“ entschuldigte und sich bereit erklärte, über eine Entschädigung der Hinterbliebenen zu verhandeln. Die Türkei hatte diese beiden Punkte sowie eine Aufhebung der Gaza-Blockade zu Voraussetzungen für eine vollständige Normalisierung der Beziehungen benannt.

Der von der Türkei scharf kritisierte neuerliche Gaza-Krieg im Sommer 2014 führte zu einer phasenweisen Aussetzung der Entschädigungsverhandlungen. Israel äußert bis dato auch stets Bedenken hinsichtlich einer Aufhebung der Gaza-Blockade, da man die dort regierende Hamas als Terrororganisation betrachtet und befürchtet, dass Gaza im Falle eines freien Zugangs zu einer Basis für weitere Angriffe gegen Israel werden könnte.

Türkischen Quellen zufolge sei die Vereinbarung so gut wie ausgehandelt. Lediglich in zwei Punkten, von denen einer von der türkischen, der andere von der israelischen Gesprächspartei angesprochen worden sei, gebe es noch Unstimmigkeiten, berichtet die Zeitung „Zete“.

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